M’era Luna 2018: 10.-12.08.2018 Flugplatz Hildesheim – Tag 3

Der Sonntag sollte noch wärmer werden als der Vortag, gab es an diesem Tag keine Wolken mehr am Himmel und so war wiederum die Sonnencreme wichtig. Gesagt, getan und so präpariert kamen wir am Festivalgelände an, als Schattenmann gerade die Bretter, die die Welt bedeuten betraten. Mit einem lauten Knall weckten sie die Anwesenden und rockten drauf los. Das artete bei den Zuschauern regelrecht in Frühsport aus, denn es wurde gesprungen und getanzt. Der Track „Generation Sex“ sorgte auch gleich für den ersten Ohrwurm des Tages – „Habt ihr Lust mit uns zu ficken?“ Um diese Uhrzeit? Die grünen Saiten von Bassist Luke sahen cool aus und die Feuerfontänen zu „Amok“ machten es noch heißer, als es so schon war. Ein guter Start in den Tag.

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Im Hangar ging es mit Too dead to die los und Frontmann Andrey erinnerte mich mit seinem Outfit irgendwie an einen Cosplayer, der sich wie ein Held aus einem der zahllosen Mangas angezogen hatte. Für die männlichen Zuschauer hatte der russische Künstler ein hübsches Mädel mitgebracht, die hinter dem Technikpult tanzte. Auch die Zuschauer tanzten zu den Beats ab und ließen sich so den restlichen Schlaf aus den Gliedern pusten.

Ein besonderer Gruß geht hier an den Security-Mann, der den Bühnengraben bewachte im Hangar. Dein Wikingerhelm und dein Lächeln sorgten für gute Laune – danke dafür!

Die Liveshow von Heimataerde ist mittlerweile legendär und auch an diesem Tag zeigten die Templer, dass sie es einfach drauf haben. Erstmals traten sie mit Livedrummer auf, was für einen guten Beat sorgte. Bruder Ignatius lief mit Schwertern über die Bühne während Frontmann Ashlar „Hoch hinaus“ zum Besten gab. Auch alte Stücke wie „König von Thule“ hatten an diesem Tag ihren Platz in der Setlist. Neben alten Klassikern hatten die Herren aber auch das neue Lied „Tanz“ in petto und genau das machten die Fans auch – sie tanzten. Ignatius spuckte Blut und so verschmiert drückte er einige Fans in der ersten Reihe. Dafür wurde er dann aber später von Ashlar zur Strecke gebracht, der ihm mit einem Schwert die Kehle durchschnitt. Doch keine Angst, die Templer sind Untote und so stand er bald wieder auf. Gegen Ende des Gigs knieten alle Zuschauer mit den Musikern nieder, um gemeinsam das Paternoster zu beten – ein toller Moment!

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Auch beeindruckt hat Die Kammer, die mit ihrer handgemachten Musik einen Auftrag verfolgten – „mindestens genauso zu feiern, wie nachher bei Eisbrecher“. Das klappte auch super, was die Musiker sehr glücklich machte. Außerdem sahen die Herren und Damen in ihren Jacketts sehr schick aus. „Guten Morgen Freunde des Mondes“, so die liebevolle Begrüßung. Die kleinen Geschichten, die in den Songs erzählt wurden, kamen super an und ich denke, dass die Formation an diesem Tag nicht wenige neue Fans dazugewonnen hat.

Bei einem Spaziergang durch die Massen machten wir einen Abstecher auf den Mittelaltermarkt vor dem Einlass, der in diesem Jahr leider kein Tjosten oder keinen Hau den Lukas bot. Auch hatte ich den Eindruck, dass es insgesamt weniger Stände von Händlern und Gastro-Angeboten waren. Schade! Aber nichtsdestotrotz war hier immer viel los und im Mokka-Zelt suchten viele vergebens nach einem kleinen Plätzchen, denn es war immer alles belegt. Auch bei Bruder Ignatius – der Mönch, nicht der von Heimataerde – waren auch zu jeder Zeit Pärchen zu sehen, die sich für 24 Stunden vermählen ließen. Passend dazu wurde auf dem Festivalgelände wieder einmal Kondome verteilt, so dass es nach der Hochzeitsnacht zu keiner bösen Überraschung kommen konnte – gut mitgedacht!

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Was es dafür aber gab, war eine Geisterbahn, wo jeder, der wollte, mitfahren konnte – nach Bezahlung selbstverständlich. In der Bahn konnte es passieren, dass ein Axtmörder oder ein irrer Clown mit Kettensäge um die Ecke kam und sogar starke Männer erschreckten sich bei diesen Begegnungen. Da ich mich nicht so gern grusele, habe ich das Treiben nur von außen beobachtet und konnte die zahlreiche Schreie der Fahrgäste auch so vernehmen. Am Ende grinsten sie aber alle recht zufrieden.

Wer dann immer noch nicht wach war, der musste nur zum Gig von FabrikC im Hangar gehen. Hier waren die Herren der Meinung, dass die Zuschauer „noch nicht genug Party gemacht“ hätten und drehten ordentlich am Lautstärkeregler. Es war so laut, dass der ganze Körper mitvibrierte und die fiesen elektronischen Geräusche taten trotz Gehörschutz in den Ohren weh, so dass ich leider schnell wieder das Weite suchen mussten. Das war echt zu laut!

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Auf der großen Stage stellten sich Bannkreis dem Publikum vor – Sängerin Johanna und die Jungs von Subway to Sally boten einen tollen Sound. Also sie wollten, aber irgendwie stieg erst das Mikrofon von Eric aus und dann war alles still – die Band hörte sich wohl noch auf den Monitoren und bekam den Ausfall nicht gleich mit. Nach einer Weile ging es dann aber wieder und der Gig konnte fortgesetzt werden. „Eine neue Idee, neue Gesichter, neue Musik!“ Johannas Stimme und die von Eric harmonierten wirklich gut und ihr Cover von „Sweet dreams“ kam auch gut bei der Menge an. Aber auch die eigenen Stücke waren sehr hörenswert!

Für tanzende Festivalbesucher sorgten die Jungs von Torul im Hangar. Nachdem das Mikrofon von Frontmann Maj gefixt wurde, wieder einmal gab es einige Aussetzer, konnten die Zuschauer seiner beeindruckenden Stimme lauschen und in der Musik versinken. „It feels like home“, das hat er schön gesagt, denn die Stimmung hätte kaum besser sein können. Gitarrist Borut ging gut ab und auch Torul Torulsson gab sich den Beats hin und tanzte hinter seiner Technik. Auch wenn es im Freien sehr heiß war, war es im Hangar noch recht angenehm, obwohl viele abfeierten. Songs wie „Monday“ wurden lautstark beklatscht, auch wenn es erst Sonntag war. Schön wars!

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Wieder auf dem Gelände unterwegs sahen wir wegen einigen Windböen Sonnenschirme umfallen oder gar umherfliegen – wie kann denn so etwas geschehen? Zum Glück ist aber nichts passiert und die Schirme wurden schnell wieder aufgebaut und ordentlich fixiert. Ich hoffe ja, dass auf dem Zeltplatz keine Zelte umherflogen.

Lacrimas Profundere hatten eine tolle Aktion für die Fans bereit. Anfangs sang noch Roberto. Doch mitten im Set übergab er das Mikrofon an den neuen Frontmann Julian, der den Gig schließlich beendete. Auch er kam gut beim Publikum an – also alles richtig gemacht. Nach dem M’era Luna erfuhren die geschockten Fans dann aber, dass auch drei weitere Musiker die Band verlassen werden, doch Ersatz ist bereits verkündet worden.

M’era Luna Academy

Die M’era Luna Academy bot zahlreiche Workshops, wie etwa „InnerSelf – Wie zeige ich meine innere Schönheit“ – wie sollte ich mich vor einer Kamera bewegen oder hinstellen, damit die Bilder gut aussehen. Coach Saskia gab hier hilfreiche Tipps. Saskia war auch als Coach zugegen als „Das Festival wird dein Catwalk“ an der Reihe war. Hier konnten sich alle Interessierten dabei helfen lassen, wie Mann oder Frau am geschicktesten und effektvollsten über einen Laufsteg läuft. Was wirkt am besten, was sieht besonders gut aus und wie kommen die vorgeführten Klamotten am besten zur Geltung – „das Schönste am Outfit zeigen“. Dabei verriet Saskia außerdem so manche Kniffe, wie mehrere Models zusammen auf der Catwalk laufen können, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten – „zeigt uns eure beste Seite“. Die Beteiligten nahmen sich diese Tipps direkt zu Herzen und setzten alles mehr oder weniger gut um – das sah nach Spaß aus und fürs Auge war es auch noch was. Toll gemacht – von allen Teilnehmenden.

Beim Auftritt von Peter Heppner wollte der Künstler anfangs „Alleine Sein“, was schwierig ist, wenn ein Auftritt vor 25000 Menschen stattfindet. Die jubelten ihm auch kräftig zu und so holte der Sänger auch alte Klassiker wie „The sparrows and the nightingale“ aus der Mottenkiste. Dabei brannte die Sonne auf ihn und die Zuschauer runter. Und dann holte Peter einen „geschätzten, großartigen Kollegen“ auf die Bühne – die Rede ist von Joachim Witt, mit dem er gemeinsam „Die Flut“ performte. Die Menge tobte und feierte die beiden Herren ordentlich ab. Doch das war noch nicht genug, denn die beiden hatten einen neuen Song im Gepäck – „Was bleibt“ kam super an und vielleicht gibt es bald sogar noch mehr von diesem Erstklasse-Duo – wir warten es mal ab.

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Die nächste Mittelalter-Formation waren Saltatio Mortis, die mit ihren rockigen Dudelsackklängen für eine feiernde Masse vor der Stage sorgte. Auch die Pyroshow war sehr beeindruckend – nicht nur die sportlichen Moves von Frontmann Alea. „Es ist wunderschön bei euch – Dankeschön!“ Die Musiker waren zufrieden mit der tollen Stimmung im Publikum und gaben immer noch ein wenig mehr Gas. Selbstverständlich hatten sie auch neue Stücke dabei, denn nur wenige Tage nach dem Festival kam ihre neue CD „Brot & Spiele“ auf den Markt. Und auch die neuen Klänge wurden mit viel Beifall bedacht. Bei „Wachstum über alles“ sprangen die Künstler mit ihren Fans um die Wette, was großartig aussah. Der Sänger widersetzte sich ebenfalls den Regeln des Veranstalters und ließ sich bei „Der Rattenfänger“ auf den Händen über den Bühnenvorplatz tragen, während er sang. Das war schon sehr cool und die Umbaumusik nach dem Gig sorgte für gleichartig große Partystimmung, wie der Auftritt zuvor – „Remmidemmi“ von Deichkind lief und alles grölte mit.

So langsam ging das Festival seinem Ende zu, doch nicht, ohne dass die EBM-Helden von Front 242 ihre Fans glücklich gemacht hatten. Die Massen waren so wild beim Tanzen, dass über ihnen eine Staubwolke hing, die der Wind langsam fort trug. Jean-Luc und Richard tobten auf der Stage hin und her und spielten einen Klassiker nach dem anderen – „Im Rhythmus bleiben“ oder auch „Headhunter“ durften da auf keinen Fall fehlen. Es gab sogar einen Moshpit, wo sich die wildesten Zuschauer austobten. Die Arme waren oben und „Welcome to paradise“ sorgte für regelrechte Ausraster unter den Anhängern der Belgier. Das war doch mal gelungen!

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Den krönenden Abschluss bildete schließlich der Auftritt von Eisbrecher, die sich anfangs hinter einem Banner versteckten. Doch dann spielten sie fast ihr komplettes Tourprogramm – mit allen Showeffekts wie Schneefall auf der Bühne und einer sagenhaften Lichtshow, für die Martin Heining verantwortlich zeigt, wie Frontmann Alex auch verriet. Dieses „Mitmachkonzert“ funktionierte perfekt, denn die Festivalbesucher gaben noch einmal alles und tanzten, klatschten im Takt mit oder es wurde aus voller Kehle mitgesungen. Zahllose Luftballons flogen über die Menge, was ein tolles Bild ergab. Mitten in den Massen tauchte auf einmal eine Gruppe von großen Pikachus auf – ein paar Besucher hatten sich in Kostüme geschmissen und feierten nun so ab, was auch der Band auffiel. Zu „Amok“ droschen die Musiker der Band auf Tonnen ein, während ihr Sänger zwischen ihnen hin und her lief und sang. Auch zur aktuellen Weltsituation konnte die Formation etwas sagen – „Steht auf und macht den Mund auf! Widerstand leisten ist wichtig und richtig!“ – Gut gebrüllt, Löwe.

Mit diesem Ratschlag in den Ohren machten wir uns dann aber auf und verabschiedeten uns vom M’era Luna 2018. Es war heiß, staubig und laut und schön. Wieder einmal haben wir viele Eindrücke sammeln können und haben uns wohl gefühlt. Es gab keine Zwischenfälle und insgesamt können wir sagen – gute Laune und ein faires Miteinander wurden wieder einmal gelebt – so sollte es überall sein. Danke an die Veranstalter und Danke an die Festivalgäste, die diesen Event zu einem tollen Wochenende haben werden lassen. Wir sind nächstes Jahr wieder mit dabei!

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Autor & Photos: Scratchcat

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