M’era Luna 2016: 12.-14.08.2016 Flugplatz Hildesheim – Tag 2

Nun ging es auf, dem eigentlichen Festival beizuwohnen. Schnell hatten wir einen Parkplatz in einer der Nebenstrassen gefunden und begrüßten die ersten Pressekollegen im Pressezelt, wo wieder einmal wunderbar für uns gesorgt wurde – vielen Dank an dieser Stelle dafür an die Orga.

Nach Einlass rannten dann direkt die ersten Zuschauer im Laufschritt vor die Hauptbühne, wo pünktlich die Newcomer-Gewinner Shaârghot loslegten. Die Musiker waren alle maskiert oder aber schwarz und grün angemalt. Der gitarrenlastige Sound war nicht schlecht und vertrieb die letzte Müdigkeit. Showmäßig war das Quartett echt auf Zack und stellte so einen guten Start in den Tag dar.

Impressionen
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Rechts neben der Bühne gab es wieder eine große Videoleinwand, wo Livebilder der Auftritte zu sehen waren – so konnten die Zuschauer auch von weiter hinten erkennen, was so auf den Brettern, die die Welt bedeuten, dargeboten wurde. Auch vor dem Hangar stand so eine Leinwand, was praktisch war, denn des Öfteren gab es im Laufe des Events Einlassstopp im Hangar. Außerdem empfand ich den Sound draußen an der Leinwand vorrangig sauberer und besser als noch in Halle selbst. So konnte jeder, der wollte, die Auftritte im Freien genießen.

Doch zu Vlad in Tears ging ich dann doch mal hinein – hatte ich diese Band noch nie live gesehen. Die Bühne war, wie schon im letzten Jahr, links und rechts mit Aufbauten verziert worden, so dass das Ganze an eine Steampunk-Kulisse erinnerte, die zuweilen qualmte und beleuchtet war. Die Lichtshow war hier drinnen ja auch schon tagsüber sehr effektvoll und immer wurden die Künstler toll in Szene gesetzt. Sänger Kris Vlad überzeugte mit seiner Stimme und sein Auftritt erinnerte mich hin und wieder an den alten Axl Rose, als Guns’n’Roses gerade ihre Hochzeit hatten. Ich würde mir die Band jederzeit wieder anschauen – echt nicht verkehrt.

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Immer wieder pilgerte ich zwischen den Stages – auf der Hauptbühne schossen zu Erdling Rauchfontänen gen Himmel, während die Zuschauer zu der Darbietung ordentlich abrockten. Die Stimmung war sensationell. Das empfand auch Frontmann Neill so und meinte: „Seit 10 Monaten sind wir miteinander unterwegs und jetzt hier auf dem M’era Luna – Wahnsinn!“ Songs wie „Du bist Soldat“ heizten mächtig ein. Und nicht nur die – die Sonne wanderte immer höher und brutzelte uns alle ganz schön durch. Wer keine Sonnencreme dabei hatte, wurde schnell rot und ratet mal, wem es ebenso erging – natürlich mir. Autsch!

Also schnell wieder in den Schatten im Hangar zu A Life Divided, wo es schon arg voll war. Die Scheinwerfer blendeten immer wieder mal, doch schnell ein-zwei Schritt nach rechts gegangen und schon war das Problem gelöst. Die gute Laune war überall spürbar und es wurde immer wieder im Takt mitgeklatscht – zu Songs wie „The most beautiful black“ oder auch „Doesn’t count“. Jürgen, der Mann am Mikro, meinte hin und wieder verschmitzt: „Wir sind euer Wecker!“ Doch bei den Klängen war doch keiner mehr müde – es wurde doch schon überall getanzt und mitgesungen.

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Als ich dann wieder im Freien war, sah ich bei Gothminister die „Monster“ auf der Bühne. Außerdem wurde Feuer entzündet und „Liar“ besungen – Björn konnte seine Fans mit einer gut konzipierten Show begeistern und auch neue Songs kamen zum Tragen. Währenddessen war ich in der Menge unterwegs, um den einen oder anderen Festivalbesucher auf Bildern einzufangen. Dabei traf ich wahnsinnig nette Leute, die sich richtig viel Mühe mit ihrem Outfit gegeben haben – sei es die Bastelarbeiten beim Steampunk-Anzug oder aber Näharbeiten beim Kleid, das ausgefallene MakeUp oder einfach die wilden Zusammenstellungen verschiedenster Stile in einem vereint – absolut irre. Die Bilder dazu findet ihr in unseren Galerien.

Während ich an einer langen Schlange vorbeilief, die zu den Autogrammstunden auf dem Gelände gehörten, lauschte ich den Klängen von Christian und Tom – auch bekannt als Chrom, die im kommenden Jahr schon ihr 10-jähriges als Band feiern. Bei ihrem Gig war es im Hangar ordentlich voll und die Party war gut im Gange. Die Musik der beiden geht aber auch immer ins Bein. Leider war es drinnen ziemlich laut – das war sogar am Bild auf der Leinwand draußen zu sehen, denn immer wieder vibrierten die Aufnahmen, weil die Kamera drin wohl ordentlich Schall abbekam.

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Das Gelände war richtig voll an diesem Tag – kein Wunder, war das Festival doch ausverkauft. Das war für die Bands natürlich wunderbar – wer spielt schon gern vor einem kleinen Publikum. Je mehr Leute da mitmachen und sich freuen, umso mehr Spaß hat doch auch der Musiker. So erging es auch Stahlmann, die die Massen immer wieder springen ließen. Außerdem waren die Hände immer oben, was von der Seite aus schon ziemlich cool aussah – wie muss das dann erst für die Band wirken?!

Noisuf-X ließen den Hangar erbeben – leider mit etwas dumpfem Klang, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Die Ameisenvideos hinten den drei Herren waren cool. Dann ließ Jan L. „eine Warnung an alle, die nicht tanzen wollen“ verlauten – dem folgenden Beat konnte sich keiner mehr entziehen und es ging wild ab. So wackelte ich beschwingter durch die Menge.

Nach kurzer Verschnaufpause im Pressezelt, stellte ich mich wieder in die Sonne. So bekam ich mit, dass Lacrimas Profundere ihre neue CD „Hope is here“ dabei hatten, die erst einen Tag zuvor erschienen war. Währenddessen liefen zwei riesige silberne Wesen durch die Massen – es war Stelzenläufer, die sich ihren Weg über das Flugplatzgelände bahnten – echt beeindruckend. Die waren echt riesig und ich konnte nicht recht herausbekommen, ob da nur eine Person drin steckte oder direkt mehrere. Zum Glück wehte immer wieder ein Windchen, so dass die Hitze durch die Sonne nicht zu stark war. Den Wind nutzten auf dem Zeltplatzgelände einige – ich sah mehrere Drachen, die an Leinen im Himmel flogen.

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Dann spielte eine Band, die ich mir immer wieder anschaue – Oomph! Die Herren legten mit dem „Labyrinth“ los und es wurde direkt mit gesprungen. Dero und seine Kollegen hatten ordentlich Spaß und so erging es auch den Fans, die zu „Träumst du“, „Niemand“ oder auch „Augen auf“ abrockten, was das Zeug hielt. Und auch, wenn Crowdsurfen eigentlich verboten war und für jeden Festivalbesucher einen Platzverweis für 24 Stunden bedeutet hätte, konnte sich der Frontmann der Wolfsburger nicht beherrschen und sprang in die Menge, um sich auf Händen tragen zu lassen – Künstler haben eben doch Sonderrechte. Die Arme waren aber sowieso immer oben und der Sänger meinte dann nochmals: „Lasst mich euch nochmal springen sehen – das sah so geil aus.“ Sein Wunsch war dem Publikum dann auch Befehl – cool!

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Während dann später Diary of Dreams eine Art Highlights-Set spielten, suchten wir uns in dem reichhaltigen Gastro-Angebot etwas zu Essen. Dieses Mal gab es für uns vegetarisches India-Food und den absolut genialen Pulled Pork-Burger. Die Preise waren dabei noch im Rahmen und die Portionen durchaus ordentlich. Danach besichtige ich das Gothic Fashion Town Zelt, wo es allerlei Schickes zum Ankleiden oder Ausstaffieren gab. Zahlreiche kleine Stände aus aller Welt boten hier Accessoires und Schmuck an und noch viel mehr. Da wusste Frau gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollte und wer die Geldbörse besonders locker sitzen hatte, konnte hier regelrecht arm werden.

Bei Diorama im Hangar wurde es dann mächtig eng – viele wollten die Herren von Nahem sehen. Es gab einige technische Probleme am Anfang, doch dann wurde es doch noch schick. Der Sound regte zu Tanzen und Mitwippen an und wie immer war der zweistimmige Gesang von Torben und Felix ein Ohrenschmaus. „Hope“ und andere Highlights kamen gut zur Geltung – die Fanherzen schlugen im Gleichtakt mit der Musik.

Das nächste Highlight waren dann Apocalyptica, die auf der Hauptstage mit ihren Cellos für wilde Begeisterungsstürme sorgten. Da wurde das Instrument mal wie eine Gitarre gehalten, während die Haare flogen – vor und auf der Bühne. Eicca begrüßte die Massen mit einem „Guten Abend M’era Luna – are you ready.“ Die Musiker selbst bezeichneten ihre Musik als „musikalische Flitzekacke mit die Cellos“ – was für eine wunderbar witzige Bezeichnung für das Dargebotene. Auch Sänger Frankie war dabei, der für seine röhrigen Stimme bejubelt wurde. „House of pain“ oder auch Metallica-Stücke waren an diesem Abend mit im Set enthalten – und wer da noch nicht genug hatte, wurde von den Finnen auf die Tour 2017 eingeladen, wo sie die Metallica-Stücke noch einmal live geben würden.

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Dann zog es mich auf den Mittelaltermarkt – wollte ich mir das Markttreiben doch einmal bei Tageslicht anschauen. Dort gab es die Kuppeley zu Bestaunen – eine Art Partnerbörse – Bogenschießen war beliebt und beim Schmied konnten wir zusehen, wie Nägel oder andere Dinge hergestellt wurden. Apropos Nägel – habt ihr schon Mal versucht, einen Nagel mit einer Axt einzuschlagen, aber nicht mit der breiten Seite, sondern mit der Schneide?! Auf dem Markt gab es ein Spielchen, wo sechs Personen das immer im Wechsel versuchten – während ich zusah, hat nicht einer getroffen – ich weiß allerdings nicht, wie lang sie es dann noch probierten. Auch war der Hau den Lukas wieder da, der Feuer spuckte, wenn einer mal das Gewicht bis ganz nach oben geschlagen hatte. Bruder Ignatius „vermählte“ gerade ein Pärchen auf dem Markt, während gegenüber gespeist wurde. Die Tavernen und Speisestände waren immer stark frequentiert und auch das Teezelt war immer voll.

Als ich zurück kam, hörte ich aus dem Hangar die Klänge von Die Krupps, die „Wahre Arbeit – wahrer Lohn“ besangen. Dort war es aber so voll, dass kein Reinkommen mehr war. Also wartete ich mit allen anderen auf VNV Nation, die die Hauptstage zum Beben brachten. Sänger Ronan fand an diesem Abend alles einfach „Wow“ – er schien sichtlich beeindruckt. Er feuerte die Menge an: „Habt ihr keine Lust zu Tanzen? – Ist ganz einfach.“ Das ließen sich die Zuschauer nicht zweimal sagen und schon wurde bei „Tomorrow never comes“ oder „Legion“ abgetanzt. Weil Ronan wirklich kaum eine Sekunde still stand, tat mir der Kameramann, der ja die Livebilder einfangen musste, total leid – immer musste er die schwere Kamera auf der Schiene vor der Stage hin und her schieben, um den Sänger wieder ins Bild zu bekommen. Bei „Nova“ leuchteten überall die Handytaschenlampen auf, was ein wunderschönes Gesamtbild ergab – „Oh my God, this is the most beautiful thing I’ve ever seen.“ So einen tollen Moment erleben eben auch die Bands nicht so oft – war echt schön!

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Den Abschluss für diesen Tag machten dann noch die Sisters of Mercy – oder wie ein Freund von mir sagte die „Sisters of Nebel“. Das war an diesen Samstag der einzige Gig, der nicht über die Videoleinwand übertragen wurde – echt schade, waren doch gerade viele ältere Fans extra wegen dieser Formation da und wollten ihre alten Helden auch sehen, was ja schon wegen des vielen Nebels nicht so einfach war. Die alten Hits waren zum Teil erst nach einer Weile zu erkennen oder nur am Text, denn musikalisch waren sie allesamt neu aufgelegt worden und klangen doch schon arg anders, als wir es von ihnen kannten. Auch das war schade und enttäuschte den einen oder anderen Zuschauer. Aber an sich machten die Herren ihre Sache schon ganz gut – der Sound war in Ordnung und es wurde auch viel mitgesungen.

Wir waren dann von der Hitze und dem langen Tag geschafft und machten uns wieder auf den Weg ins Hotel. Was mir aber beim Heimweg auffiel, war, dass im vergangenen Jahr noch Laserstrahlen vom Tower des Flugplatzes in die Nacht leuchteten, was echt schick war. Das fehlte dieses Jahr irgendwie – schade!

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Autor & Photos: Scratchcat

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