Gothic meets Klassik: 26. & 27.10.2019 Leipzig – Tag 1

Das Konzept des Gothic meets Klassik ist ein ganz Besonderes und jedes Jahr holen die Veranstalter Künstler und Bands nach Leipzig, um ihre Musik einmal in der „Urform“ und anderntags im klassischen Gewand auf die Bühne zu bringen. Am 26. und 27.10.2019 war es in diesem Jahr soweit und wir waren für euch dabei.

Scarlet Dorn

Im Haus Auensee füllte sich der Saal recht schnell und als das erste Mal das Licht ausging, betraten Scarlet Dorn pünktlich die Bretter, die die Welt bedeuten. Die charismatische Frontfrau beeindruckte mit ihrer tiefen Stimme, während sie am vorderen Bühnenrand hin und her lief. Als Kontrast dazu ließen Bassist Benji und Gitarrist Bengt ihre recht hohen Stimmen im Refrain erklingen. „Einen wunderschönen guten Abend Leipzig“, so die Begrüßung durch die Formation. Die Fans in den ersten Reihen ließen sich zum Mitklatschen animieren, während Scarlet bei Pianist Gared stand und tanzte. Gared selbst war sehr konzentriert und schaute fast nur auf seine Tasten. Mit ausgebreiteten Armen genoss die Sängerin die gute Stimmung, die allmählich aufkam. „Herzlich Willkommen – wir haben die besondere Ehre, diesen Abend heut mit euch zusammen eröffnen zu dürfen.“

Scarlet Dorn

Die Herren an den Saiten rockten bei „I don’t know, I don’t care“ mächtig ab, so dass die Haare flogen. Dabei wurden sie in rotes Licht getaucht. Beim Singen ging Scarlet immer wieder in die Hocke und sah in ihrem Outfit einfach gut aus. Weiter ging es dann in ihrem kurzen Set mit „Rain“, bei dem die Zuschauer die Arme oben hatten. Der Sound war leider insgesamt eher dumpf und nicht der Beste, was aber den meisten im Saal nichts ausmachte. Es wurde trotzdem gut gefeiert. „Vielen Dank, dass ihr da wart“, so die Verabschiedung, bevor das letzte Lied angestimmt wurde. Hier ging die Frontfrau voll im Text des Stückes auf und untermalte das Ganze mit ausdrucksstarker Gestik. Mit einer Einladung an den Merchandise-Stand auf ein Gespräch oder ein gemeinsames Getränk winkte die Band noch ein letztes Mal und schon wurde die Bühne für den Umbau frei gemacht. Der Beifall der Fans begleitete die Musiker dabei.

Coppelius

Zeitlich ging es nun eine beträchtliche Spanne zurück, denn es standen Herren auf der Stage, die nach eigenen Angaben über 200 Jahre alt sind. Die Rede ist selbstverständlich von Coppelius. Butler Bastille kam zuerst hervor mit einer Laterne in der Hand. Seine Kollegen folgten ihm schnell und mit „I get used to it“ ging es in die Vollen. Le Comte Caspar und Max Copella wippten mit ihren Klarinetten im Gleichtakt. Sissy Voss sorgte mit dem Kontrabass für die tiefen Töne, während die Fans ein Armemeer bildeten. Der Rhythmuswechsel im Stück war besonders toll. Der Sound war hier zwar ein wenig besser, aber leider immer noch nicht optimal – schade. Max fiel beim Spielen auf die Knie, nicht jedoch, bevor ihm Bastille ein Kissen auf dem Boden zurechtgerückt hatte. Der mehrstimmige Gesang war ein Trommelfellschmeichler und so ging es auch weiter beim folgenden Lied „Aus den Betten“, dass aus dem kommenden Theaterstück „Krabat“ stammte. Caspar sang hier die Strophen und war absolut präsent am Bühnenrand.

Coppelius

„Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren“, so begrüßte uns Bastille nun und schlug die Triangel an. Gemeinsam mit Graf Lindorf präsentierte er im Anschluss „Bitten, Danken, Petitieren“, während Caspar eine Gitarre spielte, die aus einem Stopp-Schild gebaut war. Die beiden Sänger standen dazu auf einem Podest, von dem sie sich immer wieder gegenseitig herunter schubsten. Am Ende kletterte Max noch auf die Schulter von Bastille, um da seine Klarinette zu spielen – ein tolles Bild. Rasch ging es weiter mit flotten Rhythmen, so dass auf und vor der Stage gebangt werden konnte. Das Licht war sehr schick anzusehen und Caspar brillierte auch am Klavier – was kann dieser Mann denn noch alles spielen?! Wahnsinn! Mit einem Bass-Solo läutete Sissy schließlich die „Operation“ ein, wobei das Licht komplett in Rot gehalten war. Auch ein Lied aus dem der Steampunk-Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“ fand an diesem Abend seinen Weg auf die Bühne – „Glaubtet ihr?“ war stimmlich eine Meisterleistung von den Herren und der neue Drummer Linus drosch hier nur so auf die Felle ein. Bastille feierte bei „Gumbagubanga“ gemeinsam mit den Fans, als er sich in die Massen begab, während Caspar beim Singen herumsprang.

Coppelius

Auch mitgesungen wurde hier – ein schöner Moment! Danach bekam Linus seinen Moment und gab ein Solo, dass für Begeisterungsstürme unter den Zuschauern sorgte – toll gemacht! Mit einem „Danke“-Schild bedankte sich die Band für den Beifall. Caspar ergriff sogleich wieder das Mikrofon und stimmte „Reichtum“ an. Seine tiefe Stimme war echt beeindruckend, genauso wie Graf Lindorfs Spiel seines Cellos mit einem Plektrum – hatte er doch einmal seinen Bogen beiseite gelegt. Mit „rasiermesserscharfer Stimme“ übernahm schließlich Max das Feld und schmetterte „Schöne Augen“. Es ging Schlag auf Schlag und die Massen gingen mächtig ab. Zu „Risiko“ wurde gemeinsam mit den Musikern gesprungen und gefeiert – das nenne ich mal eine gute Party! Doch leider war diese dann auch schon wieder vorbei und am Ende verbeugten sich die Herren noch ein letztes Mal. Schnell wurde noch ein Fanfoto geschossen und mit einem abschließenden „Coppelius hilft“ verabschiedete sich die Formation an diesem Abend von uns.

Anne Clark

Auf Anne Clark hatten schon viele Fans gewartet und nun war es endlich soweit. Ihr Mitmusiker herr B trat an sein Keyboard und schon erklang die sphärische Musik. Unter Jubel kam Anne selbst nach vorn und los ging es mit „Darkest Hour“. Im Hintergrund waren auf einer Videoleinwand Bilder von Wäldern zu sehen. Das Licht war in Blau gehalten, während sie mit geschlossenen Augen für uns sang. Die Fans waren sofort entzückt und bewegten sich zu den Klängen. Als Nächstes sahen wir Bilder vom britischen Parlament auf dem Video und die Sängerin stimmte „Killing Time“ an, was für Szenenapplaus sorgte. „It is so beautiful to be here“, so die knappe Begrüßung und schon erfüllte ein Beat die Halle, der für noch mehr Bewegung unter den Fans sorgte. Auch wurde mitgeklatscht, genauso wie zu „Counter Act“. Hier war der Sound dann tatsächlich noch besser, doch vom Optimum waren wir leider immer noch entfernt. Anne stand fast nur an ihrem Mikrofon und bewegte sich kaum, während herr B hinter seinem Keyboard im Takt gut mitwippte, während er in die Tasten haute oder an kleinen Knöpfchen drehte, um die Sounds zu erzeugen. Doch dann ergriff die Sängerin das Mikrofon und lief am Bühnenrand auf und ab. Zu jedem Track waren neue Bilder auf der Leinwand zu sehen und so gab es ein wenig Abwechslung im Bühnengeschehen.

Anne Clark

Um noch eine neue Facette aufzubringen, bat Anne die Gastsängerin Katja von Kassel zu sich. Sie sah schick aus in ihrem Outfit mit den langen Handschuhen. Gemeinsam gaben sie „Meine fremde Seele“ zum Besten. Hierbei war es eine schöne Sache, dass der Text mal von Katja gesungen wurde, während Anne ja eher für ihren Sprechgesang bekannt ist. Es folgte „Whisper of Shells“, bei dem Katja den Backgroundgesang gab. Dabei tanzte sie ein wenig zu den Beats, was die Fans ihr gleich taten. Anne lief hier beim Singen umher und am Ende bedankte sie sich für Katjas Unterstützung mit einer herzlichen Umarmung. Wieder allein am Mikrofon war es nun Zeit für „Now“, wo der Bass besonders intensiv aus den Boxen dröhnte. Der Sound war hier sehr technoid und es wurde viel getanzt, wobei Anne wieder einmal mit geschlossenen Augen sang. Ein Klassiker nach dem anderen wurde an diesem Abend gespielt und so hatte auch „Wallies“ seinen Moment, was die Zuschauer mit viel Applaus quittierten. Es wurde getanzt und laut mitgesungen. Im Hintergrund waren animierte Videos zu sehen. „Heaven“ präsentierte uns die Grand Dame in einer neu aufgemischten Version, die gut ankam.

Anne Clark

Es wurde immer wärmer im Saal und wir brauchten ein wenig frische Luft. So zogen wir uns in den Seitengang der Halle zurück, wo eine Fotoausstellung zu bestaunen war. Am Ende des Sets zeigte uns herr B noch einmal sein Können und dann war es schon vorbei – oder doch noch nicht?
Die Fans riefen nach einer Zugabe und diese wurde auch gewährt. Anne kam noch einmal hervor und endlich gab es die Klassiker auf die Ohren, auf die alle Fans schon gewartet hatten. „Sleeper in Metropolis“ kam mit einem fetteren Bass daher und so konnte ordentlich abgetanzt werden. Und als letztes Stück für diesen Abend hatte Anne Clark für uns „Our Darkness“ in petto. Hier wurde nochmals gemeinsam gefeiert. Auf der Leinwand waren alte Bilder aus den früheren Bühnenjahren von Anne zu sehen, was toll war. herr B mixte hier wilde Geräusche in den bekannten Sound und wurde dafür beklatscht. Als dann der letzte Ton verklungen war, hatte sich die Sängerin bereits mit einem Winken von uns verabschiedet. Der Beifall begleitete schließlich auch noch herr B von der Bühne.

Die Krupps

Immer noch stand eine Band in den Startlöchern und so war es nun an der Zeit für Die Krupps. Nach einem klassischen Intro kamen die Herren hervor und wurden begeistert begrüßt. Der Saal war nicht mehr ganz so voll, wie noch zuvor bei Anne Clark, doch die Stimmung war ungebrochen hoch. Es ging los mit „High tech/low life“ und der Bass rummste gut los. Leider war er etwas dumpf, was sich auch nicht änderte während des Auftritts. Die Gitarristen Marcel und Nils standen mal bei Drummer Paul und rockten ab oder sie gaben alles am vorderen Bühnenrand. Frontmann Jürgen war gut drauf und lief immer wieder hin und her. Auch tanzte er mit den Fans um die Wette. Mit einem Grinsen im Gesicht heizte er ordentlich ein und die Fans ließen sich mächtig antreiben. Die Arme waren oben und überall war Bewegung. „The Dawning of Doom“ erklang und schon sprangen nicht wenige im Takt auf und ab.

Die Krupps

Das Licht flackerte dazu auf und ab und ließ die Bewegungen der Musiker abgehackt erscheinen. Keyboarder Ralf rockte gut ab, besonders als „Germaniac“ erklang. Hierzu war das Bild einer Rakete auf der Leinwand im Hintergrund zu sehen, wo noch zuvor das Bandlogo prangte. Zum Beat des Refrains drosch Jürgen auf die große Stahlorgel ein, die in der Bühnenmitte stand und von unten angeleuchtet wurde. Dabei verausgabte er sich regelrecht. Zur „Schmutzfabrik“ waren im Publikum die Arme oben und Musiker und Fans feierten richtig ab. Drummer Paul war leider nur im Dunkeln, doch war zu erkennen, dass auch er alles gab. Ralf drehte an Knöpfchen herum und sorgte für abwechslungsreichen Klang. Zum Visage-Cover „Der Amboss“ war auch hier eine Gastsängerin mit von der Partie – dieses Mal war es Lis van den Akker und auch sie sah in ihrem Outfit sehr schick aus. Sie glitzerte im Licht sehr und sang gemeinsam mit Jürgen, der auch hier wieder zu den Drumsticks griff, um die Stahlorgel zum Klingen zu bringen.

Die Krupps

Die Stimmung hätte kaum besser sein können und als der Klassiker „To the hilt“ angestimmt wurde, gab es auch für die letzten kein Halten mehr. Es wurde mitgegrölt und mächtig abgerockt. Jürgen brüllte die Textzeilen hier nur so raus. Die Spielfreude und die gute Laune waren hier richtig zu erkennen. Gitarrist Nils bangte mit seinem Iro, was echt cool ausschaute. „Metal Machine Music“ folgte als nächstes im Set, wozu das Cover der Single auf der Videoleinwand erschien. Nebel waberte über die Stage und Jürgen sang, während er in die Hocke ging. Passend zum Song kam auch hier die Stahlorgel zum Einsatz. Und am Ende des Liedes hob der Frontmann seinen Mikrofonständer in die Höhe. Die Lichtstimmung wechselte im Anschluss von Gelb zu Rot und zurück und dabei erklang „RoboSapien“. Hier kam Lis wieder hinzu, um Jürgen gesanglich zu unterstützen. Sie ließ sich von der guten Laune anstecken und tanzte drauf los. Die beiden sangen sich gegenseitig an und hatten wirklich Spaß.

Unsere Batterien waren an diesem Tag dann aber schon recht leer und so machten wir uns an dieser Stelle auf den Heimweg. Der Sound hätte im Haus Auensee wirklich besser sein können, aber trotzdem war es ein toller Abend. Und wir freuten uns schon auf den kommenden im Gewandhaus zu Leipzig.

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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