Lesung im Darkflower: Eine fantastische Freitagnacht 16.03.2018 Darkflower Leipzig

Zur Leipziger Buchmesse wird die Stadt Leipzig zu einem Mekka für alle Büchervernarrten. Und so gibt es an allen Messetagen über das gesamte Stadtgebiet verteilt zahllose Veranstaltungen – Vorträge, Präsentationen und eben auch Lesungen. Das Darkflower macht da keine Ausnahme und am 16.03.2018 war es also mal wieder soweit – „Eine Fantastische Freitagnacht“ fand statt. Hier hatten der Acabus Verlag und der Verlag Edition Roter Drache geladen, sich vier Facetten der Fantasy-Literatur anzuhören. Und moderiert wurde der Abend von mir.

Axel Hildebrand

Vier ganz besondere Lesungen sollten es werden an diesem Abend und den Anfang machte der unglaubliche Axel Hildebrand, der für das zahlreich erschienene Publikum sein neustes Buch „Aussen – Asgard – Tag 2 – Fortsetzungen sind Kacke“ mitgebracht hatte. Teil 1 der Drehbücher um die beiden Gottheiten Thor und Loki habe er schon „so oft vorgelesen, dass es keiner mehr hören wollte“. Und so musste eben ein Teil 2 her – zum Glück sind ihm die Ideen dazu nicht ausgegangen. Das Ganze war allerdings auch nur möglich, weil seine Bücher sich gut verkauften: „Danke, dass ihr dafür sorgt, dass der Verleger nicht friert.“ Mit Witz und Charme nahm der Autor die Zuhörer sofort für sich ein. Weil sich auf die Frage, ob denn Heiden anwesend seien, niemand so recht meldete, gab es eben statt einer eher authentischen Story „Quatsch“ zu hören. Die technische Situation mit dem Mikrofon rückte sich Axel noch zurecht – „Ich bin der Crash-Test-Dummy der Lesung“ – und dann lauschten wir „Carpe Diem“. Wieder einmal las der Schriftsteller die beiden Charaktere mit verschiedenen Stimmen vor – im wahrsten Sinne des Wortes göttlich. Thor war eher der tumbe – „er ist eben nicht die aller-, allerhellste Kerze auf der Torte“ und Loki war der coole und gewitztere Gott. In der Geschichte ging es darum, dass Thor sich nicht entscheiden konnte, welchen Text er sich denn tätowieren lassen könnte. Loki will ihn allerdings davon abhalten, sich einen Spruch stechen zu lassen, den andere auf Facebook teilen – „ich teile nur etwas, wenn ich mein Schwert dabei habe“. Irgendwie kam Thor zu einem Entschluss und immer wieder betonte Loki, dass die Menschen so ein Spruchtattoo ja lediglich 50-80 Jahre tragen müssten, Thor hingegen sei damit dann ein paar 1000 Jahre länger gestraft. Und selbst „Carpe diem“ würde nicht so recht passen. Nun letztendlich besann sich Thor dann eines Besseren und ließ von dieser Idee ab. Ich habe sehr grinsen müssen, denn die Art der beiden ist einfach zu schön. Weil noch ein wenig Zeit war, berichtete der Autor davon, dass hin und wieder seine „Geschichten so doof“ sind, „dass sie sich irgendwann rächen, dass sie irgendwann vor deiner Tür stehen“. Um dass zu untermalen berichtete er von einer Lesung, wo er eben diese Geschichte vortrug und am Ende ein Pärchen auf ihn zu kam, wo der Mann sich, wie in der Story scherzhaft beschrieben, „Kein Trinkwasser“ hatte auf den Bauch tätowieren lassen – knapp über sein Gemächt. Axel konnte es kaum glauben, aber die Frau versicherte es ihm glaubhaft – sie habe sich dann nach einiger Zeit dran gewöhnt. Ich habe hier sehr lachen müssen und Herr Hildebrand meinte abschließend, dass solche Begebenheiten „das wahre Leben komplett unglaubwürdig“ machen würden. Schön gesagt! Mit viel Beifall wurde Axel schließlich verabschiedet. Und wenn ihr nun noch mehr spaßige Erlebnisse mit Thor und Loki haben möchtet – „Aussen – Asgard – Tag 2“ aus dem Verlag Edition Roter Drache ist sehr zu empfehlen – für Heiden und alle anderen auch.

Carl Wilckens

Nach einer Pause kündigte ich Carl Wilckens an, der den frischen Band 2 seiner „13“-Buchreihe in petto hatte – ganze 13 Bände sind beim Acabus Verlag wohl geplant. In den Werken bietet er einen Genremix aus Horror, Steampunk und Dark Fantasy. Der junge Autor sprach sehr leise und lieferte uns einführend eine kurze Einsicht in Band 1 „Das Tagebuch“. Sein Protagonist Godric End „ist einer von den Bösen unter den ganz Bösen“. Wir hörten an diesem Abend einen kurzen Ausschnitt aus „Die Anstalt“ – hier hatte sich der „Held“ geprügelt und war gnadenlos unterlegen. Nun sollte er zur Strafe in den so genannten „Schacht“ geschubst werden – eine Art düstere Katakombe, aus der noch niemand wieder entkommen sei. Dort lebe wohl das „Etwas“, wo dem niemand wusste, was es denn eigentlich sei – es gab ja niemanden, der dazu befragt werden konnte. Weil er nach der Prügelei auch noch durch eine Art Giftpfeil gelähmt war, konnte Godric an einem Seil in den „Schacht“ hinabgelassen werden. Kurz, bevor er am Boden ankommt, kann er sich aber wieder bewegen und befreit sich von den Seilen. Er mag diesen Ort nicht, weil hier keine Sonne herrscht – hat er doch schon viel zu viele Jahre an dunklen Flecken verbringen müssen. Mit Angst in den Gliedern irrt er nun durch die Gänge, wo er Knochen zertritt und auf einmal Stimmen hört. Und dann kann er auf einmal einen Verfolger wahrnehmen – das „Etwas“? In Panik flieht er und findet etwas Leuchtendes – seine eigene Waffe, die er einst erbeutet hatte. Sie leuchtet für ihn und mit ihrer Hilfe, hält er sich das „Etwas“ vom Hals, weil es die Helligkeit meidet. Warum das Schwert leuchtete – wurde leider nicht so klar – aber im Buch findet sich sicherlich die Lösung. Die Art zu lesen, die Carl hier zeigte, was extrem fesselnd – leise und ruhig und doch betont und ausdrucksstark – gut gemacht! Ein zweiter kleiner Ausschnitt aus Band 2 von „13“ machte uns Hoberto bekannt, der nach Godric suchte, um sich bei ihm für einen einstigen Gefallen revanchieren zu können. Ob er ihn fand und wie die Revanche aussah – lest es am besten selbst nach. Carl jedenfalls bekam viel Applaus und war sichtlich zufrieden mit dieser Resonanz.

Christian Krumm

Wieder machten wir eine kurze Verschnaufpause und dann gab es wieder eine ganz andere Art von Fantasy auf die Ohren. Mit Christian Krumm tauchten wir allesamt ein in Traumwelten, denn der Autor hatte sein Werk „Traumschrott“ dabei. Er erklärte, warum er sich in diesem Buch mit Träumen beschäftigte: „Ich habe eine gewisse Faszination für das Verhältnis von Träumen und Realität“. Nachdem er einst fünf Jahre in einer Psychiatrie gearbeitet hatte – „wirklich nur gearbeitet“ – sei ihm diese Faszination noch bewusster geworden. Von den vielen Kurzgeschichten, die sein Werk ausmachten, hatte er für uns eine rausgesucht, die er tatsächlich noch nie live vorgelesen hat. Und so wurde es für uns alle eine Premiere und „Der Ausflug“ erklang. Die Hauptfigur war ein Mann, der in der Psychiatrie war, auch wenn er der Meinung war, er sei gesund und nur hier, um „zur Ruhe zu kommen“. „Schizophrenie sieht man nicht“ und deswegen sei es eben schwierig festzustellen, was echt sei und was nur Einbildung. Dieser Patient beschrieb seine Welt aus eigener Sicht – er sei der Beste beim Kerzenmachen und irgendwann würde er noch dafür berühmt – „im Ernst“. Sei Zimmerkollege ist ganz besonders – der mag Kalender und nur er konnte ihn immer wieder zu Dingen bringen, die andere nicht schafften. Er „war schon oft der Vernünftigere gewesen“ und so eben auch an diesem besonderen Tag, wo er einfach mal ausbüchst, um einen schönen Tag zu verleben mit einem Besuch in einem Café, im Bodyshop und in der „Vergnügungshalle“, womit er eigentlich ein Bordell meinte – „ich hätte nie gedacht, dass es nachmittags so voll im Puff sein kann“. Danach ging er noch etwas essen, ins Kino und in die Kneipe – ein perfekter Tag, so scheint es. Schließlich beschließt er: „Ich werde nicht länger den Kranken spielen“. Ob das gelingt und was sonst noch passiert auf diesem „Ausflug“ – ich werde es euch nicht verraten. Christian hat auf jeden Fall einige Zuschauer neugierig gemacht, denn am eigens vom Verlag Edition Roter Drache aufgebauten kleinen Verkaufsstand musste er im Anschluss noch Bücher signieren – wie auch alle anderen Kollegen des Abends.

Judith & Heinz Praßl

Der Leseabend wurde dann mit den „Chroniken aus Chaos und Ordnung“ aus dem Hause Acabus Verlag beschlossen. Das Autorenpaar Judith und Heinz Praßl aus Graz hatten dieses Fantasy-Epos aus „30 Jahren Rollenspiel“ entstehen lassen – „ach ja, Pen and Paper – nicht das andere“. Die beiden hatten schon „viel Zeit und Tränen“ in die Bücher gesteckt. Das auf acht Bände ausgelegte Werk befand sich mittlerweile bei Band 4 und Band 5 soll noch in diesem Herbst veröffentlicht werden. Für uns hatte das Duo aber Ausschnitt aus Band 3 mitgebracht und das Publikum durfte entscheiden, welche Szene denn vorgetragen wurde. Es gab die Auswahl zwischen einem Ausschnitt der voller Action, Blut und Gewalt sein würde und zwischen einem Abschnitt, der sehr heiß und voller Sex ist. Irgendwann war schon vorher klar, dass sich die Zuschauer für die Sexszene entscheiden würden – also für mich war es klar – Heinz legte fast enttäuscht die Blätter mit der Gewaltdarstellung beiseite. Und so ging es los – „Chaos passt zu Sex“. Das Paar las mit verteilten Rollen und hier war ihnen wahrlich anzumerken, dass sie schon viele Jahre Rollenspieler waren, denn sofort stiegen sie in die beiden Figuren der Szene ein und spielten sie sogar in Gestik und Mimik mit nach. Wir trafen auf einen Krieger, der sich in einer Kneipe volllaufen lassen wollte, als eine Fremde auf ihn zukommt – „Die Frau versprach die gewünschte Abwechslung“. Sie ist eine Händlerin, die ihn zu durchschauen sucht und ihn auf das Wildeste anmacht. Ihm war daraufhin nach Aufschneiderei und so gab eins das andere. Mann und Frau schaukelten sich gegenseitig hoch – die Luft im Darkflower schien förmlich zu knistern. Dann verschwanden die beiden in einer Häusergasse, wo es dann endlich zu Akt kam. „Ich will, dass du mir zeigst, was du drauf hast.“ Das Ganze war definitiv ab 18 – hätte ich das vorher gewusst, hätte ich eine Warnung aussprechen können. Der Krieger war so wild, denn irgendwie kam er in einen Rausch und vögelte seinen seelischen Schmerz der letzten Jahre raus. Wem hier nicht heiß geworden ist…

Chronik-Band Max & Raffaela

Zur Abkühlung gab es dann eine kleine musikalische Unterbrechung – Heinz und Judith hatten ihre Chronik-Band Max & Raffaela mitgebracht, die für uns akustisch „Anders sein“ performten – ein Stück aus der Feder von Eric Fish. Der Text beschrieb nach Aussage von Heinz den Protagonisten aus der eben gehörten Szene ganz gut. Der zweistimmige Gesang war echt toll und die Band bekam auch gut Beifall.

Mit einem kurzen Tagebucheintrag einer Assassine gab es dann noch ein „Schlusswort“. Die „Meuchelmörderin“ sprach hier einen Zauberkundigen namens Al’Jebal an, den sie wohl durchschaut habe, seine Intrigen aber nicht weiter mit tragen wolle und vorhatte, ihn vor dem Ende zu verlassen. Als krönendes Abschluss sang die Band noch das Stück „Haut“ – wahnsinnig schön diese Stimmen. Auch Heinz genoss die Darbietung und wippte im Takt mit. Raffaela und Max nahm ich wirklich ab, dass sie fühlten, was sie da sangen – großes Kino! Mit einem Dank an die Vorredner verabschiedeten sich Judith und Heinz – der Applaus war ihnen mehr als sicher.

Es war ein wahrlich fantastischer Abend – Fantasy-Literatur in vier verschiedenen Formen ließ die Zeit extrem schnell vergehen. Mir hat die Moderation wieder einmal mächtig viel Spaß gemacht – so habe ich wahnsinnig liebe und faszinierende Autoren und ihre Werke wiedertreffen und neu kennenlernen dürfen. Die Zuschauer des Darkflower waren sichtlich zufrieden und am Ende leerte sich der Saal aber schnell – wurde doch schon für den anschließenden Disco-Abend umgebaut. Ich sage Danke an den Acabus Verlag und an Edition Roter Drache und natürlich ans Team vom Darkflower – wir sehen uns bestimmt im kommenden Jahr wieder zu einer tollen Lesung.

Autor & Photos: Scratchcat

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