Festival-Mediaval 2018: 06.-09.09.2018 Goldberg Selb – Tag 2

Heiter bis Folkig

Der zweite Tag des Festivals startete zwar mit Sonnenschein, jedoch kündigten sich schon die ersten Wolken über dem Goldberg an und so wurde es zunehmend ungemütlicher. Heiter bis Folkig absolvierten ihren Openerauftritt an diesem Tag gewohnt souverän und witzig auf der oberen Bühne. Unterdessen schlenderten wir jedoch über das Gelände und nahmen die zahlreichen Händler- und Handwerkerstände unter die Lupe. Der erste Regen des Tages trieb uns zurück ins Trockene, will sagen ins Backstage, wodurch wir das Best Of von Knud Seckel verpassten.

BerlinskiBeat

Nach Kaffee, Kuchen und nunmehr wieder ohne Wasser von oben warteten wir nun auf Berlinski Beat, die bereits zum dritten Mal in Selb gastierten und zum Tanz baten. Die 20er-Jahre-Ballhausklassiker der Berliner Band schallten über den Platz und das Publikum ließ sich auch gar nicht lang bitten und tanzte sich die Kühle des Tages aus den Knochen. Auf der Bühne wurde der Trompeter Jordon feierlich aus der Band verabschiedet, da er für Berlinski Beat aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht und in Zukunft nur noch mit Corvus Corax auftreten wird. Doch diesen letzten Auftritt in Selb ließ er sich nicht nehmen und so wurde das Ganze ein rauschendes Tanzfest, wenn auch mit Liedern, die dem Publikum schon sehr bekannt waren. Wirklich neues Material hatte die Formation nämlich nicht zu bieten, da sich die Musiker in den letzten Monaten auf das Fantastical und das neue Kolkraben-Album konzentriert hatten.

Triskilian

Nach soviel Bewegung vor der Bühne mussten wir dringend ein paar Kalorien zu uns nehmen und so saßen wir bei einem leckeren Essen auf der Schlemmermeile, plauderten mit anderen Festivalgästen und hörten nur von weitem die Klänge von Triskilian, die auf der Burgbühne das Publikum begeisterten und auf mindestens ebenso viele Tänzer blicken konnten wie Berlinski Beat kurz zuvor.

Omnia

Der folgende Programmpunkt sollte etwas ganz  Besonderes werden, denn Omnia – welches aktuell nur noch aus Steve und Jenny selbst besteht – hatten sich mit befreundeten Musikern zum Omnia -Kollektiv zusammengeschlossen, um den diesjährigen Selbauftritt zu meistern. Bereits beim Soundcheck war der Platz vor der Bühne gefüllt, wie sonst nur während der Konzerte. Erschwerend kam auch ein heftiger Regen dazu und so wurde das wartende Publikum zunächst nass bis auf die Unterwäsche und auf der Bühne gab es einige technische Probleme. Außerdem wartete Mastermind Steve Sic tatsächlich den Guss ab, bevor es losging. Die Band und ihre Mitstreiter, die aus Formationen wie Shireen, Seeed, Euzen und Irfan kamen, wurden frenetisch begrüßt und was dann folgte, war ein Omniakonzert, wie ich persönlich lange keines erlebt hatte. Ohne viel Tamtam, dafür mit ganz viel Spielfreude, alten Stücken und durch die vielen Mitwirkenden ungewohnte Einflüsse zelebrierten Omnia das, was die Band für mich ausmacht. Es gab keine endlosen Zwischenansagen, keine Selbstbeweihräucherung, sondern eben nur Musik und auch jede Menge paganen Geist – ich war positiv überrascht, denn so habe ich die Band vor über 10 Jahren kennen- und schätzen gelernt. Danke dafür!

Qntal

Auch die nächste Formation stand fest in unserem Plan, denn Qntal machten sich auf der unteren Bühne schon bereit. Die Musiker konnten auf zahlreiches Publikum blicken, das sich mittlerweile in warme Jacken gehüllt hatte. Der Abend in Selb wurde nämlich empfindlich kühl, aber die elektronischen Klänge von Qntal trugen dazu bei, sich ein wenig warm zu tanzen. Musikalisch ging es – passend zum Festivalmotto – quer durch die Alben der Regensburger Band. Sigrid, Michael, Mariko und Markus präsentierten neben Klassikern wie „Veni, veni“ und „Ad Mortem festinamus“ auch einen besonderen Remix zu „Frühling“, der durch Sounds vom Bergwerkkonzert im vergangenen Jahr eine außergewöhnliche Note bekam und direkt ins Tanzbein ging. Besonders gefallen haben uns auch die Stücke, zu denen Markus Heitz die Texte beigesteuert hat und schließlich der Gastauftritt von Beatrice Baumann, die die Show mit ihrer Kontaktjonglage vervollständigte. Alles in allem haben Qntal unsere Erwartungen mehr als erfüllt und verdienen dafür ein fettes Dankeschön.

Faun

Auch Faun, die auf der Schlossbühne den Headliner gaben und ihr 15. Bandjubiläum feiern wollten, reihten sich an diesem Abend in die Festivalhighlights ein. Im Gegensatz zum vorigen Jahr, in dem der Drehleierspieler Stefan Groth leider aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte, stand die Band um Frontmann Oliver Satyr 2018 vollzählig auf der Bühne. Vor der Stage war das Publikum ebenfalls vollzählig versammelt. Wie bereits im vergangenen Jahr absolvierten Faun diesen Gig professionell und unaufgeregt, deswegen aber nicht etwa langweilig. Wie es sich für ein Jubiläumskonzert gehört, war die Setlist ein buntes Potpourri aus alten und neueren Stücken und die Bühnenshow inklusive spektakulärer Feuersäulen einer Geburtstagsparty würdig. Stephan Groth brillierte mit einem Drehleier-Loopmaschinen-Solo, welches einem Matt Howden in nichts nachstand und speziell mich extrem beeindruckte. Die Musiker waren samt und sonders sehr entspannt und die gute Laune der Band sprang bereits nach kurzer Zeit auf die Zuschauer über, die die Faune heftig beklatschten und mit ihnen feierten. Well done, Faun!

Drachenfeuer Drache Fangdorn

Auf dem Weg zur Burgbühne bogen wir noch einmal kurz zur Arena ab, um uns die Drachenfeuershow des Drachen Fangdorn anzuschauen und wurden, genau wie die vielen anderen Zuschauer, sofort verzaubert. Drachenpapa Guido Peter, besser bekannt als der Elf Herr Blüterich, erzählte die Geschichte vom Drachenschatz und zur Musik von Omnia, Zaz und dem Diva-Dance aus dem Film „Das 5. Element“ zeigten die Schausteller ihre Künste mit allerlei Feuerspielzeugen und der Drache spuckte lange Flammen in die Nacht. Da leuchteten nicht nur die Kinderaugen im Publikum!

Euzen

Mittlerweile war die Nacht schon weiter fortgeschritten, aber es wartete noch ein spezielles Konzert auf uns – Euzen hatten für das Festival-Mediaval ihren einzigen Auftritt in Deutschland angekündigt und das durften wir selbstverständlich nicht verpassen. Für Soundgenie Christopher Juul war es bereits der zweite Gig an diesem Tag, denn er hatte zuvor schon bei Omnia das Kollektiv mit seinen Obertongesängen und diversen instrumentalen Einlagen unterstützt. Nichtsdestotrotz zeigte sich die dänisch-norwegische Band voller Energie und die wartenden Fans konnten den Beginn kaum abwarten. Sängerin Maria nahm das Publikum vom ersten Ton an gefangen und so entführte Euzen den Goldberg ins Land des Crossover-Folkpop. Unterstützt von einer sehr sehenswerten Lichtperformance ging es auch hier quer durch die Diskographie der Formation, die durch zwei neuere Tracks aufgepeppt wurde, wobei mich persönlich der Titel „Hourglass“ zu Tränen rührte und mir diverse Gänsehautmomente bescherte, die nichts mit der nächtlichen Kälte zu tun hatten. Nach Aussage von FM-Organisator Blaecky war dies der am besten besuchte Nachtauftritt einer Band in der Geschichte des Festivals – zu Recht, wie wir feststellen. Leider hatte die Band nur einen 60-Minuten-Slot, so dass das Konzert in den Augen der meisten Besucher viel zu kurz ausfiel. Bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass Euzen demnächst das schon im vergangenen Jahr versprochene neue Album auf den Markt bringen. Außerdem haben wir die Gewissheit, die Dänen bereits 2019 wieder in Selb zu sehen, denn dann werden sie mit ihrem Projekt Heilung zu Gast sein und DAS wird sicherlich etwas Besonderes.

Fröstelnd fuhren wir nach dem doch recht langen Tag zurück in unsere Unterkunft – die Köpfe voll mit Eindrücken und im Ohr noch den einen oder anderen Sound des Abends. Bereits nach dem zweiten Tag war uns bewusst, dass dieses Best Of-Festival wirklich voller Highlights steckte und so waren wir gespannt auf die beiden kommenden Festivaltage.

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Autor: Pitchfairy & Plumä & Scratchcat

Photos: Michi & Chrounos

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