Interview mit Christian Schäfer – „Wir Kellerkinder – Das WGT-Kinderbuch“

Während die Gothic-Szene vor vielen Jahren noch ausschließlich schwarz trug und von den Mitmenschen als eher düster, dunkelromantisch und tieftraurig wahrgenommen wurde, hat sich dieses Bild bis heute gewandelt. Auf den Festivals und Konzerten ist es bunter geworden, die einzelnen Subkulturen innerhalb der Szene haben alle ihren Platz gefunden und – am wichtigsten – es kommen auch immer mehr Familien zu den Events, wie zum Beispiel zum Wave-Gotik-Treffen. Einer dieser langjährigen WGT-Besucher ist Christian Schäfer, der seit einiger Zeit selbst Vater ist und nun ein Kinderbuch zum wohl bekanntesten Szenefestival plant. Wir wollten das genauer wissen und haben um ein kurzes Interview gebeten.

UnArt:  Hallo Christian, bevor wir loslegen, stell dich doch bitte kurz vor.

Christian:  Gerne. Ich bin 42, komme aus Hamburg, bin Vater einer vierjährigen Tochter und seit etwas über einem Vierteljahrhundert in der schwarzen Szene unterwegs ohne, dass ich mich selber als typischen Grufti bezeichnen würde.

UnArt:  Du planst ein Kinderbuch über und rund um das WGT. Wie und wann kam dir die Idee?

Christian:  Die Idee hat mich quasi angesprungen. Seit 24 Jahren besuche ich das WGT und seit etwa drei Jahren lese ich mit meiner Tochter Kinderbücher. Und in diesen Büchern sind nun mal nicht unbedingt die Geschichten drin, die einen selbst interessieren würden, trotzdem sind sie zum Teil echt gut gemacht. Ganz egoistisch wünscht man sich da schon, dass es ein Buch gäbe, das dem Kind gefällt und dem Vater auch Spaß macht. Und dann möchte man natürlich auch einfach etwas mit seinem Kind teilen, was einem selber wichtig ist.

UnArt:  Wir haben gelesen, dass es ein Wimmelbildbuch werden soll. Gibt es bestimmte Motive, die gesucht werden müssen? Und gibt es trotzdem noch Text zum Lesen oder Vorlesen?

Christian:  Ja genau, es wird ein Wimmelbuch. Ich finde, das ist einfach die geeignetste Form das WGT mit all seinen verschiedenen Charakteren abzubilden. Die ganze Stadt ist schwarz, wie kann das erst in einem Wimmelbuch aussehen? Zu Vorlesen wird es nichts geben, dennoch werden einige Figuren mit einer kleinen Story daherkommen und diese durch alle Seiten hindurch visuell erzählen. Die wenigen Texte, die es geben wird, werden übrigens in Deutsch und Englisch abgedruckt werden, so dass auch Festivalbesucher aus dem Ausland daran teilhaben können.

UnArt:  Du hast mit Gotikatur/Jan-Erik Mendel aus Leipzig einen Illustrator an deiner Seite, der dich bei dem Buch unterstützt. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Christian:  Der Kontakt zu Jan war die eigentliche Initialzündung, das Projekt zu machen. Ich hatte mir Anfang des Jahres vorgenommen, ein eigenes Projekt umzusetzen, neben der Arbeit, nur für mich. Gotikatur war sofort mein Favorit für die Illustrationen. Ich dachte, wenn er Lust hat mitzumachen, dann ziehe ich es durch. Also hab ich ihn einfach angeschrieben und konnte ihn für meine Idee begeistern.

UnArt:  Wer euch auf Facebook folgt, kann sich schon jetzt einige Clips anschauen, die ihr bisher gedreht habt. Auch Bands sind an deiner Idee interessiert. Welche Menschen beteiligen sich aktuell an der Entstehung des Buches?

Christian:  Momentan bin das vor allem ich selber, aber Jan unterstützt mich bereits jetzt und spätestens, wenn das Buch umgesetzt werden muss, wird sein Einfluss als Illustrator natürlich viel stärker. Ich sehe mich vielmehr als Herausgeber. Darüber hinaus bekommen wir immer mehr Unterstützung von außen. Vor kurzem haben uns Ash Code aus Italien ihren Fans vorgestellt! Und ein paar weitere Unterstützer stehen auch schon fest und werden sich in den kommenden Tagen zeigen.

UnArt:  Was muss der Interessent tun, um das Buch irgendwann in den Händen zu halten? Habt ihr einen Verlag, mit dem ihr zusammenarbeitet und – wichtigste Frage – wie finanziert ihr das Ganze?

Christian:  Lass mich deine letzte Frage zuerst beantworten, denn daraus ergeben sich die anderen Fragen quasi von selbst. Wir werden in Kürze eine Kickstarter-Kampagne starten, in der wir allen Interessenten die Möglichkeit geben werden, sich das Buch selber zu sichern und sogar selbst zu einer Figur im Buch zu werden! Bekommen wir genügend Unterstützung, wird das Buch Realität und irgendwann Anfang des kommenden Jahres an alle Unterstützer rausgehen. Einen Verlag haben wir nicht im Hintergrund, wollen wir auch gar nicht. Wir wollen alle Schritte selber gehen.

UnArt:  Nun steht ja das WGT 2019 vor der Tür (in 18 Tagen ist es soweit). Hast du irgendwas geplant, um deine Idee auf dem Treffen vorzustellen?

Christian:  Nun, da das Buch ja noch nur eine Idee ist, können wir ja noch nichts präsentieren. Im nächsten Jahr könnte das dann wiederum ganz anders aussehen. 😉

UnArt:  Eine spannende Idee, wie wir finden! Deswegen werden wir das Ganze mal im Auge behalten und euch, liebe Leser, zu gegebener Zeit über die Kickstarter-Kampagne informieren. Und wir haben uns fest vorgenommen, uns mit Christian zum WGT zu treffen. Denn auch wir sind irgendwie „Kellerkinder“ und vielleicht findet ihr uns am Ende auch im Buch wieder.

Bilder: Copyright by Gotikatur  & Pictures Of Life – Mandy Privenau