Crematory: Oblivion-Tour 2018 11.05.2018 Scheune Dresden

Mit „Oblivion“ haben Crematory in diesem Jahr ein neues Album an den Start gebracht und selbstverständlich muss ein neuer Silberling mit einer ordentlichen Tournee gefeiert werden. Gesagt, getan – am 11.05.2018 war die Formation, zusammen mit Nervenbeisser im Vorprogramm, in der Scheune in Dresden zu Gast und wir waren für euch dabei.

Nervenbeisser

Bei gutem Wetter kamen wir vor Ort an. Die angereisten Fans genossen noch etwas die frühlingshafte Wärme im Freien und so war noch reichlich Platz im Saal, als die Vorband Nervenbeisser loslegte. Während des langen Intros waberte Nebel über die Bühne und blaues Licht ließ uns die vier Musiker kaum erkennen. Frontmann Olaf trug eine Sonnenbrille und gab vom ersten Moment an alles. Der Sound war allerdings etwas dumpf in meinen Ohren, was sich auch nicht so recht bessern wollte den Gig über. Ein absoluter Hingucker war der Bassist der Band – er war so bei der Sache, dass ihm die Spielfreude förmlich ins Gesicht geschrieben stand. „Hallo Dresden“, so die kurze Begrüßung an das Publikum. Gitarrist Walter sang die zweite Stimme, auch wenn er kaum zu hören war. Weiter ging es dann mit dem neuen Stück „Ein letztes Mal“ – hierbei ging es um Momente, die ein Mensch oft nur einmal erlebt, wie etwa im Urlaub „noch ein letztes Mal an den Strand gehen“. Passend zu solchen Augenblicken, wurden die Herren rot von hinten angestrahlt – einem Sonnenuntergang gleich. Olaf forderte die Zuschauer auch direkt auf, doch näher an die Stage heranzukommen, was diese auch taten – nur das Mitklatschen klappte noch nicht so ganz. Und weil das Auditorium eben keine Angst vor ihnen hatte, wurde dann „Deine Angst“ besungen. Die spezielle Spielweise seine Instruments, die der Bassist hier an den Tag legte, beeindruckte mich – auch seine Wildheit, denn er sprang herum  oder er wälzte sich auf dem Boden – cool.

Nervenbeisser

Es folgte der Titeltrack „von unserem aktuellen Album“ – „Zeitenwandel“. Hier klappte es mit dem Beifall im Takt schon etwas besser. Und der Mann am Bass erklomm eine Box, um dann gleich wieder davon an den Bühnenrand zu springen. Leider war der Drummer der Band die ganze Zeit über kaum zu sehen – er stand einfach zu weit hinten auf der Stage im Dunkeln. Walter war hier absolut in sein Solo vertieft und dann sang er den Refrain von „Du gehst“ allein, während Olaf ihn anfeuerte. Bevor dann der „Todesengel“ zu seinen Ehren kam, bedankte sich der Sänger bei Crematory dafür, dass sie mit „zum ersten Mal hier spielen“ dürften. Der Song schließlich war recht düster – sowohl der Text als auch der Gesang von Olaf – und auch das Mitsingen der Fans war schon ganz anständig. Beim Die Ärzte-Cover „Bitte, bitte“ kam das erste Mal im ganzen Raum so etwas wie Stimmung auf, denn viele im Saal sangen mit und es wurde auch getanzt. Und was auch nicht fehlen durfte bei diesem Gig, war „der Titelsong von unserer allerersten CD – Nervenbeisser“. Der Song bot auch orientalische Klänge in Form von Frauengesang, der vom Band kam, wobei die Band sonst eher NDH-Stil und wilde Gitarren bot – das war schon etwas überraschend, aber passte doch sehr gut. Hiernach verbeugten sich die vier mit einem nochmaligen Dank an die Hauptband des Abends.

Weil sie aber noch Bock hatten, animierten sie ihre Fans dazu, doch noch nach einer Zugabe zu rufen. Und die kam dann auch in Form von „Der Feuerteufel“, wo Olaf mit böser Stimme seinen Text schmetterte. Außerdem feuerte er seinen Drummer zu Höchstleistungen an. Auch der Bassist kam noch einmal vollends aus sich heraus und sprang im Takt herum. Doch auch dieser Track war bald gespielt und mit „Danke Dresden“ verabschiedete sich die Band schließlich doch unter Beifall von ihrem Publikum.

Crematory

Nach einer Umbaupause ging es dann schnell weiter. Während des Intros füllte sich der Saal schließlich ganz und es wurde noch wärmer, als es so schon war. Die Zuschauer jubelten, als die Musiker einzeln nach vorn kamen und dann hieß es – „Please welcome Crematory“. Mit den sechs Musikern war die kleine Bühne schon ganz schön voll, aber es das machte gar nichts und so erklang „Salvation“. Frontmann Felix bangte drauf los und die Fans klatschten im Takt mit. Der Sound war hier um Einiges besser als noch zuvor. Auch Gitarrist Tosse zeigte vom ersten Song an, dass er stimmlich gut beieinander war. „Einen wunderschönen guten Abend – wunderschön in unserer Hauptstadt zu sein.“ Das waren die begrüßenden Worte der Band. Als kleine Überraschung hatten sie dann einen Gastsänger parat – Alex von Battlescream – und gemeinsam performten sie „Kommt näher“. Die Stimmung nahm mächtig Fahrt auf und Alex schrie seine Textzeilen nur so raus – obwohl er erkältet war. Am Ende lagen sich die beiden Sänger dankbar in den Armen und der Gast winkte schnell zum Abschied. „Forever Battlescream“ rief ihm Felix noch hinterher, bevor er „Greed“ anstimmte. Hierbei zeigten Bassist Jason und Gitarrist Rolf eine Choreografie, die mich stark an die Herren von ZZ Top erinnerte.

Crematory

„Fucking hell, ist das schön“, so das Urteil der Musiker zur Partylaune im Raum. Damit das so weitergehen konnte, folgte „Revenge is mine“ von der neuen CD – „Man kriegt immer alles zurück, früher oder später“ – schließlich sollten die neuen Klänge ja unters Volk gebracht werden. Die Arme waren hier oben und wirklich jeder feierte gut ab. Tosse war am Mikrofon, während Felix den Augenblick genoss – ihm war der Spaß anzusehen. Nach einem instrumentalen Zwischenspiel ging es dann mit „Tick Tack“ weiter im Programm, wo vor und auf der Stage die Haare nur so flogen. Und wer nicht bangte, sang jede Silbe mit. Nach diesen bekannteren Klängen, wurde es wieder frisch, denn „Ghost of the past“ vom der aktuellen Scheibe wurde präsentiert. Felix kommentierte hierzu – „Apropos Alkohol“, schließlich nahm er immer wieder große Schlucke aus einem kleinen Kanister – auch wenn er immer wieder behauptete, darin sei „Kamillentee“ oder „Pfefferminztee“ – „Prost meine Freunde“. Katrin, die Dame am Keyboard, war hier sehr in ihr Spiel vertieft und selten war ein Lächeln auf ihren Lippen zu sehen. Bei „Ravens calling“ begeisterte Tosse mit seinem Gesang – sogar Felix verbeugte sich am Ende vor ihm. Die Zuschauer applaudierten lautstark und wirklich niemand im Saal war mehr taufrisch – es war so warm, dass Musiker und Fans ordentlich schwitzten. Tosse zeigte uns noch mehr – bei „Pain is the key“ waren nur noch er und Bassist Jason auf der Stage zu sehen und sie gaben alles. Das war eines der Highlights des Gigs für mich! Absolut cool!

Crematory

Doch dann kam auch der Rest wieder nach vorn und Felix stellte sie alle einmal namentlich vor – der Spruch „jeder sollte in seiner Band einen Rock’n’Rolf haben“ sorgte für einige Lacher – genauso wie „Katrin – genannt auch Uschi“. Das folgende Stück „Shadowmaker“ wurde von den Fans lauthals mitgebrüllt – die Stimmung hätte nicht besser sein können. Der Frontmann forderte hiernach noch einmal einen Applaus für die Vorband ein, bevor er „Cemetery Stillness“ anstimmte. Die drei Gitarristen spielten hier Markus an – den Drummer der Formation – bevor sie sich dann zu dritt aufstellten und wieder eine Art Choreo darboten – sie hatten echt ihren Spaß. Im Anschluss kam die Frage: „Wer hat uns schon Mal gesehen?“ Viele zeigten hier ein „Ja“ an. „Und ihr seid trotzdem wieder gekommen? Respekt!“ Felix nahm sich selbst nicht so ernst und das machte ihn echt sympathisch. Und dann meinte er: „It’s time for some Gothic Rock’n’Roll“. Gemeint war hier „The fallen“, wo die Zuschauer letztendlich vollends ausrasteten und auf voller Kehle mitsangen, während der Frontmann sein tiefstes Growlen hören ließ. Nach diesem Spaß zitierte Tosse einen kleinen Text, bevor der „Höllenbrand“ an der Reihe war. Passend dazu waren die Lichter wieder alle auf rot geschaltet. Mit „Immortal“ ertönte dann wieder eines der neuen Stücke, wo die Herren an den Mikrofonen mit absoluter Hingabe sangen – toll gemacht! Den Zuschauern gefiel das wahrlich und der Applaus fiel frenetisch aus. Auch den Musiker gefiel es und so meinten sie: „Was ein schöner Abend“. Sogleich wurde das Depeche Mode-Cover „Black celebration“ dargeboten, wo weiter gefeiert wurde. Als der letzte Ton verklungen war, ließ Felix verlauten: „Vielen Dank, dass ihr hier wart“ und ließ die erste Reihe aus seinem „Tee“-Kanister kosten. Und dann hieß es „Good night!“

Crematory

Das wollten die Fans aber nicht einfach so hinnehmen und so riefen sie lautstark nach noch weiteren Songs. Der Sänger kam allein vor und fragt ungläubig: „Wollt ihr wirklich noch was hören?“-„Jaaa!“ Gaststar Alex kam zu ihm noch einmal auf die Stage und hielt eine kurze Ansprache darüber, dass die Musiker von Crematory echt seien und vollkommen in Ordnung und für ihn persönlich sei ein Gig der Band wie „nach Hause kommen“. Er lobte die alte gemeinsame Zeit, als sie gemeinsam auf Tour waren und er forderte die Zuschauer auf „nichts auf Hater“ zu geben und sich immer selbst ein Bild zu machen bei den Live-Gigs. Gute Ansage! Felix war von diesen Zeilen gerührt – „es war wirklich nicht abgesprochen – danke!“ Dann kamen auch die anderen Musiker wieder mit nach vorn und so konnte es doch noch eine Zugabe geben. Mit „Wrong side“ von der neuen CD „Oblivion“ nahmen sie noch einmal Fahrt auf und die Zuschauer gingen direkt wieder ab.

Wir überließen den Fans nun das Feld und machten uns aus dem Staub. Wir hatten viel Spaß bei all diesen Metal-Klängen und wir kommen gern wieder. Es war ein toller Abend – bis zum nächsten Mal!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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