Land Über & Katharina Johansson: Tour 2018 24.11.2018 Lutherkirchgemeinde Radebeul

Auch 2018 sind Karl Helbig und Benni Cellini, die zusammen das Duo Land Über bilden, zusammen mit der Sängerin Katharina Johansson auf Tour gegangen. Am 24.11.2018 haben die drei in der Lutherkirchgemeinde in Radebeul Station gemacht, um mit ihren Klängen für einen wundervollen Abend zu sorgen. Wir hatten Land Über lange nicht live erlebt und deswegen mussten wir dabei sein. Und was sollen wir sagen – es hat sich gelohnt.

Land Über & Katharina Johansson

Die Sitzplätze füllten sich schnell und als es dann 20 Uhr war, war kaum noch einer der Stühle frei. Benni und Karl kamen nach vorn und begrüßten uns mit einem „Herzlich Willkommen in Radebeul“. Benni erzählte davon, dass sie einmal im Jahr mit der schwedischen Sängerin Katharina Johansson auf Tour gehen. Das Duo war nunmehr schon seit zehn Jahren nicht mehr in Radebeul gewesen und, so der Cellist: „Ich bin gerade aufgeregt.“ Sie begannen mit dem Stück „Licht“. Erst klopfte Benni auf seinem Cello und spielte diese Sounds über seine Loop-Maschine wieder ab. So hatte er den Takt für das Lied, zu dem er nun die Saiten des Instrumentes zupfte. Auch Karl spielte mit den Loops und so bauten sie gemeinsam die Klangwelt auf. Mal wurde mit dem Bogen über die Saiten des Cellos gekratzt und Karl spielte mal laut und intensiv, dann wieder sachte und leise. Auf einmal war aber die Stimme von Katharina zu hören. Ich hatte sie bis dahin noch gar nicht wahrgenommen, denn sie saß in der ersten Reihe, aus der sie sich nun erhob, um ihre Kollegen gesanglich zu unterstützen. Alle drei hatten sichtlich Spaß – sie lächelten immer wieder und sahen sich hin und wieder an. Das Saxophon von Karl und Katharinas Stimme verschmolzen förmlich, denn sie hatten die gleiche Tonlage – großartig! Der Beifall am Ende war entsprechend wohlwollend. Benni schien glücklich und wischte sich eine kleine Träne aus den Augenwinkeln.

Land Über & Katharina Johansson

Noch einmal begrüßte er die Anwesenden. Er erklärte, dass sie hier seien, um in „der vorvorweihnachtlichen Zeit den Stress runterzufahren. Ihr könnt entschleunigen, ihr könnt träumen“. Dann berichtete er noch davon, wie sie Katharina vor 12 Jahren kennengelernt haben und wie es schließlich doch noch zu einer Zusammenarbeit kam – „Warum erst jetzt?!“, das war die Frage, die sie sich selbst stellten, denn es klappte sofort super. Gemeinsam hatten sie sogar schon beim nördlichsten Musikfestival in Schweden, Katharinas neuer Heimat, gespielt – „das war kalt und sehr schön“. Passend dazu folgte „Jag serdig“ – ein Lied mit schwedischem Text. Es war eine wahre Freude, den drei Musikern beim Spielen zuzusehen – ihre gute Laune war ansteckend. Wie sich die Sounds aufbauten, faszinierte viele Zuschauer sichtlich. Benni erzeugte hier zeitweise echt wilde Geräusche auf seinem Cello – die hätte ich so gar nicht erwartet. Als nächstes berichtete auch Katharina vom Beginn ihres gemeinsamen Weges – alle hatten sich jahrelang nicht angesprochen und nach einer Zusammenarbeit gefragt, denn sie dachten jeweils, dass der andere doch „eine Stufe höher“ stünde. Das sorgte für diverse Lacher und wir kamen alle zu der Erkenntnis – „reden, reden, reden“, das kann helfen. Mit „Dresden“ kam ein Track an die Reihe, wo der Text aus der Zeit stammte, in der die Pegida noch jeden Montag Demos in der Stadt abhielt und überall darüber berichtet wurde. Das wollten die Musiker so nicht einfach stehen lassen, denn „für uns ist Dresden viel, viel mehr“. So entstand dieses „Liebeslied an die Stadt“. Der englische Text war sehr schön und beschrieb die Stadt als „perfect place“. Dann wurde das Stück auf einmal düster, wo es um einen „Monday evening“ ging und hier sang sogar Benni mit. Doch schließlich wurde das Lied wieder sanfter und es wurde wiederum von der Schönheit und Atmosphäre Dresdens geschwärmt – toll gemacht!

Land Über & Katharina Johansson

Hiernach berichtete der Cellist davon, dass das Trio verschiedene Wege hat, um einen Track zu produzieren. Beim Folgenden war es so, dass die beiden Herren einen Song für Katharina geschrieben hatten, in dem Blumen beschrieben wurden, weil sie ja in ihrer nordschwedischen Heimat vielleicht friere. Sie trug dazu einen französischen Text vor, der sehr fröhlich klang. Sie unterstrich das Gesungene auch mit Gestik und tänzelte zur Musik umher. Das machte mächtig Freude! Es gab sogar einen Szenenapplaus für Karls Saxophonspiel. Dann stoppte die Musik und alle drei sangen den Refrain – dann setzte die Musik doch wieder ein und das Publikum klatschte im Takt mit. Ein toller Moment, der mit viel Beifall belohnt wurde! Im Anschluss erzählte die Sängerin davon, wie sie auf der jetzigen Tournee mit ihrem schwedischen Auto unterwegs sind, in dem die Heizung nicht funktioniert. Um nicht zu erfrieren, wickelten sie sich immer in Decken ein und „sehen aus wie Kohlrouladen“. Und damit wir nicht zu sehr ins Frieren gerieten, spielten sie nun „Frühling“ für uns, denn „ein bisschen Sehnsucht darf man schon haben, wo doch der Winter erst anfängt“. Karl spielte hier Querflöte, was klanglich absolut in das frühlingshafte Thema des Stückes passte. Wir hatten direkt das Gefühl, dass wir auf einer Wiese standen und endlich wieder frisches Grün erblickten – schön! Danach verkündete Benni, dass es gleich eine kleine Pause gäbe, doch zuvor präsentierte uns Katharina noch ein Lied aus ihrer frisch erschienenen ersten Solo-CD „Wide open“. Wir bekamen den Titelsong auf die Ohren, in dem es um die „Weite des Himmels in Nordschweden“ ging. Sie begleitete sich selbst am Keyboard und der Klang passte absolut perfekt zu dem von ihr beschriebenen Himmel in Schweden. Außerdem spielte sie mit ihrer Stimme, was ebenfalls toll war – der Track machte Lust auf mehr und einige Zuschauer griffen in der Pause direkt am eigens aufgebauten CD-Stand zu.

Land Über & Katharina Johansson

Nach der kleinen Erholungspause meinte Benni schelmisch: „Schön, dass noch alle da sind.“ Er lächelte und erzählte von einem Konzert, dass Karl und er vor Jahren in der Schweiz gaben. Sie wurden im Anschluss von der Veranstalterin in die Berge eingeladen, um ein wenig gemeinsame Zeit zu verbringen. Dort kam am Morgen die Sonne über die Bergkämme und erleuchtete das ganze Tal. Diese Eindrücke fing das Duo direkt in einem an Ort und Stelle komponierten Lied ein – „Der Berg“ faszinierte auch uns an diesem Abend. Karl hatte immer wieder die Augen geschlossen, summte zur Melodie und Benni lächelte selig. Anschließend kam auch Katharina wieder mit nach vorn und verbeugte sich beeindruckt vor den beiden Herren. Nach dem Land Über-Song war es nun an der Zeit, ein Lied von ihr zu begleiten. Gesagt, getan und „Lonely“ kam zu seinen Ehren. Auf der Tournee hatte Benni an einem Abend Probleme mit seiner Loopmaschine gehabt und sie mussten viermal neu beginnen – in Radebeul klappte aber alles beim ersten Versuch. Der Mix aus englischen und deutschen Textzeilen war gelungen und bildete eine gute Einheit. Hier war es auch so, dass nicht nur die Musikelemente in Schleifen aufgenommen und wieder abgespielt wurden, um eine Klangvielfalt zu präsentieren, nein, auch Katharinas Stimme schallte uns mehrfach entgegen, so dass die Sängerin mit sich selbst im Chor sang. Am Ende griff sie sogar noch in die Tasten des Keyboards und der Beifall war ihnen mehr als sicher. Wahnsinn!

Land Über & Katharina Johansson

Nach einer kurzen Werbeeinlage für das Ferienhaus in Nordschweden, was Katharina mit verwaltete, blieben wir direkt im Land, denn es folgte mit „Santa Luzia“ ein schwedisches Adventslied. „Stellt euch mal vor, ihr seid draußen – es ist Nacht und es ist kalt.“ Einige Zuschauer schlossen die Augen und versetzten sich gedanklich in eine schwedische Winternacht mit Wind und einem „unfassbaren Himmel“ mit Nordlichtern. Karl spielte neben seinem Saxophon auch ein kleines Glockenspiel und Katharina sang mit geschlossenen Augen. Benni hatte ebenfalls die Augen zu und gab sich dem Spiel hin. Ich sah in meinen Gedanken fast schon das grüne Lichtspiel der Polarlichter – absolut schön! Danach holte Benni ein Notenblatt hervor und stimmte den Elton John-Klassiker „Sacrifice“ an, den das Trio in eine ganz andere Klangwelt holte – absolut anders, aber unbedingt hörenswert! Nach dem wohlverdienten Beifall erklärte der Cellist: „Das war die vierte Herangehensweise, wie wir gemeinsam Songs schreiben“ – einfach ein bestehendes Lied, in ihrer Version darzubieten. So verschieden kann das also sein. Normalerweise begleitete Nelson Mandela ihn und Karl bei ihren Konzerten – zwar nicht in Person, doch aber in einem Zitat: „Jetzt ist es an der Zeit, Frieden zu schaffen.“ Und da diese Worte immer noch ihre Gültigkeit haben, durfte das Stück „Frieden“ auch an diesem Abend nicht im Programm fehlen. Katharina zitierte zur Musik ein Gedicht von Joachim Ringelnatz.

Land Über & Katharina Johansson

Dieses Mal gab Karl durch Klappern am Saxophon den Takt an und gemeinsam nahmen sie uns mit auf die musikalische Reise. Es faszinierte mich jedes Mal aufs Neue, wie sich die Tracks nach und nach aufbauten und schließlich rund und fulminant wurden – sagenhaft! Und dann sollte auch schon das „letzte Lied“ erklingen – ein bedauerndes „Oh“ war aus den Zuschauerreihen zu hören. Doch zuvor bedankten sich die drei beim Publikum – „Es ist wunderschön, für euch zu spielen“. Außerdem bedankten sie sich bei der Lutherkirchgemeinde. Mit „Paule“ kam nun ein Stück an die Reihe, das „sehr, sehr alt“ ist. Benni hatte es einst geschrieben, in dem Versuch, seine Gefühle übers Vaterwerden einzufangen. Er hatte versucht sich vorzustellen, wie es wohl daheim klingen wird, wenn erst Kinder im Haus sind, aber „bei uns zu Hause klingt es ganz anders“. Katharina sang zu den so entstandenen Melodien das Schlaflied „Wenn die Sonne ihre Strahlen“. Alle drei sangen sie im Refrain und ihre Stimmen harmonieren wahrlich gut. Das war ein großartiger Abschluss und am Ende verbeugten sie sich breit lächelnd.

Land Über & Katharina Johansson

Diesen Schluss wollte das Publikum aber nicht hinnehmen. Der Beifall wollte nicht enden und es wurde nach einer Zugabe gerufen. Dieser Bitte wurde schnell nachgekommen – hatte die drei doch noch Lust dazu, wie sie vorher schelmisch angedeutet hatten. Mit einem Dank an die Helferinnen an diesem Abend ging es weiter mit diesem „wundervollen Abend“. Wir bekamen so nun „Old & wise“ auf die Ohren, wo das Keyboard von Katharina und das Cello von Benni absolut auf einer Tonebene lagen – das war ein wahrer Trommelfellstreichler. Und ohne weitere Worte kam „Pathetique“ zu seinen Ehren – ein Stück, dass textlich nicht hätte besser passen können. Hier ging es um das Bedauern über das Verrinnen der Zeit – wir hätten Land Über und Katharina Johansson auch noch stundenlang zuhören können. Ihre Stimme war absolut fantastisch und die Jungs gaben ein letztes Mal alles. Mit einem zufriedenen Lächeln hauchte Benni nach Verklingen des letzten Tons ein „Gute Nacht“ in den Raum. Noch einmal verbeugten sich die drei und freuten sich über den stürmischen Applaus.

Es war ein absolut schöner Abend für die Seele. Die verträumten, sphärischen und leisen Töne war genau das Richtige, um vom Alltag abschalten zu können. Vielen Dank dafür! Wer nicht dabei war, hat definitiv etwas ganz Besonderes verpasst. Wenn ihr also mal die Möglichkeit haben sollte, Land Über oder Katharina Johansson oder alle drei zusammen live erleben zu können – nutzt diese Gelegenheit, denn wie schon anfangs gesagt – es lohnt sich!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

Hier geht es zur Galerie des Abends