Festival-Mediaval 2018: 06.-09.09.2018 Goldberg Selb – Tag 3

Der Samstag verwöhnte die Besucher des Goldbergs mit bestem Festivalwetter und viel Sonne. Nicht nur das gute Wetter zum Wochenende verstärkte bei uns den Eindruck, dass in diesem Jahr wohl der Besucherrekord erneut gebrochen werden könnte. Die Vielzahl an hochkarätigen Bands und Künstlern hatte wohl noch mehr Besucher nach Selb gelockt als im vergangenen Jahr. Und der Samstag war quasi gespickt mit großen Namen.

Pampatut

Den Anfang machten PurPur (aka FM-Inventar), die bereits kurz vor dem Mittagessen den Tag eröffneten und auf ein zahlreich versammeltes Publikum herunterschauen konnten und dieses wie immer restlos begeisterten.  Auch die Herren von Pampatut, in diesem Jahr mit lautstarker Drumunterstützung durch Timmy, konnten sich über mangelnde Zuschauer nicht beschweren und brachten die Menge mit ihrer Situationskomik zwischen den einzelnen Liedern zum Lachen.

Ballycotton

Wir schlenderten über den sonnigen Goldberg und verweilten an den Handwerkerständen, ließen es uns beim Tross gut gehen und lauschten von weitem den Klängen von Ballycotton, die auf der Burgbühne auftraten. Vor der Bühne tanzten die Menschen in der Mittagssonne oder lagen auf den Wiesen und genossen den Tag. Unser Weg führte uns auch zur Theaterbühne, wo sich Heiter bis Folkig in der Zwei-Mann-Urformation die Ehre gaben und das zahlreich anwesende Publikum bestens unterhielten.

Lesung Christian von Aster

Mit vielen Gesprächen und tollen Begegnungen flog der Nachmittag an uns vorbei, so dass wir fast die Christian von Aster-Lesung im Literaturzelt verpassten. Gerade noch rechtzeitig bekamen wir einen Platz im proppenvollen Zelt und lauschten dem Autor. Er stellte unter anderem „Das Drachenbuch“ vor, das bereits im August erschienen war. Mit viel Witz und jeder Menge Sprachakrobatik bannte der Wahl-Leipziger die Zuhörer, die keinen Blick von seinen Lippen lassen konnten. Wir waren begeistert! Falls ihr einmal die Gelegenheit habt, diesen Mann live zu erleben – nutzt sie, es lohnt sich!

Schandmaul

Nach diesem Ausflug in die literarische Welt der Kobolde und Drachen mussten wir dringend etwas essen, damit der vor uns liegende Abend nicht mit knurrendem Magen bestritten werden musste. Frisch gestärkt begaben wir uns dann zur Schlossbühne zum Akustikauftritt von Schandmaul. Auf der Bühne war ein Tresen aufgebaut, an dem Gäste aus dem Publikum Platz nehmen durften, die an diesem Tag Geburtstag hatten. Die drei Auserwählten konnten also den Auftritt hautnah miterleben – wenn das mal kein tolles Geschenk ist! Die Münchner Band hatte sich für den akustischen Teil ihres Festivalbeitrags einige Lieder ausgesucht, die nicht so häufig live gespielt werden. So kamen wir zum Beispiel  in den Genuss von „Tjark Evers“, das neben „Euch zum Geleit“ für einige feuchte Augen und gezückte Taschentücher sorgte. Aber trotz der eher ruhigeren Gangart sollte auch der Spaß nicht zu kurz kommen und so wurde auch das allseits bekannte Spielchen „Zeitlupe – Einfrieren – Zombie“ mit dem Publikum zelebriert. Alles in allem ein gelungener Auftritt von einer sehr gut gelaunten Band – gut gemacht!

Versengold

Auch der nächste Programmpunkt versprach viel Tanz und Spaß, denn Versengold standen auf dem Plan. Die Band aus Bremen blickte auf einen fast überfüllten Platz vor der Burgbühne und feierte mit dem Selber Publikum eine Folkparty vom Feinsten. Die sieben Musiker verwandelten den Goldberg im Handumdrehen in einen Tanzsaal und zeigten mit einem musikalischen Querschnitt durch die letzten Alben, dass sie ganz einfach Profis sind. Als Gast kam dann auch noch Ella Zinnober (ehemals Fuchsteufelswild) mit ihrer Flöte auf die Bühne und unterstützte die Herren bei ihrem Auftritt. Besonders beeindruckt hat mich der Titel „Feuergeist“, den Sänger Malte mit viel Emotion in der Stimme vortrug. Grandios! Überhaupt haben mich Versengold an diesem Abend einmal mehr davon überzeugt, dass sie schon längst in der Oberliga des Folk mitspielen – für mich persönlich der heimliche Headliner des Tages. Danke!

Alan Stivell & Carlos Núñez

Der eigentliche Höhepunkt des Abends stand aber noch aus und so versammelten sich die Festivalgäste vor der Schlossbühne, um dem angekündigten Celtic Power-Doppelkonzert von Alan Stivell und Carlos Núñez zu lauschen. Leider verlief dieses Konzert nicht so, wie es vielleicht zu erwarten war. Den ersten Teil bestritt Alan Stivell – Urgestein des bretonischen Folk und Meister der keltischen Harfe – mit seiner Band. Einigen Zuhörern war jedoch sein Gesang und die teils experimentellen Stücke ein wenig zu viel Kultur, denn die Menge vor der Bühne nahm im Verlauf des Auftritts zusehends ab. Nichtsdestotrotz wurde der Bretone für seine Musik beklatscht und gefeiert, denn Fans hatte Alan Stivell immer noch viele unter den Besuchern. So klappte auch ein Sing-a-long zu „Tri Martolod“ hervorragend. Nach gut einer Stunde kam Carlos Núñez dazu und zusammen spielten der Alte und der Junge Meister ein Stück, was auch beim Publikum gut ankam.

Alan Stivell & Carlos Núñez

Leider gab es nach dieser Zusammenkunft eine Unterbrechung, während der die Bühne umgebaut wurde. Auch Carlos Núñez bestritt also mit seiner Band ein Einzelkonzert. Das hatte es allerdings in sich! Der Spanier hatte die Zuschauer vom ersten Ton an fest im Griff, die Menschen tanzten, klatschten und feierten, was das Zeug hielt. Hier gab es also wahrhaftige Celtic Power, nicht zuletzt dank des kanadischen Violinisten der Band, der nicht nur sein Instrument hervorragend beherrscht, sondern auch mit diversen Steptanzeinlagen für Szenenapplaus sorgte. Auch wir hatten viel Spaß und wiegten uns im Takt der Musik. Wie bereits vor einigen Jahren holte Carlos zum Schluss des Auftritts viele andere Künstler auf die Bühne, um mit ihnen zu tanzen – großartig! Auch wenn wir diesen Auftritt so nicht erwartet haben, ist dieses Konzert exemplarisch für Selb zu sehen. Sowohl das Zusammenspiel der beiden großen Musiker, als auch jeder Einzelauftritt für sich sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass auf dem Festival-Mediaval nicht nur Musik für das Feiervolk, sondern auch künstlerischer Anspruch und große Namen der Weltmusik einen Platz finden.

An dieser Stelle strichen wir für den dritten Festivaltag die Segel und fuhren müde und erschöpft in unser Quartier. Der kommende Tag sollte nämlich auch noch einige Highlights für uns bereithalten und die wollten wir mit allen Sinnen genießen.

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Autor: Pitchfairy & Plumä & Scratchcat

Photos: Michi & Chrounos

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