Rezension Lina Thiede – „Homo Femininus“

Lina Thiedes Roman „Homo Femininus“ ist bereits im April beim Verlagshaus The Dandy Is Dead erschienen. Die 23-jährige Autorin erzählt in dieser Dystopie die Geschichte von drei Frauen, die in einer männerregierten alternativen Realität leben, unterschiedlichen Kasten angehören und deren Schicksale miteinander verbunden werden.

Die Welt, die Lina Thiede in ihrem Buch beschreibt, ist geprägt durch Gewalt, Sex und Brutalität. Männer haben seit gut einem halben Jahrhundert in jeder Beziehung das Sagen, Frauen sind faktisch ihrer Rechte beraubt und müssen dienen – je nachdem, welcher Kaste sie angehören, sind sie Athletas (Kämpferinnnen), Coas (Prostituierte), Creatrix (Leihmütter), Genetrix (Eizellenspenderinnen) oder Haussklavinnen und jeweils an der Farbe ihrer Iris zu erkennen.
Die Geschichte rankt sich um Becca (die Athleta), Chloe (die Coa) und Samantha (die Creatrix). Alle drei haben auf die eine oder andere Weise mit der einflussreichen Familie Attar zu tun. Becca kommt als Haussklavin zu ihnen, nachdem sie ihrem Besitzer Terry weggenommen und an die Attars verkauft wurde. Nun darf sie nicht mehr kämpfen, muss Hausarbeit verrichten oder dem Sohn Nathan in allen Beziehungen zu Willen sein, obwohl sie viel lieber mit dessen Bruder Cord Zeit verbringen würde. Der ist nämlich netter zu ihr und verlangt auch keine merkwürdigen Dinge von ihr. Auch Chloe kennt Nathan Attar, denn er ist einer ihrer Stammkunden. Dabei würde Chloe oftmals viel lieber ein Buch lesen und nicht jeden Tag von Kunde zu Kunde pendeln, um deren Wünsche zu erfüllen. Samantha hat ebenfalls eine Verbindung zu dieser Familie, denn sie ist in den dritten Bruder Jonathan verliebt und erwartet sogar ein Kind von ihm, obwohl es ihr als Creatrix eigentlich nicht gestattet ist, eine Beziehung zu einem Mann zu haben, schließlich ist sie Staatseigentum und soll nur den Nachwuchs austragen, der von Männern bestellt wurde.
Innerhalb weniger Tage gerät das Leben der drei Frauen komplett aus den Fugen, denn Samanthas verbotene Schwangerschaft betrifft alle drei in irgendeiner Form. Die Ereignisse stellen Becca, Samantha und Chloe vor Entscheidungen, in denen es am Ende nur noch ums Überleben geht.

Lina Thiedes Roman ist ein rasantes Buch voller wirklich unschöner Dinge und hat mich zum Teil entsetzt, zum Teil tief berührt und insgesamt sehr nachdenklich zurückgelassen. Frauen werden hier wie Dreck behandelt, weil in dieser alternativen Realität die Forderung nach mehr Rechten gnadenlos schief ging und die weibliche Bevölkerung nun unterdrückt und beherrscht wird. Aber sie haben auch Träume, Wünsche und ab und an sogar den Willen, ihr Dasein zu verbessern –  obwohl das kaum machbar und kein Ausweg in Sicht ist.
Doch auch die Männer in der Geschichte sind nicht immer nur gewalttätig oder rücksichtslos. Einige versuchen irgendwie das Leben der sie umgebenden Frauen erträglicher zu machen, können aber am Ende des Tages nicht aus ihrer Haut und haben auch nicht den Mut, mit den Regeln dieser Welt zu brechen, was ich persönlich zwar schade fand, aber im Gesamtkontext war es wohl zu erwarten.

Insgesamt passt der Roman, den Lina Thiede bereits mit 19 Jahren schrieb, zum Verlagshaus des Dandys. Eben, weil es kein „schönes“ Buch mit Happy End ist, sondern mit aller Härte zeigt, was passieren würde, wenn sich die Welt so entwickelt hätte. Wenn Männer das alleinige Sagen hätten und über Frauen und deren Leben bestimmen dürften. Wenn es egal wäre, ob eine Frau Gefühle hat oder nicht, ob sie Träume hat oder nicht – ob sie lebt oder stirbt. Gruselig, wenn ich das mal so sagen darf! Aber durchaus wert darüber nachzudenken und schlussendlich festzustellen, dass so eine Welt wie in „Homo Femininus“ nicht erstrebenswert ist.
Insofern ein wichtiges Buch, aber nichts für schwache Gemüter, denn manchmal hat sogar mir der Atem gestockt, obwohl ich wirklich hart im Nehmen bin. Da hatte der Begleitbrief vom Verlag wohl recht, in dem stand, dass es „ein ruppiges Buch“ sei, welches ihr euch übrigens mit Wunschcover bestellen könnt, denn passend zur Story gibt es das Auge auf dem Schutzumschlag in fünf verschiedenen Farben.

Autorin: Pitchfairy

Veröffentlichungsdatum: 01.04.2020

Verlag: The Dandy Is Dead

Format: 12,5 x 1,6 x 16,0 cm / 224 Seiten / Softcover mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3947652129