In Flames: 15 Jahre-Jubiläumstour 20.11.2015 Hellraiser Leipzig

Zum Abschluss ihrer 15 Jahre-Jubiläumstour durch Europa konnten die Schweden von In Flames am 20.11.2015 noch einmal vor restlos ausverkauftem Hause ein sehnlichst wartendes Publikum begeistern. Kurz vor Einlassbeginn standen die Fans in Leipzig, zum Teil nur mit kurzen Shirts und Hosen bekleidet, in kleinen Gruppen und wärmten sich bei fröstelnden Außentemperaturen von innen mit einem ebenso kühlen Bierchen. Wem es dann doch etwas zu kalt war, der flüchtete in den Vorraum des Hellraisers und wechselte so schon einmal einige Worte mit dem Security Personal. Denn bisher war nirgends ersichtlich, ob es einen Support-Act geben würde und wer dieser sein könnte. Dies ließ sich jedoch auch nicht aus den Ordnern heraus kitzeln, so dass das Spekulieren innerhalb der Wartenden weiterging. Im Vorfeld wurde auch schon über die Social Media Kanäle ungeduldig diskutiert. Da sich das Publikum zu Einlassbeginn noch recht überschaubar hielt, trieb es den ein oder anderen gemütlich zum Merchandise-Stand, um sich mit dem neusten Tour-Equipment auszustatten, an die Bar, um Flüssigkeitsverlust vorzubeugen oder auch direkt in die ersten Reihen, um den besten Blick auf die Bühne zu erhaschen. Diese war zunächst noch dunkel, am Mischpult fanden sich Ton- und Lichttechniker erst nach und nach ein, um ein paar Tests durchzuführen. Nachdem auf der Bühne dann doch einige Lampen die Umgebung beleuchteten, wurde ganz schnell klar, dass es eine Vorband geben wird. Um das abgehangene Schlagzeug des Hauptacts standen außerdem mehrere große, schwarze Metallwände, die zunächst noch keinen Anhaltspunkt über ihren Einsatz während des Konzerts gaben. Auffällig waren lediglich die vielen kleinen Kameras, die an verschiedenen Stellen auf der Bühne platziert waren. Auch das Publikum spekulierte wild, nicht nur über Vorband und Bühnengestaltung, sondern auch, dass das 2014 erschienene Album „Siren Charms“ von In Flames schon wieder eine Zeit her ist und demnächst neues Material kommen könnte. Schließlich biete sich die 15 Jahre-Europatour doch auch dafür an, eine solche Bekanntmachung unter die Leute zu bringen – beziehungsweise sogar einen neuen Song zu spielen.

Black Temple
Black Temple

Noch bis zu Beginn waren Spekulationen über Spekulationen aus den Reihen der Fans zu hören, als schließlich das Trio Black Temple die Bühne betrat. Stilistisch bewegen sich die drei Jungs, die ebenso aus Schweden stammen, im Bereich Noise Hard Rock und haben erst in diesem Jahr ihr Debütalbum „It All Ends“ veröffentlicht. Die hitzköpfigen Drei kennen nur einen Weg, ihre Musik zu spielen: Als wäre jeder Ton der Letzte. Das bewiesen die sie auch, als sie auf der Bühne standen. Sänger Jonas Pedersen heizte im Hellraiser über die Bühne, als gäbe es kein Morgen mehr und fegte durch Songs wie „Unlikely Event“ oder „Sleep with the Stars“. Bereits hier wippte das Publikum im Gleichklang zur Aufwärmung mit.

In Flames
In Flames

Doch schlussendlich warteten sie nur auf eine Band: In Flames. Bereits Wochen vorher ausverkauft, schrien das volle Haus immer wieder im Chor „In Flames, In Flames, In Flames!“ Ihre Rufe sollten erhört werden, so dass in blauem Licht und Nebel getränkt Sänger Anders Fridén mit seinen Bandkollegen die Bühne betrat. Mit dem Intro „Jester’s Door“ und dem anschließenden „Everything’s Gone“ starteten sie auch gleich mit einem Knaller des aktuellen Albums „Siren Charms“. Die beiden Gitarristen Björn Gelotte und Niclas Engelin battleten sich bei ihren Gitarrensoli bereits am Anfang des Konzerts, was das Zeug hielt, das gierige Publikum grölte den Refrain ohne große Aufforderung sofort mit. Auch die Crowdsurfer ließen sich nicht lange bitten und genossen es, über die Köpfe der Menge getragen zu werden. Nun kamen auch die schwarzen Metallwände zum Einsatz, die sich als LED-Wände entpuppten und einerseits die Bilder der zahlreichen Bühnenkameras projizierten, anderseits abstrakte Farben und Formen passend zur Stimmung und zum Beat des Songs wiedergaben. Mit den Songs „Black and White“ und „Pinball Map“ zeigten In Flames wieder einmal mehr, dass ihre Wurzeln im Bereich Melodic Death Metal liegen, denen die Band über die Jahre jedoch entwachsen ist. Und auf die Frage „How you’re feeling tonight“ von Sänger Pedersen entgegnete die absolut begeisterte Menge, die bereits nach wenigen Songs die kondensierte Luft an der Decke des Hellraisers zum Tropfen brachte, mit entgegengestreckten Fäusten und Rufen, dass sie richtig Bock auf diesen Abend hätten. Es sollte ein denkwürdiger Gig werden, nicht zuletzt, da es nach siebzehn Jahren Bandmitgliedschaft das letzte Konzert des Schlagzeugers Daniel Svensson sein sollte. Wohl auch deswegen verlangte die Band alles von den Fans: „Are ready to dance with Daniel tonight? Give him everything you got!“, forderte der ungewohnt redselige Frontmann die Massen auf, stimmte zum nächsten Song „Disconnected“ ein und dirigierte sogleich 1.000 Tanzwütige. Insgesamt rauschte die Band mit sicht- und hörbarem Spaß durch 25 Jahre Bandgeschichte und elf Alben, wobei die Auswahl der Songs die unterschiedlichen Geschmäcker gleichwohl zufrieden gestellt haben dürfte.

Auch wenn In Flames mittlerweile weitaus größere Hallen füllen können, scheinen sie doch immer wieder die Club-Atmosphäre zu genießen. Insgesamt fünf Zugaben, darunter die Klassiker „Cloud Connected“, „Paralyzed“ und schlussendlich „My Sweet Shadow“, sollten den Abend perfekt machen – für das Publikum wie für die Band, die sich tränenreich und in den Armen liegend von ihrem Schlagzeuger unter tosendem Applaus verabschiedeten. Glücklich und traurig zur gleichen Zeit wird sich Daniel Svensson wohl noch in zehn Jahren an diesen denkwürdigen Abend zurückerinnern.

Autor & Photos: Mistifly

Hier geht es zu den Galerien des Abends