M’era Luna 2018: 10.-12.08.2018 Flugplatz Hildesheim – Tag 2

Am ersten richtigen Festivaltag kamen wir zeitig auf dem Gelände an und es war schon ziemlich warm – es sollte aber noch wärmer werden an diesem Tag, so dass wir froh waren, dass es im Pressebereich immer genug zu Trinken gab – Danke an dieser Stelle an die Veranstaltung von FKP Scorpio für die tolle Betreuung und Verpflegung vor Ort.

Auf der großen Bühne spielten schon Erdling und die Fans waren auch zu dieser frühen Tageszeit schon zur Party bereit. Die Musiker stellten fest, „die große Familie ist nicht kleiner geworden“. Es wurde immer voller auf dem Gelände und das Feeling des M’era Luna kam auf. Der Wind, der auch immer wieder aufkam, war noch recht frisch, so dass einige Konzertbesucher nicht bemerkten, wie sie sich in der Sonne verbrannten. Wir hatten aber vorgesorgt, denn die Sonnencreme war unser bester Freund an diesem Wochenende.

Impressionen

Die erste Band, die ich mir im Hangar anschaute, waren Cephalgy aus Dresden, die mit blau leuchtenden LED-Brillen auf der Nase für einen Hingucker sorgten. Dieses Mal war die Bühne im Hangar nicht wie eine Steampunk-Location gestaltet. Vielmehr gab es links und rechts große Gestelle, an denen Plastekanister hingen, in denen es leuchtete. Mal blau, mal pink oder grün, mal leuchteten alle und mal nur einige in Mustern. Das sah auch cool aus und wirkte in der doch recht dunklen Halle recht gut – schöne Idee! Später tanzte ich mit allen Fans von Eisfabrik ab und freute mich, als es dann auch noch „schneite“. Wie die Band das auch immer schafft?! Hier gab es ein paar kleine technische Probleme mit Dr. Schnees Mikrofon, aber das konnte schnell behoben werden und dann wurde der Gig zu einem vollen Erfolg. Zusammen mit einem Schneemann und dem Yeti auf der Bühne wurde gerockt zu den elektronischen Klängen – die Herren sind eben cool.

Und apropos Puppen und Figuren – auf allen Hallen des Geländes standen auf den Dächern an den Rändern schwarz gekleidete Damen und Herren, die sich als Puppen herausstellten. Sie waren wohl irgendwie fixiert, denn auch der Wind konnte sie nicht umwerfen. Mich persönlich erinnerte diese Installation ein wenig an den Film „Stadt der Engel“. Auf jeden Fall war es ein Hingucker!

Impressionen

Zeraphine haben auf der großen Bühne souverän aufgeliefert und mit Hits wie „Lieber allein“, „Die Wirklichkeit“ oder „Die Macht in dir“ begeistert – da war echt zu merken, wer Profi ist. Während ich diesen Klängen lauschte, konnte ich beobachten, wie sich die Warteschlange für die angekündigten Autogrammstunden bildete und immer länger wurde. Wer hier wartete, konnte nebenher noch ein paar Aktionskünstlern zusehen, die mit Pois und langen Stangen jonglierten und Kunststücke aufführten. Das war wirklich faszinierend. Solche spontanen Aktionen finde ich immer toll und gerade sie machen das Gemeinschaftserlebnis aus.

Bei Rabia Sorda standen beide Drummer seitlich zum Publikum, so dass die Fans genau beobachten konnten, wie Joey und sein Kollege auf die Drums eindroschen – Wahnsinn! Erk sprang dazu im Takt und gemeinsam heizten sie den Zuschauern im Hangar mächtig ein. Der Rhythmus war so gut, dass wirklich niemand stillstehen konnte. Direkt vor der Bühne wurde es richtig wild, denn die Tänzer wurden immer ausgelassener. So geht Spaß!

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Tanzwut bewiesen hingegen, dass auch Dudelsäcke ihre Daseinsberechtigung in der schwarzen Szene haben, denn zu ihren Songs bildete sich immer wieder ein Meer aus Armen. Frontmann Teufel erzählte vom „Reiter ohne Kopf“ und dass er seinen Verstand verloren habe – oder doch nicht?! „Lasst uns durchdrehen“ war sein allseits bekannter Spruch und diesem folgte das Publikum an diesem Tag gern. Auf einmal hatten aber alle Musiker gruselige Masken auf – die „Stars der Unterwelt“ waren anwesend und gaben alles für diesen Auftritt. Das ist doch mal Entertainment!

Bei Das Ich war es dann wieder einmal so weit, dass im Hangar Einlass-Stopp herrschte. So konnten viele Fans Stefan Ackermann, Bruno Kramm und ihre Kollegen an den Keyboards nur auf der großen Videoleinwand vor dem Hangar sehen. Der Sound war aber gut und zahlreiche Hits wie „Die Propheten“ oder „Kain und Abel“ wurden aus vielen Kehlen mitgesungen. Sänger Stefan war wahnsinnig gut drauf und beeindruckte die Menge mit seiner ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Wir alle sind froh, dass er immer noch auf den Bühnen dieser Welt stehen kann und genossen diesen Gig in vollen Zügen.

Impressionen

Bei einem großen Rundgang über das Gelände warfen wir einen Blick auf das Angebot der zahlreichen Händler. Fächer waren an diesem Tag der Renner, denn immer wieder kam die Sonne hinter den Wolken hervor und so wurde es auf dem Gelände sehr warm. Auch Mützen und dergleichen wurden gern genommen. Der Staub auf dem Gelände wehte mit dem Wind umher und so wirkten viel schwarze Klamotten allmählich grau. Das machte aber nichts, denn wir sahen ja alle gleich aus. Wer mochte, setzte sich auf die Grasflächen. Aber in diesem Jahr mussten die Festivalbesucher hier etwas vorsichtiger sein, denn es gab viele Wespen, die umherschwirrten, was zum Teil recht nervig sein konnte, denn kaum ein Getränk war vor den Insekten sicher. Auch die Barfussgänger mussten hier Vorsicht walten lassen. Im kleinen See auf dem Gelände fuhr wieder einmal der Tod auf seinem Floss umher und die Getränkestände hatten immer gut zu tun bei diesen heißen Temperaturen.

Die Herren von Lord of the Lost hatten ihr neues Album „Thornstar“ im Gepäck und so sorgten neue und alte Hits für glückliche Fans. Die Show der Hamburger war wieder einmal sehr energiegeladen und die leuchtende Gitarre von Frontmann Chris sorgte für zusätzlichen Applaus. Die Band zeigte vor allem, dass sie ohne ihre Anhänger nichts sind: „Respektvollsten Dank – Danke, dass es euch gibt!“ Schön gesagt. Gitarrist Class nutzte die Gelegenheit und ließ sich dann im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen tragen – und das, wo doch Crowdsurfen eigentlich verboten war auf dem Festival. Naja, Künstler dürfen eben alles.

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Was mich auch sehr beeindruckte, war die Tatsache, dass die Vampire von The 69 Eyes nicht in der Sonne zu Staub zerfielen. Dafür gaben sie mächtig Gas und rockten was das Zeug hielt – in Fransenlederjacke – bei der Hitze – irre! Drummer Jussi machte es da schon eher richtig, indem er oben ohne an seinem Instrument saß. „This is Goth’n’Roll!“ Bei „Feel Berlin“ hatten sich die Herren aus Finnland allerdings ein wenig im Ort geirrt, waren sie doch in Hildesheim. Aber die Band war froh „back“ zu sein. Aber leider gab es auch hier immer mal wieder Probleme mit dem Mikro von Frontmann Jyrki, was sehr schade war.

In diesem Jahr waren wieder einmal die Damen und Herren von der Massage-Front vor Ort. Ihr Angebot wurde zahlreich genutzt und nicht wenige Festivalgänger waren dankbar dafür. Und so sah ich immer wieder Pärchen, wo einer sich massieren ließ, während der andere darauf wartete, auch mal dran zu kommen. Danke für diesen Einsatz, die Gesundheit des Feiervolkes zu unterstützen.

Die angebotenen Fashionshows waren wie zu erwarten wieder ein Besuchermagnet und schon vor Beginn bildeten sich Warteschlangen, die um Einlass in den Diskohangar baten, damit Mann und Frau einen guten Blick auf die vorgestellten Modelle erhaschen konnten.

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Welle:Erdball zelebrierten bei ihrem Auftritt im Gig im Hangar wieder einmal ein Fest für den „Commodore 64“. Die Damen der Formation sahen in ihren Stewardessen-Uniformen sehr adrett aus und begeisterten mit ihren Stimmen. Zu „Arbeit adelt“ drosch Sänger Honey auf eine Tonne ein, die bei jeden Schlag Konfetti „spuckte“. Die Fans waren selig und tanzten sich die Seele aus dem Leib. Die Stimmung hätte nicht besser sein können.

Auch Apoptygma Berzerk brauchten nicht viel, um eine wahre Party vor der Bühne anzufachen. Tracks wie „Love never dies“ oder „Deep red“ wurden lautstark mitgesungen. Dabei stellte Frontmann Stephan fest, dass es die Band schon ziemlich lang gibt, denn „Fade to black“ ist nach seiner Aussage „25 years old“. Keyboarder Jonas hatte hier auch seinen großen Moment, denn allein sang er für das Auditorium ein Stück, was für Gänsehaut sorgte – eine tolle Erinnerung für alle Fans!

Richtig laut wurde es dann bei Ministry. Die Herren aus Chicago waren die einzige Band an diesem Tag, die keine Livebilder auf den großen Videoleinwänden neben der großen Bühne zeigte. Vielmehr waren hier die Musikvideos zu den Songs zu sehen. Links und rechts standen auf der Stage zwei große aufgeblasene Hühner, die verdächtig an den aktuellen amerikanischen Präsidenten erinnerten. Mit Rufen wie „We need change“ sorgte Sänger Al für zusätzlich Begeisterung beim Publikum. Die Band gab Songs wie „Twilight zone“ oder auch „Just one fix“ zum Besten und die Massen tobten nur so zu den Klängen. Al war ziemlich aggressiv drauf, denn einmal warf er seinen Notenständer quer über die Bühne und immer wieder versuchte er die besagten Hühner loszubinden, um sie in die Menge zu werfen. Aber insgesamt war das ein energiegeladener Gig, der die Fans glücklich machte.

Autogrammstunde In Extremo

Profis bei der Arbeit zu beobachten macht echt Spaß – so geschehen bei In Extremo, die mit ihrer Pyroshow für Eindruck sorgten. Die Zuschauer brüllten die Texte von „Quid pro quo“ oder „Vollmond“ lautstark mit und die Arme waren fast immer oben. Immer wieder schossen Flammen im Takt der Musik gen Himmel und die Dudelsäcke oder Harfen sorgten für einen tollen Sound. Die Lichtshow rundete das Gesamtpaket dann noch richtig gut ab. Sänger Micha wies auf die Aktionen von Viva con Agua hin, die sie als Künstler schon jahrelang unterstützen. Und seine Frage „Wer will in den Himmel?“ blieb an diesem Tage unbeantwortet – es wollten wohl alle mit ihnen zusammen in die Hölle kommen, wo sowieso die geilere Party abgehen würde. Was mich sehr beeindruckte, war, dass wirklich das ganze M’era Luna zum Lied „Sternhagelvoll“ mitsang – das war Gänsehaut pur!

Den Gig von London After Midnight verpasste ich fast, weil ich mir eine andere Anfangszeit gemerkt hatte und so standen die Jungs schon auf der Hangarbühne und gaben „Your best nightmare“ zum Besten, was von der Menge ziemlich abgefeiert wurde. Der Text war hier auf der Leinwand hinter der Band mitzulesen und so gab es beim Mitsingen keinen Hänger. Leider war der Sound hier vor dem Hangar viel zu leise, was den Genuss etwas schmälerte, war doch schon wieder Einlass-Stopp. Schade!

Impressionen

Na gut, dann eben nicht – wir suchten uns dann eben was Leckeres zu Essen. Das Angebot war wieder einmal reichhaltig und schnell fanden wir etwas, das unseren Gaumen zufriedenstellte.

So waren wir schließlich für das Highlight des Tages gestärkt – The Prodigy waren da und sorgten mit ihren Sounds für eine gepflegte Eskalation unter den Zuschauern. „Breathe“ ließ die „fucking Prodigy people“ ausrasten und alle tanzten sie ausgelassen. Auch für uns gab es kein Halten mehr und gemeinsam mit Keith und Maxim tobten wir nur so. Liam stand hinter seinem DJ-Pult und gab den Beat an. Auf den Leinwänden waren die Livebilder farblich verfremdet und immer wieder verzerrt – ob das an der Lautstärke lag oder so gewollt war, kann ich allerdings nicht sagen.„Tonight is fucking party night“, so die Ansage von Maxim. Das ließ sich das Publikum nicht zweimal sagen und so wurde durchgetanzt – auch zu “My day is my enemy” oder “Nasty”. Auf Wunsch der Musiker bildete sich ein Circlepit vor der Stage und die „warriors“ gaben alles für ihre musikalischen Helden. Es war so krass gut, dass ich kaum Worte finde. Jeder, der nicht dabei war, hat definitiv einen legendären Gig verpasst! Danke für diesen genialen Tagesabschluss!

Glücklich und kaputt machten wir uns dann wieder auf, um unsere Akkus durch Schlaf aufzuladen. Der Tag hatte viele abwechslungsreiche Momente für uns in petto und diese mussten nun erst einmal verarbeitet werden.

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Autor & Photos: Scratchcat

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