Flat and Boots Festival 2016: 16.01.2016 Felsenkeller Leipzig

Das Flat and Boots Festival 2016 bot mit seinem LineUp mehr als einen Grund, sich am 16.01.2016 auf den Weg nach Leipzig zu machen. Im Felsenkeller lud Veranstalter Electric Tremor Dessau zu seiner Party der EBM-Extraklasse und wir waren für euch dabei. Wir waren noch nie in der Location und waren somit gleich doppelt gespannt. Der Einlass verzögerte sich ein wenig, doch dann konnten wir den wunderschönen Konzertsaal betreten und bestaunen. Die Kronleuchter und die gesamte Gestaltung gefielen schon mal ganz gut – jetzt mussten nur noch die acht Bands überzeugen.

Franz Riss
Franz Riss

Den Anfang machte, ebenfalls etwas verspätet, Franz Riss – das Solo-Projekt des Jäger 90-Frontmannes. Anfangs saß er an einem Tisch und aß einen Apfel. Dann setzte die Musik ein und er stellte sich ans Mikrofon. Die Besucher schlenderten neugierig an die Bühne – noch war im Saal nicht so viel los. Der Beat war recht anständig und Franz legte mit „Halt durch“ direkt los. Dabei tanzte er schon gut ab, was das Publikum noch nicht von sich behaupten konnte. „Schön, dass ihr da seid. Ich bin heute abend das Kanonenfutter“, so Franz‘ Worte zur Begrüßung. Und dann: „Hier wird gearbeitet – „Die Maschinen““. Da der Rhythmus sehr eingängig war, begannen die ersten im Raum mitzuwippen. Dann musste sich der Sänger erstmal wieder an seinen Tisch setzen und den Kopf auf der Tischplatte ausruhen. Nach dieser kurzen instrumentalen Verschnaufpause ging es weiter im Programm mit „Franz geht an Land“. Der Sound war tanzbarer und Franz sang sogar richtig – vorher war es eher das „übliche“ EBM-Sprech-Gebrüll – was mir ganz gut gefiel. Er sagte dann dazu: „Ein bisschen Melodie ist heut abend erlaubt.“ Bei „Die Zeit mit dir“ stand er dann mitten auf der Bühne und wurde mit gelben Lichtstrahlen eingehüllt, was echt gut wirkte. Der flotte Beat zu „Blutrote Fahnen“ ließ dann einige Fans sogar mit Franz mittanzen und natürlich war passend zum Songnamen das Licht auch in rot gehalten. Der Künstler hatte mächtig Spaß und das war toll anzusehen. Bevor es dann aber mit „Wann kommst du“ schon wieder dem Ende zuging, lud er alle Anwesenden an den Merch-Stand ein, wo es seine Musik in Form einer CD zu kaufen gab. Am Ende wünschte er uns dann „viel Spaß noch“ und schon war der erste Gig des Abends auch schon wieder Geschichte. Der Applaus war gut, denn es füllte sich allmählich.

A.D.A.C. 8286
A.D.A.C. 8286

Nach einer Umbaupause ging es dann mit dem Duo A.D.A.C. 8286 weiter. Und hier kam ein richtiges Schlagzeug zum Einsatz – El Weisio nach daran Platz, während Sänger Los Krugos sich das Mikrofon schnappte. „Guten Abend Leipzig – wir sind A.D.A.C. 8286 und wir freuen uns, heut abend hier spielen zu dürfen.“, so seine ersten Worte. Musikalisch boten sie uns als Erstes „We are the boys from the factory“ dar. Die Fans der Formation nahmen das zum Anlass, aus sich raus zu kommen und so wurde in den ersten Reihen getanzt. Los Krugos machte beim Singen recht coole Posen – er ging halb in die Hocke und brüllte so mit tiefer Stimme seinen Text hervor. Das tiefe Singen schien ihn allerdings sehr anzustrengen, hatte er doch beim Sprechen eine viel höhere Stimme. Nach „Game without rules“ wurde es immer flotter und das Tanzen wurde überall allmählich wilder. Die EBMer im Saal kamen aus sich heraus und machten Party. Mal war das Licht auf der Bühne rot und dann wieder grell weiß – es passte aber immer zum straighten Rhythmus der Musik. Der Frontmann tanzte ebenfalls – auch wenn es ab und zu recht seltsam aussah. Dabei lächelte er nicht einmal. Oft wirkte er auf mich, als ob er keinen Spaß an dem Auftritt hatte. Wenn er gerade nicht sang, stand er da und sah irgendwie fehl am Platz aus, wenn er dann wieder an der Reihe war, kam er aus sich heraus – das war in meinen Augen ein wenig schade. El Weisio hingegen schien Freude an seinen Drums zu haben. Die beiden hatten in ihrem Set dann auch „einen neuen“ Track dabei – „Party in der Stahlfabrik“, der dann auch recht gut vom Publikum aufgenommen wurde. Der Beat war eingängig und die Zuschauer honorierten das Ganze dann auch mit Beifall. Nach etwa sieben Liedern war auch hier schon das Ende erreicht und mit einem „Dankeschön Leipzig“ verabschiedeten sich die beiden recht schnörkellos.

Dupont feat. Johan Damm
Dupont feat. Johan Damm

Auf den nächsten Auftritt hatten sich schon viele Anwesende gefreut – waren Dupont doch gemeinsam mit ihrem ehemaligen Sänger Johan Damm an der Reihe für Stimmung zu sorgen. Riccardo und Danucci nahmen an den Keyboards Aufstellung und dann kam Johan in Anzug und mit Fliege hervor – schick sah er aus. Er sprang auf der Stage herum und verbreitete gute Laune. Es wurde nun recht voll vor der Bühne und die Menge tanzte sich warm. Da hätte es Johans Aufforderung „Come on Leipzig“ kaum gebraucht. Riccardo sah mit seinem ABBA-Shirt auch cool aus und unterstützte Johan am Mikrofon – mal an den Keys stehend und mal gemeinsam vorn am Bühnenrand. Dazu passte etwa das Stück „Collaborate“, was bei den Fans gut ankam. Hier grölte die erste Reihe mit, was Johan gefiel und so ließ er einzelne Zuschauer in sein Mikro brüllen. Weiter ging es dann mit „Money“, dessen Rhythmus direkt ins Bein ging. Niemand im Saal konnte nun noch stillstehen – die Stimmung wurde immer besser. Die beiden Sänger wechselten sich immer wieder ab oder aber sie brüllten sich gegenseitig die Textzeilen entgegen. Dabei hatten sie kolossal viel Spaß. Diverse Hits durften natürlich an diesem Abend nicht fehlen, wo dann immer im Takt mitgeklatscht wurde. Die Menge war kaum noch zu halten und so wurde es zusehends wilder beim Tanzen – die EBM-Fraktion schien sich zu amüsieren. Die Lichtshow war auch ganz ansehnlich – mal blau, dann wieder gelb und grün. Mit den Fans in den ersten Reihen wurde immer wieder abgeklatscht – da machte es sich gut, dass es hier keinen Fotograben vor der Bühne gab. Bei „Run for protection“ kletterte einer der Zuschauer dann auf die Stage, er wurde von Riccardo aber sanft wieder nach unten geschoben. Es war soviel Bewegung überall und es wurde noch mehr, als Johan fragte: „Wollt ihr tanzen?“ Die Musik von „Why don’t you dance with me?“ tat dann ihr Übriges dazu. „For the alte-Schule-Leute“ gab es dann richtig guten EBM auf die Ohren und der Jubel des Publikums zeigte, dass es gefiel. Die Textzeilen „Take off your clothes“ nahmen einige im Saal wörtlich – wurde es doch immer verrückter im Moshpit vorn. Und auch wenn hier von „Tschüss und Wiedersehen“ gesungen wurde, ging es immer noch weiter. Danucci ruhte sich zwischenzeitlich aus und ließ die beiden Sänger mal ihr Ding machen, bevor er dann wieder in die Tasten griff. Doch auch die schönste Party muss einmal enden – nachdem sich Johan richtig verausgabt hatte mit Herumspringen und Singen, verabschiedete er sich dann mit den Worten: „Leipzig – auf Wiedersehen“. Die beiden Keyboarder spielten den letzten Song noch allein fertig und dann waren sie, nach einer Verbeugung und unter Winken, auch verschwunden. Vereinzelte Zugabe-Rufe wurden nicht erhört.

Coinside
Coinside

Die Umbaupausen wurden mit einem der anwesenden DJs überbrückt, die ihr Handwerk beherrschten und für gute Laune sorgten. Leider waren die Pausen recht lang, so dass die angekündigten Zeiten für die einzelnen Bands sich immer weiter nach hinten verschoben. Doch dann war es endlich soweit und die Hoyerswerdaer von Coinside nahmen Aufstellung. Sänger Torsten sang mit „Sturm“ drauf los, während Ronny ein „Total war“-Schild hochhielt. Im Hintergrund war auf einer Videoleinwand zu lesen: „Unsere Musik hat nichts, absolut nichts, mit Zirkus zu tun.“ Der mehrstimmige Gesang kam ganz gut beim Publikum an und auch hier wurde schnell wieder getanzt – allerdings nicht so zahlreich, wie bei Dupont zuvor. Keyboarder Veit kam zu „Euthanasie“ richtig aus sich raus und tobte regelrecht an seinem Instrument. Sven tippte dazu auf einem ganz kleinen Gerät herum, was für diverse Soundeffekte sorgte. Der Frontmann berichtete, dass die Formation im Vorjahr schon ihr 20. Jubiläum gefeierte habe, was sie wirklich freute. Dann ging es weiter im Set mit „Todsünde“. Beim Singen lief der Sänger immer wieder auf der Bühne hin und her, während die Zuschauer immer wilder feierten. In einem gelben Lichtkegel stehend gab uns Torsten dann den „Söldner“ zum Besten, wobei Ronny das „Total war“-Schild dann zerschlug. Ein Fan in der ersten Reihe, der aussah wie ein Tod in roten Samt gehüllt, hielt die Überreste dann noch hoch. Auf der Leinwand waren zu den Stücken immer wieder verschiedene Bilder zu sehen, die zum Teil gar nichts mit den Texten zu tun hatten. Was ich ganz neckisch fand, waren einigen Drähte in ein Brett gesteckt, die immer wieder zum Einsatz kamen. Durch Zupfen erzeugten diese verschiedene Geräusche – das nenne ich doch mal innovative Soundproduktion. Nachdem einer Bekannten zum Geburtstag gratuliert war, ging es weiter mit dem bekannteren Song „Hexenhammer“. Torsten hielt hierbei das entsprechende Buch in die Höhe und der „Tod“ aus der ersten Reihe hatte sich zu den Musikern auf die Stage gesellt. Die Stimmung war recht gut und so sagten die Herren: „Macht echt Spaß mit euch Leute.“ Das Stück „Unfreiheit“ wurde angekündigt, das „von Sklaverei“ handele, doch zuvor baten sie einen jungen Mann auf die Bühne, der seiner Freundin dann wortreich einen Heiratsantrag machte, den sie natürlich nur annehmen konnte. Er war dabei sehr aufgeregt, doch es ging ja alles gut. Unter viel Beifall wurden die beiden dann nach unten geleitet und die Musik nahm wieder Fahrt auf. Ronny hatte ein neues Schild in Händen – „Die Welt hört nicht auf zu bluten“ – welches er dann auch mit seinem Blut oder roter Farbe, ich konnte es nicht genau erkennen, beschmierte. Torsten war guter Dinge und musste dann etwas loswerden: „Eine wundervolle Location, die ihr gefüllt habt – nicht nur körperlich, sondern auch mit euren Herzen.“ Das hatte er aber schön gesagt! „Jugend marschiert“ ertönte und in den ersten Reihen wurde im Takt getanzt. Ronny warf viele Flyer in die Menge und auf der Leinwand war ein Filmausschnitt zu sehen, wo ein kleiner Junge unter Zwang tätowiert wurde. Dann sollte schon der Schluss gekommen sein, doch Zugabe-Rufe wurde erhört und ein letztes ruhigeres Stück gaben die Jungs noch zu Besten. Als Letztes meinte Torsten: „Vielen Dank und einen schönen Abend noch.“

SPARK!
SPARK!

Als nächstes war es denn, wieder nach längerer Pause, Zeit für den „Zirkus“. Zu Manegen-Musik kam Frontmann Christer nach vorn – er trug eine Art Pierrotmaske und hielt ein kleines Megaphon in Händen. Dann kam auch der zweite Herr von SPARK! hervor – Mattias stellte sich, ebenfalls mit Maske vor dem Gesicht, an seine E-Drums. Der Beat ging los und schon kam Bewegung in den ersten Reihen auf. Christer sang hier Deutsch und verkündete in seinem Text „Wir leben nur einmal“. Recht hatte er und entsprechend ausgelassen wurde hier auch gefeiert. Das Licht flackerte die ganze Zeit Strobo-ähnlich auf. Der Sänger war gut gelaunt und lief viel auf der Bühne hin und her. Als dann die ersten Töne vom zweiten Stück erklungen, gab es Jubel in den Fanreihen. Christer sang hier von „Liebe und Tod“ und nutzte im Refrain gleich zwei Mikrofone – eines davon verzerrte seinen Gesang etwas, was ein toller Effekt war. Von der Stimmung war er ganz begeistert und tanzte sich ebenfalls die Seele aus dem Leib. Da ich der schwedische Sprache nicht mächtig bin, konnte ich dann den Titel Nummer drei nicht erkennen. Es klang auf jeden Fall spannend – singen ja nicht viele Bands im EBM-Bereich auf Schwedisch. Die Zuschauer allerdings waren textsicher und grölten die Zeilen lautstark mit. Die Stimme des Schweden war dabei besonders hörenswert. Einer der Fans war besonders enthusiastisch und kletterte auf die Stage, wo ihn Christer allerdings gleich wieder nach unten schickte. Und dann war die Laune noch besser – der Sänger klaute einem der Fotografen seine Mütze und stolzierte kurz damit herum, er öffnete seine Jacke und setzte sich in den weißen Lichtstrahlen in Szene. Es machte echt Laune, ihm zuzusehen. Dann warf er die Jacke ganz beiseite und meinte: „Die Facebook-Event sagt 530 – ich sehe nur 528 – wo sind die anderen zwei?“ Weiter ging es im Set mit „Dom Kommer Tillbaka“, wo im Takt mitgeklatscht wurde und auch Mattias mitsang. Hiernach gab es eine kurze Unterbrechung, denn in der ersten Reihe gab es einen „Unfall“ und Christer rief Security und Orga herbei. Einer der Fans war wohl „wegen zuviel Bier“ umgefallen und wurde nach draußen gebracht, um versorgt zu werden. Dann konnte weiter Party gemacht werden mit einem ganz neuen Track – die Ankündigung dazu war: „No one had ever heard before – no one will understand it, but hopefully you will enjoy it.“ Christer tanzte hierbei mit dem Publikum vor der Bühne, doch schnell war er wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten zurück. Es wurde herum gesprungen und getanzt. Es war richtig warm geworden und auch der Frontmann schwitzte. Scherzvogel wie er war, sagte er: „I showered this morning and now I stink. I wonder you can’t notice it.“ Anschließend bekam er mit „Voll voraus“ „die Möglichkeit zu singen Deutsch“. Und wieder wurde lauthals mitgebrüllt in den ersten Reihen, während Christer mit einem Schellenring den richtigen Rhythmus angab. Nach einem weiteren Track auf Schwedisch, den er zum Teil auf Knien sang, verließen die beiden Herren dann unter den Klängen einer schwedischen Kindersendung, wo sie beide mitsangen, die Stage. Natürlich verbeugten sie sich erst noch artig und winkten ihrem äußerst begeisterten Publikum zum Abschied. Was ein Spaß! Das hätte ich mir ruhig noch länger anschauen können.

Spetsnaz
Spetsnaz

Musikalisch blieben wir in Schweden, denn nun waren Spetsnaz dran. Frontmann Pontus begrüßte die Meute mit einem knappen „Good evening Leipzig“ und schon dröhnte es aus den Boxen. Stefan griff sich seine Drumsticks und gab den Takt an, zu dem auch sofort getanzt wurde. Dabei wirkte er souverän und lässig. Den Anfang machte „Nothing but black“, gefolgt „Onwards“ von dem Klassiker „Allegiance“, wo es ein paar kleine technische Probleme gab. Der zweistimmige Gesang klappte aber super und es wurde wild gefeiert vor der Bühne. Der Sänger tobte auf der Stage herum – er hatte ja auch viel Platz. Der Bass bei „Free fall“ drückte mächtig und die Fans grölten das „2-3-4“ laut mit. Dem Rhythmus konnte sich aber niemand entziehen und so wurde brav mitgewippt. Stefan war irgendwie die Coolness in Person und verzog selten eine Miene, während Pontus wild tanzte, sang und dabei auch mal Grimassen schnitt. Das Licht war immer wieder mal rot und blau – so auch zu „Kindred“. An der Saaldecke wurde hier hin und wieder Muster projiziert, was auch recht schick war – passierte auf der Bühne ja recht wenig Abwechslungsreiches. Nach „Mangod“ rastete das Publikum dann endgültig aus, denn der Hit „Apathy“ erklang. Der Jubel war bei den ersten Tönen bereits groß und es wurde mächtig laut – Mitbrüllen und Musik ergaben eine tolle Mischung. Doch noch war immer noch nicht die Spitze erreicht, denn mit „Truth“ nahm die gute Laune und vor allem das Tempo immer noch Fahrt auf. Jeder, egal ob auf oder vor der Bühne, verausgabte sich richtig zu den Klängen von „On the edge“ und bei „Reign of wolves“ gab es einen richtigen Moshpit in den ersten Reihen – das war schon fast brutal. Pontus heulte passend zum Stück immer wieder mal wie ein Wolf den nicht vorhandenen Mond an. Dann öffnete Stefan sein Hemd und stand so mit halbfreiem Oberkörper da – er meinte dazu, dass der folgende Track „about me“ sei – die Rede war hier von „That perfect body“. Das nenne ich mal ein gesundes Selbstbewusstsein oder aber auch Selbstironie – ich weiß es nicht genau. Ein letztes Mal wurde hierbei zusammen gefeiert und dann war der Gig leider schon wieder zu Ende. Vielen Dank die Herren – das war sehr fein!

Sequenz-E
Sequenz-E

Die nächste Darbietung war dann etwas ganz Besonderes – die Formation Sequenz-E hatte für diesen Abend seinen Abschied angekündigt. Sänger Burfeind betrat allein die Bühne und wartete die Musik hockend ab. Dann erhob er sich und gab mit „Mein Heimatland“ alles. Beim Singen lief er auf der fast leeren Stage hin und her. Im Saal war es auch etwas leerer als noch zuvor, doch die Fans waren da und feierten diesen Gig. Burfeind verkündete dann noch einmal: „Das ist der letzte Sequenz-E-Auftritt – für immer.“ Zu einem Beat, der sehr Oldschool-EBM-mäßig war, sprang der Sänger herum und sang von einem „Leben ohne Sinn“. Die Tanzenden vor der Stage feierten die Musik, auch wenn die Technik immer mal wieder kurz rumspukte. Burfeind sang die Zuschauer in der ersten Reihe direkt an und genoss die Situation sichtlich. Mir gefiel der Rhythmuswechsel bei „Herz aus Stahl“ dann echt gut – solch kleine musikalischen Kniffe mag ich gern. Ein angebotenes Bier von einem Fan nahm der Musiker gern an – er trank einen Schluck und dann ging es mit „Guilty“ weiter. Leider war der Text immer mal wieder nicht so gut zu verstehen, weil die Musik zu laut war, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Es wurde ausgelassen getanzt und der Sänger stand auch nicht eine Sekunde still. Es wurde auch, wohl aufgrund der späten Stunde, immer leerer im Saal, doch die Übriggebliebenen machten sich ihren Spaß. Burfeind stellte sich etwa in den weißen Lichtkegel und brüllte mit den Fans im Takt den Text heraus – „Freiheit – Sieg“. Wieder krabbelte einer der Zuschauer auf die Stage und tanzte mit dem Musiker um die Wette. Nach „Mein Vaterland“ kam dann etwas „ganz Ruhiges“ – ja, von wegen. Es schepperte ganz schön und es wurde umso wilder. Das letzte Stück enthielt dann einige Samples aus Reden aus der NS-Zeit, was den aggressiven Beat noch unterstützte. Mit einem lachenden und weinenden Auge verabschiedete sich Burfeind dann von seinem Publikum und dann konnte endlich für den letzten Gig des Abends umgebaut werden.

Pouppée Fabrikk
Pouppée Fabrikk

Die Pause dauerte wieder recht lang – warum, war nicht zu erkennen – und so begannen die Hünen von Pouppée Fabrikk schließlich mit einer Verspätung von ganzen zwei Stunden. Alle noch Anwesenden strömten nun vor die Bühne, um Leif, Henrik und, als Unterstützung mit dabei, Stefan von Spetsnaz zu feiern. Für Stimmung sorgte gleich das erste Stück „Bring back the ways of old“. Sänger Henrik machte sich einen Spaß daraus, sich vorn an den Bühnenrand zu stellen und die tanzende Meute zu beobachten. Die Menge brüllte den Text lautstark mit, was ihm sichtlich gefiel. Anschließend fragte er: „Is it getting too late? Are you tired?“ Weiter ging es dann mit „Symptome“, wo der Text auch durch die Musiker nur so herausgeschrieen wurde. Da konnte keiner mehr müde sein – das war ein echter Wecker! Die Zuschauer durften immer mal wieder die Textzeilen ins hingehaltene Mikrofon singen – das nenne ich gute Zusammenarbeit. Gelbe Lichtstrahlen setzten das Ganze gut in Szene und der mehrstimmige Gesang der Schweden war ein Ohrenschmeichler. Henrik lief durch die ersten Reihen, tanzte mit und war dabei immer gut zu sehen – der Typ ist aber auch echt mal riesig. Er und sein Kollege Leif mussten auch arg den Kopf einziehen, als sie anfangs durch die Tür die Bühne betraten – das war ein Bild für die Götter. Feinster EBM-Sound war hier angesagt und als sich dann auch noch Christer von SPARK! zu seinen Kollegen auf die Bühne gesellte, wurde es zu einer wahren Schweden-Power-Performance. Christer schwang den Schellenring und sang durch sein Megaphon mit, Stefan und Leif tippten auf Tasten an den Keys herum und Henrik tanzte nur so beim Singen. Dann zog der Frontmann sein Hemd aus und stand nun obenherum im Unterhemd da. Die Fans wurden immer wilder und gaben noch einmal alles. Leif schaute kaum von seinen Keys auf und doch schien auch er Spaß zu haben. Mittendrin wurde dann eine kurze Pause gemacht. Henrik meinte, dass Johan von Dupont an diesem Tag „fucking old“ würde – er hatte nämlich Geburtstag. Johan kam zu seinen Kollegen auf die Bühne und das war ein witziges Bild. Der kleine Herr neben diesen Riesen. Auch Henrik meinte, dass Johan „a little dwarf to me“ sei. Was haben wir gelacht! Nachdem alle den Jubilar gedrückt hatten, wurde gemeinsam „Insomnia“ performt, wo sich Henrik und Johan gegenseitig anbrüllten. Das nenne ich mal eine gute Fete!

Doch an diesem Punkt strichen dann auch wir die Segel – war es doch schon sehr spät. Wir hatten auf jeden Fall mächtig viel Spaß und auch wenn es diese Verzögerung gab, konnte ich eigentlich nichts zu Meckern finden. Die Bands gaben ihr Bestes und die Fans haben immer ordentlich Party gemacht – als was wollten die Veranstalter mehr?! EBM wurde hier wahrlich zelebriert und wenn es wieder mal ein Flat and Boots Festival gibt, sind wir sicherlich gern mit dabei. Bis dahin!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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