Eisbrecher: Open Air 2019 30.08.2019 Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz

Eisbrecher live zu erleben, ist immer ein Erlebnis und schon deswegen freuten wir uns, als die Münchner Band am 30.08.2019 im Wasserschloss Klaffenbach in Chemnitz zu Gast war. Als Support hatten sich Faelder angekündigt.

Faelder

Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir an und freuten uns mit den zahlreichen erschienenen Fans auf das Kommende. Zuerst kämpften wir noch ein wenig mit all den Wespen im Innenhof des Schlosses, doch dann betrat Alex, Frontmann von Eisbrecher, die Bühne und alles war nebensächlich. Er hatte einen kleinen Obstkorb bei sich und warf die Früchte nach und nach ins Publikum. Mit den Worten: „Wir brauchen mehr Felder, wo Obst drauf wächst“, kündigte er die Vorband an. Mit diesem Lacher verschwand er dann auch schon wieder und Kai Niemann und seine Kollegen kamen bei einem Intro nach vorn. Ein knappes „Guten Abend“ musste erst einmal als Begrüßung genügen und schon wurde „Wo ist das Meer“ angestimmt. Der mehrstimmige Gesang klang super – überhaupt war der Sound echt klasse. Drummer Specki grinste und die Gitarristen Sebastian und Adrian, die eine Sonnenbrille trugen, rockten mit ihrem Sänger um die Wette. Zu „Halt die Welt fest“ wurde dann auch schon mitgeklatscht – die Stimmung war echt gut. Kai lief immer wieder hin und her und stand auch mal ganz am vorderen Bühnenrand, wo er mit geschlossenen Augen sang. Im Anschluss verriet er, dass dieser Abend die letzte Show „mit den Superjungs von Eisbrecher“ sei und so bedankte er sich für die tollen Tage bei Eisbrecher selbst und bei der Crew – „Falls ihr mal `ne Crew braucht – die kann ich echt empfehlen.“

Faelder

Dann kam „Unheilbar“ zu seinen Ehren, wo der Sänger den Text mit Gestik und Mimik untermalte. Seine tiefe Stimme beeindruckte auch bei „Weinendes Herz“, wobei er von unten angeleuchtet wurde, was gut aussah. Auch die restliche Lichtshow war wahnsinnig toll anzusehen. „Wir sind übelst stolz, hier zu sein“, so der Frontmann. Das folgende Stück „Ich bin schon tot“ sei „was zum umsichtig Mitschunkeln“ – was das Publikum direkt als Aufforderung verstand. Am Ende stand Kai in einem Scheinwerferkegel und feuerte die Menge an, die die Arme oben hatte. Weiter ging es dann mit „Nie wieder“ an dessen Ende der Sänger auf die Knie fiel. Keyboarder Henning war leider zumeist im Dunkeln und so kaum zu sehen. Mit einer Einladung auf die eigene Tournee leitete Kai zu „Nur ein Mensch“ über, wo die gute Laune der Zuschauer auch auf der Bühne spürbar schien, denn alle Musiker strahlten nur so. Hiernach ließ es sich der Frontmann nicht nehmen, auf die am folgenden Tag stattfindende Landtagswahl in Sachsen hinzuweisen: „Geht unbedingt hin und versucht, das Richtige zu tun.“ Passend zum Sonnenuntergang, der hinter der Stage den Himmel färbte, stimmte die Formation mit „Licht von dir“ eine Ballade an. Dabei wurden sie in lila und weißes Licht getaucht. Feuerzeuge und Handys erleuchteten die Herren aus dem Publikum. Kai verausgabte sich ein letztes Mal und bedankte sich am Schluss noch einmal bei allen Beteiligten. Nach einer gemeinsamen Verbeugung und Winken verabschiedete sich Faelder von uns – Zugabe-Rufe, die leider nicht erhört wurden, begleiteten sie von der Bühne. Das war doch mal ein guter Start in den Abend – toll gemacht!

Eisbrecher

Dann wurde umgebaut und ein großes Banner verwehrte den Blick auf die Stage. Die Fans waren schon richtig heiß und klatschten sich in Stimmung. Als das Banner fiel, war der Jubel groß. Die Drums von Achim standen auf einem großen Podest. Darunter war eine Tür, durch die Frontmann Alex die Bühne betrat. Er und seine Kollegen trugen Uniformen und gingen mit „Verrückt“ direkt in die Vollen. Die Arme im Auditorium waren von Anfang an oben und feierten ihre Helden. „Wir waren lange nicht da“, so Alex. „Auf einen schönen Abend!“ Das ließen sich die Zuschauer nicht zweimal sagen und tanzten zu den Klängen von „Phosphor“ drauf los. Bei den Momenten, wenn die Gitarristen Noel, Jürgen und Rupert ihr Können zeigten, zog sich der Sänger ein wenig zurück und überließ seinen Kollegen das Feld am vorderen Bühnenrand. „Wer wissen will, was Stimmung ist, muss in den Osten kommen“, so kommentierte Alex die Partystimmung im Schlosshof. Dann legte er seine Sonnenbrille beiseite – „nun bin in blind“ – und der „Antikörper“ erklang. Hierbei wurden überall Fäuste im Takt gen Himmel gereckt. Die Lichtshow war auch hier echt super – ein Dank an dieser Stelle an „Lichtgott“ Martin. Die Gitarristen wurden von unten angestrahlt, während von hinten weißes und grünes Licht die Band in Szene setzte. Der Sänger lief immer wieder über die Stage und stand auch schon Mal oben bei Achim auf dem Podest. Dann zog er seine Uniformjacke aus und rockte zu „Fehler machen Leute“ mit allen Anwesenden um die Wette. Ein blauer Lichterstern sah hier gut aus und wurde von den Fans beklatscht.

Eisbrecher

„Ich hoffe, am Sonntag wird viel mehr richtig als falsch gemacht. Nicht, dass wir am Ende wieder `nen antifaschistischen Schutzwall brauchen.“ Das waren Alex Worte zur bevorstehenden Wahl und er bekam für diese Worte viel Beifall. „Augen unter Null“ war an der Reihe und hier kam auch Rupert mal an den Bühnenrand – stand er doch ansonsten meist im Hintergrund auf den Stufen des Podestes. Die Stimme des Kapitäns war hier wieder einmal grandios. Dann wurde kurz umgebaut – vier Ölfässer standen nun im Blickfeld und alle Herren, außer dem Sänger, griffen zu dicken Trommelstöcken. So gerüstet gaben sie „Amok“ zum Besten, indem sie im Gleichtakt auf die Fässer eindroschen, was nicht nur gut klang, sondern auch noch unfassbar genial aussah – für mich eines der Highlights des Konzertes. Diesem folgte sogleich ein Weiteres, denn nach einem weiteren Umbau, begann es auf einmal zu „schneien“. Die ersten Reihen des Publikums hatten auf einmal überall weiße Tupfen auf den Köpfen und Schultern.

Eisbrecher

Die Band bespielte hierzu die „Eiszeit“. Alex hatte seinen Eispickel in Händen und trug seine dicke Winterjacke, genauso wie die Gitarristen. Die Menge sang lautstark mit, was die Herren auf der Stage freute. „Es gibt sie – Wunder! Es schneit verdammt nochmal im August.“ Für diesen Effekt ging ein Dank an die Crew, an den Licht- und den Tonmann und alle ehrenamtlichen Helfer, die diesen Konzertabend möglich gemacht hatten. Nach „So oder so“ gab es „Leider“ „aus dem Jahre 1249“ auf die Ohren und die Fans feierten so richtig ab. Bei „Prototyp“ tanzte der Frontmann mit den Zuschauern – mal vorn bei den Gitarristen, mal auf den Stufen und mal bei Achim oben am Schlagzeug. Und auch zu „Himmel, Arsch und Zwirn“, wo der Text lauthals mitgebrüllt wurde, tobte der Sänger über die Stage, um am Ende des Liedes vorn auf die Knie zu fallen. Er verausgabte sich regelrecht für uns. Die Arme blieben gleich oben, als „1000 Narben“ erklang. Die Scheinwerfer flackerten einem Blitzlicht gleich im Takt umher, während Alex im Bühnengraben auf und ab ging, um das Publikum den Text singen zu lassen – „Ihr könnt den Text ja noch schlechter als ich“ meinte er scherzhaft dazu. Dann wurde am Bühnenrand ein weiteres Podest aufgebaut und Alex kam in Lederhose und Trachtenjacke nach vorn, um seine Mundharmonika zu spielen. Anschließend stimmte er jodelnd „This is Deutsch“ an. Achim war so Feuer und Flamme, dass er im Stehen spielte. Zu seinen Beats schossen Nebelfontänen gen Himmel und „the Außenminister der Musik – Mr. Noel in the house“ gab sein Solo zum Besten. Die Menge tobte und feierte die Herren von Eisbrecher gebührend. In diesem Jubel winkten die Musiker dann aber auf einmal und verabschiedeten sich von uns.

Eisbrecher

Das wollte das Chemnitzer Publikum nicht hinnehmen und forderte lautstark eine Zugabe ein. Rote Notlichter erklommen auf der Stage und mit einer Lampe in der Hand kam der Frontmann wieder nach vorn, was bejubelt wurde. Mit einem Uniformmantel und einer Mütze bekleidet, verkündete er „Volle Kraft voraus“. Der mehrstimmige Gesang kam super an und schon war die Party wieder voll im Gange. Bei „Was ist hier los?“ wurden mit Nebel und Scheinwerfern tolle Effekte erzielt und das Armemeer vor der Bühne vervollkommnete das Gesamtbild. So geht gute Konzertstimmung! Und ein Lied durfte an diesem Abend auf keinen Fall fehlen – das „Miststück“ hatte nun seinen Auftritt und die Zuschauer waren mehr als glücklich darüber. Alex Kommentar zu diesem Track: „Es gibt nur eine Rasse, die es wert ist, dass man ihr ein Lied widmet.“ Die Massen sangen jede Textzeile mit, während der Sänger sich zwischen die Beine von Rupert legte und weitersang. Dann wechselte die Melodie auf einmal zu einem Song von Clawfinger, um dann mit dem „Miststück“ fortzufahren – cool gemacht. „Danke Klaffenbach – es lebe der Osten!“ Noel hielt einen Ton besonders lang und gab ein Solo am Bühnenrand, bei dem er wegrutschte und in den Bühnengraben fiel. Er hat sich aber glücklicherweise nichts getan und tauchte schnell wieder auf der Stage auf, wo er beklatscht wurde. Die Gitarristen beendeten das Finale mit fulminanten Tönen. Doch ein Lied konnte doch noch zu seinen Ehren kommen – bei rotem und blauem Licht erklang der „Herzdieb“. Alex feierte die gute Stimmung im Hof des Wasserschlosses und kam gar nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Dann verschwanden die Herren einer nach dem anderen in der Tür unter den Drums, jedoch nicht, ohne sich mit einer Verbeugung und Winken von uns verabschiedet zu haben. Aus den Boxen schallte derweil „Junge, komm bald wieder“.

Eisbrecher

Dann kamen sie alle fünf doch noch einmal nach vorn, doch nicht, um noch ein Lied zu spielen. Alle hatten sie einen Stoffeisbären in Händen, die nach und nach in die Menge geworfen wurden. „Es war ein wahnsinnig geiler Abend – danke!“ Mit diesen abschließenden Worten verabschiedete sich die Band von uns und auch wir sagen Danke für diesen gelungenen Gig. Es gab nichts auszusetzen und so machten wir uns schließlich zufrieden und glücklich auf den Heimweg. Und wieder einmal hatte Eisbrecher bewiesen, dass sie eine richtig gute Liveband sind – seid ihr beim nächsten Mal auch mit dabei?! Wir auf jeden Fall…

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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