Leipziger Buchmesse 2016: 16.-19.03.2016 Messe Leipzig – Pressekonferenz

Wie in jedem Jahr luden die Verantwortlichen der Leipziger Buchmesse auch 2016 einen Tag vor Eröffnung zu einer umfassenden Pressekonferenz ein. Also machte ich mich auf, um zu erfahren, welche Highlights die Messe dieses Mal so zu bieten hatte.

Mit geringer Verspätung ging es mit der Begrüßung durch Pressesprecherin Julia Lücke los: „Herzlich Willkommen. Wir wollen Ihnen heute unsere Highlights darlegen. […] Wir sind sehr froh über die Vorzeichen – der Bücherfrühling kann beginnen.“, so ihre einleitenden Worte.

Pressekonferenz LBM 2016
Pressekonferenz LBM 2016

Dann übergab sie das Wort an Martin Buhl-Wagner, den Geschäftsführer der Leipziger Messe. Er stellte zuerst einmal klar, dass für die diesjährige LBM (Leipziger Buchmesse) alles gut aussehen würde. Die Messe sei wieder einmal als Besucher- und Bildungsmesse ausgerichtet und außerdem sei sie die größte Veranstaltung zur Leseförderung. Zahlreiche Events seien geplant und einige besondere beleuchtete er in seinen Ausführungen näher. So etwa das Jubiläum der Veranstaltungsreihe „Leipzig liest“, die 2016 ihren 25. Geburtstag feierte. Dies wurde zum Anlass genommen, die Eventreihe mit einer Fotoaktion zu würdigen, „da jeder weiß, dass es ein wichtiges Erlebnis sein wird“, denn das „Lesen feiern“ sei eben auch eine ihrer Maximen. Das diesjährige Motto „Miteinander sprechen – Leipziger Buchmesse fördert und fordert das offene Wort für eine offene Gesellschaft“ sei besonders wichtig, in Zeiten dieses „gesellschaftlichen Spannungsfeldes“ im Angesichts der aktuellen Flüchtlingsthematik. Doch „Messen stehen für den Austausch mit anderen Völkern“ und so war es für sie ganz klar, sich diesem Feld zu widmen. Sie wollten mit ihren Events eine „Plattform für Meinungen und Debatten“ schaffen – etwa mit der Veranstaltungsreihe „Europa21. Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen“. In den Diskussionen solle das Ganze aber „auf sachliche Ebene kommen“ und so Ergebnisse bringen. Die Messe als „Ort der Begegnung“ stehe im Mittelpunkt. Der Artikel 5 des Grundgesetzes, der für die Meinungsfreiheit steht, liege ihnen allen am Herzen und solle hier unbedingt umgesetzt werden. Viele Meinungen und die „kulturelle Vielfalt als einer der Schwerpunkte“ sollten für eine bunte und erfolgreiche Messe stehen.

Pressekonferenz LBM 2016
Pressekonferenz LBM 2016

Als nächstes kam Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, zu Wort. Er griff wieder den thematischen Schwerpunkt auf und machte noch einmal klar, dass die „Debatte versachlicht“ werden solle. Er erläuterte die Aktion „Europa21“ etwas näher, die in Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung entstand. Insa Wilke habe hier als Kuratorin des Ganzen wertvolle Arbeit geleistet. Das „gemeinsame Denken“ solle als „Experiment für eine offene Gesellschaft und solidarisches miteinander Umgehen“ verstanden werden. Er hoffe auf rege Beteiligung an den Angeboten, denn dieses sei das erste Schwerpunkt-Thema der LBM, „was wirklichen jeden von uns betrifft“.

Pressekonferenz LBM 2016
Pressekonferenz LBM 2016

Weiter ausführend dazu erläuterte Agnieszka Surwillo-Hahn, Projektleiterin der Robert Bosch Stiftung im Bereich Völkerverständigung Europa und seine Nachbarn, warum sich die Stiftung für das Projekt „Europa21“ eingesetzt hat – ganz einfach, weil sich die Stiftung schon immer für Initiativen zur Stärkung des Miteinanders engagiere. So würden das Ehrenamt für und mit Flüchtlingen unterstützt, der sachliche Diskurs gefördert und die „Mitgestaltung der Gesellschaft als Chance“ gesehen. Die internationalen Diskussionen, die bei „Europa21“ sicherlich entstehen werden, sollen hoffentlich zu einem „Dialog über verschiedene Integrationsmodelle“ führen. Die Politik solle dabei nicht ersetzt werden, sondern eher sensibilisieren. Die drei Teile der Aktion wurden einzeln erläutert. Mit einem Dank an die LBM schloss sie dann ihre Ausführungen.

Pressekonferenz LBM 2016
Pressekonferenz LBM 2016

Es übernahm nun Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. „Wie geht es der Branche?“ war seine einleitende Frage. Gut, war seine knappe Zusammenfassung. Auch er begrüßte das diesjährige Schwerpunkt-Thema, denn „in Büchern findet der gesellschaftliche Diskurs statt“. Die Digitalisierung auf dem Büchermarkt fördere dies auch noch und sei so „vielleicht vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks“ an sich. Der sich daraus ergebende Wandel in der Branche käme einer sehr großen Revolution gleich. Das „Geheimnis des Erfolgs“ der Buchbranche läge nun in der Kombination aus Digitalisierung und traditionellem Buchhandel – persönliche Beratung und Onlinehandel müssten Hand in Hand gehen und Verlage sollten sich „dem Autor gegenüber“ immer mehr „als Dienstleister“ verstehen. Insgesamt schaut die Branche positiv in die Zukunft und sie alle seien „bestens aufgestellt“. Die Buchhändler sind alles in allem „stolz darauf mit unseren Produkten zu einer Gesellschaftsprägung beizutragen“. Er dankte der Politik für die Unterstützung der Branche und hoffe auf eine gute Umsetzung des aktuell neu verhandelten Urhebergesetzes. Aber er machte auch klar, dass weltweit die Meinungsfreiheit besorgniserregend unterdrückt wurde – leider immer mehr, denn „sie ist für uns nicht verhandelbar“. Die Aktion „Für das Wort und die Freiheit“ stehe dafür ein. „Dafür werben wir“ und „wir werden dauerhaft dafür einstehen“, denn das „sind wir diesen Menschen schuldig, die dafür ins Gefängnis gehen“. Gemeint waren Journalisten und Autoren, die weltweit für ihre Werke und Texte eingekerkert werden, er nannte auch einige Beispiele. „Wir dürfen uns unsere Werte nicht abkaufen lassen“ und so forderte er die Bundesregierung auf, sich mehr für die Meinungsfreiheit einzusetzen und gewisse weltpolitische Aktivitäten vielleicht einmal zu überdenken. Abschließend dazu wies er auf die geplante Aktion am Abend im Gewandhaus hin, wo alle Anwesenden der Verleihung des Leipziger Buchpreises das Plakat von “ Für das Wort und die Freiheit“ für ein gemeinschaftliches Statement in die Höhe halten wöllten.

Pressekonferenz LBM 2016
Pressekonferenz LBM 2016

Der nächste Redner war Michael Faber, seines Zeichens Bürgermeister und Beigeordneter für Kultur der Stadt Leipzig. Auch er war für sich sehr begeistert vom diesjährigen Schwerpunkt der Messe, denn „es geht um unveräußerliche Menschenrechte“. Faber erzählte in kurzen Sätzen etwas über Heinrich August Winkler, der noch am Abend im Gewandhaus den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2016 erhalten würde. Sein Werk sei außergewöhnlich und im Namen der gesamten Jury sagte er: „Wir sind dankbar“ für solchen Mut und Weitsicht. Nachdem er noch die Jurymitglieder vorgestellt hatte, die leider in diesem Jahr das letzte Mal mit dabei waren, übergab er wieder das Wort.

Pressekonferenz LBM 2016
Pressekonferenz LBM 2016

Oliver Zille stellte nun weitere Highlights der Messe vor. So würden in der Buch- und Messebranche „Tempo und Langsamkeit Hand in Hand“ gehen. „Neue Entwicklungen“ würden auf der Messe gezeigt, so seien Netzwerkarbeit, Blogger, die Selbstdarstellung von Autoren einige Punkte. Das StartUp-Village präsentierte „technologisch basierte Lösungen“ für einige Probleme. Die erste Bloggerkonferenz Deutschlands für literarische Blogger sei etwas Besonderes, da Blogger „ein zunehmender Faktor“ seien. Die geplante Autorenrunde sei bereits vor Beginn der Messe komplett ausverkauft, was sie besonders stolz mache. Jungen Autoren soll auf der Messe die Möglichkeit gegeben werden, in Pitchs mit Verlagen ihre Werke an den Leser zu bringen. Der Musiklehrertag wurde das erste Mal mit angeboten – in Zusammenarbeit mit dem MDR. Es gäbe 11 verschiedene Thementouren für Schulklassen, wofür bereits zahlreiche Anmeldungen vorliegen würden. Die Manga-Comic-Convention, die ja wieder in Halle 1 stattfindet, sei „einer der Treiber, junges Publikum auf die Messe zu bekommen“. Doch auch „old fashion“ würde nicht vernachlässigt – die Antiquariatsmesse locke ebenfalls mit Angeboten. Zille stellte klar: „Wir sind sehr optimistisch.“ Die Messe würde „für freie Presse- und Meinungsfreiheit streiten“, doch die „Welt retten können und wollen wir nicht“. Sie wollten lediglich die Fahnen hoch halten und mit gutem Beispiel vorangehen.

Abschließend konnten nun die Pressevertreter Fragen an die Redner stellen. Hier stelle Oliver Zille zum Beispiel noch klar, dass „an der Relevanz für die Gesellschaft“ der „Erfolg der LBM“ hänge. Außerdem sagte er: „Es ist uns wichtig, eine internationale Buchmesse zu sein – mit dem Rückzug auf den deutschen Buchmarkt.“

Nachdem dann weitere Fragen beantwortet war, verabschiedete Julia Lücke, die das Ganze auch moderiert hatte, alle Anwesenden und so machte ich mich wieder auf den Heimweg. Ich war nun noch mehr auf die kommenden Tage auf der Leipziger Buchmesse 2016 gespannt.

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Autor & Photos: Scratchcat

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