Rezension T.S. Orgel, A.S. Bottlinger, S.A. Cernohuby (Hrsg.) – „Die Hilfskräfte – Die wahren Herren des Dungeons“

Wer kennt es nicht – die Heldengruppe steuert zielsicher auf ein sagenumwobenes Gewölbe zu, in dem sich der Legende nach unfassbare Schätze befinden. Leider werden diese von diversen Fallen, Monstern und kampflustigen Ungetümen bewacht und geschützt. Nützt nix – da müssen die Helden durch, mit viel Glück überleben sie das auch und kommen mit Gold und Edelsteinen beladen (und um einige Erfahrungspunkte reicher) wieder aus dem Dungeon heraus. Und nun? Wer macht hinter ihnen sauber? Putzt die Gänge, füllt die Truhen wieder auf, spannt die Fallen neu und beseitigt die sterblichen Überreste der Glücklosen?
An dieser Stelle kommen die Protagonisten dieses Büchleins ins Spiel, denn endlich hat sich mal eine Reihe von Autoren unter der Herausgeberschaft von T.S. Orgel, S.A. Bottlinger und S.A. Cernohuby Gedanken gemacht und mit „Die Hilfskräfte – die wahren Herren des Dungeons“ den ganzen Imps, Goblins, Orks, Nekromanten und allen anderen, die so ein Gewölbe am Laufen halten, ein Denkmal gesetzt. Zeit wurde es!

Ich möchte an dieser Stelle kurz die Geschichten vorstellen, die mir am besten gefallen haben, wobei mir die Auswahl wirklich schwer fiel. Lesenswert sind sie nämlich alle. Folgt mir also in meine Lieblingsdungeons des Buches!

Christian von Aster hat sich im Buch mit der „Kerkerordnung“ befasst. Im Stil von Allgemeinen Geschäftsbedingungen erfährt der Leser, worauf beim nächsten Dungeonbesuch zu achten ist, an wen sich der Held bei Beschwerden zu wenden hat, was alles erlaubt ist und was nicht. Endlich hat’s mal jemand aufgeschrieben! Ich finde, diese Kerkerordnung sollte an jedem Verlieseingang ausgehängt werden. Nicht dass es hinterher wieder heißt, die Helden hätten nichts davon gewusst. Noch besser wäre, dieses Dokument jedem Besucher auszuhändigen und sich den Empfang quittieren zu lassen. Danke dafür!

Stephan Orgel, der neben seinem Bruder Tom Orgel auch Herausgeber des Büchleins ist, betrachtet in „Verdammte Personalabteilung“ die Sorgen der alteingesessenen Mitarbeiter, denen ständig irgendwelche neuen Praktikanten zugewiesen werden. Wenn die doch nicht so uninteressiert wären! Im vorliegenden Fall treffen wir Tim Infandil, der sich mit einem Neuen herumärgern darf, der andauernd in so eine moderne und in Tims Augen ziemlich unnütze Kommunikationsglaskugel starrt. Wie das Ganze endet, verrate ich allerdings nicht. Nur soviel – „unnütz sein“ liegt im Auge des Betrachters.
Sehr cool fand ich hier die Anleihen bei einem nicht ganz unbekannten Fantasyroman, der irgendwas mit Zwergen, Elben, Zauberern, Hobbits und einem Ring zu tun hat. Auch der eindeutige Bezug zur Realität gefiel mir gut.

Aus der Sicht von Bernd Perplies, dessen Buchreihe „Tarean“ ich schon sehr mochte, hat der Dungeon „Ein Heldenproblem“. Der Tiefengnom Umak berichtet von seinem letzten Arbeitstag, der ihn beinahe aus seiner gewohnten Routine gerissen hätte. Wer ahnt denn auch, dass eine potentiell tödliche Falle namens Heldenklatsche dem Helden – oder in diesem Fall der Heldin Riani – nicht den Garaus macht. Was hatte es mit dem bläulichen Leuchten auf sich, das der Tiefengnom gesehen hat? Sollte er der Heldin glauben? Wie schmeckt Wurmstampf eigentlich, wenn er warm ist? Fragen über Fragen, die den armen Gnom eine halbe Schicht lang beschäftigt und um ein Haar aus der Bahn geworfen haben. Aber das ist eine Geschichte für die nächste Betriebsfeier im Dungeon, über die am Ende alle herzlich lachen können, nicht wahr?!

Mit „Kopfsache“ von Melanie Vogltanz endet der Geschichtenreigen. Die Autorin begibt sich im wahrsten Sinne des Wortes ins Angesicht der Hydra mit dem schönen Namen Eve. Zumindest der erstgeborene Kopf des Ungetüms trägt diesen Namen. Ja, auch Monster haben Gefühle und denken und sprechen – mit ihrem Futtermeister zum Beispiel. Blöd nur, wenn dir dann irgendein Held den Kopf absäbelt und du plötzlich eine Körperschwester hast, die deine Fütterungsvorlieben so gar nicht teilt. Noch schlimmer wird es, wenn ein dritter Kopf hinzukommt, der sich auf Menschenfleisch statt zart gedünstete Hühnerbrust oder geräucherten Lachs spezialisiert. Die Hydra hat Glück, denn mit Raffaela als Futtermeisterin scheint die Welt wieder in Ordnung, bis… an der Stelle möchte ich nicht weiter spoilern. Lest am besten selbst nach!

Insgesamt vierzehn Autoren und Autorinnen sind in dieser Anthologie vertreten, jede Geschichte hat ihren eigenen Helden oder ihre eigene Sichtweise auf das Thema – und jede Story hat mir persönlich Spaß gemacht. Es gab Stories zum Lachen und welche zum Weinen, es durfte geschmunzelt und sich ein wenig gegruselt werden und auch die Schadenfreude kam nicht zu kurz. Alles in allem eine sehr kurzweilige Anthologie, die den Hauptdarstellern mehr als gerecht wird und in meinen Augen längst überfällig war. Und ich geh mich jetzt bei der IDO bewerben, die haben dort coole Jobs!

Ich möchte hier noch einmal aufzählen, auf wessen Geschichten ihr neben den bereits erwähnten gespannt sein dürft, als da wären: Tom Orgel, Judith & Christian Vogt, Ju Honisch, Susanne Pavlovic, Carsten Steenbergen, Robert Gates, Stephan R. Bellem, Christian Günther, Rebecca Pax und Stefan Cernohuby. Das Vorwort zum Buch hat Herausgeberin Andrea Bottlinger verfasst und am Ende des Büchleins findet ihr alle Autorenbiografien in Kurzform.

Autorin: Pitchfairy

Veröffentlichungsdatum: 31.03.2018

Verlag: Amrûn Verlag

Format: 12,6 x 2,7 x 18,5 cm / 300 Seiten / Taschenbuch

ISBN: 978-3958693548