Dark Storm Festival 2015: 25.12.2015 Stadthalle Chemnitz

Auch in diesem Jahr hatte das Dark Storm Festival in der Chemnitzer Stadthalle geladen und so ging es für uns am 25.12.2015 genau dorthin. Das LineUp war überraschend anders und zeigte sich eher von seiner rockigen, gitarrenlastigeren Seite. Diese Abwechslung, gerade bei den Headliner Bands, war eine großartige Veränderung gegenüber den Vorjahren, nicht das die Bands in der vergangenen Zeit schlecht waren, aber „alle Jahre wieder“ ist nicht unbedingt in jeder Richtung immer der beste Weg.

Unzucht
Unzucht

Die Anheizer an diesem Abend waren Unzucht. Die Hannoveraner haben sehr gut vorgelegt und das Parkett gleich zum Beben gebracht, so dass sich die große Halle schnell füllte. Einer der ersten Songs an diesen Abend war „Deine Zeit läuft ab“. Die vier Jungs gaben alles, um bei ihrem ersten Auftritt in Chemnitz das Publikum von sich zu überzeugen. Das ist ihnen dann auch spätestens mit dem Song „Geile kleine Nonne“ gelungen. Vom neuesten Album „Venus Luzifer“ gab es natürlich auch noch etwas zu hören, nämlich „Engel der Vernichtung“. Es war ein großartiger Auftakt und neue Fans haben Unzucht damit auf jeden Fall gewonnen. Dieser Auftakt hat echt Spaß gemacht.

Tanzwut
Tanzwut

Musikalisch mittelalterlich ging es mit der zweiten Band an diesem Abend weiter. Tanzwut hatten die Bühne gleich im Griff und haben mit Songs wie „Meer“ das Publikum zum Mitmachen animiert. Der überwältigende Anblick von einem wogenden Händemeer, welches sich im Takt der Musik mitbewegte, war der Dank für die Band. Die Berliner haben natürlich gleich noch ihr brandneues Album „Freitag der 13.“ vorgestellt und den Titelsong sowie „Spiegelkabinett“ gespielt. Für diesen Track wurden weder Kosten noch Mühen gescheut und die Stars der Unterwelt, fiese Zombiegestalten, enterten die Bühne. Ach nein, Moment – das waren doch nur Masken. Daumen hoch für Tanzwut – tolle Show.

Eisfabrik
Eisfabrik

Danach ging es in den kleineren Saal der Stadthalle. Huch – was war denn hier los? Hier schien es zu schneien. Hatte da jemand die Klimaanlage zu weit nach unten gedreht, damit es wenigstens drinnen passend zu Jahreszeit schneit? Nein, Eisfabrik hatten ihren Auftritt. Das Hamburger Trio hatte eine coole Lichtshow im Gepäck, das allein war schon das Zusehen wert. Der „Roboter“ kam bei dem Song „Maschinen“ zum Einsatz und hat eine ordentliche Choreografie in seinem LED-Anzug gezeigt. Sänger Dr. Schnee gab alles, um das Publikum zu animieren, doch dieses war leider eher etwas zurückhaltend in Bezug auf Mittanzen, was bei den elektronischen Future-Pop-Klängen allerdings durchaus machbar gewesen wäre.

Beyond the Black
Beyond the Black

Zurück in den großen Saal – zurück zu Gitarren der härteren Gangart. Beyond the Black haben den Chemnitzer Gothic-Fans mal gezeigt, was richtig guter Metal ist. Frontfrau Jennifer, ein echter Blickfang, hat mit ihrer klaren Stimme definitiv eine ganz besondere Atmosphäre gezaubert. Schade, dass sich verhältnismäßig wenig Besucher die Band angesehen haben. Metal-Fans und Headbanger wären hier auf jeden Fall auf ihre Kosten gekommen. Songs wie „When Angels Fall“ und „Songs of Love Death“ waren so energiegeladen, dass ich Lust auf mehr bekommen habe. Die Mannheimer touren im kommenden März als Support für die Scorpions durch Deutschland. Das ist eine super Gelegenheit, die Band live zu erleben. Das lohnt sich, denn dieser Gig war ein sehr schöner Moment auf dem Dark Storm.

Lord of the Lost
Lord of the Lost

Weiter im Programm – weiter mit Lord of the Lost. Die fünf Hamburger hatten kurz zuvor ihre Deutschlandtour zur gleichnamigen EP „Full Metal Whore“ beendet. Vielleicht lag es ja am wochenlangen Tourstress, dass die Band an diesem Abend irgendwie nicht die gleiche Stimmung und Power auf die Bühne brachte, wie es die Fans sonst von ihr gewohnt ist. Zu hören gab es jede Menge – von „Black Lolita“ bis „Fists up in the air“ war alles dabei, dafür hat sich Sänger Chris Harms mit Ansagen eher zurückgehalten. Professionell war die Show auf jeden Fall, aber Neues gab es nicht zu sehen. Sind wir alle mal gespannt auf das kommende Album, an dem die kreativen Köpfe gerade arbeiten. Und mit ein bisschen Glück starten sie im neuen Jahr mit neuer Energie durch. Schade – die Band hat an diesem Abend in meinen Augen leider keine Glanzleistung vollbracht.

Faderhead
Faderhead

Als nächstes war Faderhead am Zug. „Alle Tanzwütigen bitte auf die Tanzfläche!“- so lässt sich der Auftritt vielleicht am besten beschreiben. Der Hamburger hat es seinen Fans auch leicht gemacht sich zu verausgaben, da er von Anfang bis Ende Vollgas gegeben hat. Wer hier nicht ins Schwitzen gekommen ist, hat eindeutig etwas falsch gemacht. Gassenhauer wie „Dirty Girls, Dirty Boys“ oder „TZDV“ haben die Stimmung zusätzlich angeheizt – da darf sich auf das am 12.02.2016 erscheinende neue Album gefreut werden. Aus diesem wurde beim Dark Storm bereits der neue Track „No Gods, No Flags, No Bullshit“ vorgestellt. In diesem Fall dürfte das allerdings nicht jedermanns Geschmack gewesen sein – weniger Partymusik, dafür mehr Aussage. So oder so hat Faderhead die Stimmung hoch kochen lassen und einen tollen Auftritt hingelegt. Danke dafür!

Welle:Erdball
Welle:Erdball

Ein optisches Highlight an diesem Abend boten Welle:Erdball. Fräulein Venus und Lady Lila betraten mit traumhaft schönen Abendkleidern und Flügeln die Bühne. Die vier Elektropopper haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um ihren Fans eine tolle Show zu bieten. Vom häufigen Kleiderwechsel mal abgesehen, gab es auch mächtig was auf die Ohren. Viel Neues war aber leider nicht dabei. Dafür wurden Schokoladenweihnachtsmänner verteilt und zwei Fans durften sich ihre Präsente direkt von der Bühne holen. Sekt und CDs als ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk – eine nette Geste. Bei dem Song „Schweben, Fallen, Fliegen“ war dann Mitmachen gefragt. Die riesigen Luftballons, die die beiden Damen in die Menge schmissen, wurden quer durch die Halle gespielt und dürften bei dem ein oder anderen das Kind in sich geweckt haben. Ein gelungener, schöner Auftritt.

Agonoize
Agonoize

Von romantischen Elektro-Pop zu blutigem Industrial. Agonoize richteten im kleinen Saal in gewohnter Manier ein Blutbad an, welches einigen Fans auch Stunden später noch anzusehen war. Natürlich durften Songs wie „Koprolalie“ nicht fehlen. Bei diesem Gig war einfach nur Kopf ausschalten und Tanzen was die Feierlaune her gab angesagt. Das Bühnenbild war überraschend imposant und hat den morbiden Auftritt noch abgerundet. Die Berliner haben eine grandiosen Darbietung abgeliefert und die besinnliche Stimmung auch aus dem letzten Knochen verjagt. Das war großartig!

Goethes Erben
Goethes Erben

Zurück im großen Saal haben Goethes Erben eine wesentliche ruhigere Show gezeigt. Die Urgesteine der Gothicszene haben weniger ein Konzert als vielmehr ein Theaterstück aufgeführt. Oswald Henke hat bewiesen, dass Genie und Wahnsinn manchmal nah beieinander liegen und seine Lieder nicht nur vorgetragen, sondern gelebt. Ein Song wie „Himmelgrau“ hat dann doch wieder daran erinnert, dass wir uns auf einem Konzert befinden. Die Show war sehr durchdacht – mit Kostümen für die Sängerinnen, Opferalter oder Büchern, deren zerrissenen Seiten über die ganze Bühne flogen – das alles stand im krassen Gegensatz zum Outfit des Großmeisters selbst. Dieser sah eher aus, als ob er gerade erst aus dem Bett gekommen sei – von schickem Outfit keine Spur, doch das war in diesem Fall aber auch gar nicht notwendig. Bis zum Herbst 2016 war dies der vorerst letzte Auftritt der Band und dann geht es wieder auf Tour. Zwischendurch ist Oswald Henke noch auf verschiedenen Lesungen zu erleben. Letzter Song an diesem Abend war „Mensch sein“. Dann war dieser imposante, ausdruckstarke Gig leider vorbei. Schön war es!

Eisbrecher
Eisbrecher

Headliner in diesem Jahr waren Eisbrecher. Die Jungs haben ein tollen Showdown hingelegt und inzwischen müde oder erschöpfte Gemüter noch einmal wach gerüttelt. Gewohnt witzig und frech hat Sänger Alex seine Bandkollegen hochleben lassen und die Zuschauer damit gut unterhalten. Auch ein Kostümwechsel durfte nicht fehlen – so wurde beim Song „This is Deutsch“ noch der schicke bayrische Trachtenhut aufgesetzt und der Deutschlandschal umgelegt – eingefleischten Fans war da bereits klar, was kommen würde. Aber nicht nur Klassiker wurden gespielt, auch Songs vom aktuellen Album „Schock“ gab es auf die Ohren. Das war ein toller Abschluss.

Abschließend kann das Dark Storm Festival, mit allem was es zu bieten hatte, musikalisch, kulinarisch und auch an diversen Kaufmöglichkeiten, als gelungener Jahresabschluss bezeichnet werden. Für die verschiedenen Genres der dunklen Szene gab es in diesem Jahr für jeden etwas. So abwechslungsreich darf es die nächsten Jahre gern weitergehen. Wir sind gern wieder mit an Bord.

Autor: Nicky

Photos: Chrounos

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