Saltatio Mortis: Zirkus Zeitgeist-Tour 2015 04.12.2015 Haus Auensee Leipzig

Nach mittlerweile eineinhalb Jahren, in denen Saltatio Mortis durch Deutschland tourten, Leipzig aber nicht beehrten, war es nun endlich soweit: Die Spielleute kehrten wieder in das Haus Auensee ein. Mit im Gepäck hatten die acht Jungs die Frankfurter Mittelalter-Rocker von Nachtgeschrei. Während die Mehrheit der Leipziger sich bei fast frühlingshaften Temperaturen durch die überfüllten Gassen des Weihnachtsmarktes schoben, pilgerte eine große Anzahl von mittelalterlich- und kuttenbekleideten Menschen via Bus und Bahn zum idyllischen Auensee. Einige unter ihnen mit einer Bemalung im Gesicht, die an die Bemalung des „Zirkus Zeitgeist“ Clowns und der Spielleute von Saltatio Mortis zum gleichnamigen aktuellen Album erinnerten. Pünktlich um 19.00 Uhr am Abend des 04.12.2015 öffneten sich die Tore zu den Konzerthallen und die Konzertbesucher fädelten sich in ihrer Schlange ein. Wem dennoch zu viel Trubel am Einlass herrschte, vertrieb sich die Wartezeit an einem Bierwagen mit eins, zwei Becherchen flüssigen Hopfengetränks. Der Innenraum war auch bis kurz vor Konzertbeginn nicht vollends gefüllt, was jedoch den Fans in den ersten Reihen nicht das Geringste ausmachte. Wer schnell war, holte sich noch ein aktuelles Tourshirt vom Merchandise-Stand und mischte sich unters Volk. Unter ihnen auch zahlreiche Anhänger anderer Bands wie Slayer, die erst ein paar Wochen vorher Leipzig beehrten. Das Publikum war nicht nur musikgeschmacksmäßig, sondern auch altersmäßig bunt durchmischt.

Nachtgeschrei
Nachtgeschrei

Auch zu Beginn des Supportacts Nachtgeschrei war der Saal noch nicht komplett gefüllt, was die übrigen Besucher nicht stören sollte. Mit dem Intro „Kerberos“ und dem anschließenden Titel „Eden“ betraten die Frankfurter um Sänger Martin LeMar zu ihrem vorletzten Konzert der Tour die Bühne. Auf die Frage von Drehleierspielerin Lauren „Lui“ Weser „Geht es euch gut? Ihr steht auf Dudelsäcke? Auch auf Metal?“ hatte das Publikum nur eine Antwort. Die Zuschauer zeigten es entweder mit lauten Zustimmungsrufen, gestreckten Pommesgabeln oder auch mit einem beherzten Schluck Bier als mentale Einstimmung auf den nächsten Song. Die Mehrzahl der Fans hatte dann doch etwas Bewegungsmangel und tanzte bei „Monster“ im Vierviertel-Takt mit oder sie schwangen das Haupthaar von links nach rechts. Immer wieder ließ die Band das Saallicht auf die Konzertbesucher schwenken, damit sie die Begeisterung nicht nur hören, sondern auch einmal sehen konnten. Spätestens bei „Das Nichts“ klatschte auch der letzte im Saal und antworte auf LeMars Aufforderung beherzt mit „Und springe in’s Nichts!“. Im Interlude spielten Drehleier und Dudelsack so harmonisch miteinander, dass Lui und Nik schon fast in Trance mit ihrem Instrument interagierten. Insgesamt promoteten Nachtgeschrei vorrangig ihr neues Album „Staub und Schatten“ und spielten nur sehr weniger Lieder vergangener Scheiben. Ab 18.03.2016 sind sie jedoch auf eigener Tour und machen dabei auch Halt im Hellraiser in Leipzig. Dort haben sie dann auch etwas mehr Zeit, um einige ruhigere Stücke zu spielen – so versprach die Band. Im Vordergrund stand an diesem Tag jedoch das Einstimmen auf Saltatio Mortis, was Nachtgeschrei immer wieder durch entsprechendes Animieren des Publikums gelang. Die Band ließ dem Auditorium kaum Erholungspausen, wie auch bei „Windstill“, bei dem die Konzertbesucher nach der Frage „Hört ihr mich?“ beherzt mit einem „Hey“ oder „Ja“ entgegen grölten. Mit „Schlaflos“ und den Worten „[… ] ich will nicht, dass es enden muss […]“ war die Spielzeit für Nachtgeschrei doch wie im Fluge vergangen und wer nicht genug kriegen konnte, hatte nach einer kurzen Pause noch die Möglichkeit, die Musiker am Merchandise-Stand zu treffen.

Saltatio Mortis
Saltatio Mortis

Der Rest holte sich während des Umbaus Nachschub an der Bar, unterhielt sich mit seinem Nachbarn oder verteidigte einfach nur eisern seinen Platz. Sie wussten ja alle nicht, was für ein Hammer-Set auf sie zukommen sollte. Kurz vor Beginn erklang auf einmal ein lauter Gong, wie es normalerweise Theatergänger von bald beginnenden Vorstellungen kennen. Nicht nur das Bühnenbild der „Zirkus Zeitgeist“-Tour stimmte, sondern auch das Drumherum. Der zweite Gong ertönte und das Publikum wurde darauf hingewiesen, dass die Vorstellung demnächst beginnen würde. Aufregung machte sich breit und der Saal verdunkelte sich. Die Manege füllte sich mit den Spielleuten von Saltatio Mortis, die vorher immer wieder mit Rufen aus dem Publikum aufgefordert wurden, die Vorführung beginnen zu lassen. Und so ließen sie sich nicht lange bitten und fragten sogleich: „Wo sind die Clowns?“ Einige geschminkte Besucher passten perfekt in die Szene und erwiderten sogleich, in dem sie mit gestreckten Armen auf sich aufmerksam machten. Nach einer kurzen Begrüßung und dem Bekenntnis, Leipzig nun schon seit fast zwei Jahren nicht mehr beehrt zu haben, wies Schlagzeuger Lasterbalk der Lästerliche auf die anstehende Weihnachtszeit hin. Ursprünglich als Protestsong geschrieben, passte der folgende Song nun umso besser: Mit „Willkommen in der Weihnachtszeit“ konnte wohl jeder Weihnachtsmuffel und Grinch auf Weihnachten eingestimmt werden, wenn auch auf eine humoristische Weise. „Wachstum über alles“ mit seinen mittlerweile mehr als drei Millionen Youtube-Klicks und „Des Bänkers neue Kleider“ sollten den ersten Akt der Vorstellung abrunden. Luzi das L ließ schon nach dem dritten Lied die Hüllen fallen. Ob es an dem Bühnenlicht oder dem angeheizten Publikum lag, lässt sich nur spekulieren. Zeit zum Erholen blieb Publikum und Darstellern in einem kurzen, ruhigen Intermezzo in Form des Liedes „Nachts weinen die Soldaten“.

Saltatio Mortis
Saltatio Mortis

Zuvor machte sich Sänger Alea jedoch noch für die Mädels in der ersten Reihe stark: „Nein, du bist nicht der Held!“ und meinte damit offensichtlich einen Rüpel, der sich mit allen Mitteln und Schikanen bis nach ganz Form durchgedrängelt hatte. Das Publikum jubelte und klatschte für Aleas Bekundung zu mehr Solidarität und gegenseitiger Rücksichtnahme. Dies nahm die Zuhörerschaft zum Anlass und hob die Arme in die Höhe, um ein winkendes Meer zu simulieren, während El Silbadors Haar im Wind des Ventilators wehte, er die Augen schloss und den Moment genoss. Kurz danach hielt Schlagzeuger Lasterbalk eine Rede gegen den von Pegida, Legida und Co. wieder aufstrebenden Nationalsozialismus, was sich thematisch in dem Lied „Wir sind Papst“ widerspiegelt. Der Song entstand während der letzten Fußball-WM und Lasterbalk erklärte, wie verpackt das Lied daherkomme. Neben der Feierei solle aber auch nicht die Geschichte vergessen werden. Als weiteres Zeichen der Solidarität und Toleranz legten die Konzertbesucher im nachfolgenden Lied „Koma“ die Arme auf die Schultern des Nachbarn, sangen lautstark den Refrain „Halt mich fest, halt mich feeeest!“ mit und sprangen gemeinsam im Takt, dass die Wände des Haus Auensee zu wackeln begannen. Folgend übernahm Alea das Wort und erinnerte sich an den letzten Besuch in Leipzig. Keyboarder Jean Méchant, genannt der Tambour, konnte damals nicht mit dabei sein, wofür er Beileidsbekundungen vom Publikum erhielt. Zu „Erinnerung“ schwelgte so jeder in seinem ganz eigenen Moment mit oder ohne Saltio Mortis. Auch an diesen Abend sollten sich Band wie Konzertbesucher noch lange erinnern. Auch wenn früher alles besser war, floss das ein oder andere alkoholische Getränk auf der Bühne, schließlich war Leipzig die vorletzte Station der „Zirkus Zeitgeist“-Tour 2015.

So hauten die Spielleute insgesamt fünf Zugaben raus und wurden zwischendurch immer wieder mit lauten Zugabe-Rufen, Pfeifen und Klatschen auf die Bühne zurückbeordert. Nach diesem ausdauernden Abend konnte das Publikum auch einen kleinen Texthänger beim „Rattenfänger“ verschmerzen und halfen mit lauten Gesängen aus, so dass Alea wieder zurück ins Lied fand. Auch Saltatio Mortis versprachen nach einem fulminanten Finale, hinterher am Merchandise-Stand vorbeizuschauen, um den Abend gemeinsam mit den Fans ausklingen zu lassen. Das Rausschmeißerlied „Krawall und Remmi Demmi“ sollte natürlich nicht wörtlich genommen werden und so verließen die Besucher geordnet, singend und tanzend den Saal. Ein Teil wartete geduldig auf die Musiker am Merchandise-Stand, der andere Teil verschwand in der nebligen Nacht des weihnachtlich illuminierten Leipzigs.

Autor & Photos: Mistifly

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