Festival-Mediaval 2018: 06.-09.09.2018 Goldberg Selb – Tag 1

Bereits zum elften Mal fand im September das Festival-Mediaval statt, das sich im Laufe der Jahre zu einem festen Programmpunkt und zu einem der schönsten Saisonabschlüsse im deutschen Festivalkalender entwickelt hat. In diesem Jahr stand das Event unter dem Motto „Best of 10 Years Festival-Mediaval“ und dementsprechend prall gefüllt war auch das Line-Up auf dem Goldberg in Selb. Dieser Tatsache war auch geschuldet, dass das Festival bereits am Donnerstag Nachmittag begann und wir waren mittendrin.

Winterstorm

Nach der obligatorischen Eröffnung durch Blaecky und sein Team sowie der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt, die auch gewohnt lang ausfiel, startete das FM mit den Jungs von Winterstorm ins Festivalwochenende. Die fränkische Powermetalformation, die einst hier auf dem Goldberg den Newcomerwettbewerb gewann und sich seitdem eine erkleckliche Fanbase auf den Metalevents dieser Republik erspielt hat, fuhren alles auf, was sie so an heftigen Beats und Riffs zu bieten haben. Sänger Alex und seine Mitstreiter schafften es quasi vom ersten Ton an, das schon zahlreich erschienene Publikum für sich einzunehmen. Da flogen die Haare in den ersten Reihen, es wurde lautstark mitgesungen und getanzt, was das Zeug hielt. Musikalisch gab es bei Winterstorm – passend zum Festivalthema – ein Best Of der Band und so war dieser Auftritt ein gelungener Start ins Wochenende.

Jonny Robels hingegen – der im Übrigen einer unserer FM-Tipps war – wirkte auf der Burgbühne, wo er als erster Künstler des diesjährigen Festivals seinen Auftritt bestritt, etwas verloren. So ganz allein auf einer vergleichsweise großen Bühne zeigte er zwar sein musikalisches Können, jedoch fanden wir ihn an dieser Stelle deplatziert. Jonny Robels „wirkt“ mehr auf den Märkten oder der Theaterbühne, dort kann er mehr aufs Publikum eingehen und schafft es eher, den Funken überspringen zu lassen. Schade drum, das hatte der Harfenspieler nicht verdient!

And Then She Came

In der Zwischenzeit wurde es langsam schon Abend und auf der Schlossbühne machten sich And Then She Came bereit, den Goldberg zu rocken. Die Krypteria-Nachfolgeband war zwar zum ersten Mal auf dem Goldberg, aber Ji-In und ihre Jungs gastierten bereits 2011 in Selb. Und ähnlich energiegeladen wie der damalige Gig war auch das Goldberg-Debüt der neuen Formation. Frontfrau Ji-In bestach mit schicken Bühnenklamotten, die jedoch nach dem ersten Titel in Windeseile gewechselt wurden, unfassbarer Spielfreude und so hatten sie das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton voll im Griff. Und das ließ sich willig zum Tanzen, Klatschen und Mitsingen animieren. Metal und Rock haben eben in Selb auch ihren Platz und werden vom Publikum dankbar angenommen. Wir ließen die Massen feiern und suchten uns ein Abendessen, bevor es in die Nacht ging.

Lesung Luci van Org

Den nächsten Bandauftritt verpasste ich zu Gunsten einer Lesung von Luci van Org im Literaturzelt. Liebevoll wird dieses seit letztem Jahr von Amandara M. Schulzke aus Berlin betreut und zieht die Leseratten an wie das Licht die Motten. Luci van Org freute sich jedenfalls sichtlich über die vielen Interessierten, die bereits geduldig auf ihre Lesung warteten. Zu hören gab es, neben ein paar Ausschnitten aus Lucis aktuellem Buch „Die Geschichten von Yggdrasil“, auch einige Lieder, die thematisch ebenfalls zur nordischen Mythologie passten. Die Zuhörer hingen an den Lippen der Berliner Künstlerin und spendeten reichlich Beifall.

Session Luci van Org, Tommy Krappweiss & Schattenweber

Das Zelt füllte sich mit der Zeit auch immer mehr, denn im Anschluss an Lucis Lesung sollte noch eine Session mit Tommy Krappweis stattfinden, die Augenzeugenberichten zufolge auch extrem lustig und erfolgreich über die Bühne ging. Zusammen mit den Schattenwebern wurden hier gleich mehrere Songs in einer ganz speziellen FM-Version dargeboten – unvergleichlich gut!

Corvus Corax Fantastical

Uns zog es schon wieder weiter, denn auf der Schlossbühne führten Corvus Corax ihr Fantastical „Der Fluch des Drachen“ auf. Das Publikum ließ sich mitnehmen auf die Reise des jungen Schmieds Adamas, der am Ende natürlich das Mädchen bekommt. Klar sind die Melodien vergleichsweise massentauglich und die Story wurde durch die verknappte Spielzeit auch arg zusammengestrichen. Aber die Inszenierung war nichtsdestotrotz auf dem Goldberg richtig aufgehoben. Die Musiker von Corvus Corax zeigten, dass sie nicht nur Musik machen können, sondern auch schauspielerische Qualitäten besitzen. Sprecher Johannes Steck als Erzähler, Katja Moslehner als Prinzessin Marlies und Ji-In Cho in zwei verschiedenen Rollen unterstützen die Könige der Spielleute bei ihrem Stück und das Publikum zollte dem Ganzen ordentlich Applaus. Mir persönlich hat jedoch diese Version nicht wirklich gefallen. Da hätte ich mir gewünscht, das Stück ans Ende des Programms zu stellen und in voller Länge aufzuführen.

Elfenthal

Den Co-Headliner des Abends gaben Elfenthal, die bereits zum vierten Mal in Selb weilten. John Kelly und seine Frau Maite Itoiz freuten sich sichtlich, wieder da zu sein, hatten jedoch ein paar Probleme mit dem Sound, was den Beginn des Auftritts etwas verzögerte. Aber die Zuschauer harrten geduldig aus und begrüßten sowohl die Band als auch die Tänzer mit viel Beifall, als es dann endlich losging. Der symphonische Rock, den die beiden auf die Bühne bringen, wird immer wieder mit irisch-folkigen Einflüssen gemischt. Da kann John Kelly seine Wurzeln nicht vergessen und das soll er auch nicht. Wer allerdings die Show im letzten Jahr schon einmal gesehen hatte, wurde an diesem Tag nicht wirklich überrascht. Als Jubiläumsshow zum 10. Bandgeburtstag angekündigt, gab es eine Mischung aus den Highlights der Band inklusive Irish Dance-Einlagen von John und fetten Gitarrenriffs von Maite. Wir ließen uns eine Weile darauf ein, wiegten uns im Takt und klatschten Beifall, verließen aber noch vor Ende des Auftritts den Ort des Geschehens, denn wir wollten pünktlich zum nächsten Konzert an der Schlossbühne sein.

Subway To Sally

Als Tagesabschluss standen Subway to Sally auf dem Plan, die ich in den letzten Jahren nicht so häufig gesehen hatte. Umso überraschter war ich von einer Band, die irgendwie frischer auf der Bühne stand, als ich sie in Erinnerung hatte. Ein gut gelaunter Eric Fish punktete mit einem Mix aus alten und neueren Stücken. Ally Storch, die seit dem Weggang von Frau Schmidt den Violinenpart übernommen hat, wirbelte mit Haaren und Geige über die Stage und begeisterte mit Präsenz und vor allem sichtlicher Spielfreude. Zwischen den Klassikern der Band kündigte der Frontmann auch ein neues Album mit dem schlichten Titel „Hey“ an, mehr verriet der Potsdamer aber noch nicht. Dafür wurde das „Kleid aus Rosen“ zelebriert, die „Eisblumen“ wurden zum Teil vom Publikum besungen, natürlich kam der SCHREI zu seinen Ehren und alles in allem war das ein würdiger Headlinerauftritt. Die Zuschauer feierten Subway to Sally und die Band nahm den Applaus zufrieden lächelnd entgegen. Gut gemacht, liebe Potsdamer!

Voller Eindrücke ging es zurück in unsere Unterkunft, um unsere Akkus (die von den Kameras und die von uns) aufzuladen, schließlich lagen noch drei Tage vor uns und wir waren sehr gespannt, was da noch auf uns zukam.

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Autor: Pitchfairy & Plumä

Photos: Michi & Chrounos

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