E-Werk Ost 2017: 01.04.2017 Reithalle Dresden

Am 01.04.2017 luden die Reithalle in Dresden und die Konzertagentur Dresden zu einer weiteren Ausgabe des E-Werk Ost Festivals in die Elbestadt. Das Line-Up versprach eine tanzlastige Party und so machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf nach Sachsen, um den Abend für euch genau unter die Lupe zu nehmen und natürlich auch, um mitzutanzen und zu feiern.

Channel East

Als sich die Türen der Reithalle um 16 Uhr öffneten, tröpfelten die Besucher zunächst in die Halle, doch bis zum Beginn der ersten Band füllte sich das Auditorium zumindest bis gut zur Hälfte. So konnten Channel East als Opener den Abend gegen 17 Uhr entspannt eröffnen. Das Cottbusser Duo war schon länger nicht zu Gast in Dresden und betrat sehr unspektakulär die Bühne. Um ehrlich zu sein, dachte ich zunächst, es wären noch die Techniker, die letzte Hand anlegen. Das kommt davon, wenn die Redakteurin eine Band noch nie gesehen hat. Toni und David fingen also mit ihrem Set an und spielten gut eine halbe Stunde, in der leider nur die ersten Reihen wirklich mitgingen. Es gab Applaus und einige tanzten auch schon mit, aber so richtig Stimmung wollte nicht aufkommen. Das lag mit Sicherheit auch daran, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Halle nur knapp zur Hälfte voll war und sich die meisten mehr für ihre Getränke und ihre Smartphones interessierten. Musikalisch boten Channel East allerdings auch keine wirklichen Highlights. Der Mix aus Discofox und Synthpop war mir persönlich fast ein bisschen zu langweilig und ich hatte auch den Eindruck, dass es dem Publikum ähnlich ging. Schade!

Machinista

Nach einer kurzen Umbaupause ging es mit Machinista aus Schweden weiter. Diese Formation, die aus den Musikern von Cat Rapes Dog und Vision Talk besteht, konnte an diesem Tag übrigens die Fans mit der weitesten Anreise vorweisen, denn es gab Besucher aus Finnland im Publikum, die extra wegen der Schweden nach Dresden gekommen waren. Machinista überzeugten schon mit ihrem Auftreten, zumal sie den Gitarristen BRD (sprich: Bird) mit auf der Bühne haben, der immer mit einer Rabenschädelmaske auftritt.  Zudem spielten sie zum ersten Mal zu viert, denn ein Livedrummer vervollständigte die Band. Der Sound von Machinista ist sehr eingängig, abwechslungsreich und tanzbar. Die Formation selbst bezeichnet es als „electronic-pop“, was ich ohne Abstriche unterschreiben würde. Es ging einmal quer durch das Repertoire der Herren. Sänger John, der zu Beginn noch im langen Mantel auf der Bühne stand, legte im Laufe des Sets denselben ab und bewegte sich zwischen BRD und seinem Keyboarder Rickhard immer hin und her. Johns Tanzeinlagen regte auch das Publikum zum Tanzen an und so wippten viele im Saal mit. Besonders gefielen mir die zweistimmigen Gesangsparts von John und Rickhard. Es gab anständigen Applaus und die Stimmung wurde immer besser. Leider hatte die Band nur eine reichliche halbe Stunde Spielzeit, so dass der Gig sehr schnell vorbei war. Vielen Gästen schien es jedoch gefallen zu haben, denn der Merchstand der Combo wurde regelrecht gestürmt, um sich eine CD mit nach Hause zu nehmen. Good job, Machinista!

Enter and Fall

Die dritte Band des Festivals war Enter and Fall, die ich schon eine ziemlich lange Zeit nicht live gesehen hatte. So kam Sänger David nun in Begleitung von seinen zwei Livekeyboardern Toni (Channel East) und Markus (Solitary Experiments) auf die Bühne und zeigte, dass die Band auch als Soloprojekt funktioniert. Soundmäßig bewegt sich Enter and Fall im Bereich Elektro/EBM, ich war außerdem positiv überrascht von dem Gig. Ich hatte die Formation eher ruhig und getragen in Erinnerung, aber David präsentierte ein sehr tanzbares Set, was durch einen souveränen Gesangspart seinerseits noch aufgewertet wurde. Der Frontmann animierte das Publikum auch immer wieder zum Mitklatschen, was gut funktionierte und die Stimmung anheizte. Selbstverständlich kamen auch Tracks wie „So much to see“ und „Aufsicht Ost“ zu ihren Ehren, was die Fans sichtlich freute und dem Set noch den letzten Kick gab. Insgesamt überzeugte die Band sowohl musikalisch als auch mit Präsenz und hat sich an diesem Abend sicherlich noch ein paar neue Fans erspielt.

Torul

Mittlerweile war es in der Halle ziemlich voll und auch warm geworden, was sicherlich zum Teil an den gläsernen Oberlichtern liegt, die die letzten Sonnenstrahlen wie ein Wintergarten bündelten. Die vielen Tänzer taten ihr Übriges und brauchten nun eine kurze Verschnaufpause, während auf der Bühne umgebaut wurde. Als nächstes standen nämlich Torul aus Slowenien auf dem Plan und das Trio, welches im letzten Jahr einen neuen Sänger bekam, ist immer ein Garant für viel Bewegung vor der Bühne. Bandgründer und Namensgeber Torulsson nahm Aufstellung an seinen Keys, Sänger Maj bezog Stellung am Mikro und Borut griff zur Gitarre. In rotes Licht getaucht ging es fluffig-poppig los und schon wurde wieder im Publikum mitgewippt, geklatscht, gesungen und getanzt. Im Verlauf des Sets bekam Torulsson auch hin und wieder Unterstützung von Maj an den Tasten. Die Band spielte sowohl Stücke vom aktuellen Album „Reset“, so wie die brandneue Single „Monday“, als auch Titel wie „In Whole“ und alle versetzten sie die Fans in gute Stimmung. Wie zu erwarten, absolvierten Torul einen überzeugenden Auftritt, der vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurde. Auch die Band hatte viel Spaß und bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Daumen hoch für Torul, das war sehr schick!

Sono

In der Pause versorgten wir uns mit Currywurst und Pommes, leider dem einzigen Gastronomieangebot vor der Reithalle, um die Akkus kurz aufzufüllen, denn auf der Bühne wurde schon fleißig für SONO auf- und umgebaut. Die Hamburger Formation um Frontmann Lennart A. Salomon bewegt sich eher im Dance- und Housebereich, hat aber auch viele Fans in der Electroszene und so konnte die Party auch in Dresden starten. Im Gepäck hatten SONO ihr aktuelles Album „Backyard Opera“, aber auch die Hits der Band durften nicht fehlen. Der Breakbeat von SONO ging auch direkt allen in die Beine. Lennart, der mit Jackett und Hemd auf die Bühne kam, legte schnell ein Kleidungsstück nach dem anderen ab, so dass er schon nach dem vierten Track nur noch in Unterhemd und Hose auf der Bühne zu seiner eigenen Musik mittanzte. Was die Hamburger da ablieferten, war zwar irgendwie ein Stilbruch im Line-Up, aber die Festivalbesucher feierten mit der Band eine Houseparty vom Feinsten. Die Fans sangen mit, klatschten im Takt, ließen sich von der Musik mitnehmen und tanzten sich die Füße heiß. Kein Wunder, dass SONO sich von der Stimmung mitreißen ließen und ihr Bestes gaben. Zwischendurch griff Lennart auch mal zur Gitarre und rockte zusammen mit seinen Kollegen ab, was das Zeug hielt. Das war ganz großes Tennis, meine Herren!

Solitary Experiments

Auf den folgenden Act hatte ich mich besonders gefreut, denn Solitary Experiments stand auf dem Plan. Die Berliner Band, die immer in roten Hemden auftritt, trat mit dem „neuen“ Mann am Keyboard auf – Markus nimmt seit einiger Zeit den Platz von Steve Graeber ein, der die Formation vor Kurzem verlassen hat. Noch vor dem Auftritt gab es ein paar technische Schwierigkeiten, die jedoch schnell behoben waren und dann konnte es losgehen. Die Fans warteten schon ungeduldig und mit dem ersten Ton tanzte das Publikum. Dennis, Michael, Frank und Markus wurden mit viel Applaus empfangen. Musikalisch gab es eine Art Best Of-Show, so dass die Stimmung von Anfang bis Ende nicht abebbte. Vor und auf der Bühne wurde geklatscht, gesungen, getanzt und gefeiert. Die Fans waren auch sehr textsicher, was Sänger Dennis sichtlich freute. Jeder angekündigte Track wurde bejubelt, das Auditorium spendete viel Applaus. Auch der neue Titel „I am“, den die Band vorstellte, kam sehr gut an. So ein bisschen entstand der Eindruck, dass diese Band eine Art „secret headliner“ stellte an diesem Abend, denn nach dem Set verließen auch etliche Besucher die Veranstaltung, so dass es im Saal nicht mehr ganz so voll war. Vielen Dank an Solitary Experiments – euer Auftritt war definitiv ein Highlight!

Melotron

Nach dieser schweißtreibenden Aktion war erst einmal Luftschnappen angesagt, zumal draußen vor der Reithalle mittlerweile angenehmere Temperaturen herrschten als drinnen. Auf der Bühne wuselten derweil die Techniker, um alles für Melotron vorzubereiten. Die verbliebenen Gäste warteten gespannt und als die Band die Bühne betrat, gab es zunächst einigen Beifall. Aber irgendwas war komisch. Sänger Andy sah ein wenig verwirrt aus und begrüßte im Glitzerjackett das Publikum. Leider gab es mit dem Mikro Probleme, so dass er schlecht zu verstehen war, als die Musik einsetzte. Das wurde akustisch zwar nach einer Weile besser, aber was da geboten wurde, gefiel mir persönlich so gar nicht. Vielen im Publikum ging es wohl ähnlich, denn die seltsamen Ansagen des Sängers und die teilweise sehr schiefen Töne während der Lieder machten wirklich keinen Spaß. Da nützten auch alle Dave Gahan-artigen Tanzeinlagen nichts, die wohl nur einem Teil des Publikums gefielen. Vor der Bühne gab es einige, die unbeirrt weiterfeierten, aber die meisten gingen an die Bar oder vertraten sich anderweitig die Beine. Auch ich begab mich nach den ersten Tracks wieder nach draußen, wo ich Rickard von Machinista in die Arme lief und mich den Rest des Sets mit ihm unterhielt. Als ich von draußen den Titel „Brüder“ hörte, wollte ich der Band eine Chance geben, aber auch bei diesem Lied, was ich an sich sehr mag, klangen die Lyrics so falsch, dass ich wirklich enttäuscht war. Sorry, Melotron, das war nix!

Diorama

Headliner des Abends waren Diorama, die nun mit einiger Verspätung auftreten sollten. Zuvor gab es noch den obligatorischen Aprilscherz, bei dem Sänger Torben ein gebrochenes Bein angedichtet wurde, aber selbstverständlich war dem nicht so. Der Saal war wieder etwas voller als beim vorherigen Gig, also konnte es direkt losgehen. Und das haben Band und Publikum sehr wörtlich genommen. Torben stand mit geschlossenen Augen am Mikro und sang mit viel Herz. Die Bandmusiker rockten sich die Seele aus dem Leib und die Fans vor der Bühne sangen selig grinsend mit und tanzten. Im Hintergrund lief eine Videoprojektion, aber die wurde fast zur Nebensache, denn das Publikum hatte nur Augen und Ohren für Diorama. Da wurde jeder Text mitgesungen, wie verrückt getanzt und geklatscht und nach dem Liedern ordentlich Beifall gespendet, was den Musikern wiederum ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Mit diesen Bildern vorm geistigen Auge verließen wir die Reithalle, um Richtung Heimat zu fahren – ebenfalls lächelnd, denn der Abend war ein wahres Tanzfest!

Fazit des dritten E-Werk Ost-Festivals: Sechs von acht Bands haben mir wirklich gefallen und viel Spaß gemacht. Ich habe viel getanzt, tolle Leute getroffen, jede Menge gute (und leider auch nicht so gute) Musik gehört, nette Gespräche geführt und insgesamt den Abend genossen. Ich bemängele, dass es in der Reithalle keinen Kaffee gab (mimimi), der hat mir gefehlt an so einem langen Abend.
Aber alles in allem war das Festival großartig und wir danken an dieser Stelle dem Team der Reithalle und der Konzertagentur Dresden, dass wir dabei sein durften. Wir planen den Besuch beim nächsten E-Werk Ost schon mal fest ein und auch ihr solltet euch das nicht entgehen lassen im nächsten Jahr.

Autor: Pitchfairy

Photos: Michi

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