In Extremo: Quid pro Quo Tour 2016 14.10.2016 Alter Schlachthof Dresden

Wenn die Spielleute von In Extremo auf eine Tournee einladen, dann strömen die Fans von nah und fern und feiern mit den sieben Herren aus Berlin. So war es auch in Dresden, als es am 14.10.2016 vor ausverkauftem Haus im Alten Schlachthof zur Sache ging. Auch wir sind an diesem Freitag angereist, um das neue Album von InEx auch einmal live zu zelebrieren. Beim Einlass war die Schlange sehr lang, aber es ging recht schnell und der Saal füllte sich zusehends.

Hämatom
Hämatom

Dann ging das Licht aus und unter Jubelrufen war das Intro der Vorband Hämatom zu hören – „Am Anfang war der Mensch…“. Dann kamen Nord, Süd, Ost und West auf die Bühne. Im Hintergrund war das große Banner der Jungs zu sehen und die Fans klatschten laut. Mit „Wir sind Gott“, dem Titelsong ihrer aktuellen Scheibe, ging es in die Vollen – es wurde im Takt mitgeklatscht. Sänger Nord stand immer wieder auf einem Podest und war so bis in die hinteren Reihen zu sehen. Leider war der mehrstimmige Gesang hier nicht so gut zu hören, aber das machte das Publikum wett, in dem es lautstark den Refrain mitbrüllte. Bassist West ließ zum Track „Made in Germany“ seinen Zopf um seinen Kopf kreisen. Das Licht war hierbei echt schick – von oben nach unten war die Stage in schwarz-rot-gelbes Licht getaucht – ein toller Effekt. Und wieder wurde mitgesungen. Anschließend begrüßte uns der Frontmann mit den Worten: „Guten Abend in Dresden. Wir haben die Ehre, diesen wundervollen Abend zu eröffnen.“ Gut gelaunt stimmte er dann „Feuerwasser“ „von unserer neuen Tour-Edition“ an, was super bei den Zuschauern ankam. Die Arme waren oben und der Text wurde von vielen Kehlen mitgegrölt. Die Gitarristen West und Ost wechselten immer mal wieder die Seiten und rockten mächtig ab, während Nord recht oft am vordersten Bühnenrand stand. Es folgte „Auge um Auge“, wo das Licht leider etwas blendete, zumindest da, wo ich stand. Hier gefiel mir besonders, dass Nord den Text sang und nicht so rausbrüllte – das klang echt gut und er sollte meiner Meinung nach viel mehr singen. Mit einer Art Kanone schoss West zwischendurch Bandshirts in die Menge, die bis fast ganz nach hinten flogen – coole Idee. Anschließend wurde das Lied fertig gespielt. Und wer noch nicht genug gesungen hatte, bekam seine Chance bei „Totgesagt doch neugeboren“ – „ein Lied zum Mitsingen“.

Hämatom
Hämatom

Beim Gitarrensolo von Ost waren alle Arme oben und weiße Lichtkegel setzten die Jungs toll in Szene. Als nächstes folgte das Marteria-Cover „Kids“, wo der Rhythmus sehr treibend war und das „Peng, peng, peng“ im Refrain durch den Saal hallte – viele Fans brüllten es mit. Die Stimmung war gut und die Band hatte ihren Spaß daran. Grinsend hatte Nord dann eine „erfreuliche Mitteilung“ für sein Publikum – er kündigte an, dass sie ja bald wieder in der Stadt spielen würden, dann aber auf eigener Headlinertournee. Das wurde gut beklatscht und in diesen Beifall hinein begann „Alte Liebe rostet nicht“. Die Gitarristen standen bei Süd, ihrem Drummer, der alles gab, und überall wurde gebangt – die Haare flogen nur so. Und weil es „wie immer wunderschön“ war, mussten sie dann auch schon zum Ende kommen – immer wenn es am schönsten ist. Zu „Leck mich!“ forderte Nord, dass wir „alle Mittelfinger in die Lüfte“ heben sollten – passend zum aggressiven Text. Weil ihm so warm war, verlief seine Schminke im Gesicht und es sah aus, als ob er schwarze Tränen weine, was aber nicht der Fall war – er ließ die Massen den Text brüllen. Ost spielte seine Gitarre mit der Faust – so geht es auch. Und am Ende bedankte sich die Formation mit einem fetten „Respekt! Vielen Dank!“ Die vier verbeugten sich noch gemeinsam und unter Winken und viel Applaus verließen sie die Bühne.

In Extremo
In Extremo

Während des Umbaus für den Hauptact wurde dann durchgesagt, dass die Zuschauer doch alle mal etwas nach links treten sollten, wo noch Platz war, damit auch der Rest des Publikums in den Saal kam – das fand ich toll. Die Meute war schon ungeduldig und viele „In Extremo“-Gesänge waren zu hören. Als der Banner auf der Stage gewechselt wurde, tobte die Menge schon und dann wurde beim Intro mitgeklatscht. Dann blitzte und funkte es und das Banner fiel. „Quid pro quo“ erklang, Dr. Pymonte spielte seine riesige „Zither“ mit einem großen Knüppel, Specki war auf einem Podest oben und drosch nur so auf die Drums ein und Sänger Micha kam ganz nach vorn an den Rand, wo ihm alle Fans zujubelten. Der Text wurde mitgegrölt und die Arme waren oben. Der mehrstimmige Gesang der Band war hier super zu hören und war ein echter Trommelfellstreichler. Die Arme blieben dann gleich oben, denn die „Feuertaufe“ erklang. Passend zum Text schossen Feuerstöße nach oben und heizten uns allen noch mehr ein. Die beiden Dudelsackspieler Flex und Yellow kamen nach vorn und stachelten sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Immer wieder wechselten sie die Plätze und kamen, im Wechsel mit Micha und ihren Kollegen, an den Bühnenrand, um sich bejubeln zu lassen. „Einen wunderschönen guten Abend in der wunderschönen Stadt Dresden“, so die begrüßenden Worte vom Frontmann. Dann wurde ein Shirt aus dem Publikum auf die Bühne geworfen, dass Micha dann Dr. Pymonte zusprach. Gut gelaunt gab er dann den Startschuss zu „Zigeunerskat“, wo Specki sich absolut verausgabte. Gitarrist Lutter kam hier zu seinem Moment, als es sich vorn beklatschen ließ.

In Extremo
In Extremo

Und dann – „Dr. Pymonte wird euch jetzt ein schönes Lied vorspielen“ – er kam mit seiner Harfe auf dem Arm in die Mitte und spielte das Intro zu „Vollmond“ – die Menge explodierte schier. Dabei wurde er von hinten angestrahlt, was toll aussah. Pymonte spielte und die Fans sangen – ein toller Moment. Dann zog Micha seine Jacke aus und fiel in die Fangesänge ein. Gemeinsam wurde der Hit zelebriert. Die Dudelsackspieler machten ihre Späßchen miteinander – die Jungs hatten echt Freude bei ihrer „Arbeit“. Hiernach wurde das Tempo dann wieder schneller, denn ein Bandit aus dem hohen Norden wurde besungen – „Störtebeker“. Überall wurde hierzu getanzt. Van Lange und Flex standen zusammen am Mikrofon und gaben ihr Bestes. Ein wahres Fest! Nachdem der Jubel wieder etwas abgeebbt war, meinte der Sänger „wenn es in Dresden noch Straßenmusiker gibt, ist das nächste Stück genau für diese Leute bestimmt.“ Gemeint war hier „Gaukler“, wo Micha mit geschlossenen Augen und voller Inbrunst den Text sang. Erstmals kam hierbei die Nyckelharpa zum Einsatz und Flex spielte eine Uilleann Pipe – ein irischer Dudelsack, der mit einer Armpumpe aufgeblasen wird. Pymonte hatte wieder seine Harfe auf dem Arm – ein tolles Gesamtbild. Beim nächsten Stück blies er in eine riesigen Tröte, die er kaum hoch halten konnte. So wurde „Unsichtbar“ eingestimmt, wo die Lichtshow wahrlich ein Hingucker war. Die Dudelsackspieler stellten sich mit auf das Podest, auf dem Specki thronte. Es wurde immer wärmer – auch weil zum „Sängerkrieg“ wieder Feuerstöße aufflammten und überall auf der Stage kleine Feuerschalen brannten. Das „Ho – ho -ho“ im Refrain wurde hier lautstark von den Fans mitgebrüllt. Die Arme waren oben und so wurde dieses Stück zu einem der Höhepunkte im Set. Einmal passte Micha nicht ganz auf und wurde fast von einem der Feuerstöße erfasst – aber es ist zum Glück nichts passiert.

In Extremo
In Extremo

„Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ wurde mit einer Tin Whistle eingestimmt und dann war wieder der mehrstimmige Gesang der Formation der Ohrenschmeichler. Nebel und eine Feuershow setzten hier wieder tolle Akzente. Gitarrist Van Lange hatte hinten an seinem Platz eine Art Nachttischlampe stehen, was echt schick wirkte – so konnte er immer sehen, was als nächstes kommen würde. Dann erschallte ein lauter Knall, der nicht wenige erschreckte, weil ein Pyroeffekt zündete. Ein „Rasend Herz“ war damit garantiert – vor Schreck. Doch das gleichnamige Lied wurde dann wieder aus allen Kehlen mitgebrüllt und die Arme waren oben. Durch die viele Pyrotechnik roch es im Saal wie zu Silvester nach Schwarzpulver und Rauch – das empfand ich persönlich als immer unangenehmer. Doch die Fans hatten ihren Spaß und auch die Band meinte: „Es macht verdammt großen Spaß, für euch zu spielen.“ Mit roten Flammen und rotem Licht wurde anschließend das Stück „Roter Stern“ in Szene gesetzt – toll gemacht. Und weil alte und neue Songs sich hier abwechselten, folgte dann „Frei zu sein“, der stimmungstechnisch noch eine Schippe drauflegte.

Doch wir waren an dieser Stelle dann so frei und überließen den Fans das Feld. Wir hatten viel Spaß und danken In Extremo für diese unsagbar beeindruckende und großartige Show. Wir kommen gern wieder! Bis zur nächsten Tour dann…

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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