Leipziger Buchmesse 2019: 21.-23.03.2019 Messe Leipzig – Tag 1

Die Leipziger Buchmesse ist jedes Jahr ein Highlight für alle Bücherwürmer und Leseratten von nah und fern. In fünf Messehallen stellt hier alles aus, was die Bücherpressen so hergeben. Von Comics über Kinder- und Schulbücher bis hin zu Sachbüchern und Ratgebern, Romanen, fremdsprachiger Literatur, religiösen oder auch politischen Texten, kann auf der Messe alles in Augenschein genommen, gelesen und selbstverständlich gekauft werden. Für alle, die Bücher lieben und leben, war die LBM 2019 vom 21.-24.03.2019 somit wieder einmal ein Pflichttermin – so auch für mich. An drei Tagen machte ich mich auf, zwischen die Buchseiten abzutauchen – in andere Welten. Kommt mit:

Am ersten Tag waren die Besucher der Messe schon vor dem Einlass extrem aufgeregt und vor den noch geschlossenen Hallen bildeten sich lange Schlangen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als Schnee und kalte Temperaturen herrschten, war es in diesem Jahr schon kurz vor 10 Uhr warm in allen Hallen und es wurde im Laufe der Tage immer wärmer. An den Einlasskontrollen verlief alles ruhig und zügig und gute Laune schwebte überall mit. Dann ging es endlich los und die Stände der Aussteller wurden gestürmt. An zahlreichen Ständen gab es Gewinnspiele – auch ich habe hier und da mein Glück versucht, denn Mitbringsel von der Messe sind auch bei mir beliebt.

Sven Hauschild & Dorothea Siegle & Jana Hauschild

Die erste Lesung, die ich mir ansah, war von Jana Hauschild, die ihr Buch „Übersehene Geschwister: Das Leben als Bruder oder Schwester psychisch Erkrankter“ vorstellte. Dorothea Siegle von der Verlagsgruppe Beltz moderierte das Ganze. Die Journalistin und Diplom-Psychologin Jana Hauschild hat für ihr Werk nicht nur mit Betroffenen gesprochen, sie selbst hat auch einen Bruder, der am Borderline-Syndrom erkrankt ist, was „ihr Leben mit geprägt“ hat. Früh merkte sie schon, „irgendwas ist anders“ mit ihrem Bruder und das hat sie „erschüttert“. Schließlich ist es so, dass nicht nur die Eltern einen Einfluss auf die eigene Person haben, sondern auch Geschwister – und eine derartige Erkrankung prägt die ganze Familie. Sie las die Einleitung des Buches vor, der den bewegendsten Moment beschreibt, als sie erkannte, dass mit ihrem Bruder Sven etwas ganz und gar nicht stimmt. Die Situation beschreibt den Tag, als sie vom Suizidversuch des Bruders erfuhr. Sie beschreibt, dass fortan Angst ein prägendes Gefühl ihres Lebens wurde – Angst vor dem Bruder und Angst um den Bruder und auch um sich selbst. „Im Studium der Psychologie lernt man nicht, Angehörige zu sein“, aber sie habe das „da sein“ gelernt, denn heilen lassen sich psychische Erkrankungen in den seltensten Fällen. Auch verspürte sie, wie viele betroffene Geschwister, eine Art „Überlebensschuld“ – warum geht es ihr gut, dem Bruder aber nicht. Sie nahm sich absichtlich zurück, um den Eltern nicht noch mehr Sorgen zu machen, entwickelte dafür aber auch ein ausgeprägtes Helfersyndrom – und so ergeht es vielen. Die Eltern haben oft eine Art „Sehstörung“, so dass sie das „gesunde Kind übersehen“, was ihnen vielmals erst Jahre später bewusst wird. Sie berichtete hier von einer Mutter, die sie für das Buch interviewt hatte, die im Nachhinein um die verlorene Zeit mit der gesunden Tochter trauerte. Zuletzt kam auch der Bruder Sven noch zu Wort und berichtete davon, dass das Buch auch für ihn wichtig war, denn nun verstehen er und seine Schwester sich noch besser. Ein spannender Einblick in die Welt Betroffener – in meinen Augen ein wichtiges Buch! Danke für diese Offenheit.

Hiernach begab ich mich in Halle 2, denn die Phantastik-Ecke wollte mit Hilfe des „Phantastischen Reiseführers 2019“ erkundet werden. Selbstverständlich musste ich auch hier die ganzen Gewinnspiele mitmachen, lockten doch tolle Preise. Auch traf ich hier viele Freunde und Bekannte und so verging die Zeit schneller, als ich es bemerkte – irgendwie ist die Buchmesse wohl in einer Art Zeitanomalie gefangen – ringsherum rasen die Stunden und in der Messe steht die Zeit still.

Christian Krumm

So bekam ich nur noch die letzten paar Sätze von Christian Krumms Lesung zu seinem neuen Roman „Heaven 11“ mit – aber zum Glück hatte ich noch eine Lesung von ihm auf dem Schirm, die zwei Tage später stattfinden sollte.

Tanja Karmann

Im Anschluss übernahm Tanja Karmann auf der Leseinsel Phantastik 2 das Mikrofon, um ihr Werk „Der Mitternachtsladen: Verbundene Welten“ vorzustellen. Tanja beschrieb, wie sie früher auf der Messe selbst die Autoren betreute und nun gab sie ihr eigenes Debüt als Schreiberling. Dann nahm sie ins direkt mit in die Welt von Lina, die nach einer Autopanne in einem Wald, den Mitternachtsladen entdeckte – einen altmodisch eingerichteten Laden, in dem sie hofft, telefonieren zu können, denn ihr Handy hatte den Geist aufgegeben. Diese Anfangssituation erinnerte mich ein wenig an die „Rocky Horror Picture Show“, aber es war bei weitem nicht so abgedreht, wie in besagtem Musical. Lina war wohl der allererste Kunde des Ladens und trifft ein junges Mädchen, das hier arbeitet. Außerdem lernt sie den „Meister“ des Geschäftes kennen, der ihr eine besondere Schokolade verkauft und auf einmal funktioniert auch ihr Handy wieder – wie seltsam – und sie kann sich abholen lassen. Tanja berichtete zwischendrin noch von der Entstehungsgeschichte ihres Werkes und nimmt uns dann noch einmal mit in die Welt von Lina, die am Folgetag in der Schule die Schokolade aus dem Mitternachtsladen isst und auf dem Schulhof ein besonders vorwitziges Eichhörnchen trifft – wohl ein heimlicher Held des Romans. Wie es dann mit Lina und dem Laden weitergeht – das ließ die Autorin offen. Wer neugierig geworden ist, muss es wohl selbst nachlesen.

Christian Handel & Tanja Karmann & Isabella Archan

Und „Nach der Lesung ist vor der Lesung“, denn direkt nach der Vorstellung ihres Solo-Debüts als Schreiberling präsentierte Tanja Karmann die von ihr herausgegebene Anthologie „Der unmögliche Mord und andere phantastische Kriminalfälle“. Dabei wurde sie von den beiden Autoren Isabella Archan und Christian Handel unterstützt, die jeweils ihre Kurzgeschichte aus der Sammlung vorstellten. Die Lesung wurde am Rand sogar in Gebärdensprache übersetzt – eine tolle Idee. Zuerst aber erzählte Tanja von der Idee zu dieser Anthologie – einen „Phantastik-Krimi“ gab es bisher nicht und somit sammelte sie Erschaffer spannender und fantastischer Stories, die sich hier gern beteiligten. Isabellas „Staub“ ließ die Zuhörer eine österreichische Gerichtsmedizinerin kennenlernen, die von einer total verdorrten Leiche absolut fasziniert war – fast wie eine Mumie, nur viel jünger. In einem Rückblick trafen wir zudem auf Klara, die mit Miró die Liebe ihres Lebens kennengelernt hatte – einen Mann, der „seit Jahrhunderten“ kräftig und jung war. Da er ein Vampir ist, konnte er sich auch im hohen Alter um sie kümmern. Nach einem weiteren Zeitsprung in der Geschichte, stellten die Ermittler bei der vertrockneten Leiche fest, dass jene zu Staub zerfiel – was war da los? Wir erfuhren es leider nicht – ich war dann aber so gespannt und hab mir das Werk noch auf der Messe zugelegt. Auch Christians Geschichte klang so spannend. Er nahm die Lesungsgäste mit in eine dystopische Zukunft, wo er seine Story sehr an das Märchen „Die zertanzten Schuhe“ angelehnt hatte. Der Lindwurmjäger Noah hatte zwar keinen Geruchssinn mehr, aber er hatte einen Job, wo er ein junges Mädchen, das sich selbst Twelve nannte, überwachen sollte, um herauszubekommen, wo sie jede Nacht hin verschwand. Was genau stellte sie an? Ich werde es nachlesen…

Jan Flieger

Nach diesen Einblicken in fantastische Werke pilgerte ich weiter durch die Messehallen und ließ mich bei Jan Flieger nieder, der das Buch „Der Serienmörder, den man nicht stellte“ vorstellte. „Liebe Krimifreunde – das Töten geht weiter“, so seine einleitenden Worte. In diesem Werk präsentierte der Autor ein Ende, wie es noch nie in einem Krimi vorgekommen sei – welches das war, wurde selbstverständlich nicht verraten, denn die Spannung wollte ja bewahrt werden. Jedes Jahr gibt es viele Vermisste in Deutschland und nur wenige davon werden wiedergefunden. Es gab einen Fall von einem Serienkiller, der junge Frauen tötete, ihre Leichen vergrub und so wurden sie nie entdeckt. In dem Werk gab es zwei Handlungsstränge und den Prolog hörten wir schließlich. Hier trafen wir auf den Mörder, der schon zu DDR-Zeiten mit seinen Taten begonnen hatte und auch nach der Wende weiter auf Opfersuche ging. Kindfrauen waren sein Beuteschema, diese nahm er mit in abgelegene Waldgebiete, vergewaltigte und ermordete sie schließlich und vergrub ihre Körper tief im Waldboden. Im „normalen Leben“ war er ein unscheinbarer, verheirateter Mann und Vater. Eine der Taten beschrieb Jan in einem Kapitel, nur leider war es auf der Messe mittlerweile so laut, dass ich der Story nicht vollends folgen konnte – aber so ist es nun einmal, wenn viele Bücherwürmer in den Hallen umherstreifen. Wie es dann weiterging mit dem Serienmörder, der nicht gefasst werden konnte – ich kann es leider nicht sagen. Spannend klang es allemal!

Emily Key

An der Leseinsel Autorengemeinschaftspräsentation gesellte ich mich zu einer bereits laufenden Lesung von Emily Key hinzu, die mit „Scotch and Soda“ den dritten Teil ihrer Bücherreihe im Gepäck hatte. Sie war gerade dabei, von einem Date ihrer Hauptfigur Susan zu berichten – eine „Zicke“, die sich mit Steve traf. Das Ganze stellte sie aus den Blickwinkeln der beiden dar – erst ihre Gedanken und dann seine, aber „wir zensieren“ oder doch nicht, schließlich war es noch früh am Tage. Aber dann wurde doch nichts weggepiepst und so wurden alle wilden Gedanken der beiden Verliebten zu hören, die sich anhimmelten, es aber nur in Gedanken taten und sich noch nicht so recht trauten. Wie das dann aber ausging und ob sie sich doch noch bekamen – das solltet ihr am besten selbst nachschmökern. Die Autorin präsentierte das Ganze mit viel Witz und Enthusiasmus – toll!

Bernd Lindner & P.M. Hoffmann

„Anders sein oder der Punk im Schrank“, so der Titel einer Graphic Novel, die Bernd Lindner und P.M. Hoffmann gemeinsam präsentierten. Lindner ist Kulturhistoriker und zeichnet für die Geschichte und die Texte verantwortlich, während sein Kollege das Ganze illustriert hat. Anfangs gab ein paar Probleme mit dem Sound, das wurde aber schnell gelöst und so hörte auch jeder Zuschauer etwas. Die beiden Herren waren in ihrer Jugend zwar nie Punks, aber das Thema war für sie so spannend, dass sie eine fiktive Geschichte von vier Teenies aus der DDR erzählen wollten, die aber auf wahren Begebenheiten beruhte. Die Figuren wurden über 15 Jahre hinweg begleitet – wie sie eine Punkband gründeten und was aus ihnen wurde im Laufe der Zeit. Zuerst gab es nur das Drehbuch der Novel und später kamen die Zeichnungen hinzu. Eines der Probleme beim Erschaffen des Ganzen war unter anderem die Jugendsprache in der DDR – hier war die Recherche besonders wichtig und zum Teil schwierig, denn es sollte ja alles korrekt sein. Auch die Bilder sollten den jeweiligen Epochen richtig entsprechen. Hier wurde zum Teil mit Fotos und auch mit echten Modellen im Studio gearbeitet. Zuerst wurde von Hand gezeichnet und später digitalisierte Hoffmann seine Entwürfe am Computer. Eine weitere Herausforderung war besonders für Lindner, mit Mitte 60 noch einmal herzugehen und Liedtexte einer DDR-Punkband zu erdenken. Wer sich also mit der Geschichte der Punks in DDR und Westdeutschland beschäftigt, für den- oder diejenige ist diese Graphic Novel ganz bestimmt eine Schmankerl. Ich war auf jeden Fall fasziniert und auch die Zeichnungen waren ansehnlich.

Chrizzi Heinen

Die Leseinsel Junge Verlage hatte später Chrizzi Heinen zu Gast, die mit „Am schwarzen Loch“ ihren Roman vorstellte. Hier trafen die interessierten Lesungsgäste auf Hildi, die von einem Onkel aus Zürich ein echtes schwarzes Loch geerbt hatte, was nun in ihre Wohnung gebracht wurde. Die Sogwirkung des Loches war so kräftig, dass sie bald ihre Bleibe verlassen musste – die Schäden an der Bausubstanz waren einfach zu gravierend. Sie besuchte dann Gregor, ihren Freund, das erste Mal daheim. Dieser erzählte ihr Einiges über Astrophysik, denn sie selbst hatte absolut keine Ahnung von alldem. Sie kamen sich zwar näher, aber „zu zweit singen ist definitiv zu intim“. Später nahm uns die Autorin mit in den Club „Das Loch“, wo ein spanischer Tourist von Bodo, einem Kumpel von Hildi, verprügelt wurde. Warum er tat und wie es mit dem schwarzen Loch weiterging, dazu blieb kaum Zeit, denn schnell war die Lesungszeit vorbei. Leider fand ich die Präsentation ein wenig farblos und unspektakulär, aber die Idee mit dem alles in sich saugenden Loch war schon spannend.

Annette Wassermann & Katharina Mevissen

Die nächste Lesung, die mein Interesse weckte war die von Katharina Mevissen, die ihren Debütroman „Ich kann dich hören“ dabei hatte. Im Gespräch mit Annette Wassermann präsentierten die beiden das Werk. Die Autorin arbeitet außerdem an einem Projekt mit, wo Literatur in Gebärdensprache übersetzt wird. In dem nun vorliegenden Buch ging es aber um Osman, einen Cellisten, der Musik „atmen“ muss. Er hatte im Laufe der Jahre festgestellt, dass „jeder in der Musik sein eignes Gesicht“ hat, also jeder hat einen anderen Gesichtsausdruck beim Musizieren oder Musik genießen. Musik konnte für ihn ein „Biest“ sein, aber auch etwas Besonderes und Erstrebenswertes. In dem vorgetragenen Ausschnitt aus dem Buch verglich Osman des Weiteren eines seiner Cellokonzerte mit Sport – mal wurde gesprintet und dann wieder lässig von sich hin getrabt. Diese Ansichten waren absolut interessant. „Hören passiert auf ganz verschiedenen Ebenen“ – das ist absolut richtig. Seine Probleme in der Familie und mit seinen Fußball-Freunden – all das prägte den Musiker. Diese Mischung war irgendwie verwirrend und klang doch so, dass es sich wohl lohnte, das Buch mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Micha-El Goehre

Dann wurde es sehr unterhaltsam, denn ich hatte mich bei Micha-El Goehre eingefunden, dem „alten Recken“, der mit „Wenn das Leben dir Limonade gibt, mach Zitronen draus!“ sein 10. Buch vorstellte. Der Poet aus Essen hatte hier zahlreiche seiner Kurzgeschichten zusammengefasst und einige davon hörten wir an diesem Tag auf der LBM. Zuerst war er sehr traurig, denn „sein lyrisches Ich ist tot“. Das lyrische Ich konnte ja nie schlafen, denn immer wachte es gerade auf. Außerdem stand es eher auf Jazz, aber in den Geschichten lief immer nur lauter Metal. So trat er der „IG Ich“ bei, die forderte, dass Autoren einmal das selbst durchmachen sollten, was sie ihren lyrischen Ichs zumuteten. Dann wurde das Ich von Goehre überfahren, überlebte letztendlich aber doch – was ein Glück! Der Jubel nach diesem Ende war groß – „Ihr seid alle supersweet! Ich würde euch alle gern ablecken!“, so der Autor begeistert. Als nächstes stellte er die Story „Der Sex deiner Eltern“ vor – großartig! Der 8-jährige Bernd überraschte seine Eltern nachts bei SM-Spielchen im Schlafzimmer, weil die Geräusche aus dem elterlichen Gemach so beunruhigend waren. Das führte dazu, dass er in seinem Leben nie Sex haben wollte – wie das Ganze ausging, lest es am besten selbst nach. Es ist auf jeden Fall anders, als ihr es erwartet – ich habe aber sehr gelacht. Micha-Els Sprüche waren echt der Brüller – er ist eben Profi der Slam-Szene und das lies alle Zuschauer mit einem Grinsen zurück. Wenn ihr ihn also einmal live erleben könntet – unbedingt machen!

Natalja Schmidt & Oliver Graute

Schließlich war es dann Zeit für die jährliche Verleihung des Phantastik-Literaturpreises Seraph. Oliver Graute und Natalja Schmidt von der Phantastischen Akademie e.V. begrüßten alle Anwesenden mit einem „Herzlich Willkommen zum Seraph 2019“. In diesem Jahr wurde der Preis für das Beste Debüt, der Beste Roman und Bester Independent-Titel verliehen. Oliver war sehr erfreut darüber, dass das Interesse an der Phantastik immer weiter stieg. Bevor er die 21 Jurymitglieder namentlich vorstellte, versicherte er, dass das Bewerten der vielen eingereichten Werke für die Jury nicht nur Arbeit, sondern durchaus auch Vergnügen war. Mit einem „persönlichen Dank an die Kollegen der Akademie“ ging es weiter. Außerdem wurde der Leipziger Buchmesse, den Fördermitgliedern der Akademie, den Verlagen, allen Autoren und auch der Künstlerin, die immer die Gewinnerstatuen fertigte, gedankt. Natalja dankte im Anschluss auch den Zuschauern für ihr Interesse an diesem Preis, denn es war wieder einmal sehr voll an der Leseinsel Phantastik 1. Das Ganze sei in ihren Augen ein „großes Klassentreffen“. Dennoch forderte sie, dass die Phantastik noch mehr in dem Medien passieren sollte, um irgendwann als gleichwertig angesehen zu werden. Als Idee warf sie in den Raum, dass doch alle Anwesenden mal ein Buch im Jahr lesen sollten, „was nicht mein Beuteschema ist“ – schließlich hat „man nichts zu verlieren und viel zu gewinnen“. Tolle Idee!

Bernhard Hennen & Natalja Schmidt & Michael Marrak

Mit Michael Marrak kam der Vorjahressieger der Kategorie Bestes Buch nach vorn, um die Laudatio auf den diesjährigen Gewinner zu halten. Hierbei erzählte er von seinen Gefühlen im Vorjahr – von Einreichen des Werkes bis zum Gewinn. Das Ganze sei „nichts für Menschen mit Hang zum Hyperventilieren“ und er hatte zahllose „Oh Gott“-Momente. Gewonnen hat schließlich Bernhard Hennen mit „Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte“. Er war sehr erfreut und meinte: „Diese Oh Gott-Momente – ich hatte sie alle.“ Mit wenigen Worten bedankte sich Bernhard bei der Akademie für ihren „Don Quijote-artigen Kampf“ für die Phantastik. Seine Freude war groß und schnell machte er die Bildfläche frei für die Verleihung des Besten Independent-Titels.

Natalja Schmidt & Birgit Jaeckel & Oliver Graute

Dieser war leider noch nicht dotiert, aber dennoch kam Jürgen Eglseer vom Amrûn-Verlag hervor, um einige Worte dazu zu sagen. Selfpublishing war vor dem Internet echt schwer, denn Kopien von Werken wurden von Hand oder auf Schreibmaschinen gefertigt. Dann kam das Internet und die Verbreitung erfolgte über Foren. Als diese auch ausstarben, war das System der Selbstvermarktung aber noch nicht am Ende. Das Ganze fand andere Wege und das war auch gut so. Das Genre der Phantastik bot so viele spannende Ideen und entwickelte sich außerdem immer weiter. Gewonnen hat schließlich Birgit Jaeckel mit ihrem Roman „Das Erbe der Rauhnacht“. Sie war absolut überwältigt, dankte der Akademie und ihren Mitnominierten: „Danke euch Mädels – das war eine tolle Zeit!“ Im Anschluss kam die Sprache auf die Genderdebatte, die derzeit in den Medien die Runde macht und alle von der Akademie waren der Auffassung: „gleiche Arbeit soll auch gleich entlohnt werden“. Dabei sei aber der beste Weg: „kämpft mit der Sprache und nicht gegen sie“. Ein guter Ansatz!

Kris Brynn

Dann war es aber endlich Zeit für das Beste Debüt. Die vorjährige Gewinnerin Theresa Hannig verlor hierzu einige Worte. Sie kam zu dem Schluss, dass „die schöne neue Welt“ so verschieden sein kann, aber immer spannend. Kris Brynn gewann in der Kategorie mit ihrem Werk „The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung“. Damit hatte sie gar nicht gerechnet und war absolut überwältigt. Ihr fehlten deswegen ein wenig die Worte und so dankte sie nur knapp der Akademie und der Jury und gab allen Anwesenden mit auf den Weg: „Lang lebe die Phantastik!“.

Ein schönes Schlusswort für die Verleihung des Seraph. Oliver lud uns alle noch zur abendlichen Lesung im Werk 2 ein, aber ich war ein wenig geschafft und machte mich auf den Heimweg. Meine Akkus mussten sich für zwei weitere Tage auf der LBM wieder aufladen.

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Autor & Photos: Scratchcat

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