Rezension Isa Theobald – „19 – Geschichten aus dem Dazwischen“

Isa Theobald ist Autorin, Lektorin, Übersetzerin und noch vieles mehr. Mit „19 – Geschichten aus dem Dazwischen“ hat die Saarländerin ihre erste Kurzgeschichtensammlung beim Verlag Edition Roter Drache veröffentlicht. Die Zahl 19 hat für sie eine besondere persönliche Bedeutung und selbstverständlich geht das Ganze auf Stephen King zurück, wie die Autorin selbst im Nachwort sehr offen erklärt. Das Vorwort hat Christian von Aster verfasst und schon seine Worte machen neugierig auf die vielen „kleinen Kinder“ der Isa, die über viele Jahre geboren wurden.

Die hier zusammengefassten Stories sind absolut anders und entführen den Leser in eine Welt der Fantasie, der Abgründe, des Schreckens, aber auch zu anrührenden Momenten der Liebe und Freundschaft. Mal wird es im wahrsten Sinne des Wortes „schlüpfrig“ mit einem „Tentakelporno“ und dann wieder spooky mit „Guten Tag, ich bin das Grauen“. Diese Art der Abwechslung bewirkt, dass es nicht langweilig wird, jede Geschichte mit neuer Neugier begonnen werden kann und so Spannung aufkommt. Ich möchte für euch meine drei persönlichen Favoriten genauer betrachten:

Schon der Titel von „Ohana“ ließ mich lächeln – liebe ich doch den Film „Lilo & Stitch“ sehr. „Ohana heißt Familie, und Familie heißt, niemand wird zurückgelassen oder vergessen!“ Diesen Spruch habe ich verinnerlicht und auch in dieser Geschichte wird er zitiert. Wir treffen hier Nami, ein kleines hawaiianisches Mädchen, das immer mal wieder mit ihrer Schwester Pele aneckt. Zwischen Geschwistern kracht es ja regelmäßig und auch hier ist das so. Nur die Großmutter Kikino kann vermitteln, indem sie eine alte Sage erzählt, die ebenfalls von zwei unterschiedlichen Schwestern handelt. Und wenn Jähzorn oder verletzter Stolz überhand nehmen, ist es besser sich an das wichtige im Leben zu erinnern. Zusammenhalt in der Familie besiegt alle Widrigkeiten – Recht hat Isa hier! Das ist richtig was fürs Herz!

Ganz anders geht es da bei „Die Dreimal verfluchte Maske des Shin Lan Lei“ zu. Hier lernen wir Marlowe kennen, einen Händler seltener Kostbarkeiten, und einer seiner Schätze ist sehr speziell. Die Maske, die der Geschichte auch ihren Namen gab, war so wertvoll – aber auch so absolut gefährlich – dass einem schon die Panik die Luft abschnüren konnte. Um sich vor dem Fluch dieses Kleinods zu schützen, seien angeblich wahrlich abstruse Rituale von Nöten, doch davon hielt der Händler nichts. Er wollte einfach nur nicht diesem Fluch anheim zu fallen – wichtig war es angeblich, der Maske nicht in die toten Augen zu sehen. Allerdings waren sämtliche von ihm befragte Experten anderer Meinung, woher diese Totenmaske stamme und worin der Fluch bestehe. Von einziger Bedeutung war für Marlowe, dass ER dieses Stück sein Eigen nennen konnte und nicht sein verhasster Konkurrent. Und zu nachtschlafender Zeit passiert es dann – schlaftrunken versucht er seinen Schatz noch weiter zu sichern und dann… Ich möchte euch nicht die Spannung nehmen, also lest selbst nach.

Und zu guter Letzt mein absoluter Favorit – „Die letzten Tage des Billy Munroe“. Die Story ist die längste im Buch und mit Abstand auch die spannendste. Hier geht es darum, dass Billy eine großartige blaue Murmel findet, nach der im Laufe der Geschichte immer verbissener gesucht wird. Diejenigen, die ihrer unbedingt habhaft werden wollen, gehen dafür zwar nicht direkt über Leichen, aber Menschen, die Billy und seiner besten Freundin Jenny sehr am Herzen lagen, wurden verletzt oder genauer gesagt so verändert, dass sie nicht mehr dieselben waren. Was genau mit ihnen geschah, möchte ich nicht vorwegnehmen, nur soviel – es ist grausam. Unerwartete Hilfe erhalten die beiden Kinder von einer Frau, die von allen im Dorf gefürchtet wird, sich dann aber doch als absolut liebevoll und großartig herausstellt. Immer gefährlicher wird es im Laufe der Handlung für Jenny, ihre Brüder, Billy und Mrs. Wielder-Jenkins – ich konnte gar nicht aufhören mit Lesen, bevor ich nicht wusste, ob es gut oder böse ausgeht. Vielen lieben Dank Isa, für die Erschaffung von Billy und seiner Geschichte. Davon braucht es mehr – absolut fesselnd und wunderschön!

Lange hatte ich dieses Buch auf meinem „Muss ich unbedingt mal lesen“-Stapel. Nun habe ich es endlich durchschmökern können und was soll ich sagen?! Isa Theobald hat hier eine tolle Sammlung mit 19 Kurzgeschichten geschaffen, die wahrlich abwechslungsreich und lesenswert ist. Wenn ihr also bereit seid für „Geschichten aus dem Dazwischen“, seid ihr hier genau richtig. Für jeden Geschmack ist etwas dabei – ihr macht also nichts falsch!

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum: 01.03.2018

Verlag: Edition Roter Drache

Format: 15,1x2x21,1cm / 204 Seiten broschiert

ISBN: 987-3946425397