Festival-Mediaval 2019: 06.-08.09.2019 Goldberg Selb – Tag 1

Das diesjährige Festival-Mediaval hat selbstverständlich auch uns wieder nach Selb gerufen und wir sind gern gekommen. Vom 06.-08.09.2019 verwandelte sich der Goldberg erneut in das wohl entspannteste Festival im jährlichen Kalender und so begaben wir uns bei Sonnenschein nach Franken, um dabei zu sein. Die Bandauswahl in diesem Jahr war nicht so sehr mit bekannten Namen durchsetzt, denn getreu dem Motto „New Steps“ standen nur Bands und Künstler auf dem Programm, die bisher noch nicht auf dem Goldberg zu Gast waren. So wurde es für alle Beteiligten zu einem kleinen Abenteuer, denn oft wussten wir im Vorfeld nicht, was uns erwartet. – by Pitchfairy

Narrengold

Das Festival begann wie immer mit der großen Vorstellungsrunde auf der Schlossbühne und danach ging es mit Narrengold aus Österreich in die Vollen. Die Band setzte auf tanzbare Melodien mit deutschen Texten und animierte die anwesenden Zuhörer auch gleich zum Mitmachen. Das Publikum ließ sich nicht lange bitten und klatschte, tanzte und sang (soweit möglich) mit. Wir lenkten unsere Schritte allerdings einmal über den Markt, um Freunde und Bekannte zu begrüßen und das Angebot der Händler zu sichten. – by Pitchfairy

Orm Johannson

Beim Schlendern kam ich an einem Vortrag von Orm Johannson vorbei, der Einiges über die „Kultur und Leben der Wikinger“ zu berichten hatte. Dabei führte er auch ein paar Kampfweisen vor. So erfuhren die interessierten Zuhörer zum Beispiel woher die Redewendung „etwas im Schilde führen“ wohl komme. Wenn etwa ein Wikinger nur mit einem Schild auf seinen Gegner zukam, hieß das keinesfalls, dass er unbewaffnet sei. Er konnte ja immer noch, verborgen hinter dem Schild, ein Messer oder dergleichen bei sich haben. Vorsicht war also immer geboten. Das war absolut spannend und Orm bekam viel Beifall für seine Ausführungen. – by Scratchcat

Opus Furore

Auch die Kleinkunst legte schon gut los. Das Duo Opus Furore zeigte einige Kunststücke auf der Theaterbühne. Besonders imponierend und neu war vor allem der „erotische Leckerbissen“. Die beiden Herren warfen sich Keulen zu, die sie so jonglierten. Doch das war noch nicht alles. Während sie das taten, entkleideten sie sich nach und nach – bis auf die Superman-Unterhose – warfen sich die einzelnen Kleidungsstücke auch noch gegenseitig zu, um sich dann, beim Jonglieren, wieder anzukleiden. So wurde mal eben das Outfit getauscht. Das hatte ich vorher noch nie gesehen und es klappte auch tadellos – absolut beeindruckend! – by Scratchcat + Plumä

Skrömta

Die nächste Band spielte auf der Burgbühne auf. Dort stand also mit Skrömta schwedische Folkmusik auf dem Plan und das klang laut der Beschreibung im Programmheft ein wenig wie die kleine Schwester von Garmarna. Diese Erwartung wurde auch erfüllt, denn mit der Formation reisten wir musikalisch in den hohen Norden. Folkige Melodien, das „typische“ Instrumentarium (also Nyckelharpa, Geige) und nicht zuletzt die schwedischen Texte ließen uns im Takt mitwippen und die Ansagen der Band sorgten für einige Lacher im Publikum. Das war ein sehr solider Auftritt, der uns mit Schwung in den frühen Abend schickte. Sehr schön! – by Pitchfairy

Isa Theobald

„Entschuldige bitte, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen“ (Goethe) Mit diesem Zitat eröffnete Isa Theobald die Lesung zu den „Geschichten aus den Herbstlanden“. Melanie begann schließlich mit ihrer Geschichte „Der dritte Besuch“ in der die fünf Phasen der Trauer dargestellt werden. Ein alter Mann, der sterbenskrank war, erlebt hier einige sonderbare Dinge, die alle etwas mit der sprechenden Krähe Doughal zu tun haben. Sogar eine sechste Phase der Trauer tauchte am Ende der Geschichte noch auf – welche das sein wird, sei hier allerdings nicht verraten. Lest es am besten selbst nach. Auch die Zuhörer der Lesung mussten sich auf das Buch verlassen, denn Melanie ließ ganz am Schluss die Pointe offen. Dann ergriff Isa wieder das Wort und las in ihrer wunderbaren Art und Weise die Geschichte „Wie der Herbst entstand“ vor. Mit verschiedenen Stimmen hauchte sie den Personen der Story Leben ein und so lernten wir den Winterkrieger und die Sonnenbraut kennen. Es war eine Erzählung voller Gefühl, Dramatik und dennoch mit Happy End. Absolut schön. Nicht wenige der Zuhörer haben in Selb am Verkaufsstand der Verlage zugegriffen, um die herbstlichen Abenteuer auch daheim genießen zu können. – by Scratchcat

Melanie Vogltanz

An dieser Stelle stattete ich dem Literaturzelt einen ersten Besuch ab, denn Isa Theobald und Melanie Vogltanz stellten dort die Anthologie „Geschichten aus den Herbstlanden“ vor. Diese Sammlung ist im Verlag Torsten Low erschienen und vereint die „Hintergrundgeschichten“ verschiedener SchriftstellerInnen zum Buch „Herbstlande“ des Autorenteams Fabienne Siegmund, Vanessa Kaiser, Stephanie Kempin und Thomas Lohwasser. Da ich die Geschichten bereits kannte, ließ ich mich einfach von der Atmosphäre des Literaturzelts einfangen und genoss die Lesung der beiden Autorinnen, bis es wieder Zeit wurde zur Schlossbühne zu gehen. – by Pitchfairy

Selfish Murphy

Dort hatte sich schon einiges an Publikum versammelt und wartete auf Selfish Murphy aus Ungarn. Die Band hat sich auf die Fahne geschrieben, den Irish Folk-Rock auf die Bühne zu bringen und das gelang den Musikern vom ersten Ton an. Mit viel Schwung und ganz viel Herzblut rockten sich die Ungarn durch ihr Set und die Zuschauer vor der Bühne tanzten, was das Zeug hielt. Auch wenn gefühlt weniger Besucher auf dem Goldberg unterwegs waren als in den vergangenen zwei Jahren, feierten die Anwesenden eine mindestens genauso tolle Party am Eröffnungstag. Neben „traditionellen“ Irish Folksongs hatten die Selfish Murphy auch aktuelle Popsongs im Repertoire, die sie in ihrem Stil darboten. Das hat uns gut gefallen und wir danken an dieser Stelle der Band für den Auftritt. – by Pitchfairy

Koenix

Nach einem kurzen Ausflug in die Goldbergbucht, wo wir noch ein wenig vom ersten Oro-Konzert mitnahmen und einen grandiosen Burger verdrückten, hieß es dann schon wieder weiterziehen. Auf der Burgbühne hatten sich Koenix aus der Schweiz angekündigt. Die Musiker der Band, die zum größten Teil einmal zu Des Königs Halunken gehörten, hatten die mit Abstand schönste Bühnendekoration an diesem Abend. Da hingen Papierlaternen von der „Decke“ und es sah ein wenig nach Steampunk aus. Aber musikalisch erwartete uns ein Mix aus Folk, Mittelalter und Rock mit Texten auf Schweizerdeutsch. Tanzbar und in jedem Fall mitreißend war der Auftritt, leider haben wir die Texte größtenteils nicht verstanden, was sehr schade war. Nichtsdestotrotz haben Koenix einen sehr guten Auftritt gespielt und das Selber Publikum trotz der aufkommenden Kühle ins Schwitzen gebracht und das lag nicht nur an den Feuerfontänen, die die Show begleiteten. – by Pitchfairy

Red Hot Chilli Pipers

Wir schlenderten also wieder den Berg hinauf und genossen noch ein wenig das abendliche Markttreiben, bevor die Red Hot Chili Pipers die Schlossbühne betraten. Die schottische Formation erschien standesgemäß im Kilt und überzeugte vor allem mit ihrem hohen Können an den schottischen Pipes & Drums und einer ausgeklügelten Choreographie. Musik, wie sie sonst nur auf Military Tattoos zu hören ist, erfüllte den Platz – jedoch nicht mit den traditionellen Stücken, sondern  mit Liedern von AC/DC, den White Stripes und anderen Rockbands. Das Konzept ging auf, die Zuschauer klatschten, sangen die Texte mit und bewegten sich im Takt. Uns wurde es, auch auf Grund meiner Knieverletzung, nach der guten Hälfte jedoch zu viel und so zogen wir weiter in die Goldbergbucht. – by Pitchfairy + Plumä

Ye Banished Privateers

Dort quetschten sich die 11 Piraten von Ye Banished Privateers auf die kleine Bühne und unzählige Zuschauer davor. So voll hatte ich die Bucht tatsächlich noch nie erlebt und das Programm der schwedischen Band zog uns direkt in den Bann. Mit viel Slapstick, „Mord und Totschlag“ auf der Stage, viel Show und toller Musik feierten die Privateers mit ihren alten und neuen Fans eine fette Party, wie sie in Tortuga nicht besser hätte sein können. Leider war die Tontechnik ein wenig überfordert, manchmal war der Gesang nicht zu hören und alles in allem klang das Ganze sehr dumpf, was wir wirklich schade fanden. Außerdem war die Bühne offensichtlich fast zu klein für die Band, deren Mitglieder sich buchstäblich auf den Füßen herumtraten. Sollten die Schweden ein weiteres Mal den Weg nach Selb finden, wovon wir ausgehen, plädieren wir für einen Slot auf einer der großen Bühnen! – by Pitchfairy

Die Flugträumer

Auf dem Weg zum letzten Konzert des Abends schauten wir uns noch die Feuershow der Flugträumer an, die leider viel zu schnell vorbei war. Die Künstlergruppe und ihre knapp 15-minütige Show auf dem Händlermarkt verzauberte uns! Mit eindrucksvollen Effekten und waghalsigen akrobatischen Einlagen schafften es die Flugträumer, die Zuschauer zum Staunen zu bringen. Überall waren leuchtende Augen und offene Münder zu sehen, während die Künstler scheinbar leichtfüßig und entgegen der Schwerkraft das Feuer bändigten. Besonders der Funkenflug am Ende des Auftritts war atemberaubend. Danke für diesen magischen Moment! – by Pitchfairy

Thundercrow

„New Steps“ meint Bands, die noch nie in Selb zu Gast waren, doch die Akteure von Thundercrow waren nach eigener Aussage bereits „1206 times“ auf dem FM. Kein Wunder, denn Daphyd Sens und Rob van Barschot  hatten bereits diverse Auftritte mit Omnia auf dem Goldberg. Als letzte Band am Freitag wollten sie nun ihr Projekt Thundercrow vorstellen und dies sollte das erste und letzte Gastspiel in dieser Besetzung werden. Zusammen mit Zachary Bainter und Sängerin Fox aus den USA spielten die beiden Niederländer ein atmosphärisches Set aus chilligen Loungeklängen, ruhig-mystischen Tracks und treibend-technoiden Beats – und das alles mit Didgeridoo, Slideridoo, GUDA und Drums.  Besonders beeindruckend war der Gesangspart von Fox, der dem Publikum eine Gänsehaut bescherte. Doch es wurde auch viel getanzt und so wippten die zahlreich anwesenden Zuschauer vor der Burgbühne durch die Nacht auf dem Goldberg. Well done und ein würdiges Abschiedskonzert für Rob, denn der wird sich nach diesem Festival seiner Solokarriere widmen. Doch Daphyd wird Thundercrow zusammen mit Zachary weiterführen – wir sind gespannt! – by Pitchfairy

So neigte sich der erste Festivaltag recht spät dem Ende zu und wir fuhren voller neuer Eindrücke in unsere Unterkunft. Schließlich hatte das FM 2019 gerade erst begonnen und es warteten noch zwei weitere Tage auf uns. – by Pitchfairy

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Autor: Pitchfairy & Plumä & Scratchcat

Photos: Michi & Marko P. Chrounos

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