OOMPH!: Ritual-Tour 02.03.2019 Astra Kulturhaus Berlin

Mit ihrem neuen Album „Ritual“ sind die Herren von OOMPH! in den deutschen Albumcharts direkt auf Nummer 1 gelandet – und das zu Recht. Von diesen neuen Stücken wollten sich die Fans im Land natürlich auch live begeistern lassen. Am 02.03.2019 gab es dazu im Astra Kulturhaus in Berlin die Möglichkeit – die Bude war auch direkt ausverkauft.

Nervenbeisser

Schnell füllte sich der Konzertsaal und dann ging auch schon das Licht aus – die Vorband Nervenbeisser betrat im Nebel die Bühne. Der Sound war irgendwie dumpf und matschig – zumindest an dem Standort, wo ich mich in den Massen befand. Frontmann Olaf trug eine Sonnenbrille, doch zu hören war er anfangs bei „Liebesschmerz“ kaum – irgendwie war das Mikrofon zu leise. Beim Singen lief er immer wieder am vorderen Bühnenrand hin und her und versuchte, dem Publikum einzuheizen. Drummer Christoph war leider immer im Dunkeln, so dass seine energiegeladenen Moves so gut wie nicht zu erkennen waren. Dafür begeisterte Gitarrist Walter mit seinem Gitarrensolo. Währenddessen rockte Olaf gemeinsam mit Bassist Patrik ab. „Hallo Berlin – von unserer neuen EP für euch „Alles gut““. In den ersten Reihen waren die Arme oben und schon gab der Sänger noch mehr, um Stimmung unter den Zuschauern zu entfachen. Walter sang hier die zweite Stimme, war aber auch eher schlecht zu hören – es war immer noch der Wurm in den Boxen – schade!

Nervenbeisser

Weiter ging es dann mit einem weiteren neuen Stück der aktuellen EP – „Märchenland“ wurde „zum 2. Mal live“ präsentiert – dafür klappte es aber ohne Patzer. Olaf brüllte seinen Text nur so raus und dabei wurden er und seine Kollegen in rotes Licht getaucht. Die beiden Herren an den Saiten wechselten immer wieder die Seiten oder aber sie stachelten sich gegenseitig an, alles zu geben. Mit „Zeitenwandel“ folgte schließlich der „Titelsong unserer 2. CD“, so der Frontmann. Beim Singen wurde der toll mit einem Spot von hinten in Szene gesetzt. In den Zuschauerreihen wurde hierbei abgerockt und einzelne sangen die Zeilen mit. Olaf erklärte zwischendrin, worum es in den Stücken ging – so auch bei „Ein letztes Mal“, in dem sie das Gefühl einfangen wollten, bestimmte Dinge zu erleben, ohne vielleicht zu wissen, dass es eventuell nie mehr passieren wird. Olaf tanzte hierzu ausgelassen und feuerte das Publikum an. Am Ende stand er mit ausgebreiteten Armen in einer Art Stern aus Licht – ein schönes Bild. Patrik groovte die ganze Zeit eher vor sich hin. Dabei lächelte er in die Menge – so auch zu „Todesengel“ oder bei „Du gehst“, was der letzte Track der Setliste sein sollte. Walter gab wieder die zweite Stimme und rockte mit Olaf um die Wette, als er sein Solo spielte. Doch dann war die letzte Note gespielt und es hieß, Abschied zu nehmen. „Viel Spaß mit OOMPH! – Dankeschön Berlin.“ Gemeinsam verbeugte sich das Quartett noch schnell und dann war auch schon Zeit für den Bühnenumbau.

OOMPH!

Der Saal war nun proppenvoll und es wurde immer wärmer. Während des Intros kamen die Musiker von OOMPH! einzeln auf die Bühne und der Jubel war groß. Crap, Flux und Dero grinsten in die Menge, verbeugten sich und dann krachte es – der Sound pustete uns fast weg. Hier war es ein wahrer Genuss, zuzuhören und los ging es mit „TRRR – FCKN – HTLR“.  Dero drosch auf kleine Drums am vorderen Bühnenrand ein, um noch mehr Bums in den Sound zu bringen. Dabei sahen er und seine Mitmusiker sehr gut aus – allesamt trugen sie lange schwarze Ledermäntel – denen muss echt warm gewesen sein, denn uns wurde es auch schon richtig heiß. Immer wieder stellten sich der Sänger und die beiden Herren an den Gitarren auf Podest am Bühnenrand und waren so auch in den letzten Reihen noch gut zu sehen.

OOMPH!

„Hallo Berlin“, so die knappe Begrüßung. Dero war extrem gut drauf und sprang beim Singen im Kreis umher – was für eine Energie. Die Hände im Publikum waren direkt oben und der Refrain wurde laut mitgebrüllt – so kam gute Laune auf. Bassist Hagen rockte gut ab, dabei sah er mit seiner Fliegerkappe irgendwie abgefahren aus. Drummer Silvestri, der später sogar oben ohne an seiner Schießbude saß, drehte richtig auf. Nach diesem neuen Stück vom frischen Album, ging es weiter mit einem Klassiker – „Labyrinth“ wurde von den Fans mit viel Beifall begrüßt. Besonders der Anfang des Liedes, als Dero „We will rock you“ von Queen anstimmte, sorgte für tolle Stimmung. Viele Fans filmten hier mit ihren Handys mit, was ein wenig nervte, da die hinteren Reihen so oft nur auf kleine Displays schauen konnten.

OOMPH!

Außerdem wurde es immer enger in den Massen und einige Zuschauer gaben gar nicht aufeinander Acht, so dass wir uns dann lieber nach hinten verzogen, wo wir den Gig bis zum Schluss verfolgten. Dennoch war die gute Laune überall spürbar und Dero meinte begeistert: „Vielen Dank Berlin für ein ausverkauftes Astra. Wollen wir zusammen Spaß haben?“ Das wurde lautstark bejaht und schon erklang „Träumst du“. Flux, Crap und Dero standen wieder auf den Podesten und heizten ein. Dort sprangen sie auf und ab und die Fans taten es ihnen gleich. Das machte echt Spaß! Dann zog Dero den Mantel aus – nun konnte er noch mehr aufdrehen und das tat er auch direkt: „Jetzt ist es Zeit für unsere Hymne an euch.“ Gemeint war hier „Jetzt oder nie“ und das Auditorium grölte jede Silbe lauthals mit. Beim Refrain erhob der Frontmann immer wieder die Faust. Die Menge tobte und Dero schien schwer beeindruckt. Als kleines Dankeschön nahm er uns alle mit zurück in der Zeit – zu „unserem ersten Album“. Hier hatten sie für uns „Der neue Gott“ in petto und die Stimmung kochte regelrecht.

OOMPH!

Wieder trommelte der Sänger zusätzlich und unterstützte so Silvestri, der sich absolut verausgabte. Crap und Flux standen hierbei an Keyboards – ja die alten Stücke waren eher elektronisch geprägt. Ein Armemeer begleitete den Refrain und überall sprangen Menschen im Takt auf und ab. Am Ende stand Dero mit ausgebreiteten Armen am Bühnenrand und wirkte irgendwie wie Jesus – eben doch der „neue Gott“. Dem folgte „der allererste Song, den wir jemals komponiert haben“. Selbstverständlich war hier die Rede von „Mein Herz“. Dero lief hier hin und her und genoss die wunderbare Atmosphäre im Saal. Die Massen sangen mit und die Musiker waren so zufrieden, dass sie sich am Schluss des Liedes verbeugten. Flux und Crap griffen schließlich wieder zu ihren Gitarren und griffen bei „Das weiße Licht“ in die Saiten. Doch vorher forderten die Herren uns auf: „Feiert euch selbst! Ihr seid großartig!“ Keyboarder Felix sang hier die zweite Stimme, was toll klang. Rauchfontänen schossen im Takt gen Saaldecke und der Sänger rannte in der Bühnenmitte im Kreis umher. Dann feuerte er die Zuschauer wieder an, sich noch mehr zu verausgaben, was diese direkt umsetzten.

OOMPH!

Die Lichtshow war sehr wild und glich einem weißen Blitzlichtgewitter. Dass OOMPH! auch tolerant sind, bewies der Frontmann mit seinem „Geschlechtertest“ – Männer, Frauen und alle dazwischen – „Ihr seid alle willkommen!“ Und alle zusammen rockten, was das Zeug hielt zu „Tausend Mann und ein Befehl“. Alle gemeinsam brüllten mit Inbrunst die Textzeile „Nie wieder Krieg“ – eine wichtige Botschaft! „Wollt ihr spingen?“, so die Frage, bevor mit „Niemand“ direkt weitergefeiert wurde. Besonders feierten diejenigen, die Dero bei seinem Stagedive auf Händen tragen durften – immer ein spezieller Moment in den Gigs der Formation. Die Band sprang durch die Jahre und holte mal alte und dann wieder neue Stücke aus der Liederkiste – das nächste war dann „Kein Liebeslied“ vom neuen Album. Die Musiker machten sich aber auch Sorgen um uns: „Überfreut euch nicht – deswegen mal was Trauriges für euch.“ Bei „Auf Kurs“ bewies Dero wieder einmal, dass er nicht nur Texte herausbrüllen kann, sondern auch wahnsinnig gut singen. Bei dieser Stimme bekomme ich jedes Mal Gänsehaut! Wahnsinnig toll! Begleitet wurde er hierbei von Flux auf der Akustikgitarre und von Crap am Keyboard. Ein Armemeer wogte vor ihnen hin und her. Doch dann wurde es wieder flotter. Dero stellte noch schnell klar: „Ich würde mich nicht klonen“ und schon stimmte er „Fieber“ an. Erst wurde das Stück in der akustischen Variante dargeboten, doch dann wurde es wieder rockig, als es nahtlos in „Das letzte Streichholz“ überging. Die Lichtstimmung wechselte ebenfalls von grün hin zu orange. Dem folgte ein Track, auf den wohl viele Fans gewartet hatten – bei „Gott ist ein Popstar“ schien das Astra schier zu explodieren. Die Stage wurde hierbei in Regenbogenfarben getaucht. Die Arme waren überall oben und mitgesungen wurde auch. Als die letzte Note verklungen war, bekreuzigte uns der Sänger noch – nun waren wir wahrlich gesegnet. Thematisch passend wurde hiernach „Gekreuzigt“ dargeboten.

OOMPH!

Diese Klassiker funktionieren aber auch immer, denn die gute Laune war förmlich greifbar und wir sahen überall nur glückliche Gesichter in der Menge. Musiker und Fans sahen extrem zufrieden aus und weiter ging es dann im Set mit „Alles aus Liebe“. Hierbei wurden Pommesgabeln in die Höhe gestreckt, bevor es dann noch rockiger wurde mit „Im Namen des Vaters“. Flux rockte hier mächtig mit und Silvestri verdrosch seine Drums nur so. Außerdem wurde im Takt mitgeklatscht. So gehört sich das! Hagen kam schließlich auch mal mit an den vorderen Bühnenrand und griff bei „Jede Reise hat ein Ende“ ordentlich in die Saiten. Auch Felix begeisterte hier mit seinen Künsten. Dero lief hin und her und sog die positiven Schwingungen nur so in sich ein. Immer wieder klopfte er sich aufs Herz und schien einfach nur sprachlos. Genial fand ich persönlich dann den „Kleinstadtboy“, wobei die Herren in rosa Licht getaucht wurden und Dero wieder einmal im Kreis umhersprang. Ich mag diese Art von Cover echt gern. Zu den Drumsticks griff der Sänger schließlich wieder zu „Sandmann“, einem Stück mit einer absolut wichtigen Botschaft. Die Menge sang lautstark mit und die Party war immer noch in vollem Gange. Und mit „Augen auf“ wurde es „laut, lauter, am lautesten“. Die Rauchfontänen rahmten die Musiker ein und mehrstimmig gaben sie noch einmal alles. Doch dann – „Gute Nacht Berlin“. Das sollte der Schlusspunkt des Abends sein. Die Herren winkten uns und verließen einer nach dem anderen die Bühne.

OOMPH!

Da hatten sie die Rechnung aber nicht mit dem Berliner Publikum gemacht. Es wurde geklatscht und nach Zugabe geschrien. Und schnell kamen die Jungs von OOMPH! wieder nach vorn. „Wollt ihr noch einen? Seid ihr sicher?“, so die schelmenhafte Frage von Dero. Die Massen forderten lautstark mehr und so ging es weiter mit „Mein Schatz“, wo er wieder einmal mittrommelte. Es folgte „Als wär’s das letzte Mal“, wo Crap mit seinem Gitarrensolo für Begeisterungsstürme sorgte. Die Arme waren oben, Flux rockte auf dem Podest ab und Crap sprang am Ende in den Bühnengraben. Die Drumsticks von Silvestri und Dero flogen in die Menge, genauso wie die Plektren der Gitarristen. Denn das war dann doch das Ende des Konzertes. Alle Musiker verbeugten sich gemeinsam und winkten uns noch einmal zu. „Bis zum nächsten Mal!“

Wir und der Rest der Massen machten uns auf den Heimweg – glücklich und zufrieden. Es war ein toller Abend, dem nur die leider etwas fehlende gegenseitige Rücksicht unter den Zuschauern einen kleinen Dämpfer verpasste. Aber OOMPH! haben sich wieder einmal in Bestform präsentiert und das allein ist es, was zählt. Wir freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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