The Creepshow: Death At My Door-Tour 12.10.2019 Club Puschkin Dresden

Mit einer Mischung aus Psychobilly und Punk stehen The Creepshow aus Kanada schon lange für energiegeladene Liveshows und auch wir wollten uns einmal davon überzeugen. Am 12.10.2019 war es dann endlich im Club Puschkin in Dresden soweit.

The Anti-Queens

Zuerst dachten wir ja, der Abend würde ein wenig karg ausfallen, was die Zuschauerfülle angeht, doch nach und nach kamen doch noch zahlreiche Fans herein und füllten die Fläche vor der niedrigen Bühne. Das war ein Glück, denn so konnte die Vorband The Anti-Queens vor einer feierwütigen Menge auftreten. Als Intro lief der Leslie Gore-Klassiker „You don’t own me“ und schon standen Emily, Valerie, Dallas und Taylor bereit, um uns einzuheizen. Die drei Gitarristinnen standen vor den Drums von Dallas und dann ging es in die Vollen. Frontfrau Emily hatte beim Singen immer wieder die Haare im Gesicht, weil sie so ausgelassen herumsprang oder bangte. Dabei sah sie in ihrem Outfit mit Strapsen durchaus heiß aus. Bassistin Taylor trug ein schickes Kleid und groovte gut los. Der Sound war ganz in Ordnung und der Dreck, den Emily in der Stimme hatte, machte einen besonderen Reiz an der Musik aus.

The Anti-Queens

„Thank you for being with us tonight“, so die knappe Begrüßung zwischen den Stücken. Bei „Sorry Babe“ wurden die Mädels in rotes Licht getaucht, während Valerie ein irres Gitarrensolo hinlegte. Währenddessen rockten Emily und Taylor gemeinsam ab. Die Texte der Damen handelten zum Teil von erfundenen Begebenheiten, doch die ein oder andere „true story“ war auch dabei. Die Zuschauer ließen sich von der Energie der Kanadierinnen mitreißen und so wurde mitgewippt und getanzt. Die drei Damen an den Saiten waren super aufeinander eingespielt und so hielten sie auch mal alle gemeinsam ihr Instrument in die Höhe, die dabei fast die niedrige Raumdecke streiften. Der dreistimmige Gesang war immer wieder ein Ohrenschmeichler, so auch bei „Leave me out“, bei dem Dallas alles gab. Sie bekam dann auch ihren besonderen Moment, als sie ihr Drumsolo im Stück „Game over“ darbot – sehr beeindruckend.

The Anti-Queens

Das Publikum ging voll ab und klatschte im Takt mit. Der Gig in Dresden war der letzte gemeinsame Abend auf der Tour mit The Creepshow und Emily war froh, erst jetzt krank zu werden – „Thank God“. Ihre Stimme machte aber noch alles mit und so konnte sie zu den schnellen Rhythmen noch einmal alles geben. Eine coole Bassline leitete das nächste Lied ein und immer wieder standen die drei Damen bei ihrer Kollegin am Schlagzeug, um sich gegenseitig anzufeuern. Mal zweistimmig und mal dreistimmig – es klang immer super. Und die Rhythmuswechsel in den Tracks kamen gut an beim Auditorium. Mit einem Augenzwinkern kündigte die Sängerin schließlich an, dass sie auch Stück über ihre üblen Erfahrungen auf Tinder im Set hätten – darin ging es um die „small dick“ der Herren, die wohl zu viel versprochen hatten. Das war sehr lustig. Dann wechselte Emily mit Valerie das Mikrofon und die Gitarristin sang für einen Song, was ebenfalls mit viel Beifall bedacht wurde.

The Anti-Queens

Ihre Kolleginnen teilten sich hier ein Mikrofon und bildeten so den kleinen Background-Chor. Valerie war so wild, das ihre Locken, die sie zu Beginn der Show noch schmückten, nun alle glatt waren, während sie ihre Haare im Kreis umherwirbelte.Mit einem großen Dankeschön an The Creepshow – „you’re fucking unbelievable“, an ihren Manager, den Busfahrer und an die Zuschauer ging es weiter im Set. Kenda, die Frontfrau von The Creepshow stürmte hier die Bühne und rockte mit den Damen gemeinsam. Danach kam auch Gitarrist Chuck vom Headliner hinzu und spielte Emilys Part bei „Worse than Death“, während diese alles am Mikrofon gab. Als die letzte Note gespielt war, meinte die Sängerin zufrieden „Thank you guys so much – we love you!“ Und schon waren sie und ihre Kolleginnen verschwunden.

The Anti-Queens

„One more song“ forderte das Publikum und The Anti-Queens kamen diesem Wunsch gern nach. Noch einmal griffen die vier Mädels zu ihren Instrumenten und den Drumsticks und verausgabten sich ein letztes Mal so richtig. Am Ende schrie die Frontfrau ihre Zeilen nur so raus. Selbstverständlich ließen sie sich auch nicht die Gelegenheit nehmen, ein Bild mit dem Publikum zu schießen. Gesagt, getan, doch dann hieß es wirklich Abschied nehmen. Mit einer abschließenden Einladung an den Merch-Stand und an die Bar winkten die vier uns zu und schon wurde schnell für den Headliner umgebaut.

The Creepshow

Schnell war alles bereit und das Publikum wartete schon ungeduldig. Dann erklang das Intro zur „Death At My Door“-Tour und Kenda und ihre Jungs stürmten die Bretter, die die Welt bedeuten. Und sofort schwappte die Energie von der Bühne in den Zuschauerraum – „Run for your life“ ließ alle direkt lostanzen. „Wie geht’s Dresden?“ Kontrabass-Spieler Sickboy war eher der Coole und rockte vor sich hin. Die zweite Stimme von Keyboarder McGinty war anfangs leider etwas leise, doch das wurde glücklicherweise schnell behoben. Gitarrist Chuck war gut drauf, wie wir ja schon zuvor bei seinem Gastauftritt gesehen hatten, und spielte mal am vorderen Bühnenrand und mal im Hintergrund bei Drummer Alejandro. Kenda war wild und stieg kurzerhand auf den Kontrabass, um dort ihre Zeilen zu singen.

The Creepshow

Danach zog sie ihre Jacke aus, griff zur Gitarre und stimmte das nächste Stück an. Beim Spielen ging sie auch schon mal auf die Knie. Der mehrstimmige Gesang war hier nun ein echter Hinhörer und das kurze The Ramones-Zwischenspiel „Hey ho, let’s go“ klappte super – es wurde laut mitgesungen. Sie ließen ihren Fans kaum eine Verschnaufpause, denn ein Lied folgte direkt dem nächsten – was für eine Energie. Doch die Zuschauer fanden das eher toll und sangen die Textzeilen lauthals mit. Getanzt wurde außerdem ausgelassen. Auch die Sängerin schwang das Tanzbein und meinte beeindruckt: „We love you Dresden.“ Und sofort stimmte sie „Creatures of the night“ an, wobei sie auch mal am Bühnenrand einzelne Zuschauer in den ersten Reihen ansang. Dabei grinste sie übers ganze Gesicht und ihre gute Laune war echt ansteckend. Chuck lief immer wieder hin und her, auch wenn auf der Stage kaum noch Platz war. Die Stimmung hätte kaum besser sein können. Der Meinung war auch die Frontfrau: „This is the best way to end the tour.” Dafür gab es einen extra-kräftigen Applaus.

The Creepshow

Das Licht war rot, passend zum Text, denn es ging um Blut. Die Arme waren oben und alle feierten eine tolle Party. Mit einem Dank an die Vorband ging es fix weiter im Set. MyGinty sang hier mit Inbrunst mit und Chuck stand kaum einen Moment still – genauso wie Kenda. Vor und auf der Stage flogen die Haare. „It’s so good to be back“, so die Sängerin und schließlich meinte sie: „I’d like to tell you a little story”. Beim folgenden Lied stand sie oft im Dunkeln – das Licht war insgesamt echt nicht so optimal, denn die Musiker bewegten sich so viel, dass die Scheinwerfer oftmals eher die falschen Ecken auf der Stage in Szene setzten – schade. Chuck und Sickboy stellten sich immer wieder zusammen auf und rockten so ab. Auch die Frontfrau gesellte sich gern dazu und so hatten sie gemeinsam ihren Spaß, was ihnen echt anzusehen war. Bei „Grave Diggers“ legte Sickboy seinen Kontrabass sogar einmal auf Kendas Kopf ab und spielte ihn dabei – das nenne ich mal gegenseitiges Vertrauen. Kaum anzudenken, was passiert wäre, wenn ihm dabei die Kraft ausgegangen wäre, denn sicher lag nicht das ganze Gewicht des großen Instrumentes auf ihrem zarten Hals. Die Rhythmen animierten die Fans immer wieder zum Mitklatschen.

The Creepshow

Hiernach betrat Emily von The Anti-Queens noch einmal die Bühne, denn sie unterstützte die Band bei „The Garden“ an der Akustikgitarre. Das war „the first time“, dass sie das Stück live mitspielte, doch es klappte ohne Fehler. Am Ende sang sie sogar eine der Strophen und wurde dafür von The Creepshow und den Zuschauern bejubelt. Weiter ging es schließlich mit „Hellbound“, wo jede Textzeile im Saal mitgebrüllt wurde. Alle Mädels der Vorband kamen hier mit auf die Stage, um zu tanzen und zu feiern. Dabei stellten sie den Text des Refrains pantomimisch dar – das war echt lustig. Dann war es auf einmal stockdunkel im Raum. Die Lampen wurden langsam wieder hell und der Titelsong der Tournee „Death At My Door“ wurde angestimmt. Sickboy gab hier ein cooles Bass-Solo währenddessen Kenda abtanzte. Und weil sie gerade so dabei war, fragte sie: „Who’s in the mood to dance?“ Und schon war sie bei den Fans in den ersten Reihen und sang von dort aus. Gemeinsam wurde selbstverständlich auch getanzt.

The Creepshow

Auch Chuck begab sich näher zu den Zuschauern und stellte sich beim Spielen von „Sticks & Stones“ auf die kleine Treppe, die zur Bühne hoch führte. Wieder flogen Haare und der Beifall war groß. Schnell folgte „See you in hell“, wo es noch wilder wurde, auch wenn das kaum ging. Sickboy saß fast auf seinem Kontrabass beim Spielen – das sah schon irre aus. Kenda hatte ihre Freude und trieb mit ihren Kollegen kleine Späßchen und am Ende waren überall die Fäuste erhoben im Takt der Musik. Zwischen den Stücken stellte sie immer wieder einen ihrer Mitmusiker namentlich vor – am Ende der Show hatte sie alle durch. Auch dankte sie allen Mitwirkenden – auch „our family“ The Anti-Queens wurde mit lieben Worten bedacht. Ihre raue Stimme war toll und so wurde auch „Demon lover“ zu einem Highlight im Set. Es wurde mitgesungen und im Takt gesprungen. McGinty ging hier richtig ab und tanzte hinter seinen Tasten. Mit Headbanging und lauten Fangesängen, die „Hell yeah“ mitbrüllten, ging die Show dann ihrem Ende entgegen. Mit einem Winken verabschiedeten sich die Kanadier und Schluss war.

The Creepshow

Oder doch noch nicht?! „One more Song“-Rufe erklangen und die Band kam schnell wieder nach vorn. Mit einem „Dankeschön“ bedankte sich die beeindruckte Sängerin beim Publikum. Es wurde nun Zeit für einen „slowdance“. Mit einer Ballade ging es also in die Verlängerung.

Wir hatten aber keine Energie mehr und machten uns auf den Heimweg. Das große Finale überließen wir somit den Dresdner Fans und wir sind sicher, dass es großartig war. Uns hat dieser Abend extrem gut gefallen und wir hoffen, das unbedingt einmal wiederholen zu können. Soviel Energie und Spielfreude erlebten wir selten auf einer Bühne – mehr davon!

Autor: Scratchcat

Photos: Pyro

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