M’era Luna 2016: 12.-14.08.2016 Flugplatz Hildesheim – Tag 1

Auch in diesem Jahr lockte der Flugplatz Hildesheim wieder zum M’era Luna Festival und wir waren für euch dabei. Mit uns waren auch 25000 andere Besucher aus aller Welt anwesend und feierten vom 12.-14.08.2016 ein ausverkauftes Spektakel mit zahlreichen Bands und Künstlern, die allesamt ihr Bestes gaben. Wir bieten euch auch in diesem Jahr wieder einen Impressionsbericht mit vielen Eindrücken von drei Tagen Festival.

Bei strömendem Regen auf der Anreise, hatten wir schon Befürchtungen, dass das Festival vielleicht auch ins Wasser fallen würde, doch vor Ort angekommen, war das mit dem Wasser vom Himmel schon durch und so sollte es auch bleiben – na Gott sei Dank. Wir trafen kurz vor dem Einlasstermin ein und die Massen warteten schon darauf, endlich auf das Gelände gelassen zu werden. Dann war es endlich soweit und im Laufschritt wurde der Hangar gestürmt – die besten Plätze für die Lesungen des Abends mussten gesichert werden. Was ich hierbei absolut angenehm fand, war, dass die Securities zwar alle Taschen und Rucksäcke natürlich untersuchten, aber eben auch derlei „Gepäck“ auf dem Gelände erlaubt war – und überhaupt war das Sicherheitspersonal tiefenentspannt und keiner machte großen Stress ob der ganzen Terrorgefahr, die momentan überall umgeht – das gefiel mir richtig gut. Wir positionierten uns in der ersten Reihe bei den Lesungen – schnell waren die bereitgestellten Bänke voll besetzt und es konnte losgehen.

Markus Heitz
Markus Heitz

Auf der Bühne war wieder nur ein Tisch mit zwei Kerzenleuchtern zu sehen – auf einem thronähnlichen Stuhl sollten die Autoren des Abends Platz nehmen. Dann kam Isa Theobald hervor und begrüßte das Publikum mit einem beschwingten „Hallo M’era Luna. Ihr seid ja noch mehr als letztes Jahr.“ Ja, es war voll geworden und viele standen noch, um der Darbietung lauschen zu können. Los ging es dann endlich mit „Staub und Blut – Markus Heitz“. Markus wurde mit viel Beifall begrüßte und er hatte etwas Frisches im Gepäck. Sein neuer Roman „Wédora – Staub und Blut“ war erst kurz vorher erschienen und natürlich musste dieser hier vorgestellt werden. Der Autor erklärte dazu, dass es sich hier um „eine neue Welt“ handle, die er erschaffen habe. Das Ganze sei aus seinen Erfahrungen als Rollenspieler heraus entstanden und so nahm er uns mit in eine „Wüstenwelt“. Er dachte ja, dass dies ganz gut zu diesem Festival passen würde, da es auch hier immer staubig sei. Nur habe es dann eben gerade heute geregnet – also nix mit Staub – „fuck“. Aber nicht so schlimm. Wir lernten dann die beiden Hauptfiguren Liothan und Tomeija kennen, die seit Kindertagen Freunde sind und später „dienstlich“ aneinander geraten, weil er ein Dieb geworden ist, wobei sie eine der obersten Gesetzeshüterinnen ist. Markus hatte für uns eine Stelle im Buch dabei, wo Liothan einen reichen Händler ausrauben will. Im Haus des Kaufmanns Dûrus fand er in den Schubladen aber leider nichts Wertvolles, sondern nur Knochenreste, seltsame Flüssigkeiten und in einem Schrank eine schwarze Kriegerrüstung. Außerdem wurde er einer Karte vom Lande Wédora gewahr – eine Gegend, die er nicht kannte, lebte er doch in einem Waldreich. Dann taucht der Händler selbst auf, hat aber keine Angst vor ihm als Dieb. Auch Tomeija erscheint auf der Bildfläche und will ihren einstigen Freund auf frischer Tat gefangen nehmen. Doch dann geschieht etwas Sonderbares – Dûrus hext irgendetwas und die beiden „Helden“ werden ins Wüstenreich transportiert, wo sie nun überleben müssen und natürlich versuchen sie, wieder in ihre Heimat zu gelangen. An dieser Stelle unterbrach Markus, denn „Lesungen sind wie Kinotrailer“ – sie sollen neugierig machen. Wir erfuhren nun einige Details über die Wüstenstadt Wédora – neun Viertel gibt es da, mit je einem Statthalter und alle hassen sie untereinander. Mitten in der Wüste gelegen, ist es ein Handelsstützpunkt, wo allerlei passiert. Dann gab es noch einen Ausschnitt zu hören. Und da wir ja auf einem „Gruftie-Festival“ waren, hatte der Autor eine Stelle ausgesucht, „damit es ein wenig eklig wird“. Wir gingen mit Tomeija in einem Verwesungsturm, wo Tote einfach hinein geworfen werden. Die Heldin landet durch einen Unfall darin und lag nun zwischen all den zerfallenden und stinkenden Leichen. Sie rutschte immer weiter zwischen die Leiber und steckte fest. Doch dann konnte sie sich frei kämpfen und landet ganz unten in einer Art Gang. Laut einer Legende soll unter den Türmen eine „Bestie“ hausen – hat sie diese denn etwa entdeckt? Schließlich erreicht sie eine Art Behausung mit Möbeln und dergleichen. Doch was es war – „das kann ich aus dramaturgischen Gründen leider nicht verraten – Hinweise dazu findet ihr im Buch“. Oh Mann, immer wenn es spannend wurde, brach der Herr Heitz ab – mieser Trick. Mit einer knappen Verabschiedung und einer Einladung zum anschließenden Autogrammteil nach den Lesungen verließ Markus unter tosendem Beifall die Bühne. Viele eilten dann auch schnell zum Bücherstand, um sich diesen Roman zu eigen zu machen. Alles richtig gemacht!

Luci van Org
Luci van Org

Dann wurde der Thron von der nächsten Autorin übernommen – Luci van Org war an der Reihe und ihre begrüßenden Worte waren: „Meine Fresse, seid ihr viele!“  Sie war sichtlich beeindruckt von der Menge, die da vor ihr stand, um ihrer Darbietung zu lauschen. Los ging es dann direkt mit ihrem aktuellen Roman „Schneewittchen und die Kunst des Tötens“. In diesem Werk hat sie ja das klassische Schneewittchen, was ihrer Meinung nach „kranker Scheiß“ ist, in eine moderne und tierisch abgefahrene Version gebracht. Sie nahm uns mit in ihr SM-Märchen – in eine Szene nachdem das Schneewittchen Nina und der „Jäger“ Ivo wilden Sex hatten, dabei aber von den Mitbewohnern Ivos gestört wurden. Alle „sieben Zwerge“ standen vor der Tür und wollten rein – doch die beiden mussten sich erstmal anziehen und Nina musste das Klebeband von ihren Händen und ihren Mund entfernen. Doch leider hatte sie eine Klebstoffallergie und hatte entsprechend rote Hautstellen an den Handgelenken und über dem Mund. Außerdem erfuhren wir, wie sich die beiden kennen gelernt haben. An diversen Stellen sorgte das Vorgelesene für Lacher beim Publikum – Lucis Art Vorzulesen war aber auch genial – mit verschiedenen Stimmen für die Figuren und absolut irrer Betonung. Dann wurde gesungen – die Autorin und Sängerin hatte ihre Akustikgitarre dabei und schmetterte für uns den Titel „Mutterherz“ – ein Stück ihrer Formation Üebermutter. Doch zuvor kündigte sie ein neues Üebermutter-Album und mehrere Videos dazu an – „die Videos sind gedreht“, also wird es wohl nicht mehr lange dauern – wir sind sehr gespannt. Die Ankündigung sorgte auch für Zwischenapplaus bei den Fans. Dann ging es in der Szene aus dem Buch weiter – alle Zwerge waren wach und machten sich ein wenig über den „Clownsmund“ von Nina lustig. Außerdem kam die Frage auf: „Wie willst du dein Safeword sagen“, wenn Klebeband den Mund verschließt. Nichts leichter als das – Nina summte es einfach – was ein Gelächter unter den Zuhörern. Hiernach erzählte Luci noch kurz, dass in dem Buch auch ein Serienkiller namens Mael vorkommt, der seine Opfer in einem Glassarg erstickt. Dabei hört er immer Musik – unter anderem Leonard Cohens „Halleluja“, was Luci dann auch gleich noch live vorspielte – in ihrer eigenen Version natürlich. Das sorgte für Jubel und Zugabe-Rufe. Doch nun war die Künstlerin immer noch nicht am Ende. Sie hatte noch etwas völlig Neues dabei und war deswegen „noch Mal so richtig, richtig aufgeregt“. Im Verlag Edition Roter Drache, dem „tollsten Buchverlag der Welt“, wird im kommenden Jahr im März ein Buch erscheinen, das eine allgemeinverständliche Version der Edda enthält, es wird „Familienbuch der nördlichen Sagen“ heißen. Luci hat das Ganze geschrieben oder schreibt immer noch dran und einen Teil davon stellte sie an diesem Abend erstmals vor. Wir kamen so in den Genuss die „10 Gebote der Heiden“ zu erfahren – zumindest anteilig. Das Tolle bei Heiden sei ja, dass es da keine Sünde gibt und die Botschaften daher sehr allgemeingültig seien. So hörten wir etwa: „Geh nie unbewaffnet aus dem Haus“ oder „die wichtigste Regel – sei nicht blöd und wenn du es bist, halt die Klappe“. Andere waren: „Du bist reich, wenn du Freunde findest“ oder aber „Höre auf alte Leute“. Bei einigen wurden sehr gelacht und bei anderen wurde vielfach wissend genickt. Das alles klang schon viel versprechend – ich persönlich bin auf das Endergebnis des Buches gespannt. Am Schluss kam es dazu, dass Luci uns „verzaubern“ wollte – dazu stand sie von ihrem Tisch auf, breitete die Arme aus und sang den 1. Merseburger Zauberspruch – wow, was eine Wahnsinnsstimme. Wir waren allesamt echt beeindruckt und der Beifall wollte nicht abebben. Danke Luci – das war himmlisch!

Christian von Aster
Christian von Aster

Last, but not least, folgte nun noch der „Headliner“ des Leseabends – Christian von Aster, der sich selbst als „alternden Dichter“ bezeichnete. Seine Weltgewandtheit beeindruckt mich persönlich jedes Mal wieder aufs Neue – so auch an diesem Abend. Es ging los mit der Vorstellung einiger „Tiere, die so ausgestorben sind, dass es sie vermutlich nie gegeben hat“. Als Mitglied der kryptopoetozoologischen Gruppe, ist er ja selbst an wissenschaftlichen Dingen interessiert und seiner Meinung nach gibt es „nichts Besseres“, als „angetrunken und wissenschaftlich interessiert“ sein – damit war das Publikum gemeint und schon hörten wir vom „Grabhüpfer“, dem „spitzohrigen Euterflügler“ und der „Nabelmaus“. Die Tiere wurden je in einem kurzen Reim vorgestellt, was für allgemeine Erheiterung sorgte – waren die Geschöpfe doch allesamt abstrus und sonderbar und vor allem aber echt witzig. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem Zuschauer in der ersten Reihe, der wohl angeblich ein Kind von Herrn von Aster wollte, was ja rein biologisch eher schwierig würde, stellte uns der Autor sein neuestes Werk vor – „Höllenherz: eine erotopoetische Diableske tragischer Natur“ – ebenfalls erschienen im Verlag Edition Roter Drache. Hier ging es um Lucifer persönlich, der verschiedenste Dinge erlebt. Wir lauschten nun einer Szene, wo er ein Pärchen dabei störte, wie sie es gerade miteinander treiben wollten. Der junge Mann war entsprechend erbost und drohte dem Teufel. Der gab ihm dann sogar Ratschläge, wie er ihn am besten umbringen könnte für seinen Frevel und borgte ihm letztendlich sogar Geld, damit er ein besseres Messer kaufen konnte. Als der Kerl dann weg war, verführte das Mädel den Höllenherrn auf wildeste, was sie aber am Schluss dann leider mit dem Leben bezahlte. Damit es dann nicht zu heiß würde, stellte Christian weitere ausgestorbene Wesen vor – nämlich das „Kerlhuhn“ und die „Killerassel“. Und weil wir ja hier auf einem „Gruftiefestival“ waren, hatte der Leipziger Kultschreiber etwas „aus der Reihe meiner Gruftieverhöhnungen“ dabei – „Defibrillator im Sargrucksack“. Hier ging es um eine Gruppe von Grufties, die beim WGT an einen Vermieter geraten waren, der wohl das „Raubrittertum seiner Vorfahren“ wieder aufleben ließ oder aber wie ein Alchemist „alles mit vier Wänden und Tür zu Gold“ machte – die Mietpreise zum Pfingsttreffen sind aber auch jedes Jahr wieder mehr als horrend. Diese Gruppe erlebte dann in der Leipziger Innenstadt das, was sicherlich viele von uns kennen – sie treffen auf „Großbildjäger“ – das sind „ältere Herren mit Fotoapparat“ – die einfach drauf losknipsen, ohne auch nur zu fragen. Als Gegenmaßnahme für diese Herren wurde dann einfach gemeinschaftlich zurückgeblitzt, so dass derjenige dann erstmal nichts mehr sah, als lauter weiße Blitze vor den Augen – was eine geniale Idee. Wir haben allesamt sehr gelacht! Doch dann war immer noch nicht Schluss – der dritte Teil von „Lukas die launische Liebesbrieftaube – Bekenntnisse einer Professionellen“ kam zu seinen Ehren. Darin berichtete Lukas von seinen Erlebnissen bei einem Fotoshooting, wo er völlig besoffen immer wieder von einem Ast fiel und alle Aufbauten damit zerstörte. Wie kommt der Autor nur auf solche abgefahrenen Schreibideen? Letztendlich wurde es dann „gereimt“ – „eine kleine Gute Nacht Geschichte“. So erfuhren wir, dass „eine gute Nacht, hat selten einer schlafend verbracht“. Auch das kleine Volk nicht und so sind wohl gute Nächte immer die, wo gefeiert wird. Recht hatte er! Weil das Publikum hiernach dann aber immer noch eine Zugabe forderte, holte Christian die Karte über die „Suizikade“ hervor und verlas sie. Doch dann war es Zeit, Abschied zu nehmen.

Wer wollte, konnte sich von den drei Autoren des Abends noch Autogramme holen und Bücher kaufen. Dann wurde der Hangar umgebaut, denn schließlich sollte die erste Disco des Festivals gleich beginnen. Wir trafen draußen noch einige Freunde und sahen dabei einige riesige Dämonenpuppe, die hinter dem großen M’era Luna-Schriftzug am Eingang stand. Diese Puppe leuchtete und bewegte sich – irre. Auf dem Mittelaltermarkt vor dem offiziellen Einlass spielte noch die Band Pestilenzia. Das Gedränge war entsprechend groß und die Stimmung war riesig. Es wurde mitgesungen bei „SchockSchwereNot“ oder dem „Rumpelstilzchen“ und überall tanzten und klatschten die Zuschauer. Die kulinarischen Angebote waren sehr vielfältig und wir testeten direkt einiges davon – vegetarische Reispfanne mit Gemüse und Mutzbraten waren echt lecker. Mit gefülltem Magen wurden wir dann schläfrig und so ging es ab ins Hotel.

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Autor & Photos: Scratchcat

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