Marko Hietala: Tour Of The Black Heart 2020 07.02.2020 der Anker Leipzig

Das Konzertjahr begann für uns mit einem großen Namen, denn Marko Hietala ist den meisten sicherlich als der Bassist von Nightwish ein Begriff. Der Finne hat am 24.01.2020 sein erstes Soloalbum „Pyre Of The Black Heart“ veröffentlicht und stellte das Werk auf einer Deutschlandtour live vor. Wir waren in Leipzig für euch dabei. Das Konzert fand im Anker, einer Location im Stadtteil Möckern, die als Stadtteilzentrum mit einem vielfältigen Programm fungiert, statt. Nach einer aufwendigen Renovierung wurde der Anker im Jahr 2018 wiedereröffnet. Vor dem Anker hatte sich kurz vor 19 Uhr eine kurze Warteschlange gebildet, aber der Einlass verlief zügig und wir betraten den gut halbvollen Saal, der sich aber bis zum Konzertbeginn noch weiter füllte.

Oceanhoarse

Als Supportband waren Oceanhoarse mit von der Partie und so konnten die vier finnischen Metalmusiker auf knapp 700 Besucher blicken, als sie pünktlich um 20 Uhr die Bühne betraten. Musikalisch hieß es für Sänger Joonas, seine Mitstreiter Jyri (Bass), Oskari (Drums) und Bandgründer Ben (Gitarre) „We are Oceanhoarse und we play heavy fucking metal!“, woran die Band auch vom ersten Ton an keinen Zweifel ließ. Die Formation, die 2018 ihre Debütsingle veröffentlichte, kann bereits auf ein erkleckliches Repertoire zurückgreifen und spielte sich eine reichliche halbe Stunde die Seele aus dem Leib. Das Publikum im Anker ließ sich auch leicht in den Bann ziehen und so wurde recht schnell mitgeklatscht, Haare flogen und sowohl Band, als auch Gäste kamen ins Schwitzen.

Oceanhoarse

Nichtsdestotrotz hatte jeder genug Platz zum Tanzen und Feiern, was uns gut gefallen hat. Es muss nämlich nicht immer die Sardinenbüchse sein! Für die letzten beiden Songs kam auch noch ein Meeresmonster mit vielen Tentakeln auf die Bühne, um mit der Band zu performen. Wer genau unter der Maske steckte, wurde zwar nicht verraten – Fakt ist aber, dass derjenige ziemlich gut Gitarre spielen konnte. Die hatte sich das Monster nämlich bei Ben ausgeborgt, um das eine oder andere Riff zu spielen. Danach war jedoch schon Schluss für Oceanhoarse, deren Name übrigens nichts mit Seepferdchen zu tun hat, sondern vielmehr mit der stimmlichen Beanspruchung (hoarse = heiser). Wir hatten auf jeden Fall Spaß mit den Finnen, auch wenn wir uns sonst nicht so für Metal begeistern. Danke für diesen Auftritt, Oceanhoarse!

Der Umbau für den Hauptact verlief flott und professionell, während wir uns am Tresen mit einem Getränk versorgten und mit einigen Freunden schwatzten. Die Bar, die sich in einem Nebenraum des Saals befindet und neben Getränken auch ein paar Snacks anbietet, ist mit alten Plattencovern aus der Amiga-Zeit dekoriert, was uns gut gefiel. Außerdem gehen an dieser Stelle Grüße an das schnelle und sehr freundliche Personal – ihr macht einen richtig guten Job!

Marko Hietala

Unterdessen war auf der Bühne alles für Marko Hietala vorbereitet worden und so ging es nach gut 20 Minuten Pause weiter. Der Bassist und seine Band, die aus Tuomas an der Gitarre, Vili Robert an den Tasten und Anssi am Schlagzeug besteht, betraten die Bühne und wurden mit viel Applaus begrüßt. Der bescheidene Sänger, der barfuß auf der Bühne stand, begrüßte das Publikum und legte dann direkt los. Im Gegensatz zu seiner „Arbeit“ bei Nightwish setzt Marko Hietala, der uns mit seinen langen weißen Haaren an einen bekannten Zauberer aus Mittelerde erinnert, auf Progrock. Das spiegelt sich natürlich auch in seinem Album wieder, aus welchem die meisten Lieder an diesem Abend stammten. Eher ruhig und multiinstrumentiert präsentierten die Musiker ihre Tracks, die zwischen fünf und zehn Minuten lang waren und uns ab und zu an Pink Floyd erinnerten. Marko Hietala führte uns charmant von einem Song zum nächsten, erzählte kleine Anekdoten und stimmte uns vor jedem Lied ein wenig auf das kommende Musikstück ein. Ob es rockigere Titel wie „Runner Of The Railways“ oder Balladen wie „The Voice Of My Father“ waren – das Publikum klebte förmlich an Hietalas Lippen und beklatschte auch das grandiose Gitarrenspiel von Tuomas, der zwischen E- und Akustikgitarre wechselte.

Marko Hietala

Einen der Tracks sang Marko in seiner Muttersprache, was im Vorfeld für einige Lacher sorgte, da er es als „song about romance“ ankündigte. Und obwohl wir kein Wort verstanden, hat uns das Lied seine Geschichte erzählt – toll! Ungewöhnlich für eine „Rockshow“ waren die Keyboards, die von Vili Robert bedient wurden. Der blonde Hüne setzte mit seinem Tastenspiel tolle Akzente in der Musik, schüttelte seine langen Haare und sorgte so im Bühnenhintergrund für viel Bewegung. Dass die Band aus gestandenen Musikern besteht, zeigten Marko Hietala und seine Mitstreiter besonders bei den Coverversionen, die sie zum Besten gaben. Die Gäste waren begeistert von Hietalas Version des Bowie-Klassikers „Starman“, so dass im Saal laut mitgesungen wurde. Nach einer kurzen Ansprache über korrupte Politiker und schwafelnde Prediger spielte die Band das Black Sabbath-Stück „War Pigs“, was ebenfalls für viel Beifall sorgte und noch mehr Drive in den Abend brachte. Viel zu schnell war der Auftritt zu Ende, was die Fans vor der Bühne jedoch nicht hinnehmen wollten.

Marko Hietala

Also verlangten sie lautstark eine Zugabe – eine Bitte, der die Band nur zu gern nachkam. Ein Cello wurde auf der Bühne bereitgestellt und so wurde der Titel „Truth Shall Set You Free“ gespielt, in dessen zweiten Teil Marko Hietala zum Cello griff und bewies, dass er nicht nur Bass spielen kann. Anschließend bedankte sich der Finne wortreich für den Abend, stellte noch einmal seine Band vor und die vier Musiker verbeugten sich unter tosendem Applaus vor dem Leipziger Publikum. Danach war dann auch wirklich Schluss und wir kauften uns direkt am Merch-Stand eine CD.

Fazit des Abends: Es muss nicht immer eine fulminante Rockshow, es darf auch mal ein intimeres Clubkonzert sein. Beide Bands haben alles gegeben und uns zum Tanzen, Mitwippen und Mitsingen gebracht. Sowohl Oceanhoarse, als auch Marko Hietala und Band waren sehr sympathisch und haben das Publikum in kürzester Zeit um den Finger gewickelt – well done! Das Team des Ankers war ein guter Gastgeber, die Location war für das Konzert gut ausgewählt – nicht zu groß und nicht zu klein. Wir danken an dieser Stelle allen Musikern und Tourhelfern, der Security, dem Anker und der MAWI-Konzertagentur für den tollen Abend – wir kommen gern wieder!

Autor: Pitchfairy
Photos: Michi
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