Psychobilly Nacht: 01.06.2019 Alte Kaffeerösterei Plauen

Wir haben ja schon seit einigen Jahren die handgemachte Musik der Horrorpunks, Psychobilly- und Rockabilly-Szene für uns entdeckt und da kam es doch ganz recht, dass am 01.06.2019 in der Alten Kaffeerösterei in Plauen eine Psychobilly-Nacht angekündigt wurde. Da mussten wir auf jeden Fall dabei sein. Vor Ort angekommen, bewunderten wir zuerst die Streetart im Innenhof der Rösterei. Im Saal war es, wohl ob des guten Wetters, noch recht leer und so vertrieben wir uns die Wartezeit ein wenig am Tischkicker. Ein DJ stimmte uns dazu musikalisch ein.

King Moroi

Als es dann endlich soweit war, betrat die erste der beiden Livebands des Abends die Bühne. Das Trio King Moroi fing mit „Barrymore“ an und alle Anwesenden strömten vor die Stage. Der Kontrabass von Smirnov sah dabei toll aus mit seinen fledermausförmigen Löchern im Klangkörper. Gitarrist Jerry begrüßte uns mit den Worten: „Schönen guten Abend – wir sind King Moroi aus Frankfurt am Main. Vielen Dank für die Einladung. Wir sind das erste Mal in Plauen.“ Der zweistimmige Gesang kam gut rüber und das Gitarrensolo war schon ziemlich cool. Auch Drummer Tom groovte gut mit und gab bei „Creepcake“ gut den Takt an. Dabei lächelten alle drei – die Spielfreude war ihnen anzusehen. Smirnov und Jerry wechselten sich beim Gesang ab, was eine tolle Mischung ergab. Beim Spielen der Instrumente waren sie dennoch konzentriert – besonders Jerry schaute immer wieder auf seine Saiten. Smirnov wirbelte den großen Bass mal um sich herum und mal legte er ihn fast auf die Seite und spielte ihn so. Und dann standen die beiden Frontmänner wieder beieinander, spielten sich an, stachelten sich so gegenseitig zu Höchstleistungen an und gaben wahrlich alles. Der Beifall war ihr Lohn dafür. Mal war der Rhythmus wild und treibend und dann wieder salopp und ging ins Tanzbein.

King Moroi

„Im Osten stirbt Psychobilly – is doch gar nicht wahr“, so Jerrys Meinung zur guten Stimmung im Saal. Die wenigen Zuschauer machten gut Party und alle hatten ihren Spaß. Mit einem „Riesendank an Jim“, den Veranstalter, ging es weiter mit „Let me out“. Besonders Smirnov brillierte hier mit seiner Stimme, die so richtig schön dreckig war – das gefiel mir echt gut! Im Anschluss lud uns das Trio dazu ein, sie nach dem Konzert am Merchandise-Stand zu treffen. Dort sollten wir „alles kaufen“. Aber lieber erstmal „alles von den Koffin Kats“, denn „die kommen aus Amerika, die brauchen Geld – wir kommen aus Frankfurt und brauchen kein Geld“. Mit diesem Lacher stimmten sie das folgende Stück „Me and my cat“ an. Dabei verausgabten sie sich alle drei wieder einmal. Also Gitarre spielen kann Jerry richtig gut – Respekt! Und dann: „Ein neuer Song, aber für euch sind ja alle neu.“ Gemeint war hier „Stayclear“, der, wie schon alle vorherigen, bei den Zuschauern für Bewegung sorgte. Jerry hatte hier das Instrument  gewechselt und damit gleich eine ganz andere Klangwelt geschaffen – ein toller Effekt. Bei „Switchside“, auch ein neuer Track, ging es „um die Liebe – wie bei allen anderen auch“. Im Saal wurde es mit der Zeit immer wärmer und die Musiker begannen zu schwitzen – aber auch uns wurde es warm, denn wir bewegten uns immer mehr zu den Klängen der Band.

King Moroi

Die Lieder gingen zum Teil ineinander über und so hörten wir kaum auf, auf und ab zu wippen und zu tanzen. Dann hatte Tom auf einmal eines seiner Mikrofone am Schlagzeug zerstört. Während das schnell vom Tontechniker gefixt wurde, überbrückten Smirnov und Jerry die Wartezeit mit flotten Sprüchen, wie: „Morgen ausschlafen – heute Party!“ oder „Öffnet eure Herzen, öffnet eure Portemonnaies.“ Dann konnte endlich „Dr. Cogan“ gespielt werden, wo Smirnov immer wieder gewitzt umgriff, um die Noten auf dem Bass zu spielen. Der Rhythmus wurde immer schneller und die gute Laune war greifbar. Und „Sir B.I.A.“ ist „an diesem Tag, als wir uns das erste Mal gesehen haben, ist dieser Song entstanden“. Mit seinem Dreck in der Stimme hatte Smirnov hier noch einmal seine Sternstunde und Jerry gab nochmals alles auf den Saiten. Das war das große Finale des Gigs und am Ende hob Smirnov seinen Bass über den Kopf. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verabschiedete sich das Trio von uns und wünschte noch „viel Spaß mit den Koffin Kats“. Das war Psychobilly in Reinform und wir hatten echt Freude an diesem Auftritt – danke die Herren!

Koffin Kats

Während wir auf das zweite Trio warteten, ließ uns Veranstalter Jim Freigetränke zukommen – vielen Dank an dieser Stelle nochmals! Selten haben wir uns so umsorgt gefühlt – das war ganz großes Kino! So gestärkt konnte es dann in die Vollen gehen. Die Koffin Kats aus Detroit waren genauso gut gelaunt, wie schon ihre Vorgänger, und stimmten „Splatter“ an. Auch hier war der Beat schnell und die Fans tanzten drauf los. Die Energie von Bassist Vic, Gitarrist Tommy und Drummer Eric war ansteckend. Vics Singstimme war total kräftig und super, aber leider war die zweite Stimme von Tommy oftmals etwas leise, was aber den Gesamtsound nicht viel störte – es war nur etwas schade, denn auch seine Stimme war großartig. Beim Singen und Spielen wechselten Vic und Tommy immer wieder die Seiten – eigentlich standen sie kaum eine Sekunde still und die Stücke gingen auch hier ineinander über, so dass es fürs Publikum kaum eine Verschnaufpause gab. Eric hatte wahre Freude daran, alle mit seinen Beats anzutreiben – so auch bei „Giving“ und „Demon“. Der riesige Kontrabass von Vic wurde von ihm oft über den eigenen Kopf gehoben, kopfüber gespielt oder herumgewirbelt – das Instrument muss ganz schon was aushalten, was die Schrammen am Klangkörper schon erzählten. Die Gitarre von Tommy glitzerte dagegen vor sich hin – ein echt schickes Teil! Zu „Nostrovia“ kamen die Zuschauer dann so richtig aus sich heraus und in der ersten Reihe wurde das erste Mal Pogo getanzt.

Koffin Kats

Außerdem sangen die Fans den Text laut mit. Das machte richtig viel Spaß und so ging es flott weiter mit „V8“. Auch die Musiker hatten ihre Freude an der tollen Stimmung im Saal und verausgabten sich regelrecht – so wurde der Kontrabass einmal bis fast an die Saaldecke gehoben. Die drei Herren neckten sich auch untereinander – was eine Witzelei. Mal knieten sich die beiden Frontmänner vor die Drums von Eric, mal standen sie hintereinander und mal spielten sie sich an. Dabei wurden sie in rotes und grünes Licht getaucht. Oder aber sie wurden von hinten angestrahlt, was ein tolles Szenenbild abgab. Was mich total beeindruckte, war, dass ein Song den anderen jagte und keiner davon war langsam. Der treibende Rhythmus nahm sogar noch an Fahrt auf und die drei kamen kaum außer Puste – großartig! Tommy grinste die ganze Zeit über und beim Spielen zog es witzige Gesichter – ob mit Absicht oder nicht – es war toll anzusehen. Vic hatte ebenfalls Spaß beim Musizieren – mal vor den Drums, mal schier im Tanz mit seinem Bass und mal am vorderen Bühnenrand. Die Tänze und der Pogo in den ersten Reihen wurden immer ausgelassener bei Stücken wie „Perfect“ oder „One“. „Are you having a good time?“, so die Frage von Vic. Als das lautstark bejaht wurde, meinte er: “So we. Giving up!” Während einem der Tracks tauschten Vic und Tommy auf einmal die Instrumente und bewiesen so, dass sie auch am jeweils anderen etwas drauf hatten. Und dann stand Vic auf einmal auf dem eigenen Bass und spielte Gitarre – was ein irres Bild! Ich hatte fast Angst, dass der Bass dabei zusammenbricht – aber er hielt.

Koffin Kats

Die Jungs nannten das „Special effect“. Hiernach tauschten sie die Instrumente zurück. Bei einem folgenden instrumentalen Teil eines der Lieder, hielten sie kurz inne, winkten uns mit einem „Hello“ und spielten im Anschluss beschwingt weiter. Das machte wahnsinnig Laune! Dann verrieten sie, dass ein Mitglied der Crew an diesem Abend Geburtstag hatte – „he loves Jägermeister“. Mit einem Dank an die King Morois und an Veranstalter Jim ging es weiter mit „Bottle“. Vics Stimme war echt super und beim Singen schloss er die Augen – schnelle Musik mit Gefühl. Der Kontrabass wurde auch mal einhändig auf die Schulter gehoben und dort gespielt – saucool! Die Herren kamen dann doch so langsam außer Puste und freuten sich über den Beifall: „You are absolut fantastic – thank you so much! And thank you so much Jim!“Beim letzten Stück des Sets stand Vic wieder auf seinem Bass, während er ihn im Gegenlicht spielte. Die Fans sangen “Darker” mit und alle lächelten um die Wette. Mit einem letzten „Good night“ verabschiedete sich das amerikanische Trio von uns und dann war die Bühne auch schon leer.

Koffin Kats

Das war einigen Fans aber noch nicht genug und so verlangten sie: „We want more!“ Das wurde von den Koffin Kats auch schnell erhört und so kamen sie zu einer kleinen Zugabe zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Immer noch hatten die drei Musiker Energie und tobten schon wieder los. Das war echt unfassbar! Nach drei Songs war aber auch hier dann wieder das Ende erreicht. „Once again – thank you so much!“Der Bass flog noch einmal über den Kopf von Vic und Tommy hielt die Gitarre in die Höhe. „Let’s go party“ war die abschließende Ansage und schon ließ der DJ Musik aus den Boxen dröhnen.

Damit war der Live-Teil der Psychobilly-Nacht vorbei und wir hatten wahrlich viel Freude an den Darbietungen. Diese Energie und die gute Laune waren so ansteckend – irre! Wer da nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst.Noch einmal Dank an Jim von Psychosaxony und die Alte Kaffeerösterei – wir haben uns gut versorgt gefühlt und kommen gern wieder. Also – bis zum nächsten Mal!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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