Gothic meets Klassik 2015: 24. & 25.10.2015 Haus Auensee & Gewandhaus Leipzig – Tag 2

Wie immer hatten wir uns für den Abend in den Räumlichkeiten des Gewandhauses zu Leipzig schick gemacht – und nicht nur wir. Das Publikum sah sehr adrett und aufgehübscht aus, als wir vor Ort ankamen. Schnell hatten wir dann die uns zugewiesenen Plätze gefunden und warteten auf das, was da kommen mochte.

mesh
mesh

Den Anfang machten an diesem Abend die Herren aus Bristol. Als das Licht aus ging und die Musiker des Sinfonieorchesters Zielona Gora nach draußen kamen, brandete Applaus auf. Schnell waren die Instrumente eingestimmt und dann war es Zeit, dass Dirigent Czeslaw Grabowski seinen Platz einnahm. Mit ihm kamen auch direkt die Musiker von mesh hervor. Die Fans im Saal waren begeistert und klatschten euphorisch. Sänger Mark hatten auch an diesem Abend seine berühmte Wollmütze auf dem Kopf, sah aber ansonst sehr schick aus in schwarzer Hose und Hemd. Seine Kollegen waren ebenso gekleidet und allesamt wirkten sie ein wenig aufgeregt. Mark drehte sich erst einmal um sich selbst, um das gesamte Publikum sehen zu können. Und dann legten sie gemeinsam los – „Leave us alone“ in klassischer Version war wahnsinnig intensiv und die Stimme des Sängers war so toll – ich hatte direkt Gänsehaut. Der zweistimmige Gesang – gemeinsam mit Keyboarder Richard Broadhead, der an diesem Abend nur an einem Mikrofon Stellung bezogen hatte – war ein echter Ohrenschmaus. Das Klavierspiel trug die Stimmung wahrlich durch den Saal – einfach super. Marks Augen waren immer wieder zu – er legte all sein Gefühl in die Musik. Der Applaus war anschließend entsprechend frenetisch. Weiter ging es dann mit „Only better“, wo die kleinen Wände hinter dem Orchester rot angestrahlt wurden. Außerdem leuchteten dann gelbe Scheinwerferstrahlen quer durch die Konzerthalle, was ein wunderschönes Gesamtbild ergab. Beim folgenden „Say everyone“ sang nun auch Keyboarder Richard Silverthorn mit – die drei Stimmen der Herren harmonierten so gut mit den Klängen des Orchesters – als ob es schon immer so gewesen wäre. Weil es ihnen selbst so gut gefiel, lächelten sich die Briten immer wieder gegenseitig an – sie waren offensichtlich zufrieden mit sich und dem Abend. Mark war aber wohl immer noch sehr aufgeregt, denn immer wieder musste zwischen den Stücken tief durchatmen. So kurz erholt, gab er uns dann „You couldn’t see this coming“ zum Besten, war ehrlich fulminant war – sowohl die Musik als auch der Gesang waren kaum noch an Intensität zu übertreffen – das ging ganz arg ans Herz. Nicht wenige im Saal griffen zum Taschentuch vor Rührung. Der Frontmann war ebenfalls ergriffen und bedankte sich hiernach nur mit einem kurzen „Thank you“ bei den Zuschauern. Als leider schon letztes Stück der britischen Formation wurde dann „Taken for granted“ angestimmt. Auch das war dramatisch und gigantisch durch die klassische Umsetzung – ganz großes Kino. Im Text hieß es hier ja „take me far away“, doch ich hätte in diesem Moment nirgends woanders sein wollen – es war einfach nur schön. Die Orgel hinter dem Orchester wurde hier schick angestrahlt. Am Ende bedankte sich die Band mit einem „Thank you very much“ beim Veranstalter Steven Dornbusch, beim Festival an sich und meinte sichtlich beeindruckt: „Enjoy the rest of the evening – have a good day.“ Alle verbeugten sie sich noch einmal und winkten ihren sehr glücklichen Fans zu und machten dann den Weg frei für die anderen Künstler des Abends.

Anne Clark
Anne Clark

Schnell wurde umgebaut und dann war Anne Clark an der Reihe. Sie kam nach vorn und sah mit ihrem Gehrock und dem Schlips um den Hals sehr edel aus. Auch sie hatte Musiker im Schlepptau – Cellist Jann-Michael und Pianist Murat waren mit von der Partie. Das Orchester war bereit und wurde von hinten blau beleuchtet, ein Licht-Spot setzte die Sängerin in Szene und dann hob die Musik an – „Killing time“ baute sich langsam auf und wurde dann immer größer. Auch Anne genoss die Musik und stellte sich immer wieder seitlich neben ihr Mikro – die Hände in den Hosentaschen. Weiter im Programm ging es dann mit dem „Panther“, wo die Harfe des Orchesters den Anfang machte. Das E-Cello von Jann-Michael kam dazu und das klang wahrlich herrlich. Immer wieder waren hier kurze Pause im Lied eingebaut, was mir besonders gefiel – das baute Spannung auf. Bei „Elegy for a lost summer“ spielte Jann-Michael das Cello wie einen Bass – das sah schon cool aus. Und Anne erhielt gesangliche Unterstützung von Murat – grandios. Die beiden sahen sich dabei in die Augen und hatten sichtlich Freude an ihrem Intermezzo. Der Beifall zwischen den Stücken fiel immer größer aus, als dann aber „Sleeper in Metropolis“ an folgendes Lied zu erkennen war, ging ein wahrer Begeisterungssturm durch die Reihen. Die Sängerin hatten beim Singen die Augen zu und als das Finale dieses Hits immer pompöser wurde, genoss auch sie die Show von der Seite. Der „Shell song“ wurde von Murat am Piano begonnen und die klassische Umsetzung des Liedes passte wahrlich zur Jahreszeit draußen – wunderbar melancholisch. Also für mich persönlich war es der passende Herbstsound. Wieder wurde die Harfinistin von hinten angeleuchtet und so in Szene gesetzt begann sie „Leaving“. Anne sang hier mit wahrer Hingabe und Inbrunst und das E-Cello klang wie eine E-Gitarre. Die Songs klangen so anders und doch wieder so vertraut – super! Bei „Heaven“ summten einige Fans leise mit und Anne war sichtlich entspannt – wanderte doch eine Hand immer wieder in die Hosentasche – sie war wahrlich in der Musik angekommen. Das Licht war hierbei gänzlich in rot gehalten – nur ein Spot schien auf die Sängerin. Das eigentlich letzte Stück der britischen Ikone war an diesem Abend „No coward soul is mine“, das mit einem Glockenspiel begann und auch herrlich umgesetzt war. Am Schluss warf die große Dame ihren Zuschauern Kusshände zu, verbeugte sich kurz und verschwand schnell von der Bildfläche.

Anne Clark
Anne Clark

Doch das Publikum war anderer Meinung. Alle standen auf, wie schon zuvor bei mesh und der Beifall wollte nicht enden. Einige Zuschauer riefen: „Anne we love you“ und so gelobt kam sie schnell wieder nach vorn. Sie bekam ein Küsschen vom Dirigenten auf die Wange und gemeinsam ging es dann auf zum Finale dieses Auftritts – „Our Darkness“ begann mit einem langsamen Vorspiel, dass sehr an Filmmusik erinnerte. Die Scheinwerfer strahlten weiß und rot durch den Saal und als dann zu erkennen war, welches Stück hier gespielt wurde, war der Jubel groß. Einer der Drummer des Orchesters hatte eine kleine Trommel vor sich stehen, auf der er den berühmten Takt immer wieder einspielte. Cellist Jann-Michael gab noch einmal alles und Anne beobachtete ihn dabei – sie wirkte irgendwie stolz. Als dann der letzte Ton verklungen war, kam Veranstalter Steven auf die Bühne und überreichte der Sängerin einen großen Blumenstrauß. Wieder winkte Anne dem Publikum zu, dass noch einmal Standing ovations spendete. Und dann war es Zeit für eine Pause.

Covenant
Covenant

Als wir uns alle im Foyer erfrischt hatten und uns der Gong wieder in den Saal gerufen hatte, waren wir allesamt gespannt auf den Headliner des Abends. Eine rein elektronische Formation im klassischen Gewand ist immer eine spannende Sache, wie uns ja die Vorjahre beim Gothic meets Klassik bewiesen hatten. Und so war die Neugier groß, als die Schweden von Covenant dann endlich nach vorn kamen. Daniel Myer nahm Aufstellung an einem Technikpult, Andreas hatte eine Gitarre dabei und Sänger Eskil sah mit seinem Schal und der Fliege um den Hals noch adretter aus als sonst. Das Orchester hob an und „Bullet“ erfüllte uns alle mit Erstaunen und Ehrfurcht – das war mal richtig klasse! Wie immer konnte Eskil kaum eine Sekunde stillstehen – er war sichtlich nervös. Auch seine Stimme ließ das hören, denn anfangs brach seine sie bei besonders hohen Tönen immer wieder kurz weg. Das Licht war hier wieder sehr schick und Daniel sang mit – allerdings war seine Stimme elektronisch verzerrt. Die Fans waren von ersten Ton an begeistert und so war der Beifall auch entsprechend lautstark. Beim nächsten Stück standen Andreas und Daniel an kleinen Trommeln, um so für den Takt zu sorgen – „Der Leiermann“, den der Sänger in einer Mischung aus Deutsch und Englisch vortrug, war so ein echtes Erlebnis. Als der Applaus abgeebbt war, meinte Eskil schlicht: „Tonight we light the fire – tomorrow will be gone“ und damit war klar, dass „Call the ships to port“ folgte. Die Lichtstimmung war hier gänzlich in grün gehalten und den drei Musikern war anzumerken, wie nach und nach die Anspannung von ihnen abfiel – es lief alles gut. Andreas erzeugte mit seiner Gitarre wilde Töne, die trotzdem zu den Klängen des Sinfonieorchesters passten und ein tolles Gesamtbild ergaben. Weiße Lichtstrahlen irrten dazu wie Suchscheinwerfer durch den Raum. Und folgte etwas, womit niemand gerechnet hatte – Eskil klappte einen kleinen Kasten auf, holte eine Geige und einen Bogen hervor und spielte selbst damit – selbst eingefleischte Fans waren in diesem Moment überrascht und begeistert zugleich. Gemeinsam mit den Geigern des Orchesters spielte er so anfangs die Melodie von „Wasteland“ – ein absoluter Gänsehautmoment! Dann legte er das Instrument aber wieder beiseite und beließ es beim Gesang. Die Menge im Saal war elektrisiert und bekam sich beim anschließenden Applaus kaum wieder ein, was die Musiker sichtlich freute. Es folgte „Brave new world“, wo Daniel, wiederum verzerrt, wieder mitsang. Der Frontmann lief am vorderen Bühnenrand hin und her und dabei schien er förmlich auf den klassischen Klangwellen zu schweben. Am Ende des Stückes ließ einer der Trompeter die Melodie ausklingen – toll gemacht. Zu „Ignorance & Bliss“ tätschelte Eskil seine Kollegen sichtlich zufrieden – sie alle machten ihre Sache gut. Wieder war auf der Orgel hinter den Musikern mit einem raffinierten Muster angestrahlt, was toll aussah. Hiernach verkündete der Sänger dann, an den Dirigenten gewandt: „Wir haben noch ein Lied heut abend – Maestro“ – gemeint war hier „We stand alone“, wo Andreas seine Gitarre mit einem Drumstick spielte und Eskil einen Ton immer wieder besonders lang hielt. Absolut großartig! Die Herren von Covenant waren offensichtlich sehr zufrieden mit sich und so gaben sie sich alle drei gegenseitig die Hand und auch Dirigent Grabowski wurde per Handschlag gedankt. Sie verbeugten sich vor der aufgestandenen Zuschauerschar und dann kamen auch die Musiker von mesh und Anne Clark nach vorn – „to share this moment with us“. Der Dirigent und die 1. Geige bekamen auch noch Blumen von Steven und alle zusammen winkten sie dem Publikum glücklich zu – ein tolles Gesamtbild.

Covenant
Covenant

Kurz waren die Musiker verschwunden, doch auch hier wurde von den Fans eine Zugabe eingefordert. Eskil und Kollegen kamen schnell wieder mit dem Dirigenten nach draußen und der Sänger meinte: „Let’s do another one – but first let’s try this.“ Mit einem Wink an die 1. Geige stimmte er „Happy man“ an. Der Dirigent war offenbar überrascht, denn das war wohl mit ihm nicht abgesprochen und so stand er belustigt daneben und sah zu, wie die Streicher nach und nach einsetzten zu einer kurzen klassischen Version dieses Stückes. Es klappte auch ohne Dirigent super und Eskil war sehr glücklich, was sein Lächeln verriet. Mit einem Handkuss bedankte er sich bei der Dame an der 1. Geige. Noch einmal wandte er sich an die Zuschauer. Auch im Namen seiner Bandkollegen sagte er: „Thank you so much – from the bottom of our hearts.“ Dabei griff er sich an das eigene Herz und verbeugte sich tief. Und als Abschluss des Abends gaben sie uns noch einmal „Bullet“ zum Besten – dieses Mal brach seine Stimme aber nicht mehr weg. Das war ein gelungenes Ende eines großartigen und fulminanten Abends. Mit letzten Verbeugungen und unter viel Beifall verließen sie letztendlich die Bühne und auch das Orchester bekam seinen Anteil vom Begeisterungssturm ab.

Was soll ich dazu noch groß sagen – es war GROSS! Danke noch einmal an Steven Dornbusch und sein Team für dieses tolle Festival – es hätte nicht besser sein können. Für das kommende Jahr sind für den klassischen Abend bereits Sven Friedrich mit Solar Fake- und Zeraphine-Stücken und Forced to Mode mit Depeche Mode-Werken bestätigt worden. Das verspricht schon jetzt wieder Spitze zu werden und so werden wir bei der 5. Ausgabe von Gothic meets Klassik wieder dabei sein! Ihr auch?

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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