Leipziger Buchmesse 2016: 16.-19.03.2016 Messe Leipzig – Tag 3

Der Samstag ist ja auf der LBM immer der so genannte „Großkampftag“, wo besonders viel Andrang herrscht. So war es auch in diesem Jahr. Ungeduldige MCC-Gänger zählten sogar zum Einlass einen Countdown runter und applaudieren wild, als endlich die Tore auf gingen. Dann stürmten sie in die Halle 1 und hatten so ihren Spaß.

Carola Ruff
Carola Ruff

Ich wuselte dann in die Halle 3, wo am Stand des Buchverlag für die Frau eine Buchvorstellung mit Verkostung angekündigt war. Carola Ruff stellte hier ihr Mini-Kochbuch „Paleo. Die gesunde Steinzeitküche“ vor. Und damit die Messebesucher gleich wussten, worum es bei Paleo ginge, gab es einige Gerichte des Werkes zum Probieren. Ich griff da selbstverständlich auch gern zu und muss sagen, es schmeckte alles echt gut. Da gab es ein Brot, nur aus Nüssen und Körnern gebacken – ohne Mehl, Brotaufstriche aus Cashewnüssen oder Mandeln, Schokolade aus Kakaobohnen und Datteln, getrocknete Obst- und Gemüsechips und noch mehr. Eine nette kleine Auswahl, die nicht nur gesund, sondern auch schmackhaft war. Nach dem Verspeisen des Angebotes wurde dann entsprechend beeindruckt sehr oft das Buch gekauft – clevere Verkaufsidee.

die Kids vom Bleilaus-Verlag
die Kids vom Bleilaus-Verlag

An der Jurte – Podium jüngster Autoren sollte nun das Buch „Wenn dir die Laus über die Leber läuft“ vorgestellt werden. Doch zuvor musizierte ein Kinder-Quartett und bekam natürlich gut Beifall dafür. Dann moderierten zwei 12-jährige Jungs durch die Präsentation gleich mehrerer Werke, die beim Bleilaus-Verlag, einem Verlag für Kids, entstanden waren. Lili las aus ihrem Buch über Fantasie-Achterbahnen vor – Texte und Bilder stammten allesamt aus ihrer eigenen Feder. Dafür hatte sie ein ganzen Jahr gebraucht und war nun entsprechend stolz auf das Ergebnis. Es war schon spannend zu sehen, was sie sich so für Achterbahnen ausgedacht hatte – etwa aus Käse oder gar aus Kackhaufen – ich musste echt grinsen. Doch dann schlenderte ich weiter.

Maite Kelly & Britta Sabbag
Maite Kelly & Britta Sabbag

Im Vorbeigehen sah ich Enie van der Meiklokjes, die zusammen mit Autorin Antonia Kraus das Buch „Ein Zauberzug nach Afrika“ vorstellen wollte. Doch mich zog es zum Lese-Treff in Halle 2, wo Britta Sabbag und Maite Kelly das gemeinsame Werk „Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück“ präsentierten. Zuerst berichteten die beiden davon, dass sie die Hummel Bommel nur „für uns geschrieben“ hatten und den nur vorliegenden zweiten Teil bereits verfasst hatten, bevor der große Erfolg von Buch 1 klar war. Das sei auch gut gewesen, da so kein Druck auf ihnen lastete. Die beiden setzten sich dann auch nicht auf das Podest, denn dort „fühlen wir uns wie Politiker“. Auf Augenhöhe mit dem Publikum ging es dann los in die Welt von Bommel, die einmal um die Welt flog, um das Glück zu finden. Die Geschichte wurde vorgelesen und jede Rolle bekam hier seine eigene Stimme – das war echt niedlich. Und weil zu jedem Bommel-Buch auch zwei Lieder gehören, die der Leser kostenfrei auf der Homepage des Werkes herunterladen kann, durften die auch hier nicht fehlen. Anfangs gab es technische Probleme und Maite wollte schon Acapella singen, doch findige Techniker halfen aus und so konnte „Wo ist das Glück?“ mit Musik erklingen. Wow – Maites Stimme war echt großartig und ich bekam sogar Tränen in den Augen – danke! Dann wurde weiter gelesen und später war auch der zweite Song noch zu hören – echt Klasse! Abschließend konnten Eltern und Kids noch Fragen zum Buch stellen, bevor dann ein großer Andrang zur Signierstunde herrschte.

Während auch ich mich hier anstellte, um für das Nichtenkind ein Autogramm zu ergattern, lauschte ich der Lesung zu Peter Kaempfes Kinderroman „Darkmouth – Die andere Seite“. Hierin ging es um Legendenjäger, die Monster fingen. Und die letzten lebten allesamt in Darkmouth, dem letzten Ort auf der Welt, wo Monster und Ungeheuer noch nicht besiegt worden. Der Vorleser des dazugehörigen Hörbuchs war hier auf der Messe und gab einen Ausschnitt zum Besten. Die anwesenden Kinder waren völlig fasziniert und lauschten gespannt.

Julia Koch
Julia Koch

Am Literaturcafé wartete ich auf die nächste Lesung von meinem Plan und bekam so noch die letzten Minuten von Julia Koch. Sie hatte ihren Thriller „Weibersterben“ dabei, woraus ihr die Hauptfigur Clara von Grünenstein sehr ans Herz gewachsen war. Die Schweizer Autorin hatte beim Sprechen einen entsprechenden Akzent und erklärte auch gern die umgangssprachlichen Begriffe, die sie in ihren Texten verwand. Die Szene, die ich noch mithören konnte, erzählte davon, dass Clara als „Zugezogene“ in einem Dorf, auf dem zentralen Platz von einer Heiligenfigur eine Puppe herunterholte, weil sich das für sie nicht gehörte – also das Puppen auf Heiligen drapiert würden. Dabei wird sie allerdings von einer Einheimischen beobachtet, was dann natürlich für Gesprächsstoff sorgt. Wir hörten so die gleiche Szene aus zwei Blickwinkeln – das war auch mal eine spannende Vorgehensweise. Was das für eine Puppe war und warum sie auf dem Heiligen hing – das bekam ich dann nicht mehr ganz raus – dazu hatte ich wohl zuviel des Vortrages verpasst.

Kiera Brennan
Kiera Brennan

Aber nicht so schlimm – weiter ging es dann mit Bestseller-Autorin Kiera Brennan, die ihr neuestes Werk „Die Herren der Grünen Insel“ in petto hatte. Wie der Titel vermuten ließ, ging es hier selbstverständlich um Irland. Sie selbst beschrieb ihr Buch als ein Stück Literatur für Männer und Frauen und inhaltlich stimmte sie einem Vergleich einer Rezension zu, die wohl geschrieben hatte, es sei eine Art „Game of Thrones auf Hochmittelalter“. Zur Einstimmung zeigte die Schreiberin einige Fotos von ihren Recherche-Reisen nach Irland und erzählte Geschichten über die Entstehung einzelner Aufnahmen. Das war sehr amüsant, denn sie spielte wohl gern an Schauplätzen ihrer Geschichte sich entwickelnde Szenen nach und wurde dabei von Touristen argwöhnisch beobachtet. Ihre Art zu Schreiben zeige wohl ein „sehr, sehr realistisches Bild vom Mittelalter“, wobei „Fantasie auch eine große Rolle“ spielen würde. Im neuen Roman ging es eher um die Figuren, „die normalerweise in der grauen Masse verschwinden“ – also Personen des Alltags und ihre Erlebnisse. Ihre lebendige Schreibweise sei eine Herausforderung gewesen, aber ich empfand sie als sehr erfrischend und einladend. Dann stellte sie ihre Lieblingsfigur Askal vor – ein Waffenhändler. Wir hörten sie Szene, als er das erste Mal im Buch auftrat. Mich hat das Ganze sehr neugierig auf das gesamte Werk gemacht – doch ich zog dann weiter.

Dirk Bernemann
Dirk Bernemann

Am Forum Literatur wollte ich mir Dirk Bernemann anhören – Mitbegründer des Anti-Pop. Er hatte sein Kurzgeschichten-Buch „Vom Aushalten ausfallender Umarmungen“ im Gepäck. Mit einem „Wunderschönen guten Morgen“ begrüßte der Autor das zahlreich erschienene Publikum und legte sogleich mit der Geschichte „Schweigen – Wackeln – Weitermachen“ los. Hier ging es um Karin – eine Betreuerin in einem Behindertenheim – und um Paula, eine der Bewohnerinnen des Heimes. Paula liebt es zu wackeln, was ihr aber alle verbieten. Karin wünscht sich manchmal auch im Heim zu leben, weil sich dann auch jemand um sie kümmern würde und sie nicht immer alle Entscheidungen selbst treffen müsste. Die beiden Frauen gehen gemeinsam eine Jacke für Paula kaufen, doch auf dem Weg in den Laden kommt Paula abhanden, weil sie in den falschen Zug einsteigt. Ein fremder Mann findet sie, nimmt sie mit zu sich nach Hause und kümmert sich um sie. Karin dreht derweil fast durch – „man kann sich alles schlimm ausmalen“ und sucht überall nach Paula. Diese wird am nächsten Tag gefunden – in anderen Klamotten als vorher aber gänzlich unversehrt. Der Beifall am Ende war sehr gut. Und weil noch Zeit ist, gibt es dann von Dirk noch die Demoversion von „Der Frisörbesuch“ zu hören.

Edda Schönherz
Edda Schönherz

Wieder am Literaturcafé angekommen konnte ich noch Edda Schönherz sehen – eine ehemals recht bekannte Frau aus den DDR-Medien, die in ihrem Buch „Die Solistin“ über ihre Zeit im DDR-Knast berichtete. Dorthin war sie gekommen, weil sie gegen das Regime rebelliert hatte. Sie erzählte recht nüchtern und doch energisch von ihrer Erlebnissen, aber „Ich habe keinen Zorn und bin nicht nachtragend.“ Das ist echt bewundernswert. Sie bekam für diese Aussage auch sehr viel Beifall, was sie sichtlich freute. Die Zuschauer war sehr angetan von ihren Ausführungen und waren im Anschluss auf ein Autogramm erpicht.

Stephanie Quitterer
Stephanie Quitterer

Anschließend war hier Stephanie Quitterer an der Reihe. Mit ihrem Buch „Hausbesuche“ berichtete sie von einem spannenden Experiment, das sie selbst in ihrer Nachbarschaft durchgeführt hat. An 200 Tagen ging sie in ihrer Strasse herum, immer mit einem Kuchen in der Hand, und klingelte bei Fremden, bis sie jemand herein ließ. Ihr Mann war „von Anfang an ein großer Kritiker des Projektes“, doch bei ihrem ersten Tag, an dem sie „Schweineohren“ dabei hatte, war er dann schon neugierig, ob sie etwas erreichen würde. Stephanie wollte zuerst ihren „Lieblingsbalkon“ besuchen – ein Balkon, der über und über mit „Atomkraft – nein danke“-Fähnchen geschmückt war. Also auf in das dazugehörige Haus und geklingelt. Allerdings klemmte der Klingelknopf und so fiel die erste Begrüßung eher gestammelt als flüssig aus. Leider hatte die Wohnungsinhaberin dann aber keine Zeit, um mit ihr Kaffee zu trinken und vertröstete sie auf ein anderes Mal. Mit jedem Mal, an dem die Autorin mit Kuchen auf die Jagd nach einem neuen Erlebnis ging, wurde es leichter für sie. Wirklich an jedem der 200 Tage hat sie jemand rein gelassen. Eine der schönsten Begegnungen war die aus dem Kapitel „Napfkuchen“. Erst dachte sie, dass die Dame, die ihr öffnete, einen Hausfreund da hätte. Dieser erwies sich dann aber doch als der Hausherr, der sich, nachdem er sich dann doch eine Hose angezogen hatte, sehr herzlich mit ihr unterhielt – bei einem Schnäpschen. Das Ganze war für sie wie eine „Weltreise für den kleinen Geldbeutel“, wie es jener Hausherr feststellte. Ich fand das ganze Konzept echt spaßig und auch mutig – als eine Art Reisebericht auf jeden Fall lesenswert!

Koch- und Komponierkurs
Koch- und Komponierkurs

Auf dem Weg zur nächsten Lesung kam ich am Musikcafé vorbei, wo ein „Koch“ gemeinsam mit dem Publikum verschiedene Rhythmen klatschte. Damit der Rhythmus selbst besser gehalten werden konnte, wurde dazu ein Vers rezitiert – „Zimt, Mehl, Butter – Ei dazu“ oder aber „Zimt, Mehl, Butterschmalz und noch dazu das Salz“. Das war sehr amüsant mit anzusehen, denn der „Koch“ war mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. Und den Zuschauern, die ja alle mitklatschen mussten, machte das auch sichtlichen Spaß. Auch so etwas ist also die LBM.

Bernhard Hennen - Signierstunde
Bernhard Hennen – Signierstunde

So kam ich dann doch etwas zu spät zur Lesung von Bernhard Hennen, der sein Werk „Drachenelfen – Himmel in Flammen“ an der Leseinsel Fantasy vorstellte. Ich konnte dann aber noch der Fragestunde lauschen – die Fans durften ihre Fragen zu seinen Werken oder seinem Schaffen als Autor an sich loswerden und alle wurden beantwortet. Auch entschuldigte sich der beliebte Schreiber dafür, dass er nicht auf all die zahllosen Zuschriften im Internet antworten könne – er würde sie aber alle lesen. Auf eine Frage hin gab er zu, dass seine Figuren und Geschichten tatsächlich auch viel mit dem Rollenspiel-System „Das Schwarze Auge“ zu tun hätten. Und ja, er würde gern einmal eine seiner Geschichten zu einem Spiel umwandeln, wie es schon andere Fantasy-Autoren getan hätten – „Wenn man mich fragen würde, würde ich mich nicht wehren.“ Doch schnell war seine Zeit rum und so konnten eventuell noch offene Fragen bei der anschließenden Autogrammstunde geklärt werden.

Wolfgang Hohlbein
Wolfgang Hohlbein

Und dann war es Zeit, um dem Großmeister der deutschen Fantasy-Szene – Wolfgang Hohlbein – zu lauschen. In seinem Buch „Laurin“ hatte er sich die alte Geschichte um den Zwergenkönig Laurin vorgenommen und zu einer seiner faszinierenden Werke umgeformt. Laurin war in seinem Roman ein Mädchen, auch wenn das für ein Mädel ein ungewöhnlicher Name sei. Wir hörten einen Ausschnitt, als sich Laurin, zusammen mit ihrem Kumpel Didi, auf einem Klassenausflug in Österreich in einer Höhle verirrte. Beide haben Todesangst, als sie nicht mehr vorankommen, doch dann entdecken sie eine riesige Höhle. Dort sieht es aus wie auf einer Mondlandschaft und überall – an der Decke und den Wänden – glitzern bunte Kristalle. Auch ein See ist dort, an dem sie ihren Durst stillen. Dann nimmt Laurin einen roten Kristall in die Hand, der auf einmal pulsierend leuchtet – „beinahe lebendig“. Im Takt ihres Herzens leuchtet der Stein und wärmt sie von innen. Am Ende sind ihre Klamotten trocken und ihr ist nicht mehr kalt – der Kristall allerdings ist schwarz. Didi versucht das dann auch, aber bei ihm funktioniert das nicht. Als dann auch noch ein Käfer zu Laurin spricht, denkt sie zuerst, sie habe den Verstand verloren. Warum sie solche Dinge mit Kristallen anstellen kann und wie sie wieder aus der Höhle herausfinden – tja, ihr wisst Bescheid. Ab zum Buchdealer eures Vertrauens und nachgelesen.

Und so war dann für mich das Ende der Leipziger Buchmesse 2016 gekommen. Wieder wollte ich die Lesung im Darkflower miterleben und machte mich auf den Weg in den City – auch diesen Bericht gibt es bald hier. Auf dem Weg hinaus sah ich noch zahlreiche Cosplayer und glückliche Leseratten – schön war’s. Ich war voll mit Eindrücken und komme gern auch 2017 wieder zur LBM. Wer nicht dabei war, hat wahrlich etwas verpasst. Bis zum nächsten Mal!

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Autor & Photos: Scratchcat

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