Forced To Mode: 10.10.2015 Stadttheater Glauchau

Was macht der geneigte Depeche Mode-Fan, wenn seine musikalischen Helden gerade einmal nicht auf Tournee unterwegs sind, er oder sie aber trotzdem auf das Live-Feeling nicht verzichten möchte? – Richtig, er oder sie geht einfach zu einem Forced To Mode-Konzert! Das Trio aus Berlin bietet eine Show, die der der Originale mehr als nah kommt. Und weil das so ist, waren wir am 10.10.2015 gern im Stadttheater in Glauchau dabei, als es hieß – knappe zwei Stunden Depeche-Action auf der Bühne.

Forced To Mode
Forced To Mode

Der Theatersaal mit seinen bequemen Sitzen, der großen Stage und der imposanten Architektur war schon gut gefüllt, als das Licht aus ging. Sänger Christian, Gitarrist Matthias und Keyboarder Thomas standen hinter einem dünnen weißen Vorhang, als die ersten Klänge von „Higher love“ zu hören waren. Dann sang Christian los und seine Silhouette zeichnete sich auf dem Vorhang ab. Im ersten Moment dachte ich wirklich, dass wir vielleicht doch bei einem Geheim-Gig der Herren aus Basildon sein könnten. Als der Frontmann dann aber hinter dem Sichtschutz hervor trat, waren wir doch sicher, dass es die Berliner waren, die dort für Stimmung sorgten, denn direkt brandete Applaus auf. Christian tanzte ausgelassen und er strahlte übers ganze Gesicht. Dann öffnete sich der Vorhang und die anderen beiden waren nun auch zu sehen. So ging es dann mit „Policy of truth“ weiter und mittlerweile saß so gut wie keiner der Zuschauer mehr auf seinem Platz – alle waren aufgestanden und tanzten und sangen mit. Der Sound war echt toll und der Sänger und sein Gitarrist stachelten sich gegenseitig zu noch mehr Leistung an. Als Christian dann noch mit seinen Hüften wackelte, rasteten die Mädels in den ersten Reihen schier aus. „Willkommen in Glauchau“ waren danach seine begrüßende Worte und sogleich stimmte er „World in my eyes“ an. Dabei riss er dann seinen Mikrofon-Ständer in die Luft über seinen Kopf und drehte sich so. Der Jubel war großartig und dafür gab es von der Band dann auch mehr als einen Daumen nach oben. Ich schloss immer wieder die Augen und dachte, ich stünde in einem Stadion und Depeche Mode selbst würden hier für uns spielen – die Stimme Christians war echt erstaunlich. Weiter ging es mit „Walking in my shoes“. Am Ende dieses Stückes hielt Christian einen Ton so lang, dass ich mich wunderte, woher er nur die Luft dafür hatte. Die Musiker freuten sich, dass in Glauchau die Menge so mitging und die Sitzplätze nicht also solche genutzt wurden – sie hatten im Vorfeld ein wenig Bedenken gehabt. „Es ist großartig mit euch“, war dann das verdiente Lob, denn die Stimmung hätte nicht besser sein können. Zu „Shake the disease“ ließ sich der Frontmann gesanglich am Anfang von den Fans helfen, denn die ersten Töne waren ihm doch ein wenig zu hoch. Es wurde im Rhythmus mitgeklatscht und Matthias kam nun auch einmal nach vorn, um dort sein Können unter Beweis zu stellen. Das anschließende „Stripped“ wurde lautstark mitgesungen, während Christian wild tanzend von einer Seite der Bühne auf die andere und zurück wechselte. Die Musiker, die hinten auf Podesten standen, wurden hierbei seitlich mit weißem Licht angestrahlt, was toll aussah. Die metallischen Drum-Klänge zum Schluss des Liedes wurden auch live eingespielt – Thomas drosch auf ein E-Drum ein, das über seinem Keyboard befestigt war.

Forced To Mode
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Dann kam er aber mit den Worten „Es ist an der Zeit“ nach vorn und gab uns den Klassiker „The things you said“ zum Besten. Auch seine Stimme konnte sich wahrhaft mit dem Original messen – Wahnsinn! Der zweistimmige Gesang im Refrain war ein Ohrenschmaus. Als Christian dann wieder das Mikrofon vorn übernahm, ließ er erst einmal Männer und Frauen im Wechsel brüllen und gemeinsam wurde dann zu „I feel you“ Krach gemacht. Mittlerweile hatte er sein Hemd ausgezogen und stand nun nur noch im Unterhemd vor uns. Ab und zu war hier die Gitarre ein wenig laut vom Sound her, aber das tat der guten Laune im Saal keinen Abbruch. Bevor es dann musikalisch weitergehen konnte, fragte der Sänger erst einmal in tiefstem Berliner Dialekt: „Allet jud?“ Er erklärte, dass das nächste Stück „schon vor 31 Jahre niedergeschrieben“ sei, es aber aktuell immer noch ganz wichtig wäre, denn „Menschen sind Menschen“ – damit war klar, dass „People are people“ folgte. Die Arme im Publikum waren überall und es wurde mächtig Stimmung gemacht – sowohl auf der Bühne, als auch im Saal und auf der Empore. „Here is a house“ erklang als nächstes – ein Lied, das die Band erst „zum zweiten Mal“ live spielte – es klappte aber fehlerfrei und die Zuschauer waren sehr angetan. Christian zeigte immer wieder die Drehung, für die auch sein Vorbild so berühmt ist. So auch bei „A question of time“, wo kaum eine Sekunde nicht mitgeklatscht wurde. Dann meinte der Frontmann beeindruckt: „Es ist sehr, sehr geil mit euch.“ Außerdem forderte er einen fetten Applaus für die Orga des Abends und auch für die beiden Gewinner der durch die Band verlosten Tickets des Abends ein – diese seien nach dem Gewinn extra 222 km weit angereist, um dabei sein zu können. Dann begann Matthias mit der Gitarre und sofort war allen im Saal klar, dass es nun Zeit für „Personal Jesus“ war. Am Ende dieses Liedes spielte er sein Instrument dann auch noch mit dem Mikronständer – das hatte ich noch nicht gesehen – tolle Showeinlage. Und Christian ließ im Takt seinen Hintern hin und her wackeln – ein netter Anblick. Die Herren wussten wahrlich zu unterhalten. Mitsingen war an diesem Abend ein großes Thema – denn auch bei „Enjoy the silence“ konnten auch die Zuschauer beweisen, dass sie sehr textsicher waren. Wir lernten dann die beiden Musiker des Abends kennen, denn Christian stellte uns seine Kollegen namentlich vor und beide erhielten natürlich ihren verdienten Szenenbeifall. Dann war es nämlich auch schon Zeit, für das letzte Stück des Gigs – Matthias gab mit der Gitarre den Takt an und die Hände standen nicht still. Mit „Never let me down again“ sorgte die Formation für DEN Gänsehaut-Moment des Abends, denn natürlich machte auch hier das Publikum mit und bildete das wogende Armemeer – Wow! Christian konnte nicht aufhören zu lächeln und bedankte sich anschließend überschwänglich. Dann war aber auch alles vorbei und die Band verließ winkend die Bühne.

Forced To Mode
Forced To Mode

Die Zuschauer hatten aber noch nicht genug und riefen das Trio mit der Forderung nach einer Zugabe zurück auf die Stage. Schnell ließen sie sich überzeugen und „The Sun and the Rainfall“ kam zu seinen Ehren. Hier überzeugten sie zum wiederholten Male mit ihrem dreistimmigen Gesang, der wahrlich toll war. Dann war es aber auch Zeit, dass „der älteste Song, den Depeche Mode jemals aufgenommen hat“ – die Rede war selbstverständlich von „Photographic“. Die Menge im Theatersaal ging regelrecht ab und passend zum Text gab es rotes und auch grünes Licht auf der Bühne. Matthias und Christian hatten am vorderen Bühnenrand ihren Spaß – lediglich Thomas musste im Hintergrund an seinem Instrument stehen bleiben. Doch auch er bekam seine Aufmerksamkeit, als er dann, angeleuchtet von den Scheinwerfern, das folgende „Everything counts“ anstimmte. Die Menge sang wieder jede Zeile mit und am Schluss hielt der Sänger wieder einen Ton sehr lang, was Eindruck schindete. Bevor es dann aber doch dem endgültigen Ende des Konzertabends entgegenging, meinte der Frontmann: „Vielen, vielen Dank – ihr wart großartig!“ Er lud alle Anwesenden ein, auf der anschließenden Party mit ihnen „bis morgen früh um 7“ zu feiern. Als kleines „Gute-Nacht-Lied“ gab es dann noch „Condemnation“ auf die Ohren, wo Licht und Sound noch einmal alles gaben. Christian sang mit geschlossenen Augen und legte all seine Gefühle in die Stimme – absolut irre! Als die letzte Note dann verklungen war, verbeugten sich die drei „Depeche Mode-Musiker“ aus Berlin und verabschiedeten sich mit einem knappen „Bis zum nächsten Mal!“

Was soll ich noch sagen? Depeche Mode 2.0 – das ist Forced To Mode. Stimmlich und musikalisch ist das kaum ein Unterschied zu hören. Für mich persönlich ist dieses Band die BESTE Cover-Version der Helden aus Basildon. Wir hatten sehr viel Spaß und kommen gern wieder. Weiter so!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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