M’era Luna 2018: 10.-12.08.2018 Flugplatz Hildesheim – Tag 1

Das M’era Luna Festival war auch 2018 wieder ausverkauft und so feierten 25000 Festivalbesucher auf dem Flugplatz in Hildesheim an drei Tagen und Nächten, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Wir waren wie immer für euch dabei und haben viele Eindrücke gesammelt.

Wie immer fanden am ersten Abend im Diskohangar die Lesungen von drei hochkarätigen Autoren statt. Schon zum Einlass suchten wir uns einen Sitzplatz und freuten uns auf die angekündigten Herren. Isa Theobald moderierte den Abend und begrüßte das zahlreich erschienene Publikum: „M’era Luna – schön, dass ihr da seid – ihr werdet jedes Jahr schöner.“

Markus Heitz

Los ging es dann mit dem allseits beliebten Markus Heitz – „Guten Vorabend. Nun ihr Kinder, gebt fein Acht“, so seine einleitenden Worte. Er startete auch direkt einen „Bestechungsversuch, weil die anderen beiden lustiger sind als ich“. Dessen bedurfte es aber nicht, denn alle waren gespannt. Lag doch auf allen Sitzplätzen ein kleines Heftchen, dass als Prolog zu Markus neuem Projekt „Doors“ einen ersten Einblick bot. Was genau es damit auf sich hatte, erklärt der Schriftsteller nun selbst. Es geht in „Doors“ um eine Gruppe von Menschen, die eine verschwundene Person suchen und auf der Suche zahllosen Hinweisen folgt. Das Ganze gestaltet sich in drei verschiedenen Szenarien, die dann vom Leser auch in drei verschiedenen Büchern verfolgt werden können. Als „exklusiven Einblick“ gab es für die Zuhörer beim M’era kleine Geschichten auf die Ohren, die im Prolog nicht enthalten sind. So lernten wir Anna-Lena kennen, ein kleines neunjähriges Mädchen, dass über eine Geschichte, die ihr ihre Großmutter erzählte, erfährt, dass sie eine Hüterin eines Schlüssels ist, der zu einer der fünf existierenden „Doors“ gehört – „du bist eine Wächterin auf Ewigkeit“. Das Ganze war ein wenig „unheimlich und gruselig“, denn hinter der besagten Tür, einer von fünf in einem Labyrinth, war eine Frau, die um Durchlass bat. Sie stellte sich aber als „Teufel“ heraus und nur knapp wurde verhindert, dass sie in die Welt des Mädchens kam. In dieser Story machte Markus eine kleine Anspielung auf einen Song von Manowar – erkannt von einem Zuschauer – „Ich lese einfach gern vor Fachpublikum“. Apropos Welt – hinter den Türen gibt es verschiedene Welten, wie etwa Deutschland 1944 ohne Nazis – „Das ist so cool“. Oder es gibt eine Welt, die im Jahr 2049 spielt, „weil da Bladerunner anfängt“. Aus jener Welt stellte uns der Autor Tessa vor, die eigentlich als Ordnungshüterin arbeitet, es aber nicht so genau nimmt mit den Gesetzen. Während eines Einsatzes bei einem Diner findet sie nur Leichen vor bis auf einen Herrn Ritter, der sich als Zeitreisender outet. Der segnet dann durch ihre Hand aber auch das Zeitliche. Wie es weitergeht, „kann ich leider aus dramaturgischen Gründen nicht verraten“. Insgesamt waren diese kleinen Einblicke schon ein guter Anreiz, sich auch „Doors“ von Markus Heitz genauer zu Gemüte zu führen. Der Autor verriet noch: „Han Solo hat zuerst geschossen“ – Schock! Mit diesem Lacher war die Lesezeit von ihm aber schon wieder vorbei uns so verabschiedete er sich verbeugend mit einem „Dankeschön“ und „Bis später“.

David Grashoff

Ihm folgte David Grashoff – „Ich werde euch hart enttäuschen“. Er stand wie ein StandUp-Comedian vor dem Lesetisch am Mikrofon und legte los: „Hi M’era Luna!“ Direkt zu Beginn verriet er, dass er bald 45 Jahre alt wird – „ooohh“ – aber in diesem Alter drehen sich gewissen Lebensansichten um. Als Ehemann und Vater hat er etwa die Einstellung, dass er nun nicht mehr feiern geht bis in die Morgenstunden, sondern „Du bleibst zu Hause und säufst dir deine Kinder ruhig“. Mit seinen lockeren und sehr ehrlichen Sprüchen sorgte David für einen Lacher nach dem anderen – sehr kurzweilig und unterhaltsam. Dann trug er seine kleine Geschichte „Der beste Papa der Welt“ vor – ich fühlte mich hier an einen Poetry Slam erinnert. So möchte der Autor gern als Mentor für seine Kinder wirken und gibt gern mal kluge Ratschläge wie „nicht gegen den Wind pissen“ und dergleichen. Die Zeiten verändern solche Hinweise, aber auch die Rügen. Denn schließlich ist es ja so, „solange du mein WLan benutzt“, ist was anderes als „Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst“. Oder aber „Papa trinkt, weil du immer so böse bist“ ist auch eine ganz andere Klasse. Recht hatte er! Insgesamt habe er als Vater aber festgestellt, dass es eine allgemeingültige Antwort auf alle Kinderfragen gibt: „Frag deine Mutter!“ Bei seinem mittlerweile pubertierenden Sohn habe er festgestellt, dass dieser nicht den ganzen Tag pennt, sondern immer wieder ohnmächtig wird von dem Mief in seinem Zimmer. Und die Akne in seinem Gesicht wirke auf ihn wie das alte PC-Game Minesweeper – was für ein Vergleich. Seine sechsjährige Tochter hingegen habe das geistige Niveau wie Donald Trump. Doch genug von seinen Kids. Sein „innerer Witzezwerg“ musste einiges rauslassen, wie etwa „Dinge die unangebracht sind, die aber Spaß machen“ – davon verriet er in mehreren Teilen einige, wie etwa „Dinge, die man auf einer Beerdigung nicht machen sollte“. Absoluter Brüller! Oder aber „Dinge, an denen du merkst, das du langsam alt wird“, „Dinge, die Mann beim Sex nicht hören möchte“ und vieles mehr. Bei jedem weiteren Beispiel waren die Lacher im Publikum lauter und nicht wenige klangen recht wissend. Außerdem erzählte David von seiner Zeit als Schüler – in der Geschichte „Das Nerdperium schlägt zurück“. Früher war er nämlich Transformer, so zusammengefaltet wie er in jede Tonne passte. Er war aber „stolz ein Nerd zu sein“, was ihn vor allem für uns sehr sympathisch machte. Zum Abschluss seinen Auftritt holte der Autor noch seinen „einzigen romantischen Text“ hervor – „Mein kleines Nerdmädchen“ – einfach göttlich! Das war doch mal eine gelungene Liebeserklärung an alle Nerd-Weiber dieser Welt. Danke! Auch er sagte „Vielen Dank M’era Luna – ihr wart echt dufte!“ Gern hätten wir ihm noch länger gelauscht, doch es gab ja noch einen Headliner des Abends.

Christian von Aster

Diesen Slot besetzte der „Godfather of the Gruftie-Glosse“, so Isa. Schnell machte sie noch auf die Patreonseite von Christian von Aster aufmerksam und dann betrat der beliebte Schreiber das Podium und nahm an dem Tisch Platz. „Beschwingten Guten Abend“. Er ließ direkt mal seine sexy Seite raus und zeigte Brusthaar – die Zuschauerinnen wurden ganz wirr. Aber schließlich nahm Christian sein mitgebrachtes Lesematerial zur Hand und stellte uns die „Trummbuffelmufte“ vor – die „Schlimmste aller Schlimmen“. Dieses kurze Gedicht war nur eine Einstimmung, denn Herr von Aster hatte viele seiner Projekte in petto. Unter anderem hatte er auch Lukas, die launische Liebesbrieftaube mit dabei. Lukas ist ja drogenabhängig und alkoholsüchtig und sammelt Lebensweisheiten, wovon wir drei an der Zahl mit auf den Weg bekamen – „nicht klatschen – einfach verinnerlichen“. In der kleinen Episode aus dem Leben der Brieftaube mit Namen „Teil 8 – Grufties“ verriet das Tier, dass er Grufties und ihre Musik „grundsätzlich gut“ findet, aber das Erlebnis mit der Band „Stahlquappe“ einen tragischen Ansatz in sein Leben brachte – nun ja, wenn Taube sich eben betrinkt vor der Zusammenarbeit mit den Musikern, kann das ja fast nur ins Gefieder gehen. Im Anschluss nahm der Schriftsteller seinen neusten Roman „Der Orkfresser“ zur Hand und berichtete von einem „Überfall, der einfühlsam von statten geht“. Das Ganze war sozusagen eine „Generalprobe“ mit „Spielzeugwaffe“, weil die Diebe heutzutage „kein ordentliches Arbeitsmaterial“ mehr haben. Die Verbrecher hatten nur eine kleine Handfeuerwaffe dabei und eben keine große Bazooka oder anderes – unfassbar. Auch hier waren die vorgetragenen Worte ein Auslöser für diverse Lacher. Als nächstes lud uns Christian ein ins „Haus Gruftenstein“ – einem Haus „ohne Anstand, Sitte und Moral“, denn „wenn wir alt sind, ziehen wir zusammen in ein Gruftiealtersheim“. Schöne Idee! Und eben diese Idee führte er in seiner Geschichte ausführlich aus. Auf drei „Floors“, gemeint waren Etagen, gab es die unterschiedlichsten Musikbezüge und für jedwede sexuelle Vorliebe wurde etwas geboten. Neben einem EMP-Store und Gothic-Flohmarkt bot das Heim außerdem diverse Freizeitaktivitäten. Das stelle ich mir toll vor und würde dort sofort einziehen. Und wieder sprang der Autor zu einem weiteren seiner Projekte – den Steambugs – Steampunkkäfer, wo er zusammen mit Zeichner Poul Dohle an einer Veröffentlichung arbeitet. Ein kleiner Auszug aus dem Werk sollte an diesem Abend neugierig machen, denn die Steambugs erleben allerlei Abenteuer. Wir lernten etwa Emilia keinen, eine alte Pilotin, die gern Portwein trinkt und nur so fliegen kann. Eine Gruppe von Käfern macht sie betrunken, damit sie sie auf ihrer Flucht davonfliegen kann. Doch unter den Abenteurern ist ein Verräter – wer es ist und warum, er seine Kollegen verriet, möchte ich nicht verraten – lest es dann am besten selbst nach. Zum Abschluss holte Christian noch die kleine Geschichte „Zinnobergeboren“ hervor – ein Poem aus dem Werk „Herbstlande“. Auch das erntete frenetischen Beifall, wie alles von ihm und so kam der Erzähler hinter seinem Tisch hervor und verbeugte sich beeindruckt. „Merci vielmals. Ich wünsche noch ein grandioses Festival.“ Die Fans wollten ihn kaum von der Bühne lassen, doch schon war die Lesung wieder Geschichte.

Am Bücherverkaufsstand wurde es nun eng, denn die Zuschauer wollten sich die Werke der drei Schreiberlinge zulegen und gleich signieren lassen. Wie lang die drei sich Zeit nahmen, kann ich leider nicht sagen, denn wir machten uns einstweilen auf den Weg ins Hotel – die Kräfte für zwei Tage Festival wollten gesammelt sein.

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Autor & Photos: Scratchcat

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