E-Werk Ost 2016: 04.03.2016 Reithalle Dresden

Der März startete in Dresdens beliebtestem Club mit einem Festival, was schon im vergangenen Jahr für Furore gesorgt hatte. Am selben Wochenende wie das E-Tropolis in Oberhausen luden der Bunker und die Konzertagentur Dresden zum E-Werk Ost Festival und wir waren natürlich mit dabei. Bei strahlendem Sonnenschein, aber ziemlich kalten Außentemperaturen erreichten wir die Elbestadt und kämpften uns durch den Berufsverkehr zur Strasse E, da das Festival schon am späten Nachmittag beginnen sollte. Der Einlass in die Reithalle erfolgte durch den Bunker, der im Anschluss an die Konzerte auch die Aftershowparty bestritt. In der Reithalle war es mollig warm, wenn auch noch ziemlich leer – was an der Uhrzeit gelegen haben kann. Nicht jeder kommt zum Freitag Nachmittag rechtzeitig genug von seiner Arbeitsstelle weg, um schon gegen 17 Uhr in Dresden zu sein.

Battle Scream
Battle Scream

So spielte die erste Band auch vor einer ziemlich überschaubaren Zuschauerschar. Dabei waren Battle Scream als Lokalmatadoren durchaus in der Stimmung für eine fette Party, die die anwesende Fanbase zwar gern mitfeierte. Aber so richtig überspringen wollte der Funke dann auch wirklich nur auf die Leute, die den Platz vor der Bühne füllten. Der Rest des Publikums hielt sich noch an den Bars an seinen Getränken fest. Die Musiker ließen sich dadurch aber nicht den Abend vermiesen, sondern bretterten mit heftigen Sounds drauflos. Battle Scream erinnern mich persönlich immer ein wenig an ganz alte Pitchfork-Lieder – kratzig, mit Ecken und Kanten und verzerrter Stimme. Dabei klingt die Stimme von  Sänger Alex auch ohne Effekte ganz gut, wie er bei „Paranoid“, dem  zweiten Titel des Sets, bewies. In der halben Stunde Spielzeit ging es für die Herren quer durch die komplette Diskographie, auch vom neuen Album „Virus Mensch“ gab es was auf die Ohren – der Titeltrack wurde auf dem E-Werk Ost live vorgestellt. Die Formation musste an diesem Abend allerdings ohne ihren Drummer Heiko auskommen, der mit 40° Fieber im Bett lag und nicht mit auf der Bühne stehen konnte. Alex schickte einen Gruß an ihren Mitstreiter raus und Battle Scream brachten auch ganz ohne Livedrums ihre Fans zum Tanzen und Mitklatschen. Und der Applaus aus den ersten Reihen konnte sich hören lassen, was die Jungs auf der Bühne sichtlich freute und zum Grinsen brachte. Mit einem knappen „Viel Spaß noch, Leute!“ verabschiedeten sich die Opener und verschwanden hinter der Bühne, auf der sofort der Umbau für den nächsten Gig begann.

Henric de la Cour
Henric de la Cour

Als nächstes stand Wave made in Schweden auf dem Programm. Henric de la Cour, der schwedische Sänger mit dem französischen Namen, war in Dresden zu Gast und war uns im Vorfeld wärmstens empfohlen worden. Der Mann mit der Oldschool-Gruftifrisur traf auch genau meinen musikalischen Nerv. Schwermütig wie in den 80ern klangen seine Tracks aus den Boxen, seine zwei Livemusiker bewegten sich nur sporadisch mit und an ihren Instrumenten und der Frontmann selbst erinnerte mich an Andrew Eldritch von den Sisters of Mercy in seinen besten Zeiten. Da wir die Formation das erste Mal sahen, kann ich zu den gespielten Titeln leider nur wenig sagen. Fakt ist, dass Henric de la Cour die mittlerweile doch zahlreichen Besucher des Festivals beeindruckte, wie der Applaus nach den Liedern bewies. Hier und da wurde im Takt mitgewippt und nicht nur die ersten Reihen hingen an den Lippen des Sängers. Da war die Spielzeit von 30 Minuten fast zu schnell vorbei – für uns persönlich eines der Highlights des Abends. Auch wenn der Schwede nicht gar zu gesprächig war, aber die Musik hat uns wirklich abgeholt, wie es auf Neudeutsch heißt. Good Job!

Assemblage 23
Assemblage 23

Wieder wurde in Windeseile umgebaut, wir gingen kurz Luft schnappen und mussten uns nun schon durch eine Menge Leute schlängeln. Doch pünktlich zum nächsten Act standen wir wieder bereit und begrüßten, zusammen mit dem Publikum, Assemblage 23 aus Seattle. Tom Shear, der dieses Projekt bereits vor knapp 30 Jahren ins Leben rief, stand zusammen mit einem Drummer auf der Bühne und freute sich sichtlich über den Empfang. Future-poppig ging es dann auch direkt los und mit den ersten Klängen begannen viele Zuhörer zu tanzen. Assemblage 23 sind ein bisschen wie die amerikanische One-Man-Antwort auf VNV Nation. Flächige Sounds, eine tolle Stimme und treibende Beats schallten durch die Reithalle, in der es immer wärmer wurde. Jeder Song wurde ordentlich beklatscht und die gute Stimmung des Sängers war förmlich ansteckend. Der verriet dann auch, dass er am 28.08.2016 ein neues Album veröffentlichen wird und spielte daraus den Track „Bravery“, um die Vorfreude noch ein Stück zu steigern. Wir überließen den Tanzenden das Feld und begaben uns vor die Location, um etwas zu essen. Schließlich wollten wir nicht vor Entkräftung umkippen, bevor das Festival zu Ende war. So verpassten wir zwar das Finale des Assemblage 23-Sets, aber nicht den Beginn der nächsten Band. Nichtsdestotrotz kommen wir nicht umhin zu sagen, dass der Mann aus Seattle einen soliden Auftritt hingelegt hat, danke dafür!

Legend
Legend

Ein eingeblendetes Logo verkündete uns nun Electronic Music aus dem hohen Norden Europas. Die Band Legend, die schon auf dem NCN für viel Lob sorgte, kommt nämlich aus Island. Sänger Krummi und sein Kollege Halldòr hatten wie immer bei Liveauftritten Unterstützung von Drummer Jòn und so betraten die drei zu einem Intro die Bühne. Doch plötzlich brach die Musik ab, da war wohl angebissenes Obst auf dem Laptop schuld. Es dauerte einige Minuten, bis die technischen Probleme behoben waren, doch die Band nahm es mit Gelassenheit. Es gab einen kurzen Neustart (ohne Intro) und Legend schlugen das Publikum in ihren Bann. Auch diese Band hatten wir noch nicht vorher gesehen oder gehört und so wurde die zweite persönliche Premiere an diesem Abend auch zu unserem zweiten persönlichen Highlight. Eine Formation, die die Bude förmlich abreißt, ohne dafür allzu viel zu tun, als auf der Bühne zu stehen und ihre Tracks zu spielen, gehört sicherlich zu den Könnern. Und auch, wenn die Musik von Legend eher nicht zum schnellen Mittanzen anregt, beeindruckte uns der Sänger mit seiner stimmlichen Vielseitigkeit, seinem offensichtlichen Herzblut beim Singen und den eingängigen Beats, die sich ins Ohr bohren. Gut zu wissen, dass Legend gerade wieder an einem Album arbeiten, diese Band ist wirklich super! Nach 35 Minuten war der Auftritt allerdings schon zu Ende, was einige im Publikum zu „Zugabe!“-Rufen animierte, die jedoch ungehört blieben, obwohl laut Running Order noch 10 Minuten Zeit gewesen wären. Schade!

Die unverhoffte Pause von einer halben Stunde nutzten wir, um das Merchandise im Vorraum der Halle in Augenschein zu nehmen. Neben zwei großen CD- und Plattenständen mit einem unüberschaubaren Angebot gab es jedoch nur einen winzigen Stand des Headliners in der Halle, die anderen Bands hatten nichts Eigenes dabei, was einige Fans und auch wir bedauerten. Die Bars hatten in der Umbaupause auch gut zu tun, unsere Suche nach einem Kaffee blieb jedoch leider erfolglos.

Hocico
Hocico

Kurz nach 21 Uhr waberte Nebel auf die Bühne und zwei Gestalten in Morphanzügen, ausgestattet mit schwarzen Flügeln und roten Masken, nahmen an den seitlich aufgebauten Trommeln Platz. Die Musik setzte ein und die beiden trommelten mit LED-Trommelstöcken drauflos, was das Zeug hielt. Der Hocico-Frontmann Erk war zwar zu hören, aber der Platz am Mikroständer war leer. Dafür flimmerte plötzlich ein Video auf der Leinwand im Hintergrund, in dem der Sänger zu sehen war und er sang wohl offensichtlich den ersten Track. Leider wurde ein Teil des Videos von den unbesetzten Drums verdeckt. Ich war verwirrt! Am Ende des Liedes kam Erk in seinem gewohnten Bühnenoutfit nach vorn und ließ sich beklatschen und feiern, denn Hocico-Fans waren jede Menge vor Ort. Schließlich kam auch sein Mitstreiter Racso nach vorn, die beiden Teufelchen verschwanden und es ging direkt in die Vollen. Das mexikanische Düsterelectro-Duo hielt sich gar nicht lange mit irgendwelchen Reden auf, sondern pfefferte einen hämmernden Track nach dem anderen raus. Die Leute tanzten und sangen mit, immer wieder waren Arme im Publikum oben. Die Fans feierten zusammen mit Erk, der immer wieder seine Zunge rausstreckte, zu den Hits der Band. Hocico war übrigens auch einer der beiden Acts an diesem Abend, die vollständige Videoprojektionen laufen ließ. Die anderen Band hatten sich mit den entsprechenden Bandlogos begnügt, aber der kleine Mexikaner zog alle Register. Nur schade, dass im Hintergrund das bereits erwähnte Drumset stand und einen Teil der Leinwand verdeckte. So war nicht immer alles zu sehen. Da ich eh nicht der Riesen-Hocico-Liebhaber bin, verzogen wir uns in den Zwischengang der Halle, wo es zumindest nicht ganz so laut war, um den einen oder anderen Freund zu treffen und mit den Fotokollegen zu plauschen. Vor der Bühne jedoch steppte der Bär, Erk und Racso brachten nicht nur sich selbst ins Schwitzen, sondern auch die vielen Tänzer im Saal. Von fehlender Stimmung konnte jedenfalls keine Rede sein! Erk bedankte sich auch ganz artig bei seinen Fans und dem Publikum in Dresden, bevor er und sein Kollege sich nach einer knappen Stunde verabschiedeten. Das nahmen auch einige im Publikum zum Anlass, die Veranstaltung vor dem eigentlichen Headliner zu verlassen und so leerte sich die Reithalle zusehends.

Front Line Assembly
Front Line Assembly

Der letzte Gig des Abends gehörte dem Electro-Urgestein Frontline Assembly aus Kanada und nur die hartgesottenen Fans waren nun noch anwesend. Mit einiger Verspätung betraten die Musiker die Bühne, mit großer Freude wurde registriert, dass auch Rhys Fulber den Weg in die sächsische Metropole gefunden hatte. Frontmann Bill Leeb hatte sein Gesicht mit einer silbernen Maske bedeckt, aber Singen ging trotzdem und die Fans ließen sich auch gar nicht lange um Applaus bitten. Nun ist der Sound von Frontline Assembly nicht jedermanns Sache, was auch am abnehmenden Publikum sichtbar war. Aber die verbliebenen Zuschauer in der Reithalle feierten ihre Helden mehr als gebührend. Die Leute klatschten, pfiffen und zelebrierten zusammen mit der Band ihren Höhepunkt des Abends. Unserer war es leider nicht, der Stil der Kanadier trifft nun mal nicht unseren musikalischen Nerv. Aber da sich ja über Geschmack trefflich streiten lässt, überließen wir die Party den Fans und verließen die Reithalle noch vor Mitternacht.

Das E-Werk Ost Festival war wie schon im vergangenen Jahr eine schöne Veranstaltung, die für jeden Besucher etwas in petto hatte. Positiv ist uns aufgefallen, dass sowohl Einlass als auch Garderobe und Bar flott und zuvorkommend arbeiteten. An dieser Stelle möchten wir uns auch bei der Konzertagentur Dresden und dem Bunker für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Die Halle war muggelig warm, was bei den herrschenden Außentemperaturen eine wahre Wohltat war und der Umweg über den Club beim Einlass sorgte dafür, dass kein Stau entstand. Nicht so toll fanden wir allerdings, dass es an keiner der Bars (und auch an den beiden Versorgerständen vor der Halle) möglich war, einen Kaffee zu bekommen. Und bei Cola, als alternativem Koffeinlieferant, musste der Besucher ganze 4 Euro für 400 ml hinblättern, was in unseren Augen ganz schön übertrieben ist, zumal nicht jeder Gast den ganzen Abend lang Bier trinken möchte – aus welchen Gründen auch immer. Wir kommen trotzdem gern wieder nach Dresden und danken für den netten Abend in der Reithalle beim E-Werk Ost Festival!

Autor: Pitchfairy

Photos: Michi

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