Leipziger Buchmesse 2019: 21.-23.03.2019 Messe Leipzig – Tag 3

Der dritte Tag der LBM sollte für mich auch der letzte sein in diesem Jahr – sonntags brauche ich dann immer, um auszuruhen. Und wie erwartet, war der Samstag auch der Tag auf der Messe, an dem die meisten Besucher in die fünf Hallen strömten. Dennoch war die gute Laune fast greifbar und an diesem Tag war die Zahl der Cosplayer doch ein wenig höher – sollte doch später noch der große Cosplay-Wettbewerb stattfinden.

Chris P. Rolls

In Halle 1 fand ich mich zuerst einmal beim Schwarzen Sofa ein, um Chris P. Rolls zuzuhören, die ihr Buch „Christophs Street Day“ vorstellte. Das Ganze ist eine Gay Romance, wo die Hauptfigur Christoph merkt, dass er vielleicht doch auf Männer steht. Bisher hatte er nur Heterobeziehungen, war aber immer unglücklich. Nun, frisch nach Berlin umgezogen, lernt er auf dem Berliner CSD eine Dragqueen kennen, mit der er sich dann zu einem Date trifft. Vor dem Treffen ist er absolut aufgeregt, denn schließlich war das „sein erstes Mal mit einem Mann“. Er rätselte, ob der Typ ihm dann als Frau oder Mann entgegentreten wird. Alle möglichen Dinge malt er sich schon im Vorfeld in Gedanken aus und merkt, dass ihm alle Varianten durchaus gefallen könnten – es gibt so viel Neues zu entdecken. Fernando, sein Date, stellt sich ihm dann doch als Mann entgegen und zuerst ist er so baff, dass er kaum ein Wort rausbekommt. Christoph und Fernando schmachten sich ein wenig an und dann geht es recht schnell zur Sache. Doch wie es dann richtig heiß wurde, stoppte Chris ihre Lesung – „es ist noch zu früh am Morgen“. Wer nun noch mehr davon wissen wollte, musste sich dann das Buch zulegen, um zu erfahren, wohin die Romanze zwischen Christoph und Fernando führte.

Thomas Nicolai & Asterix

Ich blieb direkt beim Schwarzen Sofa sitzen, denn nun wurde es witzig. Comedian Thomas Nicolai präsentierte „Asterix off säggssch 3 – Sgladschdglei“. Mit einem fröhlichen „Hallo Leipzig“ begrüßte er die Zuschauer. Zu Beginn verriet er, wie es dazu kam, dass die Asterix-Comics auch auf Mundart veröffentlicht wurden und werden – einst hatte ein Wissenschaftler mal eines der Heftchen für einen Kollegen übersetzt. Das kam so gut an, dass mittlerweile 80 Bände in 30 Dialekten aufgelegt wurden. Das nun vorliegende Werk war das dritte auf Sächsisch und er hatte die Texte dafür übersetzt. Natürlich wollten alle an diesem Spaß teilhaben und so las uns Thomas die Geschichte vor – mit verschiedenen Stimmen für die einzelnen Charaktere und mit Geräuschimitationen bei den Prügelszenen – göttlich. Um das Erlebnis noch umfassender zu gestalten, wurden die entsprechenden Bilder aus dem Heft auf einer Videoleinwand eingeblendet. Das Original zu „Sgladschdglei“ entspricht dem Werk „Asterix als Gladiator“. Es ging hier also darum, dass Barde Troubadix von den Römern entführt wird und Asterix und Obelix auf Reisen gehen, um ihren Freund zu befreien – denn, dass Troubadix nicht mehr singt, ist zwar ganz schön, aber entführen geht zu weit. Die Variante auf Sächsisch war total lustig und der Vortrag von Thomas machte es noch vollkommener, denn als gebürtiger Sachse konnte er es eben am besten aussprechen. Ich habe sehr gelacht und danke für die gute Unterhaltung.

Impressionen LBM 2019 – Tag 2

Hiernach ließ ich mich ein wenig durch die Hallen schieben – es war echt voll und vor allem wieder sehr warm. Einige der Lesungen, die ich mir aus dem umfangreichen Programm rausgesucht hatte, konnte ich gar nicht besuchen, weil ich sowieso nicht rechtzeitig hingekommen wäre oder aber es so voll war, dass ich von den Vorträgen kaum ein Wort verstanden hatte – wollte ich doch das Ganze jeweils genießen können. Das war schon etwas schade. Aber so schlenderte ich ein wenig durch die Hallen, nahm noch das ein oder andere Gewinnspiel mit, unterhielt mich mit Freunden und Bekannten und pickte mir eben einige Dinge aus dem Programmangebot heraus.

Corinna Kohröde-Warnken

Mein nächster Stopp war an der Leseinsel Religion, wo Corinna Kohröde-Warnken zu Gast war. Sie stellte ihr neustes Buch „Als meine Sonne unterging – Der Suizid meines todkranken Mannes“ vor. Corinna ist eigentlich Intensivkrankenschwester, aber auch Journalistin und Autorin, die unter anderem auch Schulungen gibt. Sie selbst hatte schon zweimal mit dem Schicksalsschlag Krebs zu kämpfen und darüber auch Bücher geschrieben. Sie sagte von sich selbst: „medizinisches Personal sind nicht die einfachsten Patienten“. In ihrer Zeit der Krankheit hatte sie Briefe an Gott geschrieben, denn ihren Glauben verlor sie nie und sie habe wohl immer eine Antwort bekommen – in verschiedensten Formen – in Form von Ideen oder Gedanken. Einst sagten ihr die Ärzte, sie würde nur noch drei Monate leben, aber sie war immer noch da: „Ich glaube an Wunder.“ Im Laufe der Jahre stellte sie fest, dass besonders drei Dinge im Leben zählen – „Glaube, Liebe und Hoffnung“. In dem nun vorliegenden Buch erzählte sie die Geschichte von Pia Hadley, die sehr außergewöhnlich und emotional war. Pias Ehemann war 20 Jahre älter als sie und litt unter der Krankheit COPD. Am Ende seiner Krankheitsverlaufes hat er sehr gelitten, zudem er zum Pflegefall geworden war. Pia pflegte ihren Mann aber aufopferungsvoll. Er hatte immer mehr den Wunsch, selbst aus dem Leben zu scheiden. Erst hatte Pia diesen Plan nicht akzeptieren wollen und versteckte die Munition der Waffe ihres Mannes. Doch irgendwann ließ sie ihren Gatten gehen und er tötete sich mit einem Kopfschuss. Die Geschichte von Pia wurde von Corinna eher neutral und nicht wertend erzählt. Kurz wurde diskutiert, „wann ist es genug“ mit all dem Leid einer schlimmen Krankheit. Da an diesem Tag kein befriedigendes Ergebnis erzielt werden konnte, verwies die Autorin darauf: „Wir sollten mehr tun, dass Menschen keine Angst haben müssen, allein zu sterben.“ Das sind wahre Worte und mich ließ dieser Vortrag nachdenklich zurück.

Impressionen LBM 2019 – Tag 3

Nun brauchte ich wieder etwas zum Aufmuntern – ein kurzer Besuch bei meinen Freunden in der Fantasy-Ecke war da genau das Richtige. Doch irgendwann verabschiedete ich mich und wanderte zurück in Halle 1. Hier kam ich durch Zufall dazu, wie an der Dance Arena eine große Menge K-Pop Random Dances vorführte. Leider konnte ich kaum etwas sehen, denn zahlreiche Fans hatten sich rundherum angesammelt und feierten die Tänzer und selbstverständlich auch die Musik total ab. Überall hielten die Zuschauer ihre Handys hoch und filmten die Darbietung mit. Der Jubel war bei jedem neuen Musiktitel groß. Wegen des Andrangs war dort dann kaum ein Durchkommen. Aber jeder hatte Spaß und das ist es ja, was zählt.

Anime Clip-Raten

Auf der Großen Bühne fand schon das große Anime Clip-Raten statt, das von René Dawn-Claude moderiert wurde. Präsentiert wurde dieses Gewinnspiel von Anime on Demand. Mehrere Teams traten hier gegeneinander an – immer zwei gegeneinander und wer zuerst fünf Richtige hatte, kam eine Runde weiter. Mittendrin unterbrach eine Durchsage der Messe das Geschehen – in der Halle 1 war vorübergehend Einlass-Stopp – es war einfach zu voll. Da hatte ich ja noch Glück gehabt. Bei den Anime-Clips hätte ich persönlich ja absolut verloren – kannte ich von den gezeigten Ausschnitten vielleicht gerade zwei der Serien oder Filme – aber es ist ja auch nicht so mein Interessengebiet. Die mitratenden Teams waren absolut schnell und das Publikum jubelte bei jeder richtigen Antwort. Am Ende gewann ein Männertrio, das sich dann sehr über seine Preise freute.

Takuya Taniguchi

Danach wurde auf der Großen Bühne umgebaut, denn nun stand japanische Trommelmusik auf dem Plan. Takuya Taniguchi war ein Taiko-Trommler, der, präsentiert von der japanischen Botschaft, hier für Stimmung sorgen wollte. Als Ein-Mann-Band drosch er auf verschiedenste Trommeln oder eine Art Zither ein, als gäbe es kein Morgen mehr – er verausgabte sich wirklich. Der Rhythmus wurde vom Publikum direkt aufgenommen und es wurde mitgeklatscht. Dann zog Takuya seine Jacke aus, zeigte seine Muskeln, was für Jubel bei den Mädels in der Menge sorgte. Sein Trommelspiel war absolut beeindruckend. Besonders die große Taiko-Trommel sorgte für ordentlichen Wumms – es war schon laut, aber total cool. Ich hätte ihm noch länger lauschen und zusehen können, aber nach etwa einer halben Stunde war die Show auch schon wieder vorbei. Wenn ihr einmal die Möglichkeit haben solltet, Taiko-Trommler live zu erleben – das lohnt auf jeden Fall. Der Beifall für Takuya war auch entsprechend frenetisch.

Cosplay-Wettbewerb

Und schließlich war es endlich Zeit – darauf hatten alle Zuschauer gewartet – der große Cosplay Wettbewerb stand an. Die zwei Moderatoren begrüßten das feiernde Publikum und stellten zuerst einmal die vierköpfige Jury und alle Sponsoren des Contests vor. Und dann ging es schon los mit dem ersten Teilnehmer. Als Lord Voldemort trat er vor die Menge, der überlegte, wie er denn noch einfacher an Harry Potter herankommen könnte. Schließlich warf er seinen Umhang beiseite, griff sich einen Hut und gab den Michael Jackson. Mit einer gekonnten Tanzeinlage, inklusive Moonwalk, beeindruckte er sichtlich und bekam viel Beifall. Nummer 2 im Contest war eine Teilnehmerin, die ihr Kleid, dass sie als Disneys Anastasia trug, selbst geschneidert hatte. Es sah wahrlich schick aus. In ihrer Performance regte sie sich über die Probezeit als Disyney-Prinzessin auf – das ist aber auch eine Frechheit.

Cosplay-Wettbewerb

Die nächste im Reigen war eine Figur aus dem Anime-Universum, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe. Das Tolle an diesem Auftritt war, dass die Teilnehmerin ein Lied darbot, was sie tatsächlich live einsang – echt mutig und es klang auch noch gut. Weiter ging es mit einer Figur aus Edens Zero 2, die zuerst strippte – also eine Kostümhülle fallen ließ und dann eine Dance-Performance bot, zu Song wie „Barbie Girl“ und anderen. Am Ende bedankte sich die Teilnehmerin bei der Manga Comic Con und bei der Jury. Die nächsten Teilnehmer traten als Duo an – sie gaben Figuren aus Noragami. Eine von beiden träumte, dass ihre Freunde alle tot seien und sie Schuld sei. Die andere schwor ihr schließlich mit einem Lied, dass sie immer bei ihr bleiben würde – das Lied war allerdings ein Playback von Xavier Naidoo. Während sie umeinander tänzelten, zogen sich beide um und sahen am Ende ganz anders aus, als zu Beginn – gut ausgedacht.

Cosplay-Wettbewerb

Der folgende Auftritt war dann umso dramatischer, denn hier gab es eine Art Endkampf zwischen zwei Widersachern zu sehen, dargestellt als eine Art Tanz. Tanzend zeigten sich auch die nächsten Teilnehmer – ein Fächertanz wurde zelebriert und die dargestellte Figur haderte mit sich selbst, da sie zu viele getötet habe. Ihr Vater stand aber trotz allem zu ihr – die Liebe der Eltern verdirbt eben kaum etwas. Mit Heidi und Peter ging es weiter im Wettbewerb. Die beiden Darsteller hatten sogar Berge als Kulissen und Ziegen aus Stoff dabei – das war richtig aufwendig gemacht und gefiel mir echt gut.

Cosplay-Wettbewerb

Nach den Bergen der Alm nahmen uns die nachkommenden Darsteller mit in die Welt von Final Fantasy 15. Auch hier wurde quer über die Bühne getanzt – am Ende wurde aber wieder ein Kampf unter Feinden daraus. Das Cosplay von Aurora, die hiernach folgte, war echt schick. Sie bekämpfte die böse Kaiserin und rettete so die Sonne. Die Startnummer 11 hatten die Shadowpandas, eine bekannte Cosplay-Truppe, die auf der diesjährigen MCC ihr 10. Jubiläum feierten, wofür sie auch ein kleines Präsent erhielten. Als Performance hatten sie für uns die Geburtstagsparty des Avatars vorbereitet, zu der aber längst nicht alle eingeladenen Gäste erscheinen. Der Spaß blieb trotzdem nicht aus, denn es wurde zum Knorkator-Hit „Alter Mann“ abgerockt. Das machte echt Laune und auch hier war der Jubel groß – toll gemacht!

Cosplay-Wettbewerb

Nach einem Auftritt mit Handpuppen, folgte die Darbietung der Christine aus dem „Phantom der Oper“. Wieder wurde gesungen und die Darstellende hatte den Song extra für das Playback daheim eingesungen – echt beeindruckend. Die Kleidung sah außerdem echt opulent und schick aus. Nach dem Gesang wurde es dramatisch, denn die Helena starb auf der Bühne einen filmreifen Tod. Weiter ging es mit einer weiteren Truppe, der Cosplayschmiede Halle, die einen neuen Anführer suchten. Zum Schluss entschieden sie sich für einen Bösewicht, der überzeugende Argumente aufgebracht hatte. Etwas Ungewöhnliches boten die nächsten Teilnehmer – ein Crossover von Faust und dem Musical „Elisabeth“. Dargestellt wurde eine Art Alptraum-Sequenz – echt ideenreich.

Cosplay-Wettbewerb

Hiernach stritten Gilgamesh und Saber kämpfend um den Heiligen Gral, der letztendlich aber zerstört wurde – so bekam ihn eben niemand. Im Anschluss wurde es romantisch, denn Sanji hatte mehrere Tagträume von Nami, wo sie besonders sexy mit ihm tanzt. Die Songs hierfür wurden live eingesungen – großartig! Auch die letzte Teilnehmerin am Wettbewerb sang ihr Lied persönlich ein – dieses Mal war es mit Sarah ein Ausschnitt aus „Tanz der Vampire“. Nach diesen 22 Performances war der Wettbewerb zu Ende und die Jury zog sich zur Beratung zurück. Das Moderatoren-Duo, das mir persönlich völlig unvorbereitet und unkoordiniert vorkam, verabschiedete sich fürs Erste, denn die Preisverleihung sollte erst eine Stunde später stattfinden.

So lang konnte ich aber nicht warten, denn ich wollte wieder in die Innenstadt von Leipzig pilgern, um einer Lesung beizuwohnen.

Gesagt, getan. Die Leipziger Buchmesse 2019 war damit für mich zu Ende. Es war wieder einmal sehr abwechslungsreich und schön. Ich habe viele neue Bücher und Autoren kennengelernt und mein heimisches Bücherregal ist um Einiges voller. Die Treffen mit Freunden, Verlagen und Schreiberlingen waren total schön und ich möchte allen fürs Zeitnehmen danken. Wir sehen uns spätestens 2020 wieder, wenn die MCC und die LBM ihre Pforten öffnen. Bis dann!

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Autor & Photos: Scratchcat

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