M’era Luna 2019: 09.-11.08.2019 Flugplatz Hildesheim – Tag 1

Auch im Jahr 2019 gab es selbstverständlich wieder ein M’era Luna auf den Gelände des Flugplatzes in Hildesheim. Und wir haben uns für euch unter die 25000 „Schwarzen“ gemischt, um Eindrücke zu sammeln.

Isa Theobald

Am ersten Tag des Festivals gab wie immer Lesungen im großen Hangar. Und da auch wir gern tollen Autoren bei der Arbeit zusehen und –hören, sicherten wir uns schnell einen der Sitzplätze und warteten ab. Isa Theobald moderierte einmal mehr den Abend und versprach allen Anwesenden „ein ganz großartiges Programm“.

Markus Heitz

Den Anfang machte in diesem Jahr der unfassbare Markus Heitz. Er hatte die 2. Staffel seiner Buchreihe „Doors“ im Gepäck, mit der er „was Neues ausprobiert“ hat. So ließ er auf der Buchmesse in Frankfurt abstimmen, was für Themen unbedingt in den Geschichten vorkommen sollten – „Platz 1 – Tod durch Schokolade“. Das sorgte für Lacher und beim Autor für Kopfzerbrechen, aber er hat alle Ideen einbauen können, wenn auch zum Teil nur in Nebensätzen. In „Doors“ gibt es immer wieder Türen, die in andere Welten, Zeiten und Orte führen können. Mal möchte etwas durch die Türen heraus oder die Figuren der Geschichten flüchten durch die Türen vor irgendetwas oder irgendwem. Und schon ging es mitten ins Geschehen der Story „Vorsehung“. Hier trafen wir auf Milana, die sich gerade auf einem Event in Japan befand, auf dem „etwas Merkwürdiges“ passierte. Ein Brite schenkt dort einer Stiftung vier buddhistische Mönchs-Mumien und die Mumie einer ägyptischen Priesterin. Doch die  Mönche und die Priesterin erwachen zum Leben – doch was dann passierte, konnte uns Markus „aus dramaturgischen Gründen“ nicht verraten. Warum eigentlich Mumien? Er war der Meinung, dass diese „in letzter Zeit zu kurz“ gekommen seien. Bei einem weiteren Ausflug in einen der drei Romane der zweiten Staffel lernten die Zuhörer in Hildesheim Suna kennen – eine weitere Figur, die in einer Realität erwacht, die offensichtlich nicht ihre eigene sein konnte. Hier gab es schwarzen Schnee und Einhörner – zwei Stichworte, die der Autor aus der Umfrage der Buchmesse hatte. Das Einhorn ist Suna nicht ganz gewogen und greift sie an – doch wie das ausgeht – „dazu gibt es Hinweise im Buch“.  Zum Abschluss seiner Lesezeit hatte uns Markus noch etwas bisher Unveröffentlichtes mitgebracht – einen Auszug aus „Der Tannenbaum des Todes“. Das Ganze soll im Oktober erscheinen und „böse Geschichten um Weihnachten“ enthalten und wir hörten „Die Weihnachtsgeschichte“. Hauptfigur war hier Quentin, der im Kindergarten seines Sohnes einspringen musste, um die Weihnachtsgeschichte vorzulesen, doch eigentlich wollte er doch lieber auf dem Weihnachtsmarkt Punsch trinken. Die Kids nerven ihn und entdecken ach so kleine Fehler in der Geschichte. Und plötzlich skalpiert einer der Jungs ein Mädchen und es wird absolut absurd, bis sich herausstellt, dass alles nur ein Theaterstreich war, um Quentin von seiner Sauftour auf der Weihnachtsmarkt abzuhalten – mit lieben Grüßen seiner Ehefrau. Mensch, was haben wir gelacht. Wenn alle Stories in dem neuen Buch so werden, lohnt der Kauf doppelt und dreifach. Danke Markus – wir hatten echt Spaß! Bis zum nächsten Mal…

Axel Hildebrand

Als „Käse im Sandwich“ folgte der Autor Axel Hildebrand. Mit einer Verbeugung nahm auch er am großen Lesetisch Platz und er kam nicht allein. Er hatte Loki und Thor dabei, die beiden nordischen Götter, deren „unveröffentlichte Drehbücher“ er aufgeschrieben hatte. Mit den Worten „Nein, nein, nein – nein, der Hulk ist kein germanischer Gott“ begann Axel seinen Vortrag. Das mag einige Anwesende geschockt haben, doch niemand verließ empört den Hangar. Vielmehr lauschten sie alle gespannt den Erzählungen über Loki und Thor, die zuerst einmal über „Frisuren“ philosophierten – etwa ob Locken im Bart schwul sind oder nicht und ob „Schwulsein voll natürlich“ ist oder nicht. Die beiden Charaktere sprach Hildebrand mit unterschiedlichen Stimmen, so dass die Wesenszüge der beiden noch lebendiger wurden. So war Thor eher etwas tumb und schwer von Begriff, Loki clever und pfiffig. Das sorgte für gute Laune und Lacher. Auch die Mimik beim Lesen war ein echter Hingucker – das Grinsen von Loki – großartig! Als nächstes ging es um „Tätowierungen“ und Loki versuchte Thor davon abzuhalten, sich irgendeinen dummen Spruch in die Haut zu stechen, wie etwa „Ich bereue nichts!“ – „Doch, das wirst du.“ Viel sinnvoller wäre da etwa, sich „Kein Trinkwasser“ auf den Bauch zu tätowieren, doch das gefiel Thor dann wiederum nicht. Am Ende ließ der Donnergott doch von seinem Vorhaben ab und versuchte das mit dem „Ranzoomen“ auf dem Handy – ein Brüller! Weil die Menge nicht genug bekommen konnte, war dann noch die Geschichte mit den Opfergaben dran, denn diese fielen im Laufe der Jahrhunderte immer dürftiger aus. Früher gab es Pferde und die waren echt lecker, doch mittlerweile waren diese Tiere „Freunde für kleine Mädchen“ und wurden nicht mehr geopfert, was Loki sehr bedauerte. „Keine Sau opfert mehr was Vernünftiges.“ In ihrem Hungerdelirium sinnieren sie darüber, was so ein Pferd wohl denken könnte, wenn es mit kleinen Mädchen ausreitet. Die Meinungen der beiden Götter gingen arg auseinander und die M’era Luna-Zuschauer hielten sich an dieser Stelle die Bäuche vor Lachen. Das gefiel Axel so gut, dass er meinte: „Ich muss euch einfrieren und mit nach Hause nehmen und Mutti zeigen.“ Leider war dann auch seine Zeit schon wieder vorbei. „Es war mir eine große Ehre, heut eure Scheiblette zu sein.“ Mit einem riesigen Applaus wurde der Berliner Autor verabschiedet und nicht wenige Zuschauer stürmten am Ende den Verkaufsstand, um sich Loki und Thor ins heimische Bücherregal zu holen.

Christian von Aster

Den Abschluss bildete auch in diesem Jahr der „Wortmagier der schwarzen Szene“ – gemeint war hier niemand Geringeres als Christian von Aster. Er legte lyrisch los mit dem Gedicht „Keine gute Idee“. Hierin rettete er die Idee von der Straße, doch eine kommt selten allein. Nach diesem Einstieg wurde es „heilig“ mit den „Schwestern der begrenzten Barmherzigkeit“. Diese sind „absolut und vollkommen unsinnig“, so musste der Autor selbst zugeben. Die Schwestern arbeiteten allesamt an der Konterapokalypse. Der Orden aus Dresden war ein spezielles Beispiel und alle Schwestern hatten alle Cowboynamen und Christian stellte sie mit einem Lächeln einzeln vor – schließlich hatte jede Nonne noch ihre persönlichen Kräfte. Die Intonation war hier besonders toll und jede Nonne erhielt ihren eignen wohlverdienten Applaus, wie etwa Mutter Joan Wayne, die schneller mit dem Colt umgehen kann, als manch anderer das Vaterunser aufsagen kann. Nach diesen „heiligen“ Damen folgte der allseits beliebte Ausflug in die dunkle Szene – schließlich waren wir auf dem M’era Luna von „Schwarzvolk“ umgeben. Und so durfte auch eine Gothic-Glosse nicht fehlen. Bei „Die andere“ lernten wir einen Bankkaufmann kennen, der „zu hässlich für den Schalterdienst“ war. Er mochte keine gute Laune und gerade die ließ ihn auf einer Betriebsfeier kollabieren. Ein Kollege, der Mitleid mit ihm hatte, brachte ihn in einen dunklen Raum, wo er sich in einen Grufti verwandelte, der nach Patchouli roch und Kajal um die Augen trug. Er verriet, dass er von einem Planeten „ohne Frohsinn“ stamme und als „Goth-Man“ nun auf der Erde „gegen den Frohsinn“ kämpfe. Der Kollege war ihm sympathisch und so machte er ihn kurzerhand zu seinem Sidekick – was dieser annahm. Gemeinsam im Kampf gegen gute Laune – köstlich! Damit wir Zuschauer das Lachen nicht verlernten, hatte Christian „etwas wirklich Unfaires“ dabei – einen kleinen „Kitzel mich-Elmo“, den er kurzerhand in die Menge warf. Und damit und mit einem Gedicht „von nur bedingter Heiterkeit“ beschloss der Leipziger Kultautor seine Lesung. Der „Tintenphönix“ rührte zu Tränen und sorgte für glänzende und glückliche Augen im Saal. Echt schön! Am Ende verbeugte sich Christian mehrfach und verschwand mit einem Winken.

Die Schlangen der Fans, die ein Buch und/oder ein Autogramm von einem der drei Autoren ergattern wollten, waren schnell sehr lang und so hatten die Herren noch eine ganze Weile zu tun. Währenddessen wurde für den ersten Discoabend des Festivals umgebaut, doch wir machten uns auf den Weg ins Hotel. Danke an alle Autoren – es war uns wie immer ein Fest!

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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