Slayer: Repentless-Tour 2015 08.11.2015 Haus Auensee Leipzig

Bereits auf dem Summer Breeze im August lief der Teaser zum neu erscheinenden Album „Repentless“ hoch und runter. Am 8.11.2015 starteten die Mitbegründer und Urgesteine des Thrash-Metals Slayer ihre Tournee im Haus Auensee in Leipzig. Als Unterstützung nahmen sie ihre Wegbegleiter Anthrax sowie die Norweger Kvelertak mit. Doch bis zum Beginn mussten sich die Fans am Eingang länger gedulden. Wer nicht mit Bus und Bahn zum Veranstaltungsort pilgerte, ließ sich kurzerhand mit einem eigens gecharterten Bus bis vor die gut bewachten Tore karren. Die langen Einlasskontrollen vertrieben sich die meist bärtigen und mit Kutten bekleideten Fans bei einem gepflegten Fläschchen Bier und immer wieder werden „Slaaaaaayeeeer“-Rufe laut.

Kvelertak
Kvelertak

Aufgrund der ausführlichen Leibesvisitationen füllte sich der Konzertraum nur spärlich, so dass die Norweger von Kvelertak um Sänger Erlend Hjelvik vor nur halb gefülltem Haus spielten. Einige Fans, die es nicht zum Konzertbeginn in das Gebäude geschafft hatten, riefen lautstark, dass sie rein wollen, woraufhin die Security-Leute etwas mehr Gas beim Abtasten und Durchsuchen gaben. Doch für einige Kvelertak Fans war dies dennoch nicht schnell genug, so dass sie unruhig im Chor riefen: „Wir wollen rein“. Viel genützt hat es leider nicht, da die Band trotzdem anfing zu spielen. Zum Intro „Åpenbaring“ kam die Band auf die Bühne und begann ihre Show. Oberkörperfrei und mit einem riesigen, flauschigen, ausgestopften Eulenkopfteil bekleidet, schwebte Hjelvik über die Stage und heizte zusammen mit seinen fünf Bandkollegen mit einem Mix aus Punk-Rock, Rock‘n‘Roll und Metal das Publikum an. Ihre Songtexte schreibt und interpretiert die Band ausschließlich in Norwegisch, so auch „Bruane Brenn“, was es den weniger eingefleischten Konzertbesuchern eher schwer machte, ordentlich mitzugrölen. Der Wechsel von melodischen und rockigen Gitarrenparts sowie der volle Körpereinsatz der Band ließ das Publikum jedoch trotzdem zahlreiche Metalfäuste und Pommesgabeln in die Luft strecken. Der ein oder andere erwärmte auch schon einmal seine Nackenmuskulatur und schwang die langlodige Pracht. Nach einer guten dreiviertel Stunde leiteten Kvelertak zum letzten Song über und stimmten mit „Are you ready for Anthrax and Slayer?“ das Publikum noch einmal lautstark auf die nun folgenden Legenden ein.

Anthrax
Anthrax

Mittlerweile hatte sich das Haus ein weiteres Stück gefüllt und an den Bars herrschte reges Treiben. Währenddessen huschten die Roadies über die Bühne, schoben Mikrofonständer hin und her und platzierten das Schlagezug an seinen vorgesehenen Ort. Die New Yorker Band Anthrax, um den wieder eingestellten Sänger Joey Belladonna, ließ sich auch nicht lange bitten und das Publikum fand sich sofort „Caught in a Mosh“. Äußerlich hat sich Belladonna über die Jahrzehnte nicht verändert: Sein wohl bekanntestes Markenzeichen, seine schwarzen langen Locken und seinen portablen Mikrofonständer, wusste er gekonnt einzusetzen. Auch das ein oder andere Späßchen erlaubte sich der Sänger mit dem Publikum: „You’re waiting for something?“. Damit spielte er auch auf das in 2016 neu erscheinende Album „For all Kings“ an, auf das die Fans nun insgesamt fünf Jahr warten mussten. Um das Warten zu verkürzen und bei den Fans die Vorfreude zu steigern, schmetterten die Metaller auch gleich einen neuen Song: „Evil Twin“. Gitarrist und letztes Gründungsmitglied der Band Scott Ian schien sich dabei nahezu in Trance zu spielen, während er sein Solo schmetterte. Immer wieder hielt Belladonna sein Mikro in die Menge, welche begeistert im Chor mit „No More“ zurückschallte. Von musikalischer Müdigkeit war bei der Band noch lange nichts zu sehen, so kraftvoll wie die Herren in die Saiten und auf das Schlagezug hauten, Joey Belladonnas Stimmchen war dabei auch nicht zu verachten. Zwischen den Reihen der Fans sah ich zwei sich zufrieden zunickende junge Männer, daneben drei Herren in den Fünfzigern, die sich zurufen: „Besser geht’s nicht“. Als hätte es der Sänger gehört, antwortet er lautstark: „Your’re fucking crazy“, worauf der Publikum sofort zum folgenden Song losklatscht und sich die nächsten Crowd-Surfer in das Meer der Menge stürzten. Mit dem Klassiker „Long Live Rock ‘n‘ Roll“ verabschiedete sich die Band unter tosendem Applaus und lauten „Zugabe“-Rufen in den Backstage Bereich, ohne sich eine Zugabe entlocken zu lassen.

Slayer
Slayer

Während des Umbaus wurde nun auf einmal ein riesengroßer weißer Vorhang von der Decke gelassen, was die Spannung der Konzertbesucher noch einmal mehr steigerte. Wer auf dem Weg zur Bar war, um noch einmal Nachschub zum Stimmeölen zu holen, drehte sich ganz erschrocken um, als die Menge laut „Ahhh“ und „Oooh“ rief. Mittlerweile war das Haus Auensee so gefüllt, dass es kaum ein Durchdringen gab – schließlich war das Konzert ausverkauft. Noch ein kurzes Lichtsignal der Securities an die Ton- und Lichttechniker, die sogleich das Saallicht dimmten, ein Knall und schon fiel der Vorhang. Bevor der Besucher der Band so richtig zujubeln konnte, wanderten die Blicke zuerst zur Decke, von der vier große umgedrehte Kreuze hingen, die beliebig gekippt wurden. Im Hintergrund war ein flächenfüllendes Banner im Stile des aktuellen Album Covers „Repentless“ zu sehen. Bassist und Sänger Tom Araya schien zunächst wie in Starre versetzt, als er die jubelnde Menge vor sich sah. Er hielt einen Moment inne, bevor er auf die tausenden „Slaaaaaayeeeer“-Rufe schließlich mit „Are you ready?“ antwortete und Schlagzeuger Paul Bostaph das Signal zum Einstiegssong „Delusions of Savour“ gab. Sogleich erstreckten sich unzählige Pommesgabeln in die Luft, gestandene Männer imitierten Kerry Kings Gitarrenriffs und schüttelten dabei ihre Köpfe als gäbe es kein Morgen mehr. Die Urgesteine des Thrash-Metals ließen ihren Fans keinerlei Zeit, sich zu erholen und rauschten durch 34 Jahre Bandgeschichte. Da sich Tom aufgrund einer Bandscheibenoperation im Halsbereich etwas schonen musste, huschten die beiden Gitarrenspieler King und Holt umso mehr über die Bühne, bangten was die Nackenmuskulatur hergab, streckten immer wieder ihre Gitarre in die Luft und heizten der Menge ordentlich ein. Wer trotz aller Anstrengungen keinen optimalen Blick auf die Spielkünste der Band erhaschen konnte, kletterte kurzerhand an der abgesperrten Treppe des Balkons hinauf und hielt sich mit aller Kraft fest, um die vier Kalifornier in Aktion zu sehen. Nachdem sich die Band in typischer oben-drauf Manier durch ihre zwölf Alben gespielt hatte, wurden immer mehr „Angel of Death“-Rufe laut. Doch bis es zum letzten Song des Abends kommen sollte, bedankte sich Araya bei dem Publikum für den Wahnsinns-Tourauftakt und kündigte die letzten Songs an: „Now the never ending search for a truth never told will be followed and I shall reign in blood!“ Gemeint waren natürlich die Songs „South of Heaven“ und „Raining Blood“, welche die Band mit immer noch der gleichen Begeisterung und Passion wie zu Beginn des Konzertes in die Menge katapultierte. Dabei mobilisierten die Slayer-Fans noch einmal alle Kraftreserven, um ihrer Lieblingsband gebührend zu huldigen.

Autor & Photos: Mistifly

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