Gothic meets Klassik: 26. & 27.10.2019 Leipzig – Tag 2

Mit Freunden hatten wir uns gut gestärkt und kamen gut gelaunt am Gewandhaus an. Schnell fanden wir unsere Plätze und waren echt gespannt. Die Atmosphäre des Konzerthauses ist eine ganz Besondere und die Spannung unter den Zuschauern war fast greifbar.

Coppelius

Das Leipziger Philharmonieorchester betrat zuerst die Bühne und Beifall brandete auf. Dann kam Bastille von Coppelius hervor und macht noch einmal alles „sauber“. Er griff zum Mikrofon und rief nach dem „Maestro“ Michael Köhler. Der Dirigent kam nach vorn und auch er wurde mit Applaus begrüßt. Schließlich kamen auch die Musiker von Coppelius hervor. Mit ihren Zylindern passten sie gut ins Ambiente. Und sogleich stimmten sie „Glaubtet ihr?“ an. Der Sound war einfach umwerfend und die musikalische Unterstützung durch das Orchester hätte kaum besser passen können. Caspar war gut drauf und lief auf dem wenigen Platz, den sie hatten, hin und her, während er sang. Bastille wuselte zwischen ihnen allen umher und tupfte bei Max die Schweißtropfen von der Stirn. „Wir möchten Sie recht herzlich willkommen heißen“, so Bastille. Er und seine Kollegen waren sehr aufgeregt, was ihnen anzumerken war, dennoch machten sie ihre Sache echt gut. „Mitten ins Herz“ war das nächste Lied, das nun klassisch interpretiert wurde.

Coppelius

Sissy Voss stand ein wenig abseits, doch auch um ihn kümmerte sich der fleißige Butler, wenn er nicht gerade mit Graf Lindorf um die Wette bangte. Caspar sang mit viel Hingabe und Druck in der Stimme, was gut ankam. Es folgte mit „Aus den Betten“ ein Stück aus dem kommenden Bühnenstück „Krabat“, wo wiederum Caspar am Mikrofon brillierte, während Max abrockte. Der mehrstimmige Gesang war, in Zusammenwirkung mit der Orchestermusik, ein wahres Highlight. Im Anschluss griff der Sänger zu seiner Stoppschild-Gitarre und Graf Lindorf und Bastille sangen für uns Arm in Arm „Bitten, Danken, Petitieren“. Sissy und Caspar bangten hierzu gemeinschaftlich, so dass die Zylinder nur so purzelten. Dann verließ Bastille die Bühne, setzte sich zu den Fans in die Reihen, sang dabei aber tapfer weiter.

Coppelius

Am Ende bedankte sich Caspar beim Dirigenten und strahlte übers ganze Gesicht. Bastille ergriff noch einmal das Mikrofon und erklärte, dass sie sehr froh und glücklich seien, das folgende Lied präsentieren zu können. Aber gleichzeitig waren sie „sehr traurig, weil wir nicht wissen, ob wir dieses Stück in dieser Form noch einmal live können können.“ Gemeint war das Finale ihrer Steampunk-Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“. Mit einem herzlichen Dank an das Orchester griff Caspar in die Tasten des großen Flügels und stimmte das fulminante Instrumentalstück an. Das Publikum war absolut begeistert und bedachte die Darbietung mit viel Beifall. Währenddessen bedankten sich alle Coppelius-Herren mit Handschlag beim Dirigenten und der ersten Geige. „Vielen Dank an alle Beteiligten und vergessen Sie wie immer nicht – Coppelius hilft!“ Mit diesen Worten und einer gemeinschaftlichen Verbeugung verabschiedeten sich die Herren von uns und viel Applaus begleitete sie hinaus.

Die Krupps

Es wurde nun umgebaut und wenig später betraten die Musiker von Die Krupps die Bühne im Gewandhaus. Frontmann Jürgen trug zu seinem Anzug auch eine Sonnenbrille. Mit den Worten „Guten Abend – wir sind Die Krupps“, begrüßte er sichtlich nervös das Auditorium. Das Orchester setzte an und los ging es mit „Crossfire“. Beim Singen breitete Jürgen immer wieder die Arme breit aus oder aber er verschränkte die Hände vor dem Körper. Es fiel im wahrlich schwer, sich nicht energiegeladen über die Stage zu bewegen – stattdessen blieb er still hinter seinem Mikrofon stehen und legte die Energie in die Stimme. Aber mitwippen war dennoch drin – bei ihm und bei den Zuschauern. Die klassische Umsetzung klappte erstaunlicherweise echt gut und gefiel den Anwesenden.

Die Krupps

Weiter ging es dann mit „Inside out“, wo auch wieder Gitarrist Nils in die Saiten griff. Jürgens raue Stimme passte gut zu den Klängen des Orchesters. Um seine Nervosität in den Griff zu bekommen, hielt er sich fest am Mikrofonständer fest. Aber dann bekam er ja gesangliche Unterstützung. Wie schon am Vorabend kam Liz zu ihm und gemeinsam sangen sie für uns „Beyond“. Sie sah dabei in ihrem Kleid sehr schick aus und strahlte übers ganze Gesicht. Die beiden Sänger lächelten sich immer wieder an und rosa Licht erzeugte eine tolle Stimmung. Sie sahen sich in die Augen und gaben alles – ein toller Moment! Dann verschwand Liz wieder hinter den Kulissen und Jürgen gab dem Dirigent das Zeichen, dass sie nun für „Im Schatten der Ringe“ bereit seien. Hinter dem Orchester waberte Nebel über den Boden und die Scheinwerfer erstrahlten in Blau oder Grün. Mit viel Kraft in der Stimme zeigte der Frontmann, dass er für seine Fans das Beste geben wollte. Nur leider war die Gitarre von Nils hier kaum zu hören. Das Publikum war dennoch zufrieden und nach jedem Stück brandete lautstarker Applaus auf.

Die Krupps

Hiernach trat Liz wieder an das Mikrofon heran. Schnell entschuldigte sich Jürgen noch dafür, dass er diese Sonnenbrille trug – dies sei einem Augenproblem geschuldet. Doch dann stimmten sie, gemeinsam mit der Philharmonie, „RoboSapien“ „vom vorletzten Album“ an. Orange und gelbe Lichtstrahlen wanderten zwischen den Musikern umher und die beiden Sänger wippten im Takt mit. Dabei wechselten sie sich im Gesang des Refrains auch mal ab – bei beiden klang es gut und harmonierte mit den orchestralen Tönen. Auch an diesem Abend durfte ein Track nicht fehlen, denn „seit Jahren haben wir in unserem Repertoire einen Song gegen Rechts – „Fatherland““. Gesagt – getan. Diese klassische Version war definitiv etwas ganz Besonderes und nicht wenige Zuschauer sangen leise für sich mit. Der Sänger gab hier wiederum alles und schrie den Text fast heraus – cooles Ding! Der anschließende Beifall berührte die Musiker so, dass sich Jürgen gerührt ans Herz griff. „Es ist schön, sowas mal zu erleben.“ Und weil er sich gerade so lebendig fühlte, passte dann auch „Alive“ als abschließendes Stück des Sets ganz gut. Liz stand beeindruckt neben ihm und blickte beim Singen durch den ganzen Saal. Jürgen hingegen legte sich nochmals mächtig ins Zeug und sang mit voller Inbrunst. Und immer wieder lächelten sich die beiden an, als ob sie ihr Glück kaum fassen konnten. Als die letzte Note gespielt war, kamen die Damen und Herren von Die Krupps zusammen, um sich mit Verbeugungen von uns zu verabschieden. Die Standing Ovations rührten sie sichtlich. Mit einem Händedruck dankten sie allesamt dem Dirigenten und einen „herzlichen Dank“ gab es für die Fans. Und dann war es Zeit für die Pause.

Anne Clark

Nachdem wir uns alle ein wenig die Beine vertreten und die Flüssigkeitshaushalte aufgefüllt hatten, nahmen wir unsere Plätze wieder ein und warteten auf das letzte Highlight des Abends. Wieder betrat zuerst das Orchester die Bühne und wurde mit Beifall empfangen. Und dann kamen herr B und Anne Clark nach vorn – Jubel brandete auf. „Guten Abend meine Damen und Herren“, so begrüßte Anne die Anwesenden. Dann setzte das Orchester an und „The House Dog’s Grave“ erklang. Sie hielt dabei den Text in der Hand. Ihre Stimme war laut und klar und erfüllte den ganzen Raum. Wenn die Musik spielte schloss die Sängerin immer wieder die Augen und genoss, genau wie die Fans, die Klänge. Die Umsetzung der doch recht sphärischen Sounds von Anne Clark, klappte im klassischen Gewand echt gut. Weiter ging es mit „Sometimes“, was recht ruhig war und die Sängerin zu den Sounds langsam mit dem Fuß mitwippen ließ. Dabei hielt sie sich am Mikrofonständer fest und sang wiederum mit geschlossenen Augen. „Elegy for a lost summer“ erinnerte mich irgendwie an Musik für einen Filmsoundtrack. Anne genoss die Klänge genauso und schaute im Saal umher, wenn die Musiker gerade ihr Können zeigten.

Anne Clark

Das Publikum schien genauso beeindruckt und applaudierte lautstark nach den Liedern. „Thank you very much“, so Annes Reaktion darauf. Auch dankte sie Thomas für die Zusammenarbeit „last year“. Sie erklärte: „I spent a lot of time here in Leipzig” und dabei sei eben das Werk „Homage“ entstanden. Daraus hatte sie für diesen Abend „Swan“ herausgesucht, in dessen Genuss wir so kamen. Ihre melancholische und doch gefühlvolle Stimme versetzte uns alle in andere Welten – toll! Als nächstes hatte sie ein Gedicht im petto – „this poem was written 100 years ago“. Gemeint war selbstverständlich „There will come soft rains“. Darin ging es um verwirrende Zeiten und sei somit immer noch aktuell. Die Hingabe, mit der Anne diesen Text für uns aufsagte, war fast greifbar – das sorgte für Gänsehaut. Die Lichter wanderten wieder zwischen den Musikern hin und her und der Dirigent warf einen Schatten auf die Bühne, was großartig wirkte. „When you are old“ hatte ein sehr langes instrumentales Intro und als die Sängerin dann endlich einsetzte, schloss sie wieder ihre Augen, um all ihr Gefühl in die Stimme legen zu können. Sie sah dabei sehr schick aus in ihrem Jackett.

Anne Clark

Der Beifall war wieder gewaltig und zum folgenden Track verriet die Grand Dame, dass er „wasn’t written for an orchestra, but it`s pretty amazing“. Wir waren gespannt, was sie wohl meinte und als nach einem Dank von Anne die Musiker ansetzten, erkannten wir schnell den Klassiker „Sleeper in Metropolis“ – Jubel war im ganzen Saal zu hören. Alle genossen den Moment und Anne sang mit geschlossenen Augen. Auch die Fans ließen sich von den Klängen treiben und sangen leise mit. Am Ende war die Begeisterung überall riesig. Anne dankte dem Arrangeur der Lieder und als letztes durfte ein Stück nicht fehlen. Das lange Intro erklang und nicht wenige Fans erkannten schnell, dass es sich hier nur um „Our Darkness“ handeln konnte. Das war der große Höhepunkt und gleichzeitig das Schlusslicht der Show. Mit einem leisen „Dankeschön“ bedankte sich Anne am Ende bei den Musikern, bei den Zuschauern und alles Mitwirkenden. Sie warf den Fans noch Kusshände zu, als diese ihre Leistung mit Standing Ovations honorierten. Mit einem letzten Dank an den Dirigenten verabschiedete sie sich von uns.

Anne Clark

Die Zuschauer klatschten ausgelassen und nicht wenige Zugabe-Rufe waren zu hören. Schnell kam Anne noch einmal nach vorn und mit „Elegy for a lost summer“, das nun noch einmal zu seinen Ehren kam, gab es für uns alle eine kleine Zugabe. Sie genoss es genauso wie wir alle und lächelte beseelt. Hiernach war dann aber wirklich das Ende des Abends erreicht. Alle Musiker von Coppelius und Die Krupps kamen noch einmal hervor und gemeinsam verbeugten sie sich alle, während der tosende Beifall nicht enden wollte. Dann drehten sich die drei Formationen um und applaudierten ihrerseits dem Orchester – eine schöne Geste. Immer wieder wurde sich verbeugt und gewunken und dann war die Bühne wieder leer.

Was war das für ein toller Abend?! Wirklich alle drei Auftritte waren besonders und die Klassik hatte sich absolut super in die Sounds der Bands und Künstler eingefügt. Wir waren total beeindruckt und machten und glücklich lächelnd auf den Heimweg. Das Gothic meets Klassik 2019 war somit ein voller Erfolg und gern sind wir auch beim nächsten Mal wieder mit dabei – ihr auch?!

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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