M’era Luna 2019: 09.-11.08.2019 Flugplatz Hildesheim – Tag 3

Scarlet Dorn

Wieder gestärkt kamen wir auf dem Gelände an, als gerade Scarlet Dorn die Mainstage enterten. Ihre Stimme war leider etwas zu leise und die Instrumente waren immer wieder mal zu laut – das klang irgendwie ein wenig schief – schade. Die Band bekam das wohl nicht mit, denn sie strahlten allesamt und Scarlet selbst tanzte auf der Bühne umher. Am Keyboard gab Gared alles und haute in die Tasten – dabei wirkte er absolut unbeschwert – echt beeindruckend. „M’era Luna – alle wach?“, so die kecke Frage der Sängerin. Vor der Stage hatten sich schon einige Zuschauer eingefunden und ließen sich einheizen. „Das ist unser allererstes M’era Luna – vielen Dank!“ Die Herren an den Saiten gaben wahrlich alles. Und dann kam auch noch Chris Harms als Gastsänger nach vorn, um gemeinsam mit der Band „I love the way you say my name“ darzubieten. Hier war der Sound dann endlich in Ordnung und so klang der mehrstimmige Gesang wirklich gut. Ich wanderte dann aber weiter.

Formalin

Es wurde Zeit, sich vollends wecken zu lassen und Formalin kamen da gerade richtig im Hangar. Gabor und Tom hatten hier einen Live-Drummer mit am Start und zu dritt hauten sie so richtig einen raus. Es war richtig laut – sogar der Boden der Halle vibrierte mit. „Salvation“ bildete den Anfang und schon drehte Tom auf. Er und sein Kollege liefen am vorderen Bühnenrand hin und her und brüllten die Texte nur so raus. „Einen wunderschönen guten Tag“, so die knappe Begrüßung. Es wurde schnell warm – auch die Herren auf der Stage zogen bald ihre Jacken aus. „Above the sun“ erklang und alles sprang im Takt mit. So gehört sich Frühsport! Zu „Tied and blinded“ lief auf der Videoleinwand im Hintergrund das zugehörige Video mit. Und der Live-Drummer Cosmo bekam hier seinen Solo-Part, der mächtig rockte. Gabor stand mal an den Keyboards und griff mal zur Gitarre – und dabei stand er, wie auch Tom, kaum eine Sekunde still. Weiter ging es mit „Collider“ und die Fans verausgabten sich schon jetzt. Alles richtig gemacht und ich war nun wach!

Faelder

Ich wollte doch nicht den Gig von Faelder verpassen, hatte ich die Band noch nie live gesehen. Frontmann Kai stimmte bereits „Halt die Welt fest“ an und beeindruckte hier mit seiner tiefen Stimme. Die Zuschauer vor der Stage klatschten im Takt mit. „Schönen guten Tag. Wir sind stolz und glücklich, dass wir hier mitmachen dürfen“, so die Begrüßung. Und schon erklang „Unheilbar“, was mich sehr an die alten Werke von Unheilig erinnerte – kein Wunder, denn die Formation besteht zum Teil aus Musikern von Unheilig und In Extremo. Mir gefiel das Ganze auf jeden Fall recht gut. Auch die „Single aus den Alternativen Charts – sind wir stolz drauf“ durfte nicht fehlen an diesem Tag. Außerdem boten sie uns ein Stück dar, das schon zehn Jahre alt sei, sie es aber jetzt erst herausgebracht haben – die Rede war von „Nie wieder“. Die Herren hatten wahrlich Spaß und das war ihnen anzumerken – eine gut gelungene große Festival-Premiere.

Heldmaschine

Im Hangar war es schon sehr voll, denn alle Heldmaschine-Fans wollten den Auftritt ihrer Helden nicht verpassen. „Willkommen zu Heldmaschine“ ertönte es und schon kamen die Musiker hervor, wo sie mit Jubel begrüßt wurden. Alle hatten sie eine Maske auf und so wurde „Luxus“ zelebriert. „Hallo M’era Luna“, so die knappe Begrüßungsworte. Frontmann René wurde von unten angestrahlt, was toll aussah. Die Gitarristen Tobias, Eugen und Marco rockten, was das Zeug hielt. Die Massen gingen vom ersten Ton an richtig mit und klatschten im Takt mit. So auch zu „Das rollende R“. Hier waren die Masken verschwunden. So konnte besser abgefeiert werden. Der Sound war ganz in Ordnung, wenn auch wieder einmal arg laut. Trotzdem machte es richtig Spaß und bei „Radio“ war die Stimmung am Kochen. René leuchtete mit Laserstrahlen, die von seinen Schultern kamen, in der Halle umher – schick. Draußen brannte die Sonne und drinnen kochte die Menge – so gehört sich das.

Versengold

Versengold hatten schließlich die Massen vor der Mainstage im Griff. Direkt vom ersten Song an, war ein Armemeer zu sehen, das für die Jungs von der Küste wogte. „Guten Morgen M’era Luna“, so die Begrüßung durch Frontmann Malte und schon erklang „Niemals sang- und klanglos“. Florian und Alexander – die Herren an Geige und Nyckelharpa – tobten ordentlich los. Der Sound war hier wahrlich eine Ohrenweide und so konnte die Party ihren Lauf nehmen. Der Gesang aus dem Publikum „soll laut sein und nicht schön“ – das klappte doch ganz gut. Vor und auf der Stage wurde getanzt. „Es ist schön, wieder hier zu sein.“ Beim „Thekenmädchen“ erhoben alle zusammen den rechten Zeigefinger und sangen mit. Daniel und Eike, die Jungs an den Gitarren, wechselten immer wieder ihre Position und waren voll und ganz bei der Sache, während Malte immer wieder grinsend die Massen beobachtete. Selbstverständlich durfte der Hit „Haut mir kein Stein“ nicht fehlen, nachdem der Sänger vom Videodreh zu diesem Stück berichtet hatte. Und ein Circlepit rundete die Partylaune zu „Butter bei die Fische“ ab – Was ein toller Spaß mit guter Folkmusik!

Melotron

Melotron sorgten im Hangar im Anschluss für Synthpop-Stimmung. „Alles auf Anfang“ erklang und Fans und Frontmann Andy tanzten drauf los. Dabei trug er eine Sonnenbrille. Hiernach kam Keyboarder Edgar, der sich sein Instrument nun umhängte, nach vorn und gemeinsam stimmten sie „Gib mir alles“ an. Der zweistimmige Gesang kam ganz gut rüber. „Willkommen auf unserem Erdenleben. Willkommen auf der M’era Luna. Wir spielen nur Parties“ – das war die Ankündigung der Formation und so wurde mit den Zuschauern Party gemacht. Hierbei halfen die Tracks „Menschen“ oder auch „Du bist es nicht wert“. Das Tanzbein konnte hier ausgiebig zum Einsatz kommen.

Diary of Dreams

Von elektronischen Klängen ging es zurück zu gitarrenlastigen Sounds mit Diary of Dreams. „Made in shame“ war bereits angestimmt, als ich dazukam. Der Gitarrist stand auf einem Podest und Frontmann Adrian stand am vorderen Bühnenrand, wo seine langen Haare im Wind nur so flogen. „M’era Luna – wir sind wieder da.“ Seine Stimme ließ vor allem die weiblichen Fans glücklich lächeln und schon wurde überall getanzt und mitgeklatscht. Außerdem kannten die Massen selbstverständlich jede Textzeile, so dass auch bei „Epicon“ oder „Malum“ mitgesungen wurde. Nach diesen rockigeren Noten meinte der Frontmann verschmitzt: „Wir können auch anders. Ihr wollt anders. Ihr kriegt es anders.“ Und so wurde es Zeit für das allseits beliebte Stück „Traumtänzer“. Doch das war noch nicht das Ende. Zweite weitere Tracks durften die Fanherzen höher schlagen lassen. Souverän und großartig – mehr kann ich hier nicht sagen!

Combichrist

Nachdem wir uns ein wenig gestärkt hatten, war es schließlich Zeit, komplett zu eskalieren und Combichrist kamen da gerade recht. Als Intro erklang bereits der Hit „This shit will fuck you up“. Mit den Worten „M’era fucking Luna“ kam Sänger Andy nach vorn. Die Drummer Eric und Nick, die sich gegenüberstanden, waren beiden angemalt und droschen nur so auf ihre Felle ein, als es mit „Hate like me“ in die Vollen ging. Auch Andy tobte drauf los und die Fans tanzten und feierten nur so. Auch wurden die Textzeilen mitgebrüllt, wie etwa zu „Never surrender“. Der Sänger grinste immer wieder, denn ihm schien zu gefallen, was er da vor der Stage sah. Es war richtig voll und alle bewegten sie sich im Takt mit. „Can’t control“ oder auch „Blut royale“ dröhnten aus den Boxen und heizten ein. Andy sprang von der Bühne und lief im Bühnengraben herum, wo er mit den Fans zusammen feierte und sprang. Ein Hit folgte dem nächsten und so konnte zu „What the fuck is wrong with you“ und „Maggots at the party“ getobt werden. Die Drummer verausgabten sich dermaßen – die brauchten an diesem Tage kein Fitnesstraining mehr. Ich auch nicht, denn so viel getanzt habe ich lange nicht mehr. Danke dafür!

Spetsnaz

Dann konnte es bei Spetsnaz im Hangar gleich weitergehen, denn zu diesen Beats ist Stillstehen keine Option. Sänger Pontus stellte sie kurz vor und dann erklang „On the edge“. Drummer Stefan haute stoisch auf die E-Drums ein und verzog kaum eine Miene, außer er sang mit. In den ersten Reihen kam schnell Bewegung auf. „It’s fucking great to be back again.“ Mit „Degenerate ones“ – „a song about us“ – oder „Allegiance“ konnte gestompt werden, was ausgiebig zelebriert wurde – vor und auf der Stage. Weil es aber so laut war in der Halle, überließ ich den Fans wieder einmal das Feld.

Joachim Witt

Mittlerweile war es an der Zeit, dass Joachim Witt seinen Gig absolvieren wollte. Mit einem schwarzen Umhang bekleidet kam er hervor und besang den „Herr der Berge“. Im Hintergrund war das Cover seines neuen Albums „Rübezahl“ zu sehen. Mit seinem langen weißen Bart und der tiefen Stimme wirkte er auch wie eben jener. Die kraftvolle Stimme und die Gitarrensounds gefielen den Zuschauern und so wurde geklatscht und auch mitgesungen, wie etwa zu „Dämon“. „Schön, euch wieder zu sehen“, so die herzliche Begrüßung der Massen. Im Anschluss stimmte er „Quo vadis“ an. Am vorderen Bühnenrand lief er hin und her und hatte sichtlich Spaß an der guten Laune, die ihm entgegenschwappte. Auch alte Hits wie „Das geht tief“, „Die Flut“ oder gar „Goldener Reiter“ durften nicht im Set fehlen und wurden bis in die letzte Reihe mitgefeiert. Joachim hätte es sich nicht besser wünschen können.

Assemblage 23

Im Hangar wurde derweil zu Assemblage 23 mitgefeiert und mitgeklatscht. Tom Shear hatte seinem Live-Keyboarder Paul mit am Start und zusammen machten sie Party. „Binary“ machte den Anfang und Paul feuerte die Menge richtig an. Tom lief von links nach rechts und zurück und sang dabei seine Zeilen. Dabei wurden die beiden in blaues Licht getaucht. Es war im Saal recht warm und so schwitzten Musiker und Fans um die Wette. Bei Klängen wie „Naked“ oder „Angels & demons“ war das auch nicht verwunderlich, denn Tanzen war hier die Devise. Der fluffige Electrosound ließ jedes Tanzbein zucken. Der Gesang klang super und es war ausnahmsweise mal nicht zu laut – toll!

Subway to Sally

Die Mainstage bot wieder einmal einen Stilwechsel, denn nun standen Subway to Sally auf dem Plan. Frontmann Eric kam als „Messias“ verkleidet hervor und stimmte das gleichnamige Stück an. Die Musiker waren allesamt geschminkt und rockten drauf los. Die Fans rissen die Arme in die Höhe und klatschten im Takt mit. Danach zog Eric die Maskerade aus und war wie seine Kollegen in Leder gehüllt. Ingo beeindruckte bei „Island“ mit einer dreihälsigen Gitarre, die er scheinbar spielerisch meisterte. Feuerstöße schossen gen Himmel und gesanglich unterstützte zum wiederholten Male Chris Harms von Lord of the Lost. Mit seiner rosa Legging sah er sehr verrückt aus. „Hallo Freunde, schön wieder hier zu sein“, so die bekannte Begrüßung der Fans. Mit alten Hits wie „Kleid aus Rosen“ und neuen Stücken wie „Königin der Käfer“ hatten die Potsdamer eine gelungene Mischung im Gepäck. Geigerin Ally, die auch einmal ein Solo bekam, und Bassist Sugar Ray bangten immer wieder im Takt mit, während Bodenski zu „Eisblumen“ abrockte. „Veitstanz“ wurde hier mit Dance-Beats aufgepeppt, was mir gut gefiel. Die Menge sah das genauso und so wurde der Hexenkessel vor der Bühne zum Kochen gebracht. Gut so!

De/Vision

Mit De/Vision wurde es schließlich wieder elektronischer. Im Nebel standen Sänger Steffen und Kollegen und sangen mit „Who am I“ drauf los. Der Sound war hier leider wieder etwas dumpf und laut – zumindest draußen an der Videoleinwand. Im Hangar war es so voll, dass an ein Hinkommen kaum zu denken war. Mit „Einen wunderschönen guten Abend“ begrüßte der Frontmann die Meute. Rotes Licht hüllte sie ein, als „Synchronize“ zu seinen Ehren kam. Keyboarder Thomas konnte nicht stillstehen und tanzte hinter seinem Instrument und auch sein Kollege am Mikrofon tanzte ausgelassen am vorderen Bühnenrand. Sie hatten echt Spaß und das war ihnen anzusehen. Weiter ging es mit dem Klassiker „Rage“, wo die Fans auch mitsangen. Das Duo wusste genau, was die Zuschauer wollten und so konnte es nur ein erfolgreicher und sehr tanzbarer Gig werden.

Fields of the Nephilim wünschten nicht fotografiert zu werden und so nutzten wir die Gelegenheit zu einer letzten ausgedehnten Runde über das Festivalgelände. So hörten wir Hit wie „Moonchild“ oder „Last exit for the lost“ nur von der Ferne. Die Menge feierte die Herren aber ausgelassen.

Suicide Commando

Bei einsetzendem leichten Regen versammelten sich die Massen schließlich im Hangar, um dem Headliner Suicide Commando aufzuwarten. Im Hintergrund waren drei Videoleinwände zu sehen, wo „Welcome“ zu lesen war. Johan sprang hervor und war sofort präsent. Keyboarder Torben rockte zu den Klängen von „The gates of Oblivion“ ab. Die Stimmung war von Anfang an gut und überall wurde getanzt. Immer wieder poste der Sänger für die Fotografen und zeigte irre Grimassen. Zu „Raise your God“ konnten die Anwesenden den Text auf den Leinwänden mitlesen. Die Bässe knallten mächtig aus den Boxen – laut war wieder angesagt. Da war ich froh, dass ich mir das Ganze nur draußen anschaute. Der Sonnenuntergang war echt ein Hingucker und dazu passte die Textzeile „the end is near“, die Johan hier hören ließ bei „Death lies waiting“. Natürlich hatte auch er einige Smashhits in petto wie etwa „God is in the rain“. Mal hockte er am Bühnenrand und sang die Fans in den ersten Reihen an und mal tobte er wie er Irrer über die Stage und verausgabte sich. Der Abschluss im Hangar war so richtig gelungen!

VNV Nation

Den letzten Gig auf der Mainstage absolvierten VNV Nation. Frontmann Ronan war gut gelaunt und sichtlich erschlankt. Er hatte gute Laune und meinte: „Lasst mich euch hören“ – noch bevor er „When is the future?“ anstimmte. Im Hintergrund war eine riesige Videoleinwand zu sehen, auf der tolle Projektionen eingespielt wurden. Ronan lief von rechts nach links und zurück, während vor der Stage wirklich jeder Zuschauer abtanzte. Zu „Chrome“ waren außerdem die Arme oben. Auch dieser Auftritt wurde live mitgestreamt und der Sänger ließ es sich nicht nehmen, auch das Publikum „in the internet“ zu grüßen. Tracks wie „The great divide“ oder „Genesis“ heizten ein. Die Lichtshow war auch ein Hingucker – mal lila und mal grün. Der Sound war ein letztes Mal super und so war das Ende richtig gut. Zur Ballade „Illusion“ machten wir uns aber auf den Heimweg – das Festival hatte uns ausgelaugt.

Wir waren zufrieden. Es gab so gut wie keine Verzögerungen bei den Gigs, aber die Soundprobleme im Hangar waren wieder einmal recht schade. Dafür waren die Securities überall sehr freundlich, die Zuschauer hatten durchweg gute Laune, das Wetter spielte super mit und die Angebote bei Speis und Trank waren durchweg lecker und von den Preisen her recht in Ordnung. Somit habe ich nichts zu Meckern und wir kommen auch 2020 gern wieder nach Hildesheim. Zuletzt noch ein Danke für die tolle Betreuung im Pressezelt an den Veranstalter FKP Scorpio. Wir sehen uns!

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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