Rezension Anja Bagus – „Waldesruh“

„Waldesruh“ von Anja Bagus ist ein so genannter Aetherwelt-Roman und gleichzeitig Band 1 einer neuen Trilogie der bekannten Steampunk-Autorin aus Essen.

Doch was ist denn die Aetherwelt? Dazu gibt es direkt als Einleitung in den Roman eine sehr schöne Erklärung der Schreiberin – „Die Aetherwelt ist eine alternative Realität, in der seit der Silvesternacht vor der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert ein mysteriöser, grüner Nebel über den Gewässern aufsteigt.“ Dieser „Aether“ führt bei Mensch, Pflanze und Tier zu Veränderungen, kann als Energiequelle genutzt werden und führt zu zahllosen neuen Errungenschaften in der Welt der Technologie – so sind etwa Luftschiffe, neue Waffen und noch mehr möglich.

In dieser Welt treffen wir zu Beginn des Buches auf einen jungen Mann, der von seiner Dorfgemeinschaft verstoßen wird, weil ihm ein Geweih gewachsen ist. Als er dann in den Wald flüchtet schreitet seine Verwandlung immer weiter fort und so wird er zum Herrscher über den Wald und all darin lebenden Geschöpfen.

In Kapitel 2 lernt der Leser dann die Hauptfiguren des Romans kennen – Minerva Freifrau von Rappenfeld-Zähringen und Falk Bischoff. Das erste Aufeinandertreffen gestaltet sich eher zufällig im Wald, als Minerva Falk und seinen Chauffeur rettet, indem sie deren Wagen, einen Rolls-Royce Green Ghost, aus einem Graben herausmanövrieren kann – und das als Frau. Sichtlich beeindruckt lässt sich Falk direkt von ihr zur nahe liegenden Glashütte fahren, die er beabsichtigt zu kaufen. Dort angekommen muss er allerdings entdecken, dass ein Mord den Glasbläsermeister aus dem Leben gerissen hat. Minerva wird so indirekt in einen Kriminalfall hineingezogen, zu deren Aufklärung sie im Laufe des Buches essentiell mit beitragen kann. Doch nicht nur die Glashütte ist Ort des Geschehens. Hauptsächlich geht es hier um das Hotel „Waldesruh“, das dem Buch ja auch seinen Namen gegeben hat. Es bietet vor allem der gehobeneren Gesellschaft die Möglichkeit, sich im Herzen des Schwarzwaldes, wo das Ganze spielt, zu erholen. Alle Gäste freuen sich auf den bevorstehenden Silvesterempfang. Darunter sind die Mutter von Minerva, ein Pastor und der preußische Soldat Richard zu Kirchbronn, der im Namen des Kaisers ebenfalls die Glashütte kaufen soll, wozu er allerdings zu spät kommt. Doch auch er ermittelt dann im Falle des Toten Glasmeisters mit. Das führt zu allerlei Verwicklungen zwischen Minerva, Falk und Richard – und so wird neben krimineller Spannung auch noch ein erotisches Prickeln geboten. Die Ereignisse im Wald und im Dorf um das Hotel, die der Aether zu verantworten hat, bringen dazu noch den mystischen Charakter – der Roman bietet somit alles, was sich das Herz eines Fantasyfans von einem packenden Buch wünscht.

Die sehr bildhafte Schreibweise der Autorin, die wundervoll ausformulierten Charaktere, die den Leser zum Schmunzeln, Weinen und Seufzen bringen und die Fülle an Ereignissen, lassen dieses Werk nicht eine Minute langweilig werden. Wer genau ist dieser Erlkönig, der sich als Herr des Waldes aufführt und wer der Täuscher, was genau hat Minerva mit dem Mord und allem zu tun und wer küsst hier wen? All diese Fragen könnt ihr euch nur beantworten, wenn ihr „Waldesruh“ zur Hand nehmt und durchlest. Und ich verspreche euch – nicht nur der wahnsinnig spannende Showdown am Ende wird euch gefallen. Mit Sicherheit wird es euch dann nach der letzten Seite genauso gehen wie mir – ich möchte direkt Teil zwei der Trilogie, den „Glasberg“, lesen, der bereits beim Verlag Edition Roter Drache erschienen ist. Im Herbst gibt es dann mit „Rheingold“ auch schon den dritten und letzten Teil der Reihe zu kaufen. Ihr könnt also bald die ganze Geschichte um Minerva und alle Ereignisse in ihrer Welt in euer Buchregal stellen. Prädikat: unbedingt lesenswert!

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum: 01.10.2014

Verlag: Edition Roter Drache

Format: Broschiert, 13,6 x 2,5 x 20,5 cm / 260 Seiten

ISBN: 978-3939459842