Rezension Luci van Org – „Schneewittchen und die Kunst des Tötens“

Luci van Org ist eine, wie wir wissen, sehr wandlungsfähige Frau. Dass sie nun auch Märchen schreibt, ist allerdings wieder eine neue Facette an ihr. Der Verlag U-Line hat vor einiger Zeit einen Aufruf an seine Autoren gestartet, wo jede/r die/der mochte, sich doch an einem klassischen Märchen versuchen und ihre/seine eigene Version davon für eine Art Sammlung niederschreiben sollte. Luci van Org hat nach eigener Aussage etwas gezögert und sich dann doch dazu entschieden, das klassische „Schneewittchen“ in ihrer Variante neu zu interpretieren – und wie!

Am 11.09.2015 erschien dann „Schneewittchen und die Kunst des Tötens“ und schon das Coverartwork – beigesteuert von Ingo Römling – lässt hier vermuten, dass es eine sehr andere Version sein würde – sehen wir doch da eine rote Zipfelmütze und zwei Lederpeitschen, wie sie gern einmal in einem SM-Studio verwendet werden. Eingeteilt ist die Geschichte in 14 Kapitel, die uns in zwei verschiedene Welten entführen – in die des „Schneewittchens“ und in die eines Serienmörders, der die „Kunst des Tötens“ zu perfektionieren sucht. Wie die beiden dann zusammenkommen – das möchte ich aus Spannungsgründen lieber nicht verraten.

Wer das klassische Märchen kennt, dem wird auffallen, dass alle Kapitel, die sich um Maél Enders, unseren Killer, drehen, immer mit den gleichen Zeilen beginnen – und dies sind die Originalzeilen, mit denen das klassische „Schneewittchen“ beginnt – eine schöne Verbindung. Maél selbst ist eine sehr spannende Persönlichkeit, der schon im Alter von 10 Jahren mit dem Morden begonnen hat. Nach vielen Jahren ist er immer raffinierter geworden und hier finden sich dann auch weitere Elemente aus dem Ur-Märchen wieder – der Glassarg und das „untot“ sein und vieles mehr. Die Art und Weise des Tötens finde ich persönlich allerdings echt krass – wer kommt denn bitte auf so eine Idee?

Weitere Elemente des Ausgangsmärchens finden sich dann in der Welt von Nina wieder – unserem Schneewittchen – die sehr blass ist, tiefrote Lippen hat und einen schwarzen Pagenkopf-Haarschnitt trägt. Dann treffen wir natürlich auch alle sieben Zwerge – die sind allerdings alles andere als typische Zwerge, weil es sich hier lediglich um eine Nerd-WG handelt, wo alle Mitglieder gern als Zwerg zu Cons oder LARPs gehen. Das Element des Apfels taucht auch auf und wie im klassischen Märchen, spielt er eine eher unschöne Rolle. Und was die Lederpeitschen vom Buchcover betrifft – tja, die finden sich auch wieder in der Welt von Nina, denn unser modernes Schneewittchen, das eine böse Mutter hat, die nur sich selbst liebt, lebt sich gern in harten SM-Spielchen aus. Und schon allein deswegen ist dieses Buch alles andere als jugendfrei. Die Morde tun da ihr Übriges dazu.

Immer wieder springt der Leser zwischen des Geschehnissen bei Maél und Nina hin und her und dann treffen sie aufeinander – noch einmal, ich verrate nicht wie und was dann passiert. Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Ich persönlich fand es jedenfalls sehr amüsant geschrieben und vor allem auch spannend. Die 144 Seiten sind im Nu zu Ende gewesen und gerade das Ende des Werkes ist recht überraschend – seid gespannt. Diese Variante des „Schneewittchens“ ist eine Version, die in die Bibliothek jedes Märchenliebhabers gehört – aber doch bitte eines erwachsenen Märchenliebhabers, denn Kinder bekommen davon wohl eher schlechte Träume. Danke aber an Luci für ihre Interpretation – das war sehr kurzweilig und toll. Solche Märchen sollte es viel mehr geben! Also kauft euch das gute Stück und macht euch damit eine schöne Zeit!

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum: 11.09.2015

Verlag: U-Line Verlag

Format: Broschiert, 11,8 x 1,7 x 18 cm/ 144 Seiten

ISBN: 978-3944154329