Festival-Mediaval 2015: 11.-13.09.2015 Goldberg Selb – Tag 3

Carpe Noctem
Carpe Noctem

Unser dritter Festivaltag startete nach dem Frühstück mit Carpe Noctem aus Jena. Die junge Band hatte 2014 den Goldenen Zwerg in der Kategorie „Mittelalter-Rock“ abgeräumt und durfte nun den Sonntag eröffnen. Die Jungs, die gerade ihr aktuelles Album „Schattensaiten“ per Crowdfunding finanziert haben, erinnerten mich spontan an Apocalyptica. Einziger Unterschied zu den Finnen ist, dass Carpe Noctem mit Friedrich Busch einen eigenen Sänger haben, der nebenbei auch noch Violine spielt. Dazu kommen zwei Celli, ein Schlagzeug und ein Bass. Fertig ist die String Metal-Formation und dass die Herren aus Thüringen was können, bewiesen sie eindrucksvoll als Opener des dritten Tages. Die anwesenden Metalheads ließen zusammen mit der Band die Haare fliegen und die durchaus schon zahlreich erschienenen Besucher applaudierten oft und lange. Ein sehr gelungener Start in den Tag, wie wir fanden, und die Erkenntnis, dass Carpe Noctem den Zwerg im vergangenen Jahr zu Recht bekamen. Falls ihr die Band einmal treffen solltet, schaut euch ein Konzert oder einen ihrer unzähligen Straßenmusikauftritte an – es lohnt sich!

Irxn
Irxn

Von Irxn aus Bayern bekamen wir nur wenig mit. Ein kurzer, aber typischer Selb-Moment jedoch beeindruckte mich. Während die Band auf der Schlossbühne spielte und ich mich im Pressezelt auf das nächste Interview vorbereitete, sah ich in der benachbarten Flüchtlingsunterkunft einen Mann zur Musik von Irxn auf dem Balkon tanzen. Die Münchner Formation spielt Folkrock mit Texten auf Bayrisch, aber der Mann auf dem Balkon genoss einfach die Musik, ohne ein Wort zu verstehen, und zauberte mir damit ein Lächeln ins Gesicht.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Mit diesem Bild im Kopf begab ich mich zum Schäferwagen der Band Saitenweise, wo ich mit Tini und Judith (aka PurPur) sowie Sarah und Mii (aka Saitenweise) verabredet war, um über ihr gemeinsames Projekt KlangGespinst und dessen aktuelles Album „Zankapfel“ zu sprechen. Das Ergebnis dieser Zusammenkunft könnt ihr euch auf unserem Videokanal anschauen. Danach besuchten wir den Tross, das größte Lager in Selb, und begutachteten noch einmal in aller Ruhe die Marktstände des Festivals.

Ganaim
Ganaim

Dann ging es wieder einmal den Goldberg hinauf zur Schlossbühne. Dort standen Ganaim (ausgesprochen: ge-näim) auf dem Programm – das ist das neue Projekt des Versengold-Musikers Pinto von Frohsinn und seiner Saskia. Zusammen spielen die beiden traditionellen Irish Folk mit Geige, Flöten und Bodhran. Zur Unterstützung war in Selb noch Gitarrist Zorny dabei, der mittlerweile auch offiziell zur Band gehört und damit aus dem Duo ein Trio gemacht hat. Ganaim tauchten erst seit Anfang des Jahres in der Musiklandschaft auf, brachten schon ein Debütalbum heraus und wollten nun den Goldberg zum Tanzen animieren. Und das ist Pinto, Saskia und Zorny auch super gelungen! Mit ihren irischen Jigs, bretonischen Tanzmelodien und auch mal einem melancholischen Instrumentalstück verzauberten Ganaim bei strahlendem Sonnenschein das Publikum und lieferten einen richtigen Gute-Laune-Gig. Die Leute vor der Bühne konnten gar nicht genug bekommen, Pinto bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und der anhaltende Applaus sprach eine sehr deutliche Sprache. Das war sehr an-Ganaim!

Wadokyo
Wadokyo

Der Stilbruch zur nächsten Formation konnte nicht größer sein, denn auf verspielten Irish Folk folgten nun die Taiko-Trommler von Wadokyo aus Düsseldorf. Die Truppe um Frank Dubberke war erneut in Selb zu Gast. Vor der Burgbühne hatten sich bereits viele Zuschauer versammelt und warteten gespannt. Zu sechst, und damit in quasi „kleiner Besetzung“, betraten die Trommler die Bühne und nahmen hinter den großen roten Taiko-Trommeln Aufstellung. Was nun folgte, war ein wahres Feuerwerk an Rhythmus, Power und purer Spielfreude, die den Akteuren anzusehen war. Die Trommeln dröhnten über den Goldberg und riefen auch den letzten Besucher zur Bühne, der Applaus nach den einzelnen Stücken wollte nicht abreißen. Sehr beeindruckt hat mich, neben der Musik, die scheinbare Leichtigkeit, mit der die Frauen und Männer trommelten. Das sah nicht anstrengend aus, auch wenn es das sicherlich ist, denn den Akteuren lief der Schweiß über das Gesicht. Auch Franks Solo an der größten Trommel im Hintergrund der Bühne versetzte nicht nur mich in Staunen. Ein sehr, sehr großartiger Auftritt, der uns so gut gefallen hat, dass wir die Truppe im Spätherbst noch auf ihrer Tour besuchen werden, um eine Fulltime-Show mitzuerleben.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Wir begaben uns als nächstes zum Kinozelt, denn wir hatten einen Geheimtipp bekommen. Vor der letzten Vorführung des Films „Mara und der Feuerbringer“ trafen Norri, Castus, Jordon und Hatz von Corvus Corax am Ort des Geschehens ein. Im Gepäck hatten die Musiker, die bereits in ihren Bühnenoutfits steckten, selbstverständlich ihre Instrumente, denn es wartete eine Überraschung auf die Besucher des Films. Zusammen mit Tommy Krappweis performten die Herren aus Berlin den Mara-Titelsong „Ein echter, wahrer Held“, der im Original von Schandmaul eingespielt wurde. In dem relativ kleinen Kinozelt, das in den Nächten auch für die Aftershowparties genutzt wurde, hatten die fünf Musiker kaum Platz vor den Bankreihen. Aber das tat dem Ganzen keinen Abbruch und es wurde wieder einer dieser typischen Selb-Momente. Das Publikum sang den Refrain mit und so kamen wir in den Genuss einer „Special version“ des Songs. Es blieb danach auch noch kurz Zeit für einen Plausch mit Tommy, der sich durchweg positiv über das Festival äußerte und erzählte, dass die Filmvorführungen während des Wochenendes alle bis auf den letzten Platz besetzt waren, was ihn natürlich sehr freute.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Wir lenkten unsere Schritte in die Goldbergbucht, um uns dort mit einer leckeren Mahlzeit und einem letzten Kokosnusscocktail zu versorgen. Der letzte Festivaltag forderte so langsam seinen Tribut und wir mussten uns vor dem Endspurt ein bisschen ausruhen. So bekamen wir aber auch endlich einmal das Finale der Show der Flint’s Buccaneers mit und durften dabei sein, als die Kanone „Betty Boom“ abgefeuert wurde. Danach gab es Jolandolos Gauklershow. Der Österreicher war das ganze Wochenende auf dem Festival unterwegs, aber irgendwie hatten wir seine Auftritte immer knapp verpasst. Ich gebe zu, seine Sprüche treffen nicht jedermanns Humorzentrum, aber ich persönlich habe oft schmunzeln müssen.

The Dolmen
The Dolmen

Für uns hieß es jedoch schon gleich wieder loslaufen, denn auf der Burgbühne traten The Dolmen aus Großbritannien auf. Die selbsternannten „medieval pirates“, die optisch eher an Indianer erinnerten, spielten eine Mischung aus Folk-, Piraten- und Rockmusik. Mir persönlich ging das Ganze zu sehr in Richtung Santiano, was ich den Briten aber nicht absprechen kann, ist ihre Fähigkeit, das Publikum vom ersten Ton an mitzureißen. Gerade Bassistin Kayleigh und Sänger Taloch versprühten soviel gute Laune, dass diese auf die Zuschauer übersprang und fast jeden zum Tanzen und Springen animierte. Dem Publikum hat dieser Gig also offensichtlich viel Spaß gemacht, ich fand die Feierlaune und die Spielfreude der Band super, musikalisch haben mich The Dolmen leider nicht zu 100% überzeugt.

Impressionen FM 2015
Impressionen FM 2015

Vor dem letzten Konzert des Festivals schauten wir noch kurz beim Tauziehwettbewerb vorbei. Das Team von UnArt sollte eigentlich aktiv mitmachen, musste aber auf Grund personeller Unterbesetzung die Teilnahme absagen. Sieger war am Ende das Helferteam des Festivals, das die Jungs der Orga-Vertretung gnadenlos besiegte. Außerdem trafen wir in der Bucht auch die Gewinner des Goldenen Zwergs in der Kategorie Spielmann, der ging nämlich 2015 an Skaluna aus Niederbayern, die mit ihrem Auftritt zum Newcomer-Award das Publikum und die Jury von sich überzeugen konnten. Wir gratulieren an dieser Stelle sowohl den Tauziehern als auch der Band noch einmal zum Sieg!

Corvus Corax feat. Wadokyo
Corvus Corax feat. Wadokyo

Gegen 19.30 Uhr versammelten sich noch einmal alle Besucher an der Schlossbühne, um mit Corvus Corax das FM-Abschlusskonzert 2015 zu zelebrieren. Die Formation aus Berlin trat, wie schon vor zwei Jahren, zusammen mit Wadokyo auf, um dem großen Schlagwerk noch mehr Wucht zu verleihen. Es wurde eine Jubiläumsshow zum 25. Bandgeburtstag geboten. Alte und neue Stücke der Kolkraben kamen zu ihren Ehren und bei soviel Bühnenerfahrung bleibt mir eigentlich nur eins zu sagen: Corvus Corax haben es einfach drauf! Gut gefallen hat mir auch die überdimensionierte Drehleier, die von gleich zwei Musikern bedient werden musste und einige Male zum Einsatz kam. Insgesamt stimmte hier einfach alles, nicht umsonst werden die Herren als „Urgestein der Mittelaltermusik“ bezeichnet. Großes Kino und ein würdiger Abschluss des Festivals, auch wenn wir die Show nicht bis ganz zum Ende angeschaut haben, denn wir mussten uns auf den Heimweg machen. So ließen wir uns von Corvus Corax noch musikalisch bis zum Auto begleiten und verließen Selb mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Es war wieder ein sehr schönes Wochenende in Franken. Die Wettergeister haben es durchweg gut mit uns gemeint, auch wenn die Abende schon recht kühl wurden. Wie jedes Jahr haben wir uns als Festivalgäste rundum wohl und als Presse gut umsorgt gefühlt. Die musikalische Auswahl bot für jeden Geschmack etwas und das umfangreiche Rahmenprogramm sorgte für allerlei Kurzweil. Leider haben wir als Pressevertreter immer kaum Zeit für ein längeres Verweilen an bestimmten Orten, in diesem Fall wären ein oder zwei Klone der eigenen Person sicherlich nützlich, um auch wirklich alles zu sehen oder mitzuerleben, wie zum Beispiel das Bogenturnier, die Workshops oder die Vorführungen der Lager und der Falknerei. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Bläcky und seinem Team für ein großartiges Festival-Mediaval 2015 und hoffen, auch im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Dann gibt es ein Balkan Special und die ersten Bands sind auch schon veröffentlicht. Wir freuen uns also auf Dikanda, Heimataerde, Fiddler’s Green, Qntal, L.E.A.F. und viele andere mehr. Tickets für 2016 könnt bereits jetzt bestellen, bis zum 31.12.2015 erhaltet ihr die sogar zum Early-Bird-Preis von 77 Euro. Also, wir sehen uns in Selb, oder?

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Autor: Pitchfairy

Photos: Michi, Scratchcat & Chrounos

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