Festival-Mediaval 2019: 06.-08.09.2019 Goldberg Selb – Tag 2

Irregang

Der zweite Tag begrüßte uns mit Regen und Wind, was jedoch der Laune keinen Abbruch tat – zum Glück ließ das schnell nach und so konnten wir, zwar müde, aber einigermaßen trocken, in den Tag starten. Wir begannen mit Irregang aus Thüringen, die leider auf einen ziemlich leeren Platz blicken mussten. Aber ganz Profi spielten die drei Musiker ihr Set aus mittelalterlichen Melodien und mit der Zeit lockte dies auch immer mehr Publikum an, das dann entsprechend Beifall spendete. Schade für Irregang, die sich trotzdem nicht beirren ließen und einen soliden Openerauftritt hinlegten. – by Pitchfairy

Delva

Viele Zuschauer waren aber um diese Zeit noch beim Newcomeraward an der Theaterbühne, wo an diesem Tag Kupfergold, Delva mit ihrem „dunkelromantischen Folk“, der „hoffnungsvolle Melancholie verbreitete, und Die Gossenpoeten im Genre „Spielmann“ um die Gunst der Zuschauer spielten. Sieger waren am Ende Kupfergold, die damit gar nicht gerechnet hatten, zumal die „Konkurrenz“ ebenfalls einen guten Job gemacht hatte. Wir gratulieren und freuen uns auf den Openerauftritt im kommenden Jahr. – by Pitchfairy + Plumä

Barbar’O’Rhum

Auf dem Weg zur Burgbühne merkte ich dann, dass ich meinem halbkaputten Knie am Vortag wohl zu viel zugemutet hatte. Den Auftritt von Barbar’o’Rum wollte ich trotzdem sehen und so schaute ich mir denselben vom Weg nach unten aus an und begab mich nicht bis vor die Bühne. Die französischen Korsaren der Formation brachten Piratenflair auf den Goldberg und verstanden es, trotz einer winzigen Sprachbarriere, das Publikum sofort für sich einzunehmen. Es wurde viel getanzt, mitgemacht und geklatscht und auch der letzte verschlafene Zuschauer feierte mit. Jeder auf dem Platz und auf der Bühne hatte seinen Spaß an diesem Konzert und so humpelte ich grinsend wieder nach oben. Den restlichen Tag bewegte ich mich auch nur noch auf der oberen Ebene des Goldbergs, um das Knie zu schonen, und überließ das restliche Festivalgelände den Kollegen. – by Pitchfairy

Tir Nan Og

Für mich standen also als nächstes Tir Nan Og auf der Agenda und ich suchte mir einen Sitzplatz vor der Schlossbühne. Die Band aus Bayern spielt schon seit einigen Jahren zusammen und hat sich den Satz „From the pub to the people“ zum Motto gemacht. Und genau das haben die sechs Musiker auch in Selb unter Beweis gestellt. Mit bodenständigem Irish Folk und Texten über Henker und den Hunger in der Welt versüßten Tir Nan Og dem Publikum die Kaffeezeit und vor der Bühne tanzten viele Menschen zur Musik. Außerdem machten sie das „Sexualleben unseres Frontmannes“ zum Thema. Auch Mitklatschen und Mitsingen klappten gut, so dass die Band mit einem Lächeln im Gesicht ihr Set spielte und den Goldberg wirklich in einen Pub voller feiernder Menschen verwandelte. Sehr gut gemacht, Tir Nan Og! – by Pitchfairy

In der Zwischenzeit hatten wir uns die wunderbare Isa Theobald geschnappt und sie vor unsere Videokamera gezerrt, um ihr in aller Ausführlichkeit Fragen zu ihrem Schriftstellerleben, ihren Werken und mehr zu stellen. Das Ergebnis könnt ihr bereits in unserem Videokanal HIER sehen. – by Scratchcat

Elane

Die Zeit bis zur nächsten Band nutzte ich für ein ausführliches Gespräch mit Maria Franz von Heilung, leider gibt es solche Momente viel zu selten. Dann hieß es schon wieder auf zur Bühne, wo Elane schon startklar bereit standen. Die Band vertrat das Genre „Female Voice Fantasy Folk“ und führte das Publikum einmal quer durch die Diskographie der Formation (die Setliste ist übrigens auf Spotify zum Nachhören hinterlegt). Fast elfengleich bewegte sich Frontfrau Joran über die Bühne und ebenso schwebte ihr Gesang über den Platz, was nicht nur den männlichen Fans eine Gänsehaut bescherte. Mir persönlich ist die Musik von Elane fast ein wenig zu ruhig, falls man in diesem Genre von Ruhe sprechen kann. Nichtsdestotrotz hat mich der Auftritt „abgeholt“ und begleitete mich noch ein Stück auf dem Weg zum Literaturzelt. – by Pitchfairy

Impressionen

Dort stellte die Autorin Sarah Stoffers ihren neuen Roman „Berlin: Rostiges Herz“ vor, der im Amrûn-Verlag erschienen ist. Das Buch ist ein Mix aus Krimi, Dystopie und Steampunk. Mathilda, die Hauptfigur, ist Erfinderin, liebt Frauen und lebt in einem Berlin, dass nach einer Umweltkatastrophe am Meer liegt und in dem ein ewiger Kampf zwischen „Rostfressern“ (= Erfindern) und „Fingerschnipsern“ (= Zauberer) tobt. Mathildas Freundin Rosa wird ermordet und Mathilda begibt sich auf die Suche nach Rosas Mörder. Dabei stößt sie auf eine alte Geschichte, bekommt unverhoffte Verbündete und läuft sogar Gefahr, ihr eigenes Leben zu verlieren. Sehr spannend und witzig, aber auch bedrückend, war diese Lesung von einer sehr sympathischen Autorin, die sich besonders darüber freute, dass so viele interessierte Zuhörer im Zelt saßen. Mir hat es so gut gefallen, dass ich mir das Buch auch gleich kaufte und signieren ließ. „Geld allein macht eben nicht glücklich, man muss schon Bücher dafür kaufen!“ – by Pitchfairy

Oro

Oro boten auf der Burgbühne Folk aus dem Balkanraum und heizten die Zuschauer zum Hüftschwingen, Tanzen und Abfeiern an. Die temperamentvollen Klänge sorgten für gute Laune und nicht nur die Musiker strahlten übers ganze Gesicht. – by Scratchcat

Living Chess

Wir hörten das Ganze gegen Ende nur noch aus der Entfernung, denn wir hatten uns mit zahlreichen anderen Interessierten in der Arena eingefunden. Hier sollte die zweite Partie Living Chess stattfinden. Festival-Boss Bläcky begrüßte die Anwesenden und stellte die Mitwirkenden vor. Die Spielfiguren sahen in ihren Kostümen wunderbar witzig aus. Schnell verriet Bläcky noch, dass derjenige, der oder die als erste/r erraten würde, welche berühmte Schach-Partie hier nachgestellt würde, ein Freiticket für das kommende FM erhalten wird. Und los ging es. Die Bauern waren gnadenlos und „droschen“ sich gegenseitig nieder. Als das passierte, ertönte eine laute Sirene und Sanitäter kamen mit einer Trage auf das Schachbrett, um den Verletzten abzutransportieren. Was ein Spaß! Wir haben sehr gelacht und selbstverständlich wurde die Partie auch recht schnell erraten. – by Scratchcat + Plumä

Celtica Pipes Rock!

Ich besorgte mir noch schnell etwas Leckeres beim Orientalen, bevor ich wieder Richtung Schlossbühne wanderte. Dort luden Celtica Pipes Rock! aus Österreich zum Tanz ein. Die Band hat in etwa das gleiche Konzept wie am Vorabend die Schotten, jedoch mit mehr Rock inside und damit auch mit noch mehr Potenzial zum Mitmachen. Mit viel Energie und brennenden Dudelsäcken brachten die Musiker ihr Set auf die Bühne, das Publikum ließ sich darauf ein und zusammen feierten Band und Zuschauer eine rauschende Party auf dem Goldberg. Dies war auch der letzte Auftritt von Jane und Tom, die damit gebührend aus der Band verabschiedet werden konnten. Wir hatten Spaß mit Celtica Pipes Rock! und danken an dieser Stelle für das tolle Konzert. – by Pitchfairy

Leaves‘ Eyes

Wieder hatte es begonnen zu regnen, doch die Fans von Leaves‘ Eyes waren allesamt zur Burgbühne gepilgert, um die Formation um die Sänger Alexander und Elina live miterleben zu können. Einige Krieger komplettierten, neben all den Musikern, das Bühnenbild sehr martialisch und bildeten dort einen Schildwall. Feuerfontänen sorgten in der abendlichen Kälte für noch mehr Hitze, die sowieso schon durch das Mittanzen und Abrocken aufkam. Elinas Stimme imponierte und gemeinsam mit Alexander ließ sie die ein ums andere Mal die Haare fliegen. Songs wie „Across the sea“ oder „Take the devil in me” wurden von den Zuschauern mit viel Beifall begrüßt. Und selbstverständlich wurde immer wieder die Pommesgabel gen Himmel gezeigt – vor und auf der Stage. Ein absolut gelungener Gig, der dem Wetter die Stirn bot! – by Scratchcat

Heilung

Die Nacht in Selb war längst hereingebrochen und der Platz vor der Schlossbühne füllte sich mit gespannten Besuchern. Alle warteten auf Heilung, die den Samstag beschließen sollten. Aber was da genau passieren würde, hatte wohl so niemand auf dem Schirm (außer diejenigen, die das Ensemble schon gesehen hatten).
Begonnen wurde der Auftritt damit, dass die Hauptakteure der Formation zusammen mit Bläcky Schwarz ein Ritual in Gang setzten. Alle Beteiligten standen im Kreis, hielten sich an den Händen und riefen die Götter an. Danach nahmen die Musiker ihre Plätze ein und wilde Trommeln setzten ein. Ich kann es kaum in Worte fassen, aber das Ganze berührte mich vom ersten Augenblick an, nahm mich mit zu den nordischen Göttern und den Schamanen der Wikinger. Der Begriff „amplified history“, mit dem Heilung sich selbst beschreibt, ist nicht umsonst gewählt. Hier wurde Geschichte durch Töne, Gesänge und Musik lebendig. Fast spürte ich die auftretenden Krieger bei „Krigsgaldr“, bevor ich sie sah. Kai-Uwe Faust, Maria Franz und Christopher Juul schafften es mit ihren Stimmen und den dazu passenden Klängen, eine ganz magische Atmosphäre auf dem Goldberg zu erschaffen. Als ein Track mit Wolfsgeheul eingeleitet wurde, begannen die Hunde in den Lagern mitzuheulen. Der Boden bebte durch den Bass, die Stimmen von Maria und ihren beiden Backgroundsängerinnen klangen glasklar über den Platz. Das alles und nicht zuletzt die sehr authentisch wirkende, rituellen Kleidung der Band beeindruckte mich tief. Egal, ob es die Fesselung einer Kriegerin und ihre „Rettung“ war oder die Krieger, die sich ins Publikum warfen – die Performance von Heilung hat mich quasi überrollt. Ich verstehe, wenn dieser Auftritt nicht jedermanns Sache war. Aber diejenigen, die sich darauf einließen, standen wie ich tief berührt vor der Bühne. Danke dafür! – by Pitchfairy + Plumä

Wir fuhren in unser Quartier und ließen den Tag noch einmal Revue passieren. Ein Tag lag noch vor uns und den wollten wir mit genau so viel Aufmerksamkeit verfolgen. – by Pitchfairy

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Autor: Pitchfairy & Plumä & Scratchcat

Photos: Michi & Marko P. Chrounos

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