Silly: Wutfänger Open Air 2018 31.08.2018 Wasserschloss Klaffenbach Chemnitz

Im Sommer 2018 lud Silly zu ihrer „Wutfänger Open Air 2018“-Tour ein. Am 31.08.2018 machte der Tross im schönen Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz Station. Und da wir Anna und ihr Jungs lange nicht live erlebt haben, wollten wir uns diesen Abend auf keinen Fall entgehen lassen. Pünktlich zum Einlass waren wir vor Ort und schnell füllte sich der Hof des Schlosses.

Max Prosa

Im Vorprogramm war der Liedermacher Max Prosa dabei, der ganz unaufgeregt die Bühne betrat, nach seiner Gitarre griff und mit „Flügel“ los legte. Am Klavier hatte er Andy dabei, der ihn auch gesanglich unterstützte. Die Zweistimmigkeit klang sehr gut – überhaupt war der Sound hier recht gelungen. „Hallo, einen schönen guten Abend – ich bin Max Prosa“, so seine Begrüßung. Als Songwriter erzähle er Geschichten, so seine Ausführung, und er hatte für uns eine Story mitgebracht über zwei Menschen – es ging um eine Beziehung, die am Ende doch in Liebe gipfelte. Während er sang, lächelte der Sänger die ganze Zeit und zeitweise sang er mit geschlossenen Augen – er fühlte seine Texte. Der Applaus war ganz gut und weiter ging es mit „Die Sonne scheint“, obwohl es an diesem Tag in Klaffenbach recht bedeckt war am Himmel. Max war selbst etwas melancholisch, weil dieser Abend das vorerst letzte gemeinsame Konzert mit Silly war, wo sich doch alle gerade erst genauer kennengelernt hatten. Diese Melancholie legte er in seine Stimme beim Singen. Zwischendrin kündigte er sein kommendes Album an und er stellte auch sein Buch vor, das Gedichte enthält. Eines davon – das „Puzzlestück“ – las er auch direkt als kleiner Vorgeschmack vor.

Max Prosa

Der Sänger wollte auch einen kleinen Kommentar zur aktuellen Situation in Chemnitz loswerden und sagte knapp: „Danke an alle, die dabei waren – ihr habt das gut gemacht.“ Gemeint waren hier die Demonstranten, die friedlich für Toleranz auf die Straße gegangen waren – zumindest habe ich Max Prosa so verstanden. Es gab hier einen Szenenapplaus, bevor „Ikonen“ erklang. Andy hauchte die zweite Stimme oftmals nur ins Mikrofon, aber das reichte für die Stimmung der Lieder vollkommen aus. Auch sein Klavierspiel kam gut an, genauso wie die Gitarrenklänge von Max. Mit einem Leonard Cohen-Cover, zu dem Max einen eigenen Text geschrieben hatte, ging der Auftritt dann auch schon zu Ende. Die Rede ist natürlich von „Hallelujah“, bei dem das Publikum den Refrain mitsang, was gut klang. Am Schluss wünschte uns der Liedermacher noch „viel Spaß mit Silly“ und mit einer Verbeugung und Winken verabschiedeten sich die beiden Berliner von uns.

Silly

Dann wurde etwas umgebaut auf der Bühne und allmählich wurden die Zuschauer ungeduldig – es wurde immer mal wieder geklatscht. Und endlich erklang das Intro – „Dreh dich um und sieh nach vorn“. Dann kamen auch alle Musiker einzeln nach vorn und wurden mit Jubelrufen empfangen. „Bleib Mensch“ sagte das Intro und dann kam auch Frontfrau Anna hervor. Der Sound war auch hier großartig und schon erklang „Kampflos“. Anfangs hatte Anna einen Effekt auf der Stimme, was klasse wirkte. Auch die Herren der Formation sangen alle mit – so entstand ein schöner Chor. Und auf einmal flogen zahlreiche bunte Luftballons über den ersten Reihen, die nach und nach über die Massen vor der Bühne wanderten – ein schönes Bild. Anschließend zog die Sängerin ihre Jacke aus und wirbelte auf der Stage hin und her, während sie „Zwischen den Zeilen“ darbot. Beim Refrain griff sie außerdem zum Megaphon. Die Lichtshow war toll anzusehen. Immer wieder wurden einzelne Musiker direkt angestrahlt oder aber der Mikrofonständer von Anna leuchtete selbst. Fans und Sängerin tanzten hier schon um die Wette. „Hallo Chemnitz – hallo Klaffenbach“, so die knappe Begrüßung. Zu „Die Anderen“ stand sie mal bei Bassist Jäcki und mal bei Gitarrist Uwe und sang mit ihnen einige Zeilen. Dann ließ sie auch die Zuschauer singen, was aber erst nach einigen Aufmunterungsworten durch die Band gut funktionierte. Uwe genoss hier außerdem sein Solo, wobei er durch die Scheinwerfer toll in Szene gesetzt wurde. „Viele von uns verbindet etwas – ein Gefühl von Heimat“ – dieses Gefühl wurde im Klassiker „Verlorene Kinder“ besungen und die Fans freuten sich. Das war der erste Gänsehaut-Moment des Abends. Ihm sollten noch einige folgen. Anna stand kaum still – mal tanzte sie und mal war sie bei Kollege Ritchie und sang mit ihm.

Silly

Als dann auch noch „Bataillon d’amour“ angestimmt wurde, nahm die Stimmung endlich etwas Fahrt auf – an diesem Freitagabend waren die Zuschauer wohl noch etwas schwerfällig vom Alltag, der nun endlich von ihnen abfiel. Jäcki sorgte für Begeisterungsrufe, als er die Melodie des Songs auf seinem Bass spielte. Rote und blaue Lichtkegel wanderten hier zwischen den Musikern über die Bühne und am Ende saß Drummer Ronny in einer Art Stern aus Licht. Dann verschwanden auf einmal alle von der Stage – nur Ritchie blieb an seinem Klavier zurück. In einem grünen Lichtstrahl saß er da und spielte ganz versunken an seinem Instrument. Dann kamen die anderen wieder hervor und stiegen mit ein und gemeinsam kam „Die Furcht der Fische“ dabei heraus. Einige Zuschauer sangen hier wieder mit. „Regenbogenmond“ hatte etwas Startschwierigkeiten, denn Anna verpasste ihren Einsatz. Diese Unterbrechung nutzte sie dann, um ein paar Worte dazu zu verlieren, dass „Frauen was ganz Besonderes“ sind und „man muss die Schwächeren beschützen“. Das wurde lautstark bejubelt und dann konnte das Lied doch noch gut gestartet werden. Beim nächsten Track patzte Uwe dann mit seinem Einsatz – so war jeder mal dran. Bei „Das haben wir erlebt“ wurde schließlich im Takt mitgeklatscht, was die Band glücklich machte. Im Anschluss wurde ein wenig umgebaut, denn die Band hatte einige Songs im akustischen Kleid auf Lager. Die Pause nutzte Anna dazu, doch ein paar Worte zur aktuellen Lage im Ort zu sagen. Dabei war sie aber nicht ausufernd. Sie meinte knapp zusammengefasst „Gegen ist immer Scheiße! – Wir finden eure Stadt toll! – Lasst euch nicht unterkriegen!“ Dafür gab es einen tosenden Applaus und dann erklang der akustische „Wutfänger“. Ihm folgte – „Nein sagen ist schwer!“ – die Rede ist selbstverständlich von „Ich sag nicht Ja“, wobei die Fans wieder die Rolle des Chors beim Refrain übernehmen mussten. Zwischen den Stücken plapperte die Sängerin immer wieder drauf los und redete sich, nach eigener Aussage, „um den Verstand“.

Silly

Nach so einem „Ausbruch“ stimmte sie „Deine Stärken“ an, wo der mehrstimmige Gesang der Formation für Verzückung beim Auditorium sorgte. Hiernach gab es für alle Anwesenden ein kleines „Gastgeschenk aus Berlin“ – „Mont Klamott“ in einer neuen akustischen Version, die dann aber mit einem schnellen Instrumentenwechsel von akustisch auf elektronisch verstärkt wechselte. Das war echt beeindruckend und die Arme im Publikum waren oben. Später folgte ein weiteres Bonbon aus dem Fundus der Band – „Schlohweißer Tag“ wurde mit blauem und grünem Licht begleitet und Anna tanzte wieder ausgelassen zu den eigenen Klängen. Auch Jäcki und Uwe standen nicht still und wechselten mal hierhin und mal dorthin. Mit „Willkommen in der Gemeinschaft“ erfuhr auch noch der Letzte, wer da auf der Bühne alles gab, denn Anna stellte ihre Kollegen einzeln namentlich vor, während das Lied vom Rhythmus her in die Reggae-Ecke wechselte. Zu diesem Beat wippte das Publikum mit und beklatschte jeden einzelnen kräftig. Uwe, der „mit der Gitarre singen“ kann, tobte sich aus – „Wir sind so geil!“. Nach diesem Spektakel ging das Set seinem Ende zu. „Wo fang ich an“ passte zwar nicht so ganz zum Abschluss, aber nichtsdestotrotz gab Ritchie noch einmal richtig Gas, wobei er angeleuchtet wurde. Es wurde geklatscht und auch mitgesungen. „Wir danken euch – passt auf euch auf“, so die verabschiedenden Worte von der Frontfrau. Gemeinschaftlich verbeugten sich die Musiker am Ende noch und winkten uns zu.

Silly

Dieses Ende war aber noch nicht im Sinne der Fans. Schnell wurde nach einer Zugabe gerufen und die Band ließ sich auch nicht lange bitten. Uwe kam allein hervor, griff zur Akustikgitarre und stellte sein Können unter Beweis. Dann kamen nach und nach Drummer Ronny, Daniel, Herr Petereit, Jäcki und Ritchie dazu und dann schlussendlich auch Anna. Das ergab ein tolles Bild und so legten sie zu „Mein Vaterland“ los. Der Applaus war riesig – „Es war sehr schön bei euch.“ „Alles rot“ wurde dann zu einem wahren Epos, denn bei passendem roten Licht wechselte Anna ans Klavier, Ritchie kam mit Gitarre nach vorn und dann wurde es instrumental auf die Spitze getrieben. Immer wieder legte Uwe noch eine Solosequenz oben drauf und jeder gab sein ganzes Können zum Besten. Die Menge tobte und nach gefühlten 10 Minuten war dann doch die letzte Note verklungen. Was für ein Spektakel! Wahnsinn! Eine letzte Zugabe ließ die Spielzeit noch zu, denn wegen der Anwohner musste zu einer bestimmten Uhrzeit Schluss sein. Dieses letzte Stück widmete Silly dem getöteten Daniel, der in Chemnitz einer der Gründe für die Ausschreitungen war. „Atme“ sangen die Fans mit.

Mit dieser tollen Geste verabschiedete sich die Formation von ihren Fans und wir hörten die letzten Töne während wir bereits auf dem Weg zu unserem Auto waren. Es war wirklich toll und wir hatten einen schönen Abend. Die Stimmung hätte noch ein wenig ausgelassener sein können, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Band sah zufrieden und glücklich aus und allein das zählt. Wir danken für die Musik und die lieben Worte von Anna. Bis bald mal wieder!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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