Oomph!: XXV European Tour 2016 01.04.2016 Täubchenthal Leipzig

Wenn eine Band schon ganze 25 Jahre gemeinsam auf den Bühnen dieser Welt besteht, dann ist das schon sehr bemerkenswert und gehört mit einer Jubiläumstour gefeiert. So geschehen bei den Wolfsburgern von Oomph! Am 01.04.2016 ging es mit dem 2. Teil dieser Geburtstagskonzertreise los und die erste Station war das Täubchenthal in Leipzig. Die Location war so gut wie ausverkauft und dementsprechend schnell füllte sich der Saal. Alle warteten sie gespannt auf die Darbietungen der Jubilare.

Death Valley High
Death Valley High

Doch zuerst war die Vorband an der Reihe für Stimmung zu sorgen. Die Amerikaner von Death Valley High betraten bei einem Intro die dunkle Bühne und dann sollte es los gehen. Doch was war denn da bitte los? Der Sound war – und da übertreibe ich jetzt mal nicht – echt unterirdisch. Die Stimme von Sänger Reyka war kaum zu hören und auch die Instrumente schienen gar nicht aufeinander abgestimmt – ich hoffte, dass sich der Tontechniker bald einschaltete und es besser werden würde. Derweil rockte das Quartett, was das Zeug hielt. Reyka schleuderte sein Mikrofon am Kabel immer wieder herum, sprang von Podest zu Podest, die für ihn und seine Kollegen an den Gitarren – Huffy und Chris – aufgestellt worden waren und hockte sich auch mal hin, um noch intensiver ins Mikro zu singen. Dann begrüßte er das Publikum mit den Worten: „We’re Death Valley High from South California.“ Das war auch mal zu verstehen, weil da die Musik ja aus war. Doch dann war er schon wieder kaum zu verstehen. Echt schade für die Herren – sie gaben sich echt Mühe, aber leider kam davon so gut wie nichts beim Publikum an. Das schlug sich dann auch in dem eher spärlichen Applaus und der eher flachen Stimmung nieder. Es wurde mehrstimmig gesungen – zumindest sah ich das, aber es war nicht zu hören. Der Text wurde von Reyka zum Teil herausgeschrien und die Saitenkünstler waren sehr agil auf der kleinen Bühne unterwegs. Die Lichtshow war ganz schick – mal stand der Frontmann im Lichtkegel und wurde so gut in Szene gesetzt und mal wurde die gesamte Szenerie von Lichtstrahlen eingerahmt. Weil sie so wild rockten, wurde es den Musikern warm und schnell zogen sie ihre Jacken aus. Das Wort „warm“ wurde dann auch im Chor mit den Zuschauern gesungen, wobei nur die ersten Reihen mitmachten. Die Einladung an den Merchandisestand kam zwischen den Songs dann wieder einmal an, denn leider wurde das Tonproblem nicht wirklich besser. Drummer Adam und Bassist Huffy ließen die Haare fliegen und Reyka ging dann in den Bühnengraben an die erste Reihe heran und gab dort alles. Diese Art der Animation half aber leider auch nicht wirklich viel – so recht wollte der Funke nicht überspringen, denn immer noch war das Mikrofon zu leise eingestellt. Deswegen kann ich leider auch nicht sagen, welche Songs dargeboten wurden – ich hab es einfach so gut wie nicht verstehen können. Reyka gab sich alle Mühe, zeigte ein wahnsinniges Grinsen, legte sich auf das Podest beim Singen oder sprang herum – an diesem Abend war es vergebene Energie. Als Letztes spielten sie wohl ihren Titelsong, denn immer wieder wurde der Bandname im Text gegrölt. Der Sänger kam den Zuschauern in der ersten Reihe wieder sehr nah und ließ einzelne Personen den Name der Formation brüllen. Am Ende applaudierten die Musiker dem Publikum und diese honorierte die Bemühungen der Band mit Beifall. Es war wirklich schade – mit richtigem Sound hätte es wohl gut werden können – so war es eher ein Desaster.

Oomph!
Oomph!

Die Fans von Oomph! hofften nun, dass es bei der Hauptband nicht auch so übel werden würde. Ungeduldig wurde gepfiffen und geklatscht – die Umbaupause war einigen zu lang. Und dann ging das Licht aus, die Musiker kamen während eines Intros einzeln heraus und wurde allesamt mit Jubel begrüßt. Allesamt sahen sie in ihren neuen schwarzen Bühnenoutfits sehr gut aus. Sänger Dero stand auf einem Podest in der Mitte und breitete die Arme aus. Dabei grinste er wild und begrüßte die Menge mit einem knappen „Hallo Leipzig!“. Anfangs war seine Stimme auch noch leise, als er „Alles aus Liebe“ anstimmte, aber zum Glück wurde das ganz schnell besser und so wurde der Gig zu einem Genuss für die Ohren. Vor dem Frontmann stand eine einzelne Trommel, auf die er im Refrain im Takt eindrosch. Die beiden anderen Drummer auf der Bühne – Silvestri und Okusa – gaben aber auch ihr Bestes. Die Fans war sehr zufrieden und so war schon nach dem ersten Lied die Stimmung nahe dem Siedepunkt. Es ging direkt mit dem „Labyrinth“ weiter und die Arme waren oben. Der Takt zum Beginn des Stückes wurde kurzerhand zu „We will rock you“ von Queen umgemünzt und die Zuschauer grölten mit. Dann sprangen alle im Saal herum und Dero rannte auf der Stelle durch den imaginären Irrgarten. Keyboarder Felix bewies hier, dass er auch ganz gut bei Stimme war – genauso wie Flux und Crap, die ebenfalls mitsangen. Bevor es mit „Träumst du“ weiterging, stellte der Frontmann klar: „Ihr seid der Auftakt zum 2. Teil der Tour. Nur aufgrund der Tatsache, dass ihr uns die Treue haltet, können wir hier stehen.“ Dafür gab es einen Daumen hoch von ihm und dann wurde abgerockt. Wirklich jeder auf der Bühne hatte hier seinen Spaß und das war ihnen anzusehen. Bei „Mein Schatz“ sang der charismatische Herr am Mikrofon wie Gollum aus „Der Herr der Ringe“ mit tiefer Stimme oder aber er leckte den Ring an seiner eigenen Hand ab. Die Frage „Habt ihr Bock auf was Älteres?“ wurde mit einem lautstarken „Ja!“ beantwortet und so gab es „Das weiße Licht“ auf die Ohren. Passend dazu war das Bühnenlicht entsprechend gefärbt und Nebel hüllte die Musiker ein. Überall waren die Arme oben und bildeten ein wogendes Meer.

Oomph!
Oomph!

Und dann: „Es wird noch älter – am ältesten – unser aller-, allererster Song“ – gemeint war selbstverständlich „Mein Herz“. Das riefen auch einige Fans laut heraus – Dero verstand aber „Mein Schwanz“ – „Warum seid ihr nur so schmutzig in euren Gedanken?“ Was für ein Brüller! Crap und Flux standen hierbei an Keyboards – ein etwas ungewohntes Bild, denn es gab die originale, eher elektronische Version zu hören. Weiter ging es dann, ebenfalls elektronischer, mit „Der neue Gott“, wo die Bühne in grünes Licht getaucht wurde. Hinten leuchtete dazu ein Herz und Dero schmiss sich beim Singen regelrecht in Pose – ja er war an diesem Abend unser „neuer Gott“. Das Drumsolo von Dero, Okusa und Silvestri war dann noch ein zusätzliches Highlight. Es folgten etwas aktuellere Stücke, wo die Gitarren wieder zum Einsatz kamen – „Unzerstörbar“ und „Als wär’s das letzte Mal“, wo der Sänger dazu aufforderte, „hemmungslos zu fummeln“. Immer wieder gab er den Takt zum Klatschen an und die Menge folgte ihm brav. Am Schluss des Liedes zeigte Crap bei einem Solo, dass er es echt drauf hat. Bassist Hagen trat anschließend mit nach vorn und gemeinsam wurde das „Wunschkind“ gespielt. Immer wieder schossen Nebelfontänen aus den Podesten hervor, auf denen die drei Oomph!-Herren standen. Nach „Jede Reise hat ein Ende“, wo Felix mich irgendwie an Flake von Rammstein erinnerte, mussten alle im Saal ihre Hände zeigen – beide Seiten – was Dero mit einem „unfassbar schön“ kommentierte. Gemeinsam wurde dann geklatscht und „Bis der Spiegel zerbricht“ zelebriert. Hierbei war die zweite Stimme von Flux echt schick anzuhören. Weil es mittlerweile immer wärmer wurde, warfen die Musiker einige ihrer Wasserflaschen in die Menge – ein feiner Zug. So gestärkt konnte dann zu „Jetzt oder nie“ wieder getobt und getanzt werden. Und die Pommesgabel wurde überall in die Höhe gestreckt. Der Refrain wurde hier lauthals mitgesungen, was die Band sehr genoss. Als „Niemand“ verklungen war, war es „Zeit für einen Moshpit und die Wall of Death“. Es wurde regelrecht biblisch, denn Dero meinte: „Ich werde wie einst Moses diese Massen teilen.“ Tatsächlich bildete sich ein Graben zwischen den Zuschauern und zu „Mitten ins Herz“ wurde dann aufeinander zu gerannt und absolute Party gemacht. Dero sprang dann auch noch von der Bühne in die Menge und ließ sich auf Händen tragen. Anschließend fragte er verschmitzt: „War es für euch genauso schön wie für uns?“ Weil er diese wahnsinnig gute Stimmung einfach nicht fassen konnte, sang er kurz den EMF-Klassiker „Unbelievable“ an, doch dann stimmte er „Unter diesem Mond“ an. Hierbei war er mit Felix allein auf der Bühne, da dieser ihn bei der Ballade am Keyboard begleitete. Als Beleuchtungshilfe flammten dann im ganzen Raum Feuerzeuge oder Handydisplays auf und natürlich wurde gekuschelt. Seine Stimme sorgte dabei für Gänsehaut – ein wahrlich toller Moment! Dann kamen die Musikerkollegen zurück auf die Bühne und zusammen spielten sie für das Leipziger Publikum „Auf Kurs“ – Flux allerdings mit Akustikgitarre im Anschlag. Damit es dann nicht zu schmusig wurde, kam die Band zu einem Punkt, wo es auch mal kritischer zugehen konnte – der „Sandmann“ erklang und immer wenn Deutschland im Text genannt wurde, zeigte der Frontmann beide Stinkefinger. Am Ende des Liedes meinte er noch aus voller Brust: „Schäm dich, Deutschland!“ Hiernach wurde es wieder älter, denn „Gekreuzigt“ durfte an diesem Abend auch nicht im Set fehlen. Dero stand dazu mit ausgebreiteten Armen auf seinem Podest und sang aus voller Brust – ein tolles Bild! Doch dann war schon der letzte Song des Abends an der Reihe – „Augen auf!“ wurde mit voller Energie performt und Band und Zuschauer sprangen im Takt auf und ab. Der Beifall nach dem letzten Ton war fulminant.

Oomph!
Oomph!

Auch wollte er nicht abebben, als sich die Bühne geleert hatte. Zugaberufe und Pfiffe waren zu hören und schnell kam die Band wieder hervor. Dero hatte derweil seine Jacke ausgezogen, sich einen Zylinder aufgesetzt und das Gesicht geschminkt. So gestylt sang er für uns den „Kleinstadtboy“, wo die Menge wieder einmal lautstark mitgrölte. Genauso wurde bei „Gott ist ein Popstar“ mitgesungen, während regenbogengleiches Licht die Bühne erleuchtete – es ging war wahrlich bunt zur Sache. Die Arme waren dazu oben und wirklich jeder feierte, als ob es kein Morgen geben würde. Doch dann war wirklich das Ende des Auftritts gekommen. Weiße Lichtstrahlen leuchteten durch den Saal und die Band stimmte den Brenda Lee-Song „Danke Schön“ an. Dabei änderten sie den Text ein wenig ab und sangen so „es wird Zeit, dass wir duschen gehen“. Wir haben sehr gelacht und der Beifall war frenetisch. Bei der gemeinsamen Verbeugung am Ende sahen alle Musiker sehr zufrieden aus – genauso wie ihr Publikum. Sie haben also alles richtig gemacht!

Auch wir fuhren nach diesem Abend sehr zufrieden nach Hause. Bis auf das Fiasko bei der Vorband hätte es ja auch nicht besser sein können. In den 25 Jahren haben die Herren von Oomph! also nichts verlernt und stecken immer noch voller Energie – also weiter so Jungs! Auf weitere 25 und mehr!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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