Rezension Thomas Sabottka – „Tremendista“

Was ist ein Tremendista? – Da möchte ich gern direkt aus der Begriffserklärung im Roman zitieren: „Ein pathetischer Torero, der mit Effekten zu beeindrucken versucht.“

Hat denn Thomas Sabottka über einen Torero geschrieben? Nein – sein Titelheld Manuel ist ein Mann aus Berlin, der in diesem vorliegenden Werk von seinen zwei großen Lieben erzählt. Wie es ihm mit der Liebe im Leben ergangen ist und was ihn geformt hat. In einer sehr ungewöhnlichen Art und Weise hält Manuel mit dem Leser Zwiegespräch, während er seine Erlebnisse schildert.

In der DDR aufgewachsen ist da zunächst Juliane – seine erste große Liebe. Alles ist schön, sie sind glücklich, bis äußere Umstände das junge Glück platzen lassen. Was genau passiert, möchte ich aus dramaturgischen Gründen nicht vorwegnehmen. Manuel lebt also weiter und nach mehreren Erfahrungen mit verschiedenen Frauen, lernt er Katja kennen – seine Traumfrau, wie sich herausstellt. Doch auch hier gibt es Hürden, die gemeinsam nicht überwunden werden können. Und so flüchtet er im Sattel seines Motorrades nach Spanien, um alles zu vergessen. Wie dieses Ausbrechen verläuft und was es ihm bringt – das alles sollte jeder Leser für sich selbst erfahren, denn ich möchte die Spannung nicht verderben. Wobei es in der vorliegenden Neuauflage zwei verschiedene Enden gibt.

Thomas Sabottka hat bei der Überarbeitung einen alternativen Schluss zugefügt, wobei aus seiner Sicht beide Varianten ihre Berechtigung haben – und so sehe ich das auch. Je nachdem wie der Leser beschaffen ist, kann er oder sie sich entscheiden, welche Version für ihn oder sie die schönere ist. Das ist doch mal was, denn wo gibt es heute noch die Möglichkeit zu „Wünsch dir was!“

Doch was hat nun der Roman-Titel mit Manuel zu tun? Der Aufbau des Buches entspricht mit seinen drei Kapiteln den drei großen Phasen eines Stierkampfes – Primer Tercio, Segunda Tercio und Tercer Tercio. Der Titelheld versucht in seinem Leben immer die Rolle des Matadoren zu spielen, der geliebt wird, der begeistert und in jedem Kampf die Oberhand behält. Doch irgendwann muss er feststellen, dass er wohl immer auf der falschen Seite der Muleta (das rote Tuch, mit dem der Stier gereizt wird) stand.

Was mir besonders an diesem Buch gefallen hat, ist, dass Manuel den Leser immer wieder aus der Ich-Perspektive heraus direkt anspricht, als ob er einem gegenübersitzen würde, während er aus seinem Leben erzählt. Die sehr bildhafte und offene Sprache des Autors machte es mir besonders leicht, mich in die vielen verschiedenen Situationen hinein zu versetzen – sei es die Landschaftsbeschreibungen, die Bettszenen oder auch die Szenen des Leidens oder der Freude. So kam nie Langeweile beim Lesen auf.

Ich empfehle, diese Neuauflage, des 2006 erstmals erschienenen Buches, auf jeden Fall zu lesen.

Autor: Scratchcat

Veröffentlichungsdatum:

Verlag: Periplaneta Verlag

Format: Softcover, 19×13,5cm / 260 Seiten

ISBN: 978-3-940767-77-6