NCN Special 2020: 04.&05.09.2020 Kulturpark Deutzen – Tag 2

Am zweiten Tag kamen wir rechtzeitig am Kulturpark in Deutzen, denn die ersten Gigs begannen pünktlich – wiederum zeitgleich auf den Bühnen, so dass wir uns wieder für das eine oder andere entscheiden mussten. So wurden auch große Publikumsströme vermieden, was dem Hygienekonzept zugute kam.

Saigon Blue Rain

Auf der Amphibühne machten an diesem Tage Saigon Blue Rain den Anfang. Die Cold Wave-Klänge der Franzosen waren genau richtig, um entspannt in den Tag zu starten. Sängerin Ophelia trug ein recht durchsichtiges Outfit und tanzte beim Singen hin und her. Die drei Gitarristen rockten vom ersten Moment an gut an und gaben wirklich alles. Die Stücke wurden hintereinander weg gespielt, so dass die immer zahlreicheren Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen und Applaudieren hatten. Der Bassist konnte kaum sehen, was er tat, denn immer hingen ihm seine langen Haare im Gesicht. Das machte aber gar nichts, wusste er doch, was er tat und mitsingen konnte er außerdem wie zum Beispiel bei „What I don’t see“. Ophelias Stimme war toll und mit einem Hall verstärkt, wirkte sie gleich nochmal eine Spur intensiver. Die Songs kamen gut beim mittäglichen Publikum an, egal ob die Stücke auf Englisch oder Französisch vorgetragen wurden – der Beifall konnte sich sehen lassen und die Band freute sich sehr darüber. Es wurde auch im Takt mitgewippt oder getanzt. Die Musik war wohl noch etwas zu ruhig, denn die Einheizversuche der Frontfrau wurden kaum umgesetzt – die Stimmung war dennoch gut – noch etwas entspannt, aber gut. „We are so honoured – thank you“, so der Dank der Band für den Applaus. Oft hockte sich Ophelia an den vorderen Bühnenrand und sang für uns, während die Herren an den Saiten auch mal in die Tasten des Keyboards griffen. Am Ende des Gigs war es schon richtig voll vor der Bühne, so dass der Endbeifall sehr laut ausfiel. Lächelnd und zufrieden bedankten sich die Musiker bei uns und gaben die Bühne für den Umbau frei.

Ost+Front

Das Wetter hielt gut und der angesagte Regen machte einen Bogen um das Festival, was uns alle sehr freute. Nach den noch ruhigeren Klängen, wurde es im Anschluss laut auf der großen Bühne, denn Ost+Front standen auf dem Plan. Manja dankte den Festivalgästen vorab noch einmal „für eure Unterstützung“ und verriet dann, dass die Band das neue Album im Gepäck hätte. Eva kam hervor und hielt ein Schild mit der Aufschrift „Ich bin hier unfreiwillig“ empor. Ihr folgten die Gitarristen Siegfried, Otto, Wilhelm und Drummer Fritz. Mit „Adrenalin“ ging es in die Vollen und Frontmann Herrmann gab alles. Besonders gefiel mir seine Gesangsstimme und scheinbar ging es nicht nur mir so, denn der Beifall war an diesen Stellen immer recht laut. Die Menge ging direkt mit und schon war der erste Stimmungshöhepunkt des Tages erreicht. Außer dem Sänger trugen alle Musiker eine Maske – das passte ja gut in diese Pandemie-Zeiten – sehr vorbildlich! Zur „Fiesta de Sexo“ kam Eva hinter ihrem Keyboard hervor und setzte einen riesigen Sombrero auf, um mit Herrmann gemeinsam zu singen. Sie feuerten dabei die Zuschauer an, die gut abgingen. Während hiernach „Puppenjunge“ erklang, kam von links eine Tänzerin auf extremen High Heels daher. Sie räkelte sich am vorderen Bühnenrand und bot einen weiteren irren Hingucker. Später rannte Eva im Bühnengraben hin und her, um mit den Fans um die Wette zu rocken. Dafür bekam sie zu „Fleisch“ direkt etwas auf den Hintern von Herrmann. Nachdem gemeinsam „10 Jahre Ost+Front“ gefeiert wurde, durfte selbstverständlich auch das „Denkelied“ nicht im Programm fehlen. Ein riesiges Messer und eine blutige Fleischerschürze unterstützten hierbei den Text. Die Fans sangen die Zeilen lautstark mit, was die Band freute. Die Tänzerin kam noch mehrmals in verschiedenen Outfits hervor, um sich jedes Mal lasziv zu den intensiven Bässen zu bewegen. Brachial, intensiv und stimmgewaltig – das war dieser Gig alles – wir hatten Spaß und die Band augenscheinlich auch. Mit einer zufriedenen Verbeugung verabschiedeten sie sich am Ende von den begeistert klatschenden Zuschauern.

Rome

Anne kündigte wenig später „ein lyrisches und musikalisches Highlight“ an – gemeint war hier Rome. Genauer war es Jerome Reuter ganz allein, der mit seiner Gitarre die große Bühne ausfüllen wollte, was ihm auch vom ersten Ton an gelang. Mit seiner kräftigen Stimme, die ein wenig rau war, fing er das Publikum ein und verzauberte auf diese Weise. Dabei stand er in einem Stern aus Licht. Die Fans machten es sich auf ihren Stühlen bequem und lauschten andächtig den Songs wie „Celine in Jerusalem“.

AD:keY

Uns war aber nach etwas mehr Beat zumute und so wechselten wir zur Kulturbühne, wo AD:keY aufspielen sollten. Weil vor der kleinen Stage etwas weniger Platz war, wurde der Einlass dorthin gestoppt, damit die Abstandsregeln wenigstens halbwegs eingehalten werden konnten. Wegen technischer Probleme verzögerte sich der Beginn der Show noch ein wenig, doch dann kamen Andrea und Rene endlich hervor. Sie hatten sich männliche Unterstützung an die Keyboards mitgebracht und gemeinsam ging es ab. Ihre Outfits waren echt schick und besonders Andrea war wieder einmal sehr sexy anzuschauen. Los ging es mit einem der neuesten Stücke vom ganz frischen Album „Resonanz“ – „This is not the time“ wurde gut gelaunt performt und auch der Keyboarder sang mit. Für einen besonderen Augenblick sorgten dann aber die Fans, die sich spontan ein Banner gebastelt hatten, welches sie emporhielten. Darauf war „Alles Liebe zum Hochzeitstag“ zu lesen, was die beiden auf der Stage sichtlich rührte. Das war doch mal eine echt süße Geste! Der Spaß wurde hier groß geschrieben und so wurde auch zu Songs über Religion abgetanzt und gefeiert. Aber auch Themen wie Herzschmerz bei „Herz lass los“ fanden ihren Weg in dieses intensive Set. Andrea tanzte hin und her und Rene schrie seine Texte nur so heraus. Dabei lächelten sie fortwährend und hatten sichtlich Spaß. Mal standen sie beieinander, schmiegten sich aneinander oder sie waren auf der kleinen Bühne verteilt und sangen sich an. Die Beats waren wild und kraftvoll und gaben so den Takt für eine Stomp-Party an. Es hätte nicht besser sein können. Die alten und neuen Stücke kamen gleich gut an – das Duo war sehr überwältigt von der „Resonanz“. Gut gemacht!

Empathy Test

Nach einer kulinarischen Stärkung konnte es dann tanzreich weitergehen, denn nun war es Zeit für Empathy Test aus London. Manja heizte noch schnell ein mit den Worten: „Schaffen wir, dass das das geilste Empathy Test-Konzert wird?“ und schon ging es los mit „Monsters“. Es war richtig voll vor der Amphibühne. Seifenblasen flogen umher und alle standen an ihren Plätzen – bereit abzugehen. Frontmann Isaac war gut gelaunt und lief auf der Stage hin und her. Von den ersten Tönen an wurde mitgetanzt und auch mitgesungen. So auch bei „Empty handed“. Hierbei war Drummerin Christina absolut konzentriert. Auch Keyboarder Oliver war ganz und gar bei der Sache und gab sein Bestes. Isaac tanzte zu den eigenen Klängen ab, während er „Making worlds“ darbot. „Thank you for coming out in Corona times“, so der Sänger. Er verriet uns, dass Christina Asthma habe und Oliver eine Lungenentzündung hinter sich bringen musste vor einiger Zeit – „they risk their lives for you“. Das sorgte für einen mächtigen Zwischenapplaus. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch – im Gegenteil. „Bare my soul“ wurde mitgesungen – ein Stück, das Isaac über eine Ex-Freundin geschrieben hatte, die nun, zum Glück von wem anders, schwanger war. Seine Stimme war echt toll und auch die ganz hohen Töne traf er super – ein echter Ohrenschmeichler. Er verriet wenig später auch, dass sie an diesem Festivaltag alle neuen Stücke vom letzten Album spielen wollten. Gesagt – getan. Aber auch die alten Stücke wie „Holy rivers“ kamen nicht zu kurz und wurden frenetisch beklatscht. Immer wieder tanzte der Frontmann mit den Zuschauern um die Wette, die immer ausgelassener feierten. Mit „Love moves“ verabschiedeten sie sich schließlich von uns. Und weil es so schön war, gab es am Ende sogar noch vier Songs als Zugabe, wie zum Beispiels „Demons“ – die lauten Fans wurden schnell erhört und so konnte die Party noch ein klein wenig weiter gehen. Abschließend gab Isaac zu, dass es wirklich die beste Show ihrer kleinen Tour durch Deutschland geworden war – etwas anderes hätte er nach diesem Hexenkessel auch nicht sagen können. Danke – wir haben es echt genossen und unsere Tanzorphine hatten ihren Spaß!

In Strict Confidence

Mit In Strict Confidence ging es weiter im Plan. Die Herren hatten eine Vintage-Show angekündigt – ausschließlich Songs von vor 2004 sollten an diesem Tag gespielt werden. An einem riesigen Tisch voller Technik nahmen Sänger Dennis und sein Kollege Aufstellung und schon erklang „My despair“ zu dem das dazugehörige Video auf einer Leinwand hinter den Herren zu sehen war. Dennis trug eine Mütze auf dem Kopf und sang mit viel Hingabe. Es war ihm anzusehen, dass auch er Spaß daran hatte, wieder einmal vor einem Livepublikum spielen zu dürfen. Mit einem „wunderschönen Abend“ begrüßte er die feiernde Menge und gestand, dass sie auch den ein oder anderen neuen Song dabei hatten und so stimmte er „Used and abused“ an. Es wurde wieder einmal ausgelassen getanzt und so war die Party schnell wieder auf einem hohen Level. Die Musiker wurden mal in rotes und mal in blaues Licht getaucht. Zu „Kiss your shadow“ konnte fehlerfrei mitgesungen werden, denn der Text wurde im Video gezeigt. Wenn er nicht gerade vor dem Techniktisch hin und her lief oder tanzte, drehte Dennis, wie sein Mitstreiter fortwährend, an den vielen kleinen Knöpfen und Tasten, so dass ein guter Soundmix entstand. Für Lieder wie „Mercy“ kamen die Stimmen der Sängerinnen vom Band – im Video waren sie auch optisch mit von der Partie. Das sorgte für noch mehr gute Laune. Auch Tracks wie „Seven Lives“, „Set me free“ oder „Industrial love“, das aus dem Jahr 1997 stammt, wurden lautstark beklatscht.Und „ohne „Zauberschloss“ geht es nicht“, so Dennis – als die ersten Töne aus den Boxen schallten, gab es auch für den letzten Zuschauer kein Halten mehr. Wirklich jeder sang mit und tanzte ausgelassen – ein toller Moment! Dann war das Set vorbei und es wurde nach noch mehr verlangt. „Wenn die Band noch Akku hat“ – sie hatte. Dennis dankte noch schnell der Orga, den Technikern, den Putzfrauen und allen, die dieses Festival möglich gemacht hatten und dann erklang eine Art Techno-Version ihres Hits „Herzattacke“ als letzten Bonus. „Ihr wart fantastisch – wie immer. Bleibt gesund!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich das Duo von uns und viel zu schnell war auch dieser Auftritt wieder Geschichte. Wir hatten ja laut Zeitplan etwas Längeres erwartet, aber es war zu Ende – schade!

Peter Heppner

Und so blieb vor dem Headliner noch etwas Zeit für letzte Gespräche, einen kleinen Imbiss und noch einmal Kräfte sammeln. Als letztes Highlight gab es den Grandmaster Peter Heppner auf Augen und Ohren. Doch zuvor bedankte sich Manja traditionsgemäß bei der Crew und forderte einen lauten Applaus für die Kollegen ein, der auch ordentlich ausfiel. Und dann war es Zeit für einen „entspannten, genussvollen Ausklang“. Die Musiker kamen hervor und als Peter selbst die Bühne betrat, wurde er jubelnd empfangen. Nicht wenige Fans waren von seinen langen Haaren überrascht, aber das machte gar nichts – hier ging es schließlich um die Musik. Bei roter Lichtstimmung erklang „Unloveable“. Gitarrist Carsten war sehr konzentriert und griff beherzt in die Saiten. Die Begrüßung fiel mit einem „Hallo“ sehr knapp aus und schon wurde „Alleine sein“ gespielt. Hier waren die Fans direkt selig und aus vielen Kehlen wurde mitgesungen. Getanzt wurde sowieso und jeder lächelte zufrieden. Das Licht wechselte auch hier mehrfach, von Rot zu Weiß zu Hellblau wie bei „Meine Welt“. Hierbei sang Carsten auch die zweite Stimme, was toll klang. Zu „Once again“ zeigte der Lichttechniker schließlich, welche Farben die Scheinwerfer so konnten – es war wahrlich sehr bunt. Peter sang hier mit geschlossenen Augen sehr gefühlvoll. Als dann „Once in a lifetime“ angestimmt wurde, brandete Jubel auf und zauberte so ein Lächeln auf das Gesicht des Sängers. Mitsingen und Abtanzen waren angesagt. Manche der Stücke gingen schließlich ineinander über. So konnte ohne Unterbrechung abgefeiert werden. Als absolutes Highlight sahen viele Fans den Hit „The sparrows and the nightingales” an, wo sehr laut mitgegrölt wurde. Das war auch für uns der Höhepunkt und da es für uns nicht hätte besser werden können, machten wir uns hiernach auf den Heimweg. Die Fans feierten aber noch eine kleine Weile weiter.

Und so schnell waren zwei Tage NCN Special vorbei. Nach der langen Durststrecke war es etwas Besonderes und Schönes und dafür möchten wir uns bei der Orga bedanken, dass sie das möglich gemacht haben. Ja, es war kleiner als in den Vorjahren, aber es war ein wenig wie ein Trip in die Anfänge des Festivals zurück. Wir hatten eine tolle Zeit. Alle „Einschränkungen“ waren für uns keine und so denken wir, kann es in Zukunft durchaus immer funktionieren. Jeder hielt sich daran und es war einfach ein schönes Festival, was für jeden etwas bot. Danke nochmals und bis zum nächsten Mal!

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Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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