IX. E-Only Festival: 16.02.2019 Altes Stadtbad Leipzig

Dass das E-Only Festival ein Event für alle Freunde der elektronischen Musik ist, ist weithin bekannt. Und so pilgerten am 16.02.2019 wieder viele Electroheads, EBM-Liebhaber und andere Feierwillige ins Alte Stadtbad nach Leipzig, um bei der 9. Ausgabe des Festivals dabei zu sein. Auch wir waren mit dabei, denn das durften wir uns nicht entgehen lassen. Der Einlass verzögerte sich ein wenig, aber dann ging es flott hinein.

Beyond Obsession

Die große Halle war noch eine Weile abgesperrt, da die Soundchecks noch nicht durch waren, aber dann konnten wir doch pünktlich vor die große Bühne treten, um den Opener des Tages mitzuerleben. Dieses Mal waren es Beyond Obsession, die den Anfang machten. Andrè stand im Rock an seinen Keyboards und Nils grinste zufrieden in die bereits erschienene Menge vor der Stage. „Herzlich Willkommen auf dem E-Only 2019“, so seine begrüßenden Worte. Dann tanzte er zu den eigenen Klängen los und verbreitete gute Laune. Der Sound war echt gut und die Fans in den ersten Reihen bewegten sich ebenfalls mit. Zu „Invisible war“ meinte Nils: „Es darf geschunkelt werden.“ Wer das Duo kennt, weiß, dass die Gigs immer viel Spaß machen und so auch an diesem Abend. Mit „Ghost pictures“ oder „Song for the dead“ kam immer mehr Stimmung auf. Es wurde mitgeklatscht und vor allem der zweistimmige Gesang der Jungs wurde bejubelt. Die Lichtshow war auch nicht zu verachten. Mal sang Nils mit geschlossenen Augen, dann lief er auf der Bühne hin und her, dann tanzte er wieder oder aber er fiel auf die Knie und legte all seine Emotionen in den Song – Klasse! Weiter ging es noch mit „Tokyo underground“ und „Lie after lie“, wo die Arme im Publikum oben waren. Den Abschluss des Sets bildete dann „Caledonia“ „vom neuen Album“. Als auch das gesungen war, wünschte uns die Band noch „viel Spaß auf dem E-Only 9. Vielen Dank Leipzig.“ Danke auch an euch Jungs – es war uns wie immer ein Fest. Der Anfang war wahrlich gelungen!

Trilogy

Es wurde umgebaut und als nächstes ging es musikalisch in Oldschool-Gefilde, auch wenn es Trilogy erst seit sieben Jahren gibt. Das Trio betrat bei einem Intro die Stage und dann hämmerte richtig guter EBM aus den Boxen, wobei der Beat live von Leo am Schlagzeug beigesteuert wurde. Über den Herren hing eine riesige Videoleinwand, auf der bewegte Bilder zu sehen waren. Keyboarder Erick trug eine Sonnenbrille und war sehr auf seine Tasten konzentriert, wohingegen Frontmann Jens hin und her lief und seine Texte aggressiv herausbrüllte. Dabei schaute er immer recht böse, war gut zu den harten Rhythmen passte. „Combat surfer“ machte den Anfang, wobei Jens immer wieder die Faust emporhob. Am Ende des Stückes stand er mit geschlossenen Augen und ausgebreiteten Armen in der Mitte der Stage und genoss den Moment. Immer wieder wurde das Trio in Nebel eingehüllt, wie etwa bei „Blut und Eisen“, und war so auch mal kurzzeitig nicht zu sehen. Vor der Bühne genossen die Zuschauer die treibenden Beats und ließen sich zum Tanzen und Stompen anregen. Der Sänger war so derartig präsent, so dass sich ihm niemand entziehen konnte. Und wenn er am vorderen Bühnenrand in die Hocke ging und mit Inbrunst seine Songs darbot, das hatte schon was für sich – so geht guter EBM!

Alvar

Dann ging es für uns in Richtung Electrobühne, die wieder im kleineren Raum des Stadtbads aufgebaut worden war. Hier machte das schwedische Quartett Alvar den Anfang. Sie hatten wahnsinnig viel Technik auf der Bühne aufbaut und boten ihre Stücke so live zusammengestellt dar – soweit ich es beurteilen kann, kam hier nur ganz wenig vom Band. Der Sänger Jonas trat mit einer Maske ans Mikrofon und sang inbrünstig. Der Rhythmus war eher langsamer, so dass das Publikum nur fasziniert zuschaute und mitwippte, als ausgelassen zu tanzen. Das Ganze glich für mich persönlich auch eher einer Art Performance, als einem Konzert. Die Songs waren allesamt etwas „unglatt“ und doch beeindruckend. Wenn Fredrik zu seinem Keyboard griff und wild in die Tasten griff, war ihm die Hingabe zu den Klängen anzusehen. Johanna war hinter der Technik, die in einem alten Koffer aufgebaut war, kaum zu sehen. Besonders cool fand ich, wie Jimmy die Drums fabrizierte – es waren nämlich nicht nur E-Drums, auf die er da eindrosch. Auch ein Stahlrohr kam zum Einsatz und erinnerte ein wenig an die frühen Depeche Mode, die ihre Sounds erzeugten, indem sie auf altes Metal einschlugen und die Klänge dann in ihre Songs einbauten. Das Ganze war insgesamt mal etwas ganz Anderes und auch so etwas gehört zu einem elektronischen Festival.

Elegant Machinery

Auf der Hauptstage ging es dann fluffig weiter, denn Elegant Machinery standen auf dem Plan. Das Intro lief und die Fans tobten schon. Keyboarder Jimmy sang bereits, mit verzerrter Stimme, los und dann kam Frontmann Robert hervor und die Stimmung war direkt am Höhepunkt. Keyboarder Thomas lächelte und genoss den Moment. Los ging es mit „Move on“ und wirklich jeder in den ersten Reihen tanzte ausgelassen los. Selbstverständlich wurde auch mitgesungen und so unterstützten die Zuschauer den mehrstimmigen Gesang ihrer Helden. Robert war gut drauf und tanzte auf der Stage von links nach rechts und zurück. Auch über ihnen war auf der Leinwand ein Video zu sehen. „Leipzig – hallo Leute“, so die gutgelaunte Begrüßung. Gelbe Lichtkegel wanderten zwischen den Jungs hin und her und der gut abgestimmte Sound bei „Hard rain (Watching you)“ war eine wahre Freude. Nicht nur das Publikum hatte Spaß, auch die Musiker waren sichtlich erfreut. Bei „Entwinded“ warf der Sänger händeweise Buttons in die Menge, was für zusätzlichen Applaus sorgte. Bei „Hard to handle“ tanzten wir allerdings schon wieder richtig Ausgang, denn die zweite Bühne rief uns.

Crack Down

Auf der Electrostage war es nun Zeit für Crack Down aus Dänemark. Auch Kim hatte seine ganze Technik mitgebracht und stand so vor einer Wand aus Knöpfchen, Drähten und Reglern, an der er sich immerwährend zu schaffen machte. Währenddessen sprang Sänger Lasse auf der kleinen Stage hin und her und bot die Songs dar. Dabei kam er immer wieder an den vorderen Bühnenrand. Als Licht gab es hier fast nur Strobo, was dazu führte, dass die Bewegungen der Herren oftmals abgehackt aussahen. Der Beat war monoton und die Fans feierten das Duo. Im Hintergrund lief ein Video, das auf die beiden projiziert wurde. Lasse sang immer mit geschlossenen Augen. Außer seinen Gesangsparts waren auch Sprachsamples in den Stücken enthalten, was eine tolle Mischung ausmachte. Kim war voll in seinem Element und auch Lasse legte mal Hand an die Technik, jedoch gingen beide voll zu den eigenen Liedern ab – da war Spielfreude zu erkennen. Mal sangen sie von „Machinery for you and me“ und dann von „we came to kill“ – das war eine gelungene Mischung und wir hatten Spaß – danke dafür!

Parade Ground

Als nächstes betraten Parade Ground aus Belgien die kleine Bühne. Der Gig startete mit einer Sirene und Pierre sprang im Takt auf und ab. Auch hier wurden Videos abgespielt, die auf die Musiker geworfen wurden. Sänger Jean-Marc kam im Anzug auf die Bühne, wohingegen sein Bruder in Unterhemd und Hosen auftrat. Der Gesang kam mit viel Druck dahinter und in der ersten Reihe feierte auch Dirk Ivens, der später auch noch seinen eigenen Auftritt haben sollte, mit ab. Pierre war hier der etwas hyperaktive Part des Duos und klopfte sich immer wieder mal auf die eigene Brust, schwang den Mikroständer auf die Schulter oder tanzte wild. „Hello there“, so die knappen ersten Worte ans Publikum. Die beiden bildeten irgendwie zwei Pole – einen aktiven, dem wir einfach zusehen mussten, weil diese Energie so ansteckend war, und einen eher ruhigeren, der die Texte mit viel Leidenschaft darbot. Beide klatschten auch mal miteinander ab – die beiden Brüder waren wohl echt ein gutes Team. Dann fiel Jean-Marc beim Singen auf die Knie und gab wirklich alles – die Fans der Formation waren echt begeistert und feierten die beiden Belgier ausgelassen.

Frozen Plasma

Wir pilgerten aber schon wieder in Richtung Hauptbühne, wo Frozen Plasma schon angefangen hatten. Die Zuschauer waren bereits im Tanzmodus und Frontmann Felix hatte seinen Spaß. Auch er selbst tanzte ausgelassen zu „Hypocrite“, während Vasi hinter seinem Technikpult mitwippte. Leider blendeten die Scheinwerfer die Fans in den ersten Reihen immer wieder, aber die Freude an dem Gig ließen sie sich nicht nehmen und feierten ausgelassen weiter. In der Halle wurde es so immer wärmer. „Hallo Leipzig. Seid ihr motiviert? Seid ihr geil?“ Was für eine Frage! Mit einem riesigen Jubel ging es gemeinsam auf, den frischen Song „Safe.Dead.Harm“ zu zelebrieren. Passend dazu lief über der Band das Musikvideo auf der Leinwand und passend zum Text, erhob Felix die Faust, was ihm viele Fans gleich taten. Er ging ganz in seinem Gesang auf und untermalte seine Texte immer wieder mit ausladender Gestik. „Synthpop ist auch schön“, so seine schelmenhafte Aussage zu den eigenen Klängen. Kurz gab es technische Probleme, die der Sänger mit lockeren Sprüchen überbrückte und dann erklang „Foolish dreams“. Bei „Irony“ bildeten die Arme aller Zuschauer ein Armemeer, was echt toll aussah. Und später im Set verschwand Felix auf einmal und Nils von Beyond Obsession griff zum Mikrofon. Gemeinsam präsentierten sie die Live-Premiere von „Haunting memories“, was super ankam. Spaß hatte ich persönlich vor allem an dem Trans-X-Cover von „Living on video“, denn das dazugehörige Video war absolut amüsant – von alten Videospiele-Klassiker, über die Muppets war hier alles dabei und ich musste sehr lachen. Danke für diesen spaßigen Moment!

Lucifer’s Aid

Musikalisch ging es auf der Electrobühne mit Lucifer’s Aid wieder auf nach Schweden. Mit einer Kapuze über dem Kopf trat Carl vor seine Fans und legte mit „Suffer in silence“ los. „Hello Leipzig“ war seine knappe Begrüßung und dann ging er ganz in seiner Musik auf. Oftmals war er kaum zu sehen, denn entweder war es zu dunkel auf der Stage oder aber das Strobo blitzte zu hell auf. Außerdem waberte immer wieder Nebel durch den Raum. Den Zuschauern war das aber egal und so wurde getanzt und gefeiert. Carl selbst sprang herum, lief auf der kleinen Bühne hin und her oder er kam an den vorderen Bühnenrand und sang die Personen in der ersten Reihe an. Vor allem bei „Control yourself“ sprach er immer wieder verschiedene Fans direkt an, indem er mit dem Finger auf sie zeigte – das nenne ich mal Interaktion. Das war super! Der Sound war zwar etwas laut, aber insgesamt recht gut. Da gab es nichts zu meckern!

L’Âme Immortelle

Allerdings war das bei L’Âme Immortelle leider anders. Zumindest, als ich dem Auftritt folgte, war der Sound anfangs eher suboptimal. Mal waren die Drums zu laut, dann war Sonjas Stimme zu leise und wenn sie und Thomas gemeinsam sangen, war er zu leise. Das war echt schade! Nach und nach wurde es besser und an anderen Stellen im Saal klang es wohl anders, denn die Zuschauer hatten ihren Spaß und feierten zu Songs wie „Why didn’t I die“ oder „Letztes Licht“. Immer wieder brillierten Thomas und seine Kollegin mit zweistimmigem Gesang und Sonja tanzte in ihrem Kleid über die Stage. Die Band wurde dabei mal in rosa und dann wieder in weißes Licht getaucht. Keyboarder Gregor sang auch mit, auch wenn er kaum zu hören war. Dann war Sonja auf einmal verschwunden, kam aber schnell wieder zurück, denn ein Lied durfte an diesem Abend nicht fehlen: „Der Song, mit dem alles begonnen hat vor über 20 Jahren…“ Gemeint war selbstverständlich „Bitterkeit“ und Musiker und Fans feierten dieses Stück ausgiebig. Es wurde mitgegrölt und der Beifall war grandios. Mit diesen Klängen im Ohr zog ich mich aber erstmal zurück, um gepflegt mit Freunden einen trinken zu gehen – auch dafür sind Festivals da.

Dirk Ivens

Währenddessen lauschten wir dem Gig von Dirk Ivens, der Songs von einigen seiner Projekte mit im Gepäck hatte. Dirk selbst tobte tanzend über die kleine Electrostage und wurde nur von flackerndem Strobolicht erleuchtet. Mit einem Megaphon in der Hand brüllte er seine Texte immer wieder ins Mikrofon und tanzte mit seinen Zuschauern um die Wette. „Something“, „Sick in your mind“ oder „Burn Baby Burn“ brachten die Menge schier zum Ausrasten. Die Stimmung war megagut und der Beifall fiel immer lauter aus. Und am Ende des Sets wurde sogar nach einer Zugabe geschrien, die der Belgier gern erfüllte. So kamen die Gäste des E-Only noch in den Genuss von „Moving Hands“, einem alten The Klinik-Klassiker, der wahrlich abgefeiert wurde. Gewohnt souverän und absolut tanzbar, das war Dirk Ivens Auftritt an diesem Abend. Gekonnt ist eben gekonnt!

And One

Und dann war es endlich Zeit für den Headliner des Abends. And One aus Berlin hatten sich angesagt und bei einem Intro kamen die vier Herren nach vorn, um sich mit einem frenetischen Applaus begrüßen zu lassen. Steve und Joke hatten sich beide ein Mikrofon gegriffen und schon ging es mit „Take some more“ in die Vollen. Die Lichtshow war von Anfang an genial. Die Keyboarder Nico und Rick gingen hinter ihren Instrumenten gut ab, während ihre Kollegen abwechselnd von links nach rechts liefen und zurück. Der Sound war hier wieder besser, so dass es eine Wonne war, den Klängen zu lauschen. Mit einer Faust gen Himmel gereckt, meinte Frontmann Steve: „ Wir sind wieder in Leipzig!“ Und schon stimmte er „Second front“ an. Joke ging hier an seine E-Drums und drosch nur so darauf herum. „Jetzt geht’s los! Die ersten zwei Lieder waren für uns, das ist für euch. Zeit aufzuwachen, ihr Säcke!“ Mit einem Augenzwinkern heizte der Sänger dem Publikum ein und die Party kochte richtig hoch. Es wurde zu „Military fashion show“ mitgegrölt und getanzt, was das Zeug hält. Bei einem Keyboard-Solo stellte Steve seinen Kollegen Nico vor, so dass er sich seinen Beifall abholen konnte. Weiter ging es dann mit „Get you closer“ wo der Frontmann in einer Art Stern aus Licht in Szene gesetzt wurde. Die zweite Stimme von Joke kam hierbei richtig gut rüber und das Tanzen wie Dave hatte Steve auch an diesem Abend gut drauf. Die Mädels im Saal waren hin und weg. Der Mann flirtete aber auch mit seinen Anhängern: „Wisst ihr was? Ihr seht heute jünger aus denn je.“ Alter Charmeur. Er verriet, dass er bald 50 werden würde – irgendwie glaube ich das nicht, denn für mich sieht er immer noch aus, wie bei dem ersten Konzert, als ich ihn 1993 gesehen habe. Nach weiteren lockeren Sprüchen erschallte „Für“ und die Menge feierte direkt weiter. Und als dann auch noch das Project Pitchfork-Cover „Timekiller“ erklang, war auch noch der Letzte im Saal gut gelaunt und tanzte mit.

Alles richtig gemacht! Mit einem Lächeln im Gesicht machten wir uns an dieser Stelle dann aber auf den Heimweg. Wir hatten viele gute Gigs miterlebt bei diesem E-Only und waren nun müde. Die feiernde Meute verausgabte sich noch bis zum letzten Ton. Es gab kaum technische Probleme und kaum Verzögerungen, so dass wir die 9. Ausgabe des Events mit dem Stempel „sehr gelungen“ verzieren können. Danke an das Team von Organisator Holger Troisch – ihr habt das toll gemacht! Es war uns ein Fest und wir sind auch gern zum 10. Jubiläum im nächsten Jahr wieder mit von der Partie.

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

Hier geht es zu den Galerien des Abends