Rezension The Dandy Is Dead präsentiert – „Basement Tales Vol. 3 – Who’s the dead person in the pool?“

Mit zwei von 13 Riso Art Prints im A3-Format kommt Teil 3 der Basement Tales daher. Gestaltet haben diese Schüler der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Für jede der 500 Ausgaben von „Who’s the dead person in the pool?“ wurden zwei der limitierten Prints zufällig ausgewählt. Neben den schicken Postern bringt das Heftchen selbstverständlich auch vier besondere Geschichten mit, die sich mit dem Tod, einem Pool und unterschiedlichen Umständen rund um diese Themen befassen. Und dieses Mal wurde es teilweise echt extrem – aber fangen wir vorn an:

Sonja Rüther legt mit „Der Pool“ direkt los. Die 11-jährige Lili und ihre Eltern ziehen in ein großes Haus, das sie gerade geerbt haben. In diesem riesigen Gebäude fühlt sich das Mädchen anfangs unwohl – sie wollte ja auch gar nicht umziehen. Also schmollt sie demonstrativ und erkundet die riesige Villa auf eigene Faust. Im Garten entdeckt sie einen Pool, der wohl lange nicht gereinigt worden ist. Laub und Algen bedecken die Wasseroberfläche und Lili beginnt darin herumzustochern. Doch dann verliert sie das Gleichgewicht und fällt hinein. Das wäre nicht allzu schlimm gewesen, aber sie konnte nicht schwimmen. Beinahe wäre sie ertrunken, doch dann packen sie kräftige Hände und heben sie aus dem Wasser. Der Mann belebt sie wieder und tröstete das völlig aufgelöst nasse Bündel. Wer war er? Es war tatsächlich ihr Vater – doch der kam doch gerade auf sie zugelaufen, um sie ins Haus zu holen. Was war da los? Ihr Retter verriet ihr, dass ER ihr richtiger Vater sei und der Mann, der sie aufgezogen hatte, nur sein Zwillingsbruder sei. Nach dieser knappen Erklärung verschwand der Mann wieder im dreckigen Wasser des Pools. Moment – das war zu viel für sie! Im Laufe der Geschichte wird es noch verwirrender und es gibt sogar ein alternatives Ende ab Seite 57. Ich persönlich bin mir noch nicht sicher, welches Ende ich mir lieber wünschen würde für Lili – beide sind irgendwie gruselig und nicht sehr zufriedenstellend – für welches würdet ihr euch entscheiden? Lest es nach und lasst es mich wissen.

Weiter geht es dann mit „Aus einem Brief Shakespeares an einen Freund“ von Hans Gerhard. Er entführt uns in eine Welt, in der Zombies zu einem Problem geworden sind. Die Toten stehen nach einigen Stunden wieder auf und wandeln umher. Allerdings fallen sie die Lebenden nicht an, sondern sind eher nur lästig. Hervorgerufen wird dieser Zustand durch einen Parasiten, der sich aber wohl zu entwickeln scheint, denn die Zombies können sich immer weiter fortbewegen. Die Menschen in der Geschichte diskutieren darüber, ob und wie dieser Seuche Einhalt geboten werden könnte. Ein Brief von Shakespeare soll wohl eine Lösung bieten, doch gefunden hat diese Zeilen bisher noch niemand. Einige glauben sogar, dass das alles nur Irrglaube ist und es gar keine Rettung gibt. Die Toten müssten am besten verbrannt werden, jedoch sind Brennmaterial und Benzin Mangelware. In Texas wird angeblich an einer Art Impfung gegen diese Erreger gearbeitet und einzelne Figuren der Erzählung machen sich auf den Weg dahin. Am Ende der Story könnt ihr euch gemeinsam mit diesen mutigen Recken auf den Weg machen, denn Hans hat für die Hauptfiguren kurze Charakterzusammenstellungen aufgeschrieben – inklusive der Werte für Intelligenz, Körperkraft und Lebensenergie. Die Rollenspieler unter euch sollten also sofort ihre Würfel hervorholen und die Ereignisse selbst weiter ausspielen – was für eine abgefahrene Idee.

Juma Kliebenstein ist die nächste im Autoren-Bunde. „A Game of Chance“ ist wie eine Art Tagebuch aufgebaut, denn es werden Ereignisse mit Datum und Zeitangabe aufgezählt, die anfangs noch alle für sich stehen, aber im Laufe der Geschichte wird klar, dass sie sich alle untereinander bedingen und zusammenhängen. Den Anfang macht die Beschreibung eines Tatorts, an dem ein toter Mann in einem Pool liegt – was ihm wohl zugestoßen sein mag?! Er ist vermutlich betrunken ins Wasser gefallen und dann ertrunken – oder doch nicht? Neben dem Toten treibt außerdem ein roter Gummiball. Was hat der zu bedeuten? Im Teil 2 der Geschichte trifft der Leser auf einen Sanitäter, der sich um einen toten Mann auf dem Gehweg kümmern sollte. In der Nähe liegt ein roter Ball. Der dritte Teil erklärt, woher dieser Ball stammt – Jason hat ihn geschenkt bekommen von seiner Mama. Die beiden sind allein, denn der Vater des Jungen ist leider gestorben. Sie haben Geldsorgen, aber der Ball war drin. Jason freut sich riesig, aber plötzlich fällt das neue Spielzeug aus dem Fenster. Gemeinsam suchen sie den Ball und finden ihn, gemeinsam mit einem Lottoschein. Auf gut Glück gingen sie diesen dann einlösen – und – wer hätte das gedacht – die beiden haben gewonnen – viel! Nun hatten sie keine Sorgen mehr. Den Ball verschenkt Jason an Kinder auf dem Spielplatz, denn „der bringt Glück“. Ja schon, aber nur wer ihn richtig behandelt, dem fliegt das Glück zu. Welche Art und Weise die richtige ist – das möchte ich hier nicht spoilern. Da müsst ihr schon selbst nachschmökern.

Mit M.H. Steinmetz ist dann der vierte Schreiberling an der Reihe, seine Gedanken um einen Pool und den Tod an den Leser zu bringen. In „Janice’s Body“ geht um Peggy-Sue, die ein Hautproblem hat. Immer juckt es überall und sie kratzt und beißt sich am ganzen Körper mehr als wund. Alles hatte sie schon versucht, um diesem Problem Herr werden zu können, doch bisher blieb alles ohne Erfolg. Doch dann war sie in einem Okkultladen und hat sich für 100 Dollar „ein neues Leben“ gekauft. Was es genau damit auf sich hatte, erfährt der Leser im Laufe der Ereignisse. Peggy-Sue hatte Janice getroffen. Janice’s Körper ist makellos und sie riecht immer so toll. Die beiden haben eine Nacht zusammen verbracht und Peggy-Sue ist absolut verliebt. Ihre Geliebte wartete im Pool auf sie und so duschte sie heiß, besorgte in der Küche kalte Getränke und ging nach draußen. Dort wartete Janice im Wasser auf sie – zumindest in Peggy-Sue’s Gedanken tat sie das, denn Janice hatte keine andere Wahl. War sie doch in der Nacht erschlagen worden und schwamm nun tot im Wasser herum. Peggy-Sue nahm ihr Wundersalbe aus dem Laden für Okkultismus her und begann, die Haut von Janice zu schälen… Ob sie wirklich ein neues Leben gewonnen hatte mit dieser Aktion – es bleibt spannend und ich verrate nichts.

Dieses Mal waren die vier Geschichten sehr blutig und es gab viel mehr Tote als noch in den Vorgängern der Basement Tales. „Die Heftreihe für den sonderbaren Geschmack“ macht hier ihrem Namen alle Ehre. Alle drei Monate erscheint ein neues Heftchen und Teil 4 kann bereits vorbestellt werden. Ich hatte dieses Mal so meine Probleme mit den Inhalten, war es mir zum Teil doch etwas zu eklig – aber das ist ja zum Glück Geschmackssache. Lasst euch ruhig auf die Pool-Erzählungen ein – Unterhaltung wird auf jeden Fall geboten, aber ob ihr dann noch schlafen könnt…?! Findet es heraus.

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum: 01.03.2019

Verlag: The Dandy Is Dead

Format: A5 Broschüre / 64 Seiten

ISBN: 978-3-947652-07-5