Planet Myer Day 14: 08.01.2016 Halle D Werk II Leipzig

Der Planet Myer Day ist seit vielen Jahren eine feste Größe im Partykalender der Freunde elektronischer Musik. Bisher war immer die Moritzbastei im Herzen Leipzigs Ort des Geschehens, doch dieses Mal ging es am 08.01.2016 in der Halle D im Werk II zur Sache. Daniel Myer und sein Team lockten mit einem tollen Programm und so machten auch wir uns dieses Mal auf, um dabei zu sein.

Architect
Architect

Bei winterlichen Temperaturen füllte sich der Saal nur langsam, doch das sollte sich im Laufe des Abends noch ändern. Als erste Band des Abends sollte Daniels Projekt Architect aufspielen. Angekündigt wurde das Ganze von Mitveranstalter Markus, der uns mit diesen Worten begrüßte: „Herzlich Willkommen zum Planet Myer Day. Wir freuen uns sehr, dass ihr alle da seid.“ Der folgende Auftritt sollte ein „semi-acoustic-Set“ werden – Daniel wurde dabei von Conrad Oleak am Klavier und Emke, Sängerin der Formation Black Nail Cabaret, am Mikrofon begleitet. Der Meister selbst wurde mit Applaus begrüßt. Er stand dann gleich hinter einem Technikpult und Drums und drehte beim ersten Track an den vielen kleinen Knöpfchen. Die ruhigen Töne klangen toll und luden zum Träumen ein. Es wurde beim zweiten Track dann aber etwas technoider und Daniel selbst wippte zum Beat mit. Er war dabei kaum zu sehen, da er eher im Dunklen stand. Und dann kamen endlich seine Gäste zu ihm auf die Bühne. Conrad griff in die Tasten und Emke zum Mikro, um das Publikum mit ihrer Stimme zu verzaubern. Ihr anfänglicher Sprechgesang bei „Set my world on fire“ ging dann in eine Melodie über, die wahrlich zu den aufkommenden Beats passte. Daniel griff abwechselnd zu Drumsticks oder Becken, um so noch mehr Klangbreite zu erzeugen. Das Licht bei dieser Show war auch schick – grün oder blau und die Strahlen wanderten immer wieder über die drei Musiker. Die akustischere Variante der Songs von Architect war insgesamt eher ruhig und langsam, was nicht so sehr dazu beitrug, dass Stimmung aufkommen konnte. Es wurde lediglich langsam mitgewippt. Allerdings waren so einzelne Elemente der Musik genauer zu erkennen – etwa ein raffinierter Rhythmus, den Daniel mit den Drumsticks vorgab. Der Beifall nach den Songs war aber erwartet euphorisch – waren doch viele Fans anwesend. „The sun“ war dann der Abschluss dieses besonderen Auftritts. Emke tanzte beim Singen und am Ende sagte Daniel noch ins Mikrofon: „Welcome to Planet Myer Day!“ Alle drei verbeugten sie sich und sie schienen sehr zufrieden mit dem Jubel, der ihnen entgegenschlug. Das war anders als erwartet – aber gut!

Blac Kolor
Blac Kolor

Weiter ging es dann mit einem Leipziger Musiker, den Daniel nach der Umbaupause selbst als „sehr guten Freund“ ankündigte. Hendrick, der mit seinem 1-Mann-Projekt Blac Kolor nun für Unterhaltung sorgen wollte, stellte sich an seinem Technik-Tisch und legte los. Im Hintergrund war auf der großen Videoleinwand ein wildes Muster zu sehen und die Musik ging gut los. Ein tiefer Bass dröhnte und auch sonst war das Dargebotene sehr gefällig und ging ins Ohr. Ich würde es als eine Mischung aus Ambient, Techno und düsteren, sphärischen Electro-Sounds bezeichnen – mir gefiel das ganz gut. Die Beats kamen gut an und die Zuschauer kamen so langsam in Bewegung. Die Tracks gingen alle ineinander über, so dass ich, die diese Band das erste Mal live erlebte, nicht ausmachen konnte, wo welches Stück endete und wo das nächste begann. Das Ganze erinnerte mich dann schon eher an ein geniales DJ-Set als an einen Auftritt einer Band. Immer wieder waren Sprachsamples mit in die Musik eingebaut, denn Hendrick selbst sang nicht. Er war nur damit beschäftigt, die Sounds zusammenzumixen und an den Knöpfen zu drehen. Dabei wippte er zur eigenen Musik mit und war sichtlich gut gelaunt. Vor der Bühne wurde es immer voller und es wurde getanzt. Unter der Zuschauern fanden sich an diesem Abend auch viele andere Musiker – etwa Dennis von Solitary Experiments, Rudi von :Wumpscut:, Olli von Re:Mind, Niko von Gimme Shelter, Tino von MRDTC und das waren nur die, die ich gesehen habe. Die Musik wurde immer schneller und irgendwann bebte im Saal alles vom Bass. Der Solokünstler verwendete immer neue und andere Sounds und Effekte, so dass es beim Zuhören nie langweilig oder monoton wurde. Natürlich waren auch Tracks von seinem kommenden Album zu hören, das Daniel am Anfang bereits angekündigt hatte. Gegen Ende des Sets griff Hendrick dann doch zum Mikrofon und steuerte einige verzerrte Vocals bei. Als dann der letzte Ton verklungen war, machte er Werbung in eigener Sache und wies auf seine EP „Stormfly“ hin, die bereits an diesem Abend am Merch-Stand zu erwerben war. „PMD – Danke, dass ihr mich habt.“ Außerdem dankte er der verrückten Community aus Erfurt, die in den ersten Reihen für Stimmung sorgten. „Das war Blac Kolor.“ Und ich muss sagen – das war doch mal wieder eine tolle musikalische Entdeckung – geniale Sounds und fette Beats – gern mehr davon!

Black Nail Cabaret
Black Nail Cabaret

Wieder wurde auf der Bühne umgebaut und dann waren die Damen des Abends an der Reihe. Die ungarische Band Black Nail Cabaret stellte sich selbst vor und dann ging es los. Frontfrau Emke, hier bei ihrem zweiten Einsatz des Abends, trug ein schickes Kleid und sang direkt drauf los. Ihre Kollegin Sophie griff am Keyboard in die Tasten. Zum ersten Track „Hair“ war im Hintergrund ein Video zu sehen, während Emke vorn voll abging – sie tanzte und ging voll in ihrer Musik auf. Ich kannte die Band bisher nur von CD und war nun live echt begeistert. Diese Stimme machte wirklich was her. Dann meinte die Sängerin: „We have 45 minutes to go – we are gonna kill it.“ Das war doch mal eine Ansage. Den Takt von „(The critical cult of) Dora“ klatschten die beiden Mädels am Anfang zusammen mit ihren Händen und dann übernahm der Beat aus den Boxen. Im Video hinten waren leicht bekleidete, bis sogar nackte Frauen zu sehen – das war sicherlich für die männlichen Zuschauer noch mehr Anreiz, ihre Aufmerksamkeit der Bühne zuzuwenden. Zu „Blonde“ waren viele Bilder von Marilyn Monroe zu sehen und Emke tanzte entrückt. Sophie wirkte dagegen eher reserviert und lächelte kaum. Bei „Let me in“ sang sie dann aber auch mit, was leider kaum zu hören war. Die beiden Mädels verschwanden ab und an im Nebel oder aber sie wurde von Lichtstrahlen eingehüllt. Die Musik, die mich persönlich immer wieder an die Machwerke von Martin L. Gore erinnerte, kam gut beim Leipziger Publikum an und es wurde immer wärmer im Saal. Emke tanzte lasziv und gab beim Singen wirklich alles – mit geschlossenen Augen bot sie uns „Change me“ oder auch „Tell me it’s not over“ dar. In den Videos waren ausschließlich Frauen zu sehen – natürlich auch bei „Lovely girl“ und die beiden Musikerinnen waren so nicht ganz allein auf der Stage. Die Erfurter Community reichte Emke zwischendrin einen Schnaps hoch, den sie auch prompt zu sich nahm. So gestärkt ging es dann mit „Satisfaction“ weiter. Und vor „Down again“ tanzten sich die zwei Hübschen gegenseitig an, unter dem Jubel der Zuschauer. Der letzte Ton dieses Stück wurde von Emke besonders lang gehalten – was für eine irre Stimme diese Frau doch hat. Doch dann war auch schon das Ende des Spaßes erreicht – zu „Veronica“ sahen wir im Video eine Frau, die sich die Haare abschnitt, während die Band noch einmal alles gab. Emke ging auf die Knie am Ende und Sophie schien recht zufrieden mit der Stimmung, denn der Beifall wollte kaum enden. „We wish you a great night“ waren die letzten Worte der beiden und dann war der Gig auch schon vorbei.

Klangstabil
Klangstabil

Dann ging es weiter mit dem heimlichen Headliner des Abends – Klangstabil standen auf dem Programm. Daniel kam mit dem Mikrofon nach vorn und fragte schelmisch: „Alle da?“ Er bezeichnete Klangstabil-Frontmann Maurizio als „den Mann, den ich liebe, den Mann, den ich heiraten möchte“. Und er war immer noch der Meinung, dass diese Band „heilig gesprochen werden“ müsse. Mit solch großen Worten ist sicherlich selten ein Auftritt angekündigt worden. Als Maurizio und Boris dann auf der Bildfläche erschienen, war der Saal voll, die Stimmung fast greifbar und der Jubel groß. Den Anfang machte der „Shadowboy“ und sofort wurde überall losgetanzt. Maurizios Stimme war anfänglich wie bei einem Megaphon verzerrt. Er war gut drauf und drehte direkt auf – dabei lief er immer wieder auf der Bühne hin und her oder sprang im Takt herum. Die Fans tanzten, sprangen mit oder aber sie grölten die Texte mit – „I create – you destroy“. Dafür klatschte der Sänger mit der ersten Reihe ab. Passend war dann der folgende Track „Pay with friendship“, denn hier schienen Freunde mit Freunde zu feiern. Das machte echt Spaß! Und dann rastete die Menge aus – „You may start“ erschallte aus den Boxen und dieser Smashhit brachte den Saal endgültig zum Kochen. Das Licht dazu war in blau und grün gehalten. Doch auch rote Lichtstrahlen zuckten auf – so etwa bei „Twisted words“. Boris zeigte sein ganzes Können und musste sich immer mal wieder recht lang machen, um rechtzeitig alle Knöpfe und Schalter zu erreichen, damit auch im richtigen Moment der passende Sound aus den Boxen tönen konnte. Maurizio verausgabte sich total. Dabei sang er nicht immer zum Publikum, sondern auch des Öfteren zur Seite der Bühne, während er hin und her lief. Nach einem etwas ruhigeren Stück, ging es dann wieder ab mit „End of us“. Hierbei wurde der Text eher herausgeschrieen als gesungen. Überhaupt erinnerte mich dieses Lied eher an Hip Hop im Electro-Style. Immer wieder waren die Arme oben, wenn der Beat wild einsetzte, sowohl auf als auch vor der Bühne. Es war so warm mittlerweile, dass viele ins Schwitzen gerieten. Doch das machte nichts, denn es war Party-Time! Zwischendrin erzählte der Frontmann von seinem Jahr 2015 und von dem Song „Push yourself“, den er geschrieben hatte, um „mich selber aus dem Dreck zu ziehen“, denn das Ganze sei ein „Gebet von mir an mich“. Dafür erhielt er einen Extra-Applaus. Natürlich hörten wir das Werk dann auch und weiter ging es mit „Lauf, Lauf!“, wo Maurizio in einem weißen Lichtkegel stand. Hiernach war er auf einmal weg. Der Beifall war endlos und auch Boris klatschte hinter seinem Pult mit. Der Sänger kam noch einmal nach vorn, doch nicht, um noch mehr zu spielen, sondern um uns lediglich „viel Spaß bei Haujobb“ zu wünschen. „Ich liebe euch“ waren dann seine verabschiedenden Worte und schon war dieser großartige Gig vorbei. Die Zugabe-Rufe wurden nämlich leider nicht mehr erhört. Schade – das hätte ruhig noch weiter gehen können.

Haujobb
Haujobb

Dann war das Ende des Abends fast erreicht – nur noch der Auftritt von Gastgeber Daniel Myer mit seiner Band Haujobb stand an. Markus kam vor und hielt das „heilige Mikro“ in Händen. Außerdem hatte er ein Präsent für die Erfurter Community dabei – die Leute aus der „Heldenstadt“ bekamen eine Flasche Schnaps, worüber sie sich sehr freuten. Markus meinte, dass er und alle Mitveranstalter sehr „dankbar für diesen Abend“ seien, denn sie waren unsicher – waren sie doch das erste Mal in einer anderen Location und der Vorverkauf war nicht so, dass sie sich sicher waren, ob es nicht ein Reinfall würde. Am Ende war der Saal aber mehr als voll, was sie sehr glücklich machte. Als kleinen Glückbringer meinte er dann noch verschmitzt in Richtung Daniel: „Ich trage sogar seine alte Unterwäsche.“ Mit diesem Lacher überließ er dann die Bühne dem Hauptact, der mit viel Begeisterung empfangen wurde. Dejan sorgte an der Technik direkt für wilde Sounds, während Daniel sich zu „Machine Drum“ auf der Stage hin und her bewegte. Er brüllte den Text heraus und gesellte sich zur ersten Reihe, um so zu feiern. Drummer Manuel legte ebenfalls los und war voll in seinem Element. Weiter ging es dann mit einem Song „von 1996 – 20 Jahre alt“. Gemeint war „Antimatter“, wo die Fans selig dazu tanzten. Strobo setzte das Ganze in Szene und die Tanzbewegungen und die Sprünge der Menge sahen so recht abgehackt aus. Zu „Renegades of noize“ lief der Sänger auf dem Steg vor der Stage auf und ab und Manuel sang mit. Grüne Lichtstrahlen teilten sie Szenerie immer wieder in kleine Abschnitte, was echt gut wirkte. Alle strahlten und schienen zufrieden – Musiker und Zuschauer. Daniel musste das auch gleich zum Ausdruck bringen und sagte: „Danke, dass ihr da seid.“ Bevor er dann „Input error“ anstimmte, brachte er noch zum Ausdruck, dass ihr letzten Album nicht in den Charts aufgetaucht ist. Aber sie haben das „nicht für die Media Control Charts“ gemacht, „sondern weil wir dicke Eier haben.“ Diese Worte sorgten für Jubel und dann konnte weiter getanzt werden. Im Nebel war die Band dabei nur noch als Umrisse zu erkennen. Anschließend war es dann 0:00Uhr und so konnte Manuel zum Geburtstag gratuliert werden. Ein kurzes Ständchen und dann ging es weiter im Programm mit einem Stück „vom letzten Album“ – „jetzt kommt EBM“, so Daniel und dann übernahm der Beat die Führung.

Mit diesem Klängen in den Ohren machten wir uns dann auf den Heimweg – die Wärme und die wilde Stimmung haben uns geschafft. Wir hatten echt viel Spaß und so sagen wir: Es wäre schade, wenn dies der letzte Planet Myer Day gewesen wäre. Die Veranstalter waren sich noch nicht sicher darüber, aber wir drücken die Daumen, dass es dann im nächsten Jahr heißen kann – der PMD feiert seinen 15. Geburtstag! Bis dahin also…

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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